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Die Deutfchen Dokumente zum Kriegsausbruch
1914
Herausgegeben im Auftrage des Auswärtigen Amtes
Diese mit dem Reichsadler versehene Sonderausgabe wird ausschließlich für die VERTRIEBSSTELLE FÜR NATIONAL-LITERATUR in Berlin-Schöneberg, Wexstraße 2, hergestellt und allein von ihr in ihren eigenen Originaleinbänden vertrieben. Durch den Buchhandel ist diese Ausgabe nicht zu beziehen.
Die
Deutschen Dokumente
zum Kriegsausbruch
1914
Herausgegeben im Auftrage des Auswärtigen Amtes
19 2 1
DEUTSCHE VERLÄGSGESELLSCHÄFT FÜR POLITIK UND GESCHICHTE M. b. H. IN BERLIN W8
V
Erster Band
Vom Attentat in Sarajevo
bis zum Eintreffen der
serbifchen Antwortnote
. in Berlin
nebst einigen Dokumenten
aus den vorhergehenden
Wochen
19 2 1
DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHÄFT FÜR POLITIK UND GESCHICHTE M. b. H. IN BERLIN W8
2. Auflage 31. bis 70. Tausend
Alle Rechte, besonders das der Übersetzung vorbehalten
Für Rußland auf Grund der deutsch-russischen Übereinkunft
Amerikanisches Copyright 1919 by
Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte
m.b.H. in Berlin W 8
Gedruckt in der Reichsdruckerei
^ROLD B.LEE LIBRARY
««OHAM YOUNO UNIVBWITV
PROVO. UTAH
Das vorliegende Werk bildet die vollständige Sammlung der von
Karl Kautsky
im Winter 1918/19 zusammengestellten amt- lichen Aktenstücke. Sie wurden im Auftrage des Auswärtigen Amtes nach gemeinsamer Durchsicht mit Karl Kautsky im Dezember 1919 mit einigen Ergänzungen herausgegeben von
Graf Max Montgelas und Prof. Walter Schücking
Inhaltsübersicht der vier Bände
Bandl
Vom Attentat in Sarajevo bis zum Eintreffen der serbischen Antwortnote
in Berlin nebst einigen Dokumenten aus den vorhergehenden Woclien Vorbemerkungen
Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band I Aktenstücke Nr. 1 bis 278
Bandn
Vom Eintreffen der serbisclien Antwortnote in Berlin bis zum Bekannt- werden der russisclien allgemeinen Mobilmachung
Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band II Aktenstücke Nr. 279 bis 479
Band 111
Vom Bekanntwerden der russischen allgemeinen Mobilmachung bis zur Kriegserklärung an Frankreich
Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band lU
Aktenstücke Nr. 480 bis 734c
Band IV
Von der Kriegserklärung an Frankreich bis z u r Kriegserklärung Österreich« Ungarns an RufSland
Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band IV Aktenstücke Nr. 735 bis 879
Anhang zu Band IV
Enthalt u, a. den Dreibundvertrag. den ösferreichisch-ungarisch-rumänischen Bündnisvertrag nebst deutscher Akzessionserkiärung, femer Berichte, Telegramme und Telephon- gespräche der bayrischen Gesandtschaft in Berlin
Namenverzeichnis
Nach Absendern geordnetes Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Telegrammnummern
Vorbemerkungen
I. Allgemeines
Im November 1918 erhielt Karl Kautsky von der Volksregierung den Auftrag, die auf die Vorgeschichte des Weltkrieges bezüglichen Akten des Auswärtigen Amtes zu sammeln und herauszugeben. Die Sammlung und Ordnimg des Materials wurde von Karl Kautsky mit Unterstützung von Dr. Gustav Meyer Anfang Mai 1919 abgeschlossen. Von den anderen Hilfskräften hatte einen ganz hervorragenden An- teil an der Arbeit der vom Direktorium der Staatsarchive dem Auswärtigen Amt auf dessen Ersuchen zur Verfügung gestellte Archivar beim Geheimen Staatsarchiv Dr. Hermann Meyer, dessen fachmännische Spuren der Leser überall wahrnehmen wird. Von Februar bis Mai arbeiteten noch mit Dr. Richard Wolff und Frl. Nora Stiebel, cand. bist.
Die zeitweise hinausgeschobene Publikation der Akten wurde später vom Gesamtministerium dem General Grafen Max Montgelas und Professor Dr. Walter Schücking übertragen und Anfang September ds. Js. in Angriff genommen. Die Arbeitsteilung zwischen beiden war ursprünglich so gedacht, daß Professor Schücking die Urkunden vom Morde von Sarajevo bis zur russischen Ge- samtmobilmachung, Graf Montgelas die Schriftstücke von diesem Ereignisse bis zur Kriegserklärung Englands durcharbeiten sollte. Wenn auch in der Hauptsache so verfahren wurde, so stellte sich doch heraus, daß aus inneren und äußeren Gründen eine getrennte Publikation nach verschiedenen Zeiträumen imtunhch war. Denn die diplomatischen Verhandlungen dauern noch über den Zeitpunkt der allgemeinen russischen Mobilmachung fort, auch hätte bei einer Teilung der Publikation manches Beiwerk doppelt gemacht werden müssen. Die beiden Herausgeber haben sich deshalb geeinigt, nach einheitlichen Grundsätzen die Arbeit zusammen zu veröffentlichen.
Niemand wird leugnen, daß die politischen Ereignisse der letzten Wochen vor Kriegsausbruch in engem historischen Zusammenhange mit der gesamten politischen Weltlage stehen. Infolgedessen wurde vom Kabinett Auftrag gegeben, auch die Urkunden zu sammeln, die zum Studium der entfernteren Vorgeschichte des Weltkrieges erforderlich sind. Die Unterzeichneten konnten es aber nicht für
XII
oder nach dem »Konzepte« oder nach der »Entzifferung« des Qiiffrier- büros usw., angeführt wird.
Die Unterschriften sind bei schriftlichen Berichten so wieder- gegeben, wie der Absender tatsächhch zu zeichnen pflegte, z. B. »v. Bethmann Hollweg, F. Pourtales« ; bei Telegrammen wurde jedoch nur der Familienname ohne jeden Zusatz abgedruckt.
111. Reihenfolge der Aktenstücke
Für die Reihenfolge der Aktenstücke wurde eine streng chronologische Anordnung gewählt. Für alle Nummern, bei denen die genaue Zeit der Absendimg vom Auswärtigen Amt zum Haupt- telegraphenamt oder der Ankunft im Auswärtigen Amt (Chiffrierbüro) bekannt ist, war diese Zeit maßgebend. Dabei ist freiUch zu be- rücksichtigen, daß z. B. ein Ziffemtelegramm, das ii" vorm. zum Telegraphenamt gesandt wurde, im Entwurf vielleicht schon um lo" fertiggestellt war, somit früher als ein um lo" eingehendes Ziffem- telegramm entziffert und gelesen sein konnte. Femer kann ein dringendes oder ein kurzes Zifferntelegramm, das lo" zur Station getragen wurde, später entworfen sein, als ein nicht dringendes oder langes Ziffemtelegramm, das erst lo^^ vom Auswärtigen Amt abgesandt worden ist. Endlich konnten die Bearbeiter nicht dauernd ohne jede Ruhepause im Amt tätig sein, so daß auch manche wich- tigen Eingänge stundenlang vmerledigt bleiben mußten. Eine Be- rücksichtigung aller dieser Umstände war nicht möghch; ein Versuch, darauf einzugehen, konnte die Anordnimg der Reihenfolge leicht willkürlich gestalten. Die Herausgeber haben es daher vorgezogen, schematisch die Zeiten des Eingangs im Auswärtigen Amt usw. und der Absendung von dort zur Grundlage der Reihenfolge zu wählen. Bei den Telegrammen usw. des Kaisers waren jedoch die Zeiten des Abgangs vom Hoflager oder der Ankunft dort maßgebend. Zu beachten ist noch, daß die Abgänge aus Petersburg usw. nach osteuropäischer Zeit — i Stunde vor der mitteleuropäischen — die aus Paris, London usw. nach westeuropäischer Zeit — i Stunde nach der mitteleuropäischen — angegeben sind.
Aktenstücke, die nicht Telegramme sind, werden im Auswärtigen Amt nur mit dem Eingangsvermerk »vorm.« oder »nachm.« versehen. Die Einreihung solcher Nummern ist daher, soweit sich nicht aus anderen Stücken indirekt weitere Anhaltspunkte ergeben haben, nur annähernd genau. Dazu kommt, daß gerade besonders wichtige Eingänge oft sofort bearbeitet und erst erheblich später im Journal eingetragen und mit Eingangsvermerk versehen worden sind.
XIII
IV. Anmerkungen
Der Umfang der Anmerkungen erklärt sich aus dem Bestreben, bei den dem hiesigen Auswärtigen Amt entstammenden wichtigen Schriftstücken die ursprüngliche Fassung dort anzugeben, wo es sich um materielle Änderungen auch von nur geringfügiger Bedeutung handelt. Denn für die entscheidenden Ideengänge der Urheber solcher wichtigen Schriftstücke und deren Sinnesrichtung verdient auch die ursprüngliche Fassung des Entwurfs Berücksichtigung. Die Nennung des Namens desjenigen, von dessen Hand der Entwurf eines politischen Dokuments herrührt, ist freilich nur die Feststellung einer äußerlichen Tatsache und braucht durchaus nicht zu bedeuten, daß der betreffende Beamte auch der wahre geistige Urheber des jeweiligen Schrift- stücks ist. Die Möglichkeit liegt nahe, daß, wenn es sich um eine nachgeordnete Stelle handelt, der äußere Urheber das Schriftstück nach den Weisungen entworfen hat, die ihm von anderer Seite erteilt worden waren. Der Entwurf kann aber auch der Niederschlag einer gemeinsamen Beratung imd Besprechung mehrerer beteiligter Beamten sein.
Bei Schriftstücken, die schon in früheren deutschen Weißbüchern ganz oder teilweise veröffentücht sind, wurde auf die betreffende Stelle des Weißbuchs hingewiesen. In dieser Sammlvmg sind alle Dokumente ganz wortgetreu mitgeteilt, während bei dem früheren Abdruck zur Wahrung des Chiffriergeheimnisses eine allgemein übliche Umstellung stattgefunden hatte. Auf die Bimtbücher der anderen Staaten ist jedoch nur ausnahmsweise Bezug genommen.
V. Randbemerkungen
Von Kautsky sind auch die Randglossen des Kaisers mit in den Abdruck der diplomatischen Urkunden aufgenommen worden. Welche grundsätzhche Bedeutung ihnen für den Gang der Ereignisse beizumessen ist, kann an dieser Stelle nicht untersucht werden. Ge- legentlich ergibt sich aus den Akten selbst, daß die Randverfügungen zu spät eintrafen, mn für die Entscheidung noch irgendwie verwertet werden zu können. In anderen Fällen ergeben die Akten, daß es sich um Weisungen handelt, die nicht zui Ausführung gelangt sind. Sehr häufig handelt es sich offensichtlich nur um den Ausdruck momentaner Stimmungen. Zur Erleichterung der Prüfung, welchen Einfluß irgendeine kaiserhche Meinungsäußerung gehabt haben könnte, ist regelmäßig ver- merkt, wann das betreffende Aktenstück mit den Randnoten zur amt- Uchen Stelle zurückgesandt wurde, oder wann die Noten sonst der zu- ständigen Berliner Stelle zur Kenntnis gekommen sind. Die Randbemer- kungen des Kaisers und die von ihm bei der Lektüre unterstrichenen
XIV
Worte oder Sätze sind durch abweichenden Druck in lateinischer Kursivschrift, z. B. Petersburg kenntlich gemacht, während die vom Verfasser eines Schriftstückes selbst hervorgehobenen Stellen durch Sperrdruck bezeichnet sind.
VI. Akten der Botschaften, Gesandtschaften und militärischen Stellen
Die Ende September eingeforderten Akten der deutschen Botschaft in Wien konnten wenigstens noch soweit verwertet werden, daß nach ihnen Unstimmigkeiten zwischen den Entzifferungen des Auswärtigen Amts und den Wiener Originalen berichtigt und die genauen Ankunftszeiten der von Berlin nach Wien gesandten Depeschen mitgeteilt wurden. Wichtig für den Forscher sind die Wiener Akten be- sonders deshalb, weil der damalige Botschafter mehrfach die Art der Er- ledigung der ihm von Berlin erteilten Weisungen und die Antworten des Wiener Kabinetts dazu in kurzen handschriftlichen Notizen ver- merkt hat.
Eine Übersicht der letzten Ereignisse, die von der Botschaft in Petersburg gefertigt wurde, war schon frülier von Kautsky in den Anhang aufgenommen worden.
Die von der bayerischen Gesandtschaft in Berlin den Herausgebern zur Verfügung gestellten 35 Berichte, Telegramme und Telephongespräche sind wegen ihrer Wichtigkeit im Anhang beigefügt.
Dagegen war eine Bearbeitung der Akten des früheren Kriegs- ministeriums und Reichsmarineamts sowie General- und Admiral- stabs bei der knapp bemessenen Zeit nicht mögUch,
VII. Schlußbemerhung
Die Herausgeber verschließen sich nicht der Tatsache, daß erfahrungsgemäß in den Akten nicht alles enthalten ist, was unter den beteihgten Personen verhandelt wurde. Es gehört schon in innerstaatlichen Angelegenheiten zur Routine der Verwaltimg, daß gerade besonders dehkate Angelegenheiten zunächst in Privat- briefen zwischen den beteiligten Personen besprochen werden. Dieser Brauch, den der Historiker sehr beklagen wird, dürfte aus nahehegenden Gründen auch in Angelegenheiten der auswärtigen Verwaltung eine bedeutsame Rolle gespielt haben. Solche Privat- briefe können sich in die Akten verlieren, brauchen es aber nicht. Für die vorhegende Pubhkation haben die Unterzeichneten eine Reihe von Privatbriefen in den Akten vorgefunden.
Sodann spielt heute bei der Behandlung der auswärtigen An- gelegenheiten auch das Telephongespräch eine gewisse Rolle ;
XV
vgl. hierzu Nr. 441, 465 und 468 sowie Anhang IV. Es ist jedoch nicht festzustellen, ob außerdem noch andere Telephongespräche nach auswärts geführt wurden.
Regelmäßige Aufzeichnungen über mündliche Verhandlungen, auch über solche zwischen dem Auswärtigen Amt und den fremden Diplomaten, haben nicht stattgefunden. Der Inhalt solcher Ver- handlungen spiegelt sich freilich häufig in den Weisungen und Be- nachrichtigungen an die ausländischen Vertreter Deutschlands. Auch ein eigentlicher Tagesbericht wie in dem k. u. k. IVIinisterium des Äußeren in Wien wurde in Berhn nicht geführt. Aus den dar- gelegten Gründen muß es auch dahingestellt bleiben, ob nicht die Lückenhaftigkeit der beim Auswärtigen Amt eingelaufenen mili- tari sehen Situationsberichte des Generalstabs aus den kri- tischen Tagen sich dadurch erklärt, daß der Inhalt der fehlenden Berichte mündlich vorgetragen wurde.
Abgesehen von diesen Lücken würde sich eine völlige Aufhellung aller Vorgänge nur dann erreichen lassen, wenn die ehemals feind- lichen Staaten sich entschließen könnten, mit derselben rückhaltlosen Offenheit ihre Urkunden dem Publikum der ganzen Welt vorzulegen, wie es die deutsche und die österreichische Republik getan haben.
Berhn, Anfang November 1919
Graf Max Montgelas Dr. Walter Schücking
Anhang zu den Vorbemerkungen
Der Hofzug Kaiser Wilhelms ist am 6. Juli 9 ^^ vorm. von Station Wildpark nach Kiel abgegangen. (Auswärtiges Amt A. S. 2 1 38/ 1 1. Oktober 1919 vorm.}
Das Tagebuch des Hoffouriers (Auswärtiges Amt A. 26078/1. Oktober 1919) verzeichnet weder am 5. noch am 6. Juli eine »Beratung militärischer Stellen«.
Den beiden Flügeladjutanten vom Dienst ist eine Beratung militärischer Stellen am 5. oder 6. Juli nicht bekannt (Auswärtiges Amt: A. S. 2140/1 1. Ok- tober 1919 vorm. und'A. S. 2167/17. Oktober 1919 vorm.).
Ferner berichten:
Freiherr von dem Busse he (Auswärtiges Amt A. 27230/16. Oktober 1919) »Leider kann ich mich nicht an die Quelle erinnern. Vielleicht Müller. Datum der Aufzeichnung könnte möglicherweise meine Erinnerung auffrischen. Auch denkbar, daß ich Quelle irrigerweise als zuverlässig bezeichnet habe.«
XVI
Admiral von Müller (Auswärtiges Amt A. 28205/28. Oktober 1919 nachm.)
Dem Auswärtigen Amt
• Ich kann nicht der Gewährsmann des Frhr. v. d. Bussche sein. Mein Tagebuch enthält nichts über einen solchen Vortrag, der doch wohl in den Tagen vom 29. 6. bis 6. 7. 14 (Anwesenheit Sr. M. im Neuen Palais vor der Nordlandsreise) stattgefunden haben mußte. Am 6. Juli früh hat aber der von Admiral von Gapelle erwähnte Vortrag stattgefunden.«
v. Müller
Admiral von Gapelle (Auswärtiges Amt A. S. 21 39/11. Oktober 191 9)
Baden-Baden, den 8. Oktober 19 19
»Am Montag, den 6. Juli 1914, zwischen 7 und 8 Uhr morgens erhielt ich als stellvertretender Staatssekretär — Großadmiral v.Tirpitz war auf Urlaub — die telephonische Aufforderung, sofort zum Kaiser Wilhelm ins Neue Palais zu kommen.
Ich traf den Kaiser im Garten reisefertig zum Antritt der Nord- landreise. Der Kaiser ging mit mir noch eine kurze Zeit auf und ab und erzählte mir kurz von den Vorkommnissen am gestrigen Sonntag. Er fügte nach meiner Erinnerung dem Sinne nach un- gefähr Folgendes hinzu (private oder amtliche Aufzeichnungen hier- über aus damaliger Zeit sind wohl nicht vorhanden): Er glaube nicht an größere kriegerische Verwicklungen. Der Zar werde sich in diesem Falle nach seiner Ansicht nicht auf Seite der Prinzen- mörder sjellen. Außerdem seien Rußland und Frankreich nicht kriegsbereit. — England erwähnte der Kaiser nicht. — Auf Rat des Reichskanzlers werde er, um keine Beunruhigung zu schaffen, die Nordlandreise antreten. Immerhin wolle er mir von der gespannten Situation Mitteilung machen, damit ich mir das Weitere überlegen könne.
Eine Beratung militärischer Stellen hat nach Vorstehendem in Potsdam am 6. Juli nicht stattgefunden, da der Kaiser unmittelbar nach der Rücksprache mit mir die Reise nach Kiel antrat.
Admiral z. D. v. Gap eile
General der Infanterie von Bertrab
(Auswärtiges Amt A. S. 2194/22. Oktober 19 19)
Berlin, den 20. Oktober i9[i9]
Dem Auswärtigen Amt
erwidere ich sehr ergebenst, 4aß am 6. Juli 14 S. M. der leiser mich persönlich ohne Zeugen über seine Auffassung der durch die Maß- nahmen Österreichs geschafiienen Lage orientiert hat, damit ich, als damals ältester in Berün anwesender Offizier des Generalstabes
XVII
den in Karlsbad weilenden Chef des Generalstabes darüber infor- miere. Anwesend waren im Hintergrunde I. M. die Kaiserin, ein Adjutant und ein Lakai. Unmittelbar vorher sprach S. M. — offen- bar zum gleichen Zwecke mit einem MarmeolHzier, ebenfalls unter 4 Augen, der sich sofort nach der Besprechung entfernte. Nachdem der Kaiser mich entlassen hatte, bestieg er sein Auto zum Antritt seiner Nordlandreise. Anordnungen wurden weder während noch im Anschluß an die Unterredung getroffen. S. M. betonte sogar, daß er es nicht für nötig erachte, bes. Anordnungen zu treffen, da er an ernste Verwickelungen aus Veranlassung des Sarajevoer Verbrechens nicht glaube.
V. B er trab. Gen. d. Int.
Generalleutnant Grat Waldersee (Auswärtiges Amt A. S. 2215/25. Oktober 1919)
Auf die Anfrage vom 23. d. M. ^^^ beehre ich mich Nach- stehendes zu erwidern:
Am Morgen des 8. Juli 1914 teilte mir Generalleutnant von Bertrab, Chef der Landesaufnahme, mit, er sei während meiner kurzen Abwesenheit vom Chef des Militärkabinetts nach Potsdam zu Sr. M. dem Kaiser befohlen worden. Dieser habe ihm zur Mit- teilung an den Chef des Generalstabes — General von Moltke weilte damals in Karlsbad — eröffnet, daß er, der Kaiser, dem Kaiser Franz Joseph zugesagt habe, mit_ der deutschen Macht hinter ihm zu stehen, wenn aus dem seitens Österreich-Ungarns geplanten Vor- gehen gegen Serbien Verwickelungen entstünden. Irgendwelche Befehle oder W^eisungen sind durch die Vermittelung des Generals von Bertrab nicht ergangen und auch sonst nicht in Sachen von etwaigen Kriegsvorbereitungen an den Generalstab gelangt.
Es darf hier hervorgehoben werden, daß General von Bertrab lediglich in seiner Eigenschaft als rangältester Oberquartiermeister nach Potsdam zitiert worden ist und daß er mit Mobilmachungs- arbeiten nichts zu tun hatte.
Der Kaiser hatte inzwischen seine Nordlandsreise angetreten. Für mich, der ich den General von Moltke in allen auf den Krieg bezüglichen Angelegenheiten vertrat, gab es infolge der Audienz des Generals von Bertrab in Potsdam nichts zu veranlassen. Die plan- mäßigen Mobilmachungsarbeiten waren am 31. März 19 14 abge- schlossen. Das Heer war, wie immer, bereit.
Noch am 8. Juli abends begab ich mich, nachdem ich mich über die Situation orientiert hatte, zu einem Erholungsurlaub aufs Land. Auch aus dem Kriegsministerium gingen keine Befehle für Vorbereitungen ein und der Generalstab hat weiterhin bis unmittelbar vor Kriegsbeginn keinerlei auf den Krieg hinzielende Maßregeln ge- troffen. Bald nach mir trat sogar der Chef der II. Abteilung, die unter mir die Mobilmachungsangelegenheiten bearbeitete, einen
Urlaub an.
Ich kehrte erst, als die stärkste politische Spannung eintrat, am 23. JuU nach Berlm zurück. ^^^^ Waldersee
Aktenstücke L
XVIII
Das Zentralamt des Reichswehrministeriums (Auswärtiges Amt A 27658/21. Oktober 1919) Reichswehrministerium
Zentralamt Berlin, den 16. Oktober 19 19
Nr. 165. 10. 19. Z. R. Königin-Augusta-Str. 38/42
Zu den Schreiben vom 3. und 4. Oktober 19
»Zu I. Der ehemalige Kriegsminister, jetzige General der In- fanterie z. D. V. Falkenhayn, war vom 10. bis einschließlich 24. Juli 1914 beurlaubt. Er hat Berlin in Ausführung einer Dienstreise am 8. Juli 1914 abends verlassen, im Anschluß an die Dienstreise den Urlaub angetreten und nach Rückkehr von dem mit der Familie an der Nordsee verbrachten Urlaub am 25. Juli 1914 die Amtsgeschäfte wieder übernommen. Der Urlaub ist mündlich bewilligt worden; eine Kabinettsordre ist hierüber nicht ergangen.
Zu 2. Am 5. oder 6. Juli 1914 waren keine Offiziere des preu- ßischen Kriegsministeriums zu einer dienstlichen Besprechung zum Kaiser befohlen.« Wurtzbacher
Kapitän z. S. Zenker ^Auswärtiges Amt A 29387, 12. November 1919)
Berlin, den 8. November 19 19
Ich bin am 5. Juli 19 14 nach Wildpark befohlen worden, um Befehle Sr. M. des Kaisers entgegenzunehmen. Da ich Aufzeich- nungen über denVerlauf des Immediatvortrages nicht in m einem Privat- besitz habe, so kann ich nur nach dem Gedächtnis Folgendes angeben :
S. M. der Kaiser teilten mir zur Weitergabe an meine vorge- setzte Behörde mit, daß am Mittag des 5. Juli der österreichisch- ungarische Geschäftsträger bei ihm angefragt habe, ob Deutschand im Falle eines österreichisch-ungarischen Konflikts mit Serbien und daraus vielleicht entstehenden Spannungen mit Rußland seine Bündnispflichten erfüllen würde. S. M. hätten dies zugesagt, glaubten aber nicht an ein Eintreten Rußlands für Serbien, das sich durch den Meuchelmord befleckt habe. Auch Frankreich würde es kaum zu einem Kriege kommen lassen, da ihm die schwere Artillerie des Feldheeres fehle. Wenn also auch ein Krieg gegen Rußland — Frankreich nicht wahrscheinlich sei, so müsse seine Mög- lichkeit immerhin militärisch ins Auge gefaßt werden.
Jedoch solle die Hochseeflotte ihre für Mitte Juli angesetzte Reise nach Norwegen antreten, wie auch er seine Norwegenfahrt planmäßig beginnen würde.
Meine Frage, ob der auf Urlaub befindliche Chef des Admiral- stabes zurückzurufen sei, verneinten S. M.
Ich habe diese Anweisungen am 6. Juli dem stellvertretenden Chef des Admiralstabes, Vizeadmiral Behncke, gemeldet. Welche Anordnungen dieser daraufhin erteilt hat, vermag ich nicht anzu- geben, da ich als Chef der taktischen Abteilung mit operativen und Mobilmachungsangelegenheiten nichts zu tun hatte. An das Auswärtige Amt, hier. Zenker, Kapitän zur See
XIX
Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band 1 '
|
Zeit |
Zeit |
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|
Lfde. Nr |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
15. Juni |
||||||
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1 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
vorm. |
I |
|
|
2 |
Bericht des Berliner Lokalanzeigers vom 14. Juni über einen Artikel der BirschewijaWjedomosti 16. Juni |
— |
1 |
|||
|
3 |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in London 20. Juni |
— |
— |
3 |
|
|
4 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
vorm |
5 |
|
|
27. Juni |
||||||
|
5 |
— |
— |
Der Botschafter in London an den Reichskanzler |
|
vorm. |
6 |
|
6 |
— |
— |
Der Unterstaatssekretär des Aus- |
|||
|
wärtigen an den Reichskanzler |
— |
— |
y |
|||
|
1. JuU |
||||||
|
6a |
Der Generalkonsul in Sarajevo an das Auswärtige Amt 2. JuU |
4' |
nachm. |
i) |
||
|
6b |
10" |
vorm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien . . |
_ |
|
9 |
|
7 |
— |
— ■ |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
10 |
|
8 |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
7" |
nachm. |
II |
' Datum, Zeit des Abgangs und der Ankunft beziehen sich auf das Auswärtige Amt, bei Telegrammen usw. des Kaisers auf das Hoflager. Siehe Vor bemerkungen Abschn. III.
XX
|
Lfde. Nr. |
des |
Zeit Abgangs |
|
Stunde |
Tageszeit |
|
|
9 10 |
— |
— |
|
11 |
— |
— |
|
12 |
— |
— |
|
13 |
— |
— |
|
H |
— |
— |
|
14a |
— |
— |
|
15 |
3.S |
nachm. |
|
16 |
5" |
nachm. |
|
17 |
9- |
nachm. |
|
18 |
— |
— |
|
19 |
— |
— |
|
iga |
— |
— |
|
20 |
— |
— |
Datum und Überschrift
Zeit der Ankunft
Stunde
Tageszeit
3. JuU
Der Botschafter in Wien
an das Auswärtige Amt
Der Gesandte in Belgrad
an den Reichskanzler
4. JuU
Der Botschafter in Wien
an den Reichskanzler
5. JuU
Der Gesandte in Belgrad
an den Reichskanzler
Der Kaiser von Österreich
an den Kaiser
Memorandum der österreichisch ungarischen Regierung
Der Botschafter in Wien
an den Reichskanzler
6. JuU
Der Reichskanzler
an den Botschafter in Wien..
Der Reichskanzler
an den Geschäftsträger in Bu karest
Der Unterstaatssekretär des Aus wärtigen
an den Gesandten in Sofia . . .
7. JuU
Der Botschafter in Wien
an das Auswärtige Amt
8. JuU
Der Botschafter in Wien
an das Auswärtige Amt
9. JuU
Der Gesandte in Belgrad
an den Reichskanzler
Der Botschafter in London
an den Reichskanzler
nachm.
wie Nr. 13 nachm.
nachm.
nachm.
nachm.
XXI
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 9. Juli |
||||||
|
at |
i*° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Geschäftsträger in Bu- karest |
42 |
|||||
|
22 |
i*" |
nachm |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Gesandten in Sofia |
— |
— |
43 |
|||
|
23 |
— |
— |
Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen |
43 |
||
|
24 |
_ |
0 Der Gesandte in Athen |
||||
|
an das Auswärtige Amt |
6" |
nachm. |
44 |
|||
|
25 |
|
— |
Der Reichskanzler |
|||
|
an den Kaiser |
44 |
|||||
|
26 |
_ |
Der Kaiser |
||||
|
an den Kaiser von Österreich |
— |
— |
45 |
|||
|
10. JuU |
||||||
|
27 |
|
— |
Der Botschafter in Wien |
|||
|
an den Reichskanzler |
— |
vorm. |
47 |
|||
|
a8 |
~ |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt |
340 |
nachm. |
48 |
|
29 |
|
— |
Der Botschafter in Wien |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
10" |
nachm. |
49 |
|||
|
11. JuU |
||||||
|
30 |
|
|
Der Botschafter in London |
|||
|
an den Reichskanzler |
— |
vorm. |
5' |
|||
|
30a |
Der Gesandte im kaiserlichen Gefolge |
|||||
|
an das Auswärtige Amt |
2'° |
nachm. |
52 |
|||
|
31 |
2*0 |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Botschafter in Wien. . . |
— |
— |
52 |
|||
|
3a |
— |
— |
Der Gesandte in Belgrad |
|||
|
G" |
nachm. |
an den Reichskanzler |
nachm. |
53 |
||
|
32a |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||||
|
an den Gesandten im kaiser- |
||||||
|
lichen Gefolge |
— |
— |
54 |
|||
|
33 |
y" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Botschafter in Rom... |
1 |
55 |
||||
|
12. Juli |
||||||
|
34 |
— |
— |
Der Gesandte in Athen |
|||
|
an den Reichskanzler |
— |
vorm. |
56 |
|||
XXII
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 12. Juli |
||||||
|
35 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
12" |
nachm. |
56 |
|
36 |
gao |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London. |
_ |
|
57 |
|
37 |
8° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien... |
|
|
58 |
|
38 |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt 13. JuU |
10" |
nachm. |
58 |
||
|
39 |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien und den Ges indten in Bukarest (an diesen am 14. JuH) |
59 |
|||
|
40 |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt 14. JuU |
T |
nachm. |
60 |
||
|
♦^ |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an den Reichskanzler |
|
vorm. |
61 |
|
41a |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
_ |
nachm. |
6s |
|
4a |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
3« |
nachm. |
67 |
|
43 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
8" |
nachm. |
68 |
|
44 |
10" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom und den Geschäftsträger in Buka- rest 15. und 17. JuU |
— |
69 |
|
|
45 |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter in Wien und Konstantinopel 15. JuU |
— |
— |
70 |
||
|
46 |
— |
— |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
7» |
|
47 |
jSO |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom... |
_ |
|
72 |
|
48 |
4° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London. |
— |
— |
73 |
xxin
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch 15. Juli: |
||||||
|
49 |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
|
nachm. |
74 |
|
|
50 |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler 16. Juli |
— |
nachm. |
75 |
||
|
51 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
12' |
vorm. |
77 |
|
52 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
l" |
vorm. |
77 |
|
53 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
|
vorm. |
78 |
|
54 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
I** |
nachm. |
81 |
|
55 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
2* |
nachm. |
8« |
|
56 |
6** |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Generaldirektor derHapag |
|
|
82 |
|
57 |
8»o |
nachm. |
Das Auswärtige Amt an den Reichskanzler |
_ |
|
84 |
|
58 |
— |
— |
Der Reichskanzler an den Staatssekretär für Elsaß- Lothringen |
85 |
||
|
IT. Juli |
||||||
|
59 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
,20 |
nachm. |
86 |
|
60 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
4' |
nachm. |
87 |
|
61 |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . 18. Juli |
— |
— |
87 |
||
|
6a |
— |
— |
Der Botschafter in London an den Reichskanzler |
|
vorm. |
88 |
|
63 |
3" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger in ßu karest |
9' 9' |
||
|
64 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an den Reichskanzler |
nachm. |
||
|
65 |
~ |
Der Botschaftsrat in Wien an den Reichskanzler |
— |
nachm. |
93 |
XXIV
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 18. JuU |
||||||
|
66 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an den Reichskanzler |
|
nachm. |
93 |
|
67 |
5^ |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten im kaiser- lichen Gefolge |
95 |
||
|
68 |
— |
— |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
96 |
|
69 |
7" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten im kaiser- lichen Gefolge |
97 97 |
||
|
70 |
9'° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
— |
— |
|
|
19. Juli |
||||||
|
71 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
2" |
vorm. |
98 |
|
72 |
— |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London (Privatbrief) |
99 101 |
|||
|
73 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an den Reichskanzler |
vorrn. |
||
|
74 |
Der Oberquartiermeister I im Großen Generalstabe an den Staatssekretär des Aus- wärtigen (Privatbrief) |
vorm. |
102 |
|||
|
75 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an den Staatssekretär des Aus- |
|||
|
wärtigen |
|
|
103 103 |
|||
|
76 |
— |
— |
Der Botschafter in London an den Reichskanzler |
vorm. |
||
|
77 |
1" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
104 |
|
78 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
2" |
nachm |
104 |
|
79 |
— |
— |
Der Gesandte im kaiserlichen Ge- folge an das Auswärtige Amt |
|||
|
4" |
nachm. |
103 |
||||
|
80 |
Der Gesandte im kaiserlichen Ge- folge an das Auswärtige Amt |
4" |
nachm. |
105 |
XXV
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfdc. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 19. JuU |
||||||
|
81 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
9- |
nachm. |
106 |
|||
|
20. Juli |
||||||
|
82 |
— |
Der Chef des Admiralstabs der Marine an den Staatssekretär des Aus- |
||||
|
wärtigen |
|
|
108 |
|||
|
83 |
_ |
|
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Botschafter in Wien . . |
— |
— |
108 |
|||
|
84 |
12" |
nachm. |
Der Reichskanzler |
|||
|
an den Kaiser |
— |
— |
109 |
|||
|
85 |
12»' |
nachm. |
Der Botschafter in London |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
— |
— |
1 10 |
|||
|
86 |
|
|
Die serbische Gesandtschaft in Berlin |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
— |
nachm. |
I IG |
|||
|
87 |
— |
— |
Der Botschaftsrat in Wien an den Staatssekretär des Aus- |
|||
|
wärtigen (Privatbrief) |
— |
nachm. |
113 |
|||
|
88 |
|
|
Der Botschafter in Wien |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
,0 t |
nachm. |
H5 |
|||
|
89 |
8" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
— |
115 |
|
90 |
9" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten im kaiser- lichen Gefolge |
1 16 |
||
|
91 |
9" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Botschafter in Wien . . |
— |
— |
116 |
|||
|
92 |
|
|
Der Botschafter in London an das |
|||
|
Auswärtige Amt |
10»° |
nachm. |
117 |
|||
|
21. Juli |
||||||
|
93 |
i" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Peters- |
|||
|
burg |
— |
— |
118 |
|||
|
94 |
|
— |
Der Botschafter in Wien |
|||
|
an den Reichskanzler |
— |
nachm. |
118 |
|||
|
95 |
|
|
Der Botschafter in Wien |
|||
|
an das Auswärtige Amt |
— |
nachm. |
120 |
|||
|
96 |
— |
— |
Der Admiralstab der Marine an den Staatssekretär des Aus- |
|||
|
wärtigen |
— |
— |
121 |
XXVI
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
^ |
Noch: 21. JuU |
|||||
|
97 |
6" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
122 |
|
98 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
6*0 |
nachm. |
122 |
|
99 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
7* |
nachm. |
123 |
|
100 |
— |
— |
21. und 22. JuU Der Reichskanzler an die Botschafter in Peters- burg, Paris und London 21. JuU |
— |
— |
124 |
|
101 |
6" |
nachm. |
Der Reichskanzler an das Auswärtige Amt |
_ |
_ |
126 |
|
loa |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
7" |
nachm. |
126 |
|
103 |
~ |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
127 |
|
104 105 |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt Der Kaiser an den Kronprinzen |
9" |
nachm. |
127 128 |
|
|
22. JuU |
||||||
|
106 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
128 |
|
107 |
Entwurf eines nicht abgesandten Erlasses des Staatssekretärs des Auswärtigen an den Geschäftsträger in Hamburg |
129 130 |
||||
|
108 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
2" |
nachm. |
|
|
109 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
3.« |
nachm. |
130 |
|
110 |
, — |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
3" |
nachm. |
13' |
|
111 11a |
6» |
nachm. |
Der stellvertretende Chef des Ad- miralstabs an das Auswärtige Amt Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
nachm. |
131 132 |
XXVII
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 22. Juli |
||||||
|
113 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
6» |
nachm. |
132 |
|
114 |
6" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten in Belgrad. . |
|
— |
133 |
|
»15 |
7* |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Reichskanzler 23. Juli |
— |
— |
'33 |
|
116 |
— |
— |
Der Reichskanzler an das Auswärtige Amt |
i" |
vorm. |
'34 |
|
117 |
— |
— |
Der Botschafter in Kon tantinopel an das Auswärtige Amt |
,25 |
vorm. |
'34 |
|
118 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
l" |
vorm. |
137 |
|
119 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
9" |
vorm. |
'37 |
|
120 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
_ |
vorm. |
138 |
|
121 |
,♦0 |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen |
|||
|
an den Kaiser |
|
— |
142 |
|||
|
12a |
2*° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger in Athen |
|
|
143 |
|
123 |
2*° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten in Stockholm |
|
|
144 |
|
124 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
3'° |
nachm. |
'45 |
|
»25 |
3« |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Gesandten im kaiser- lichen Gefolge |
'45 |
||
|
126 |
4° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London |
|
|
146 |
|
127 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
4° |
nachm. |
'47 |
|
128 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
|
nachm. |
148 |
|
129 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
4*0 |
nachm. |
148 |
|
130 |
" |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
5" |
nachm. |
149 |
XXV III
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 23. Juli |
||||||
|
131 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
,so |
nachm. |
150 |
|
132 |
— |
— |
Der Kronprinz an den Reichskanzler |
|
|
15' |
|
133 |
— |
— |
DerGesandte im kaiserlichen Gefolge an den Reichskanzler |
|
|
15' |
|
134 |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt 24. Juli |
10'° |
nachm. |
152 |
||
|
135 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt |
l" |
vorm. |
153 |
|
136 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
10" |
vorm. |
153 |
|
137 |
— |
— |
Der Gesandte in Belgrad an den Reichskanzler |
|
vorm. |
154 |
|
138 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
|
vorm. |
155 |
|
139 |
— |
— |
Der Gesandte in Belgrad an das Auswärtige Amt |
1" |
nachm. |
156 |
|
140 |
1*° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London |
_ |
|
•57 |
|
141 |
-— |
— |
DerGesandte im kaiserlichen Gefolge an das Auswärtige Amt |
,5S |
nachm. |
158 |
|
142 |
2» |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
,58 |
|
143 |
3" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Petersburg |
. |
|
159 |
|
144 |
6*° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Konstan- tinopel |
159 |
||
|
145 |
— |
— |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom... |
6*5 |
nachm. |
160 |
|
146 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
f |
nachm. |
160 |
|
147 |
— |
— |
Der Botschafter in Kon tantinopel an das Auswärtige Amt |
/ |
nachm. |
i6i |
|
148 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
3.0 |
nachm. |
161 |
XXIK
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 24. JuU |
||||||
|
149 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
8" |
nachm. |
162 |
|
150 |
9- |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
— |
IG3 |
|
151 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
164 |
|
15a |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
.65 |
|
153 |
9« |
nachm. |
Der Unterstaatssekretär des Auswär- |
|||
|
tigen an die Botschafter in Paris, London und Petersburg .... |
— |
— |
165 |
|||
|
154 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
10" |
nachm. |
166 |
|
155 |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt 25. JuU |
11" |
nachm. |
.67 |
||
|
156 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
12'° |
vorm. |
i68 |
|
157 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
!'• |
vorm. |
169 |
|
158 |
— |
— |
Der Gesandte in Belgrad an das Auswärtige Amt |
I" |
vorm. |
172 |
|
159 |
— |
— |
Der Gesandte in Belgrad an das Auswärtige Amt |
2" |
vorm. |
172 |
|
160 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
3*' |
vorm. |
•73 |
|
161 |
~ |
" |
Der Botschafter in London an den Staatssekretär des Aus- wärtigen (Privatbrief) |
_ |
'75 |
|
|
162 |
— |
— |
Der Gesandte in Sofia an das Auswärtige Amt |
11" |
vorm. |
177 |
|
163 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
I2*» |
nachm. |
.78 |
|
164 |
1° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London |
|
— |
.78 |
|
165 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
l" |
nachm. |
179 |
XXX
|
Zeit |
^ |
Zeit |
||||
|
Kfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
■Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 25. JuU |
||||||
|
166 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
j50 |
nachm. |
179 |
|
167 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
2'* |
nachm. |
180 |
|
168 |
3° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Kaiser |
|
— |
180 |
|
169 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
3" |
nachm. |
183 |
|
170 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
3S0 |
nachm. |
.83 |
|
171 |
4° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
—— |
— |
184 |
|
172 |
— |
— |
Der russische Geschäftsträger an den Staatssekretär des Aus- wärtigen |
nachm. |
184 |
|
|
173 |
— |
— |
Der Gesandte im kaiseriichen Ge- folge an das Auswärtige Amt |
|||
|
4" |
nachm. |
186 |
||||
|
174 |
— |
nachm. |
Aufzeichnung des Unterstaatssekre- tärs des Auswärtigen |
— |
— |
186 |
|
175 |
— |
Der Admiralstab an den Staatssekretär des Aus- wärtigen |
nachm. |
187 187 |
||
|
176 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
|
|
177 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an den Reichskanzler |
5° |
nachm. nachm. |
189 189 |
|
178 |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
|||||
|
179 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
5" |
nachm. |
190 |
|
180 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
5" |
nachm. |
19» |
|
181 |
8° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten in Kopen- hagen |
192 |
||
|
182 |
8» |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Kaiser |
— |
— |
IQ3 |
XXXI
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde Tageszeit |
||||
|
Noch: 25.JuU |
||||||
|
183 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
8" |
nachm. |
194 |
|
184 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
9' |
nachm. |
194 |
|
185 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt |
9' |
nachm. |
•95 |
|
186 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
•95 |
|
187 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
196 |
|
188 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
197 |
|
189 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Athen an das Auswärtige Amt |
lO" |
nachm. |
197 |
|
igo |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
10" |
nachm. |
198 |
|
191 |
lO*» |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Kaiser |
11» |
nachm. |
198 199 |
|
191a |
Der Botschatter in London an das Auswärtige Amt |
|||||
|
19a |
II» |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London 26. JuU |
— |
— |
200 |
|
193 |
2«» |
vorm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter in Rom und Wien |
3" |
vorm. |
|
|
194 |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
201 |
||||
|
195 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Cetinje an das Auswärtige Amt |
4' |
vorm. |
201 |
|
196 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
4" |
vorm. |
202 |
|
197 |
1° l" |
nachm. nachm. |
Der Reichskanzler an den Kaiser |
— |
202 |
|
|
198 |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Petersburg |
203 |
||||
|
199 |
I» |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in London |
— |
— |
203 |
XXXII
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 26. JuU |
||||||
|
200 |
jS5 |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris . . . |
— |
|
204 |
|
201 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
I'* |
nachm. |
204 |
|
202 |
3° |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien . . |
— |
— |
205 |
|
203 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
205 |
|
204 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
208 |
|
205 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
|
nachm. |
210 |
|
206 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler |
_ |
nachm. |
211 |
|
207 |
— |
— |
Der Marineattache in London an das Reichsmarineamt |
|
nachm. |
211 |
|
208 |
— |
— |
Der rumänische Gesandte in Berlin an das Auswärtige Amt |
|
nachm. |
212 |
|
209 |
— |
— |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter in Wien und Rom |
212 |
||
|
210 |
4- |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
213 |
||
|
211 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
3.0 |
nachm. |
214 |
|
212 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
6" |
nachm. |
215 |
|
213 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
520 |
nachm. |
216 |
|
214 |
6" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger in Bukarest |
217 |
||
|
215 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
T |
nachm. |
217 |
|
216 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
f |
nachm. |
218 |
|
217 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
7' |
nachm. |
218 |
XXXIU
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch 26. Juli: |
||||||
|
218 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
7' |
nachm. |
219 |
|
21g |
7" |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Petersburg |
— |
|
220 |
|
220 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
7" |
nachm. |
221 |
|
221 |
7" |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Kaiser |
|
|
221 |
|
222 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
8° |
nachm. |
222 |
|
223 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
8° |
nachm. |
222 |
|
224 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
8» |
nachm. |
223 |
|
225 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
9" |
nachm. |
223 |
|
226 |
9*° |
nachm. |
Der Unterstaatssekretär des Aus- wärtigen an den Botschafter in Wien . . |
224 |
||
|
227 |
9- |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom . . |
|
|
224 |
|
228 |
iü° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
225 |
|
229 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
10» |
nachm. |
225 |
|
230 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
10» |
nachm. |
226 |
|
331 |
— |
— |
Der Kaiser an das Auswärtige Amt |
10" |
nachm. |
226 |
|
232 |
— |
— |
Der Staatssekretär für Elsaß-Loth- |
|||
|
rmgen an den Reichskanzler |
|
— |
227 |
|||
|
233 |
— |
— |
Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms des Kaisers an den Zaren |
228 |
||
|
334 |
Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms des Reichskanzlers an die Botschafter in Paris, London und Petersburg .... |
— |
— |
229 |
/Aktenstücke 1.
XXXIV
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
27. JuU |
||||||
|
235 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
12^ |
vorm. |
230 |
|
236 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
12^ |
vorm. |
231 |
|
237 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
12*^ |
vorm. |
232 |
|
238 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
I2*= |
vorm. |
233 |
|
239 |
,35 |
vorm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom . . . |
|
— |
234 |
|
240 |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
,55 |
vorm. |
235 |
|
|
241 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
j5S |
vorm. |
235 |
|
242 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
2" |
vorm. |
236 |
|
243 |
— |
— |
Der König von Griechenland an den Kaiser |
f' |
vorm. vorm. |
237 239 |
|
244 |
Der Botschafter in Rom an den Reichskanzler |
|||||
|
245 |
11" |
vorm. |
Der Reichskanzler an den Kaiser |
240 |
||
|
246 |
jj30 |
vorm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
241 |
||
|
247 |
1,30 |
vorm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris... |
241 |
||
|
248 |
1° |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in London . |
_ |
|
241 |
|
249 |
|
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
,28 |
nachm. |
242 |
|
250 |
|
— |
Der Gesandte in Kopenhagen an das Auswärtige Amt |
,28 |
nachm. |
243 |
|
251 |
— |
Der Gesandte in Sofia an das Auswärtige Amt |
3° |
nachm. |
243 |
|
|
252 |
— |
— |
Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt |
3*° |
nachm. |
244 |
|
253 |
|
— |
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler |
— |
nachm. |
244 |
XXXV
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Ltde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 27. Juli |
||||||
|
254 |
~ |
" |
Der Generaldirektor der Hapag an den Staatssekretär des Aus- wärligen |
nachm. |
246 |
|
|
255 |
Der Admiralstab an den Staatssekretär des Aus- wärtigen |
nachm. |
•248 |
|||
|
256 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
4- |
nachm. |
248 |
|
257 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
4" |
nachm. |
249 |
|
258 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
4" |
nachm. |
250 |
|
259 |
— |
— |
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt |
5" |
nachm. |
251 |
|
260 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
3.S |
nachm. |
252 |
|
261 |
— |
— |
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt |
6» |
nachm. |
252 |
|
262 |
— |
— |
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt |
7" |
nachm. |
253 |
|
363 |
— |
— |
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt |
-20 / |
nachm. |
254 |
|
264 |
— |
— |
Der Verweser des Konsulats Kowno an das Auswärtige Amt |
7*° |
nachm. |
254 |
|
265 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
3*0 |
nachm. |
254 |
|
266 |
— |
— |
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt |
8*° |
nachm. |
256 |
|
267 |
9° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
|
|
257 |
|
268 |
' |
"" |
i^er österreichisch-ungarische Bot- schafter an das Auswärtige Amt |
257 |
||
|
26g |
</" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien . . |
_ |
258 |
|
|
270 |
9" |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Kaiser |
_ |
|
259 |
|
271 |
Antwortnote der serbischen Regie- rung auf das österreichisch-unga- rische Ultimatum |
— |
nachm. |
25g |
XXXVI
|
Zeit |
Zeit |
|||||
|
Lfde. Nr. |
des Abgangs |
Datum und Überschrift |
der Ankunft |
Seite |
||
|
Stunde |
Tageszeit |
Stunde |
Tageszeit |
|||
|
Noch: 27. Juli |
||||||
|
27a |
10° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London |
|
|
265 |
|
273 |
10° |
nachm. |
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom . . . |
|
|
265 |
|
274 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
10^° |
nachm. |
266 |
|
275 |
— |
— |
Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt |
10" |
nachm. |
266 |
|
276 |
— |
— |
Der Generalkonsul in Warschau an das Auswärtige Amt |
11° |
nachm. |
266 |
|
277 |
jjSO |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien . . |
|
|
267 |
|
278 |
,jSO |
nachm. |
Der Reichskanzler an den Botschafter in London |
— |
— |
268 |
Nr. I
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler'
St. Petersburg, den 13. Juni 1914"^
Ew. Exz. beehre ich mich anbei die Übersetzung eines soeben in der »Birschewija Wjedomosti« er- schienenen bemerkenswerten Artikels zu überreichen, der, wie ich höre, vom hiesigen Kriegsministerium herrührt und den deuthchen Zweck verfolgt, auf Frankreich einen Druck im Sinne der Einführung gegen uns! der dreijährigen Dienstzeit auszuüben.
Der Artikel führt unter der Überschrift »Ruß- land ist bereit, Frankreich muß es auch sein« aus, Rußland, welches eben erst zur Verstärkung seiner Wehrkraft Anstrengungen gemacht habe, wie sie noch nie von einem Staate gemacht wurden, sei berechtigt, von Frankreich zu erwarten, daß dieses ebenfalls seine Armee verstärke, was nur durch Einführimg der dreijährigen Dienstzeit mögHch sei.
F. Pourtalös
^ Nach der Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 15. Juni vorm. Bericht lag dem Kaiser vor, von ihm am 15. Juni zurückgegeben. Gemäß kaiserlicher Randverfügung vom Chef des Militärkabinetts am 17. Juni an den General- stab, von diesem am 25. Juni dem Kriegsministerium mitgeteilt. Die Beilage des Berichts wurde dem Kaiser durch das Telegramm des Lokal- Anzeigers bekannt, siehe Nr. 2.
Nr. 2
Bericht des Berliner Lokal -Anzeigers vom 14. Juni über einen Artikel der Birschewija Wjedomosti '
Die Mahnung des Verbündeten
Das ver-
Telegr. imseres Korrespondenten v. A, ^'^"g^ ^'"<? Petersburg, 13. Juni ..^^Ant-
Der schon erwähnte Artikel der Bir- ""jj/"^ y,^'^'^'''/' schewija Wjedomosti, der die Überschrift trägt: »Rußland ist fertig, Frankreich
' Vom Kaiser am 15. Juni zurückgegeben.
muß ebenfalls fertig sein«, und der direkt vom Kriegsminister General Suchomlinow inspiriert ist, erregt allgemeines Auf- sehen. Der Artikel lautet :
»Rußland erlaubt sich nicht, sich in innere Angelegenheiten eines frem- den Staats zu mischen, kann aber während einer Krisis des befreundeten und verbündeten Staats nicht teil- nahmsloser Zuschauer bleiben. Wenn das französische Parlament sich be- rechtigt fühlt, auf innere Angelegen- heiten Rußlands, wie Kriegsbestel- lungen, hinzuweisen, die mit gewis.^en ökonomischen Vorteilen für die Auf- traggeber verbunden sind, so kann Ruß- land nicht gleichgültig gegenüber einer i-ein politischen Frage, nämlich der drei- jährigen Dienstzeit, bleiben, die den Ge- genstand eines Zerwürfnisses zwischen den Parteien des französischen Par- laments bilden.^ Für Rußland gibt es in dieser Frage keine geteilte Meinung. Rußland tat alles, wozu das Bündnis mit Frankreich es verpflichtete, es er- wartet mithin, daß sein Verbündeter ebenfalls seine Pflicht tue. Es ist allbekannt, welche kolossalen Opfer Rußland gebracht hat, um das franzö- sisch-russische Bündnis auf eine ideale Höhe zu bringen. Die Reformen des russischen Militärressorts bei der Bil- dung der russischen Streitkräfte über- treffen alles in dieser Hinsicht Da- gewesene. Das diesjährige Rekruten- kontingent ist nach dem letzten Aller- höchsten Ukas von 450 000 auf ^80 000 Mann gestiegen imd die Dienstzeit um 6 Monate verlängert worden. Dank dieser Maßregel stehen jeden Winter in Rußland vier Kon- tingente Rekruten unter Waffen, also eine Armee von 2 ^00 000 Mann. Diesen Luxus kann sich nur das große, mächtige Rußland erlauben.
'' So im Text für »bildet«.
Gott Lob!
Na ! Endlich haben die Russen die Kar- ten aufgedeckt! Wer inDeutschland jet^t noch nicht glaubt, daß von Russo - Gallien mit Hochdruck auf einen baldigen Krieg gegen uns hingearbeitet wird, und wir dement- sprechende Gegen- maßregeln er- greifen müssen, der verdient umgehend ins Irrenhaus nach Dalldorf geschickt
■{u werden ! Stramme neueSteu- ern und Monopole, und diejSooo Nicht- eingestellten sofort in die Armee und Marine hinein! W.
Deutschland verfügt über 880000, Österreich über etwa 500 000 und ItaHen über etwa 400 000 Mann. Gani natürlich also, daß Rußland von Frankreich j'jo 000 Mann entartet, wo sollen die was nur bei der dreijährigen Dienst- herkommen! \eit möglich ist. Es muß bemerkt werden, daß diese Vergrößerung der Armeen in Friedenäzeiten ausschließ- lich eine schnelle Mobilisierung er- wirken soll. Rußland schreitet dabei noch zu neuen Reformen, zum Bau eines gan^^en Netzes strategischer Bahnen, :{ur schleunigsten Konten- Mes gegen tration der Armee im Kriegsfall. Deutsch- Das rvünscht Rußland auch von Frank- l<^nd! reich, docli kann es das alles nur durchfüliren bei Wahrung der drei- jährigen Dienstzeit. Rußland und Frankreich wünschen keinen Krieg, quatsch! aber Rußland ist fertig, und Frank- reich muß es auch sein.«
Mit diesem durch Fettdruck hervor- gehobenen Satz schließt der vielerörterte Artikel, aus dem deuthch hervorgeht, daß Rußland seine kolossalen Rüstungen vor :{wei Jahren laut Abmachimgen mit was mein Frankreich begann. Generalstab
stets behaup- tet hat!
Nr. 3
Der Reichskanzler an den Botschafter in London^
Ganz vertraulich! Eigenhändig!
Berlin, den 16. Juni 1914'*
Ew. Durchlaucht wird es nicht entgangen sein, daß der, wie wir wissen, zutreffend auf den Kriegsminister General Suchomlinow zurückgeführte Artikel der »Birschewija Wjedomosti« in Deutschland beträchtliches Aufsehen erregt hat. In der Tat hat wohl noch niemals ein offiziös inspirierter Artikel die kriegerischen Tendenzen der russischen Militaristenpartei so rücksichtslos enthüllt, wie es diese Presseäußerung tut. Um den französischen Chauvinismus
^ Nach dem vom Reichskanzler niedergeschriebenen Konzept. 2 Abgegangen 16. Juni nachm.
auf die Dauer stärken zu können, ist er wohl zu plump geschrieben. Dagegen sind die Rückwirkungen auf die deutsche öffentliche Meinung unverkennbar und bedenklich.
Waren es bisher nur die extremsten Kreise unter den All- deutschen und Militaristen, welche Rußland die planvolle Vorberei- tung eines baldigen Angriffskrieges auf uns zuschoben, so beginnen sich jetzt auch ruhigere Politiker dieser Ansicht zuzuneigen. Die nächste Folge ist der Ruf nach einer abermaligen sofortigen umfang- reichen Verstärkung der Armee. Dadurch wird, wie die Dinge nun ein- mal bei uns liegen, der Wettbewerb auch der Marine wachgerufen, die niemals zu kurz kommen will, wenn etwas für die Armee geschieht. Da, wie ich ganz vertraulich bemerke, S. M. der Kaiser sich schon ganz in diese Gedankengänge eingelebt hat, besorge ich für den Sommer und Herbst den Ausbruch eines neuen Rüstungsfiebers bei ims.
So wenig sich bei der Unsicherheit der russischen Verhältnisse die wirklichen Ziele der russischen Politik mit einiger Sicherheit im voraus erkennen lassen und so sehr wir auch bei unsern poHtischen Dispositionen in Rechnung stellen müssen, daß Rußland noch am ehesten von allen europäischen Großmächten geneigt sein wird, das Risiko eines kriegerischen Abenteuers zu laufen, so glaube ich doch nicht, daß Rußland einen baldigen Krieg gegen uns plant. Wohl aber wünscht es, und man wird ihm das nicht übelnehmen können, bei einem Wiederausbruch der Balkankrisis, gedeckt durch seine umfangreichen militärischen Rüstungen, kräftiger als bei den letzten Balkanwirren auftreten zu können. Ob es alsdann zu einer europäischen Konflagration kommt, wird ausschließhch von der Haltung Deutschlands und Englands abhängen. Treten wir beide alsdann geschlossen als Garanten des europäischen Friedens auf, woran uns, sofern wir von vornherein dieses Ziel nach einem gemeinsamen Plane verfolgen, weder die Dreibunds- noch die Ententeverpflichtungen hindern, so wird sich der Krieg vermeiden lassen. Andernfalls kann ein beliebiger, auch ganz untergeordneter Interessengegensatz zwischen Rußland und Österreich-Ungarn die Kriegsfackel entzünden. Eine vorausschauende Politik muß diese Eventuahtät bei Zeiten ins Auge fassen.
Nun liegt es auf der Hand, daß eine erhöhte Tätigkeit der deutschen Chauvinisten und Rüstungsfanatiker einer solchen deutsch- englischen Kooperation ebenso hinderlich sein würde, wie eine nicht dezidierte, den französischen und russischen Chauvinismus im ge- heimen begünstigende Haltung des englischen Kabinetts. Auf einen seinem Bevölkerungszuwachs entsprechenden Ausbau seines Heeres wird Deutschland nie verzichten können. An eine Ei-weiterung des Flottengesetzes wird nicht gedacht. Wohl aber wird ganz im Rahmen des Flottengesetzes die Mehrindienststellung von Auslands- kreuzern, die Armierung und Bemannung der Schlachtschiffe usw. dauernd steigende Aufwendungen erheischen. Es ist aber ein großer
Unterschied, ob solche Maßnahmen als notwendige Folge allmählicher ruhiger Entwickelung in die Erscheinung treten, oder ob sie panik- artig unter dem Druck einer aufgeregten und von Kriegsbesorgnis erfüllten öffentlichen Meinung vorgenommen werden.
Daß Sir Edward Grey den Gerüchten von einer englisch-russi- schen Marinekonvention im Unterhause mit Entschiedenheit ent- gegengetreten ist und sein Dementi in der »Westminster Gazette« noch hat unterstreichen lassen, ist durchaus erfreulich. Hätten sich diese Gerüchte bewahrheitet, und zwar auch nur in der Form, daß die englische und russische Marine ihre Kooperation für den Fall festlegten, daß in einem zukünftigen Kriege England und Ruß- land gemeinsam gegen Deutschland fechten sollten — ähnlich den Abmachungen, die England zur Zeit der Marokkokrisis mit Frank- reich getroffen hat, — so wäre dadurch allerdings nicht nur der russische und französische Chauvinismus stark gereizt worden, sondern es hätte auch bei uns eine nicht unberechtigte Beunruhi- gung der öffenthchen Meinung Platz gegriffen, die ihren Ausdruck in einem navy scare und einer abermaligen Vergiftung der sich langsam bessernden Beziehungen zu England gefunden hätte. In- mitten der nervösen Spannung, in der sich Europa seit den letzten Jahren befindet, wären die weiteren Folgen unübersehbar gewesen. Jedenfalls wäre der Gedanke an eine gemeinschaftliche, den Frieden verbürgende Mission Englands und Deutschlands bei etwa auf- tauchenden Komplikationen von vornherein in verhängnisvoller Weise gefährdet worden.
Ew. Durchlaucht ersuche ich ergebenst, Sir Edward Grey meinen besonderen Dank für seine offenen und geraden Erklärungen zu sagen und daran anschließend in zwangloser und vorsichtiger Weise diejenigen allgemeinen Betrachtungen zum Ausdruck zu bringen, die ich vorstehend angedeutet habe.
Ihrem gefälligen Bericht ^ über die Aufnahme, der Sie bei Sir Edward Grey begegnen, sehe ich mit besonderem Interesse entgegen.
V. Bethmann Hol! weg
' Siehe Nr. 5.
Nr. 4
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler^
Geheim I Wien, den 17. Juni 1914^
Graf Berchtold war nach der Abreise Sr. M. des Kaisers von S. K. u. K. Hoheit dem Erzherzog Franz Ferdinand nach Konopischt geladen worden. Der Minister erzählte mii heute, S. K. u. K. Hoheit habe sich
^ Nach der Ausfertigung.
* Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 20. Juni vorm. Bericht lag dem Kaiser vor, von ihm am 21. Juni zurückgegeben, am 22. Juni wieder im Amt
ihm gegenüber im höchsten Maße befriedigt über den Besuch S. M. des Kaisers ausgesprochen. Er habe über alle möglichen Fragen ein- gehend mit Sr. M. gesprochen imd durchweg völlige Übereinstimmung der Ansichten konstatieren können.
Der Erzherzog hat dem Grafen Berchtold auch dasjenige mit- geteilt, was er unserem Allergn ädigsten Herrn bezüglich der Politik des Grafen Tisza, besonders den nichtmagyarischen Nationalitäten gegenüber, gesagt hat. Den Rumänen gegenüber habe, wie S. K. u. K. Hoheit bemerkt hätten, Graf Tisza zwar schöne Worte gebraucht, seine Taten entsprächen aber diesen Worten nicht. Ein Fehler des ungarischen Ministerpräsidenten sei es vor allem gewesen, daß er den siebenbürgischen Rumänen nicht einige Abgeordnetenmandate mehr gegeben habe.
Graf Berchtold meinte mir gegenüber, er habe schon oft und nachdrückhch auf den Grafen Tisza zugunsten größerer Konzessionen für die Rumänen einzuwirken versucht. Seine Bemühungen seien aber vergeblich gewesen. Graf Tisza behaupte, er sei bereits so weit als irgend möglich den Rumänen entgegengekommen.
Ich werde meinerseits, wie ich dies bisher schon dem Grafen Berchtold gegenüber getan habe, der mir gewordenen hohen Vv^eisung entsprechend jeden Anlaß benutzen, um auch den ungarischen Minister- präsidenten auf die Notwendigkeit der Gewinnung der Rumänen
hinzuweisen. ' _ , . , ,
von Ischirschky
er darf durch seine innere Politik, die bei der Rumänenfrage auf die äußere des Dreibundes Einfluß hat, die letztere nicht in Frage stellen.
Nr. 5
Der Botschafter in London an den Reichskanzler^-
London, den 24. Juni 1914^^
Ich benutzte meinen heutigen Besuch, um Sir Edward Grey den Dank Ew. Exz. für seine offenen und geraden Erklärungen im Unter- hause auszusprechen, durch welche er den Gerüchten über ein an- gebhches englisch-russisches Marineabkommen entgegengetreten ist. Ich knüpfte hieran die Bemerkung, daß Ew. Exz. seine Ausführungen um so lebhafter begrüßt hätten, als dieselben nicht unwesentlich dazu beitrügen, die Befürchtungen zu zerstreuen, welche namentlich in neuester Zeit weite Kreise des deutschen Volkes hinsichtlich unserer
1 Nach der Ausferügung.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts : 27. Juni vorm.
^ Siehe Nr. 3.
auswärtigen Lage erfaßt hätten. In erster Linie sei es Rußland, welches dieser Beunruliigung und den daraus hervorgehenden Be- strebungen für eine weitere Vermehrung unserer Rüstungen Nahrung zufülire, und ich könne in dieser Hinsicht ganz besonders auf den Artikel der »Nowoje Wremja« verweisen, welcher in Deutschland unliebsames Aufsehen erregt hätte. Angesichts der Möglichkeit, daß ein Balkankrieg wiederum ausbräche und daß Rußland sich als- dann zu einer etwas aktiveren Auslandspohtik entschlösse, erschien es uns von größter Wichtigkeit, daß die intime Fühlungnahme, welche zwischen uns während der letzten Krise bestand, auch allen zukünftigen Ereignissen gegenüber aufrechterhalten bliebe, um auf Grundlage gemeinsamer Verabredung einer kriegerischen Politik er- folgreich begegnen zu können. Ich wies den Minister ferner darauf hin, daß nur durch die Aufrechterhaltung der bisherigen deutsch- britischen Intimität, gepaart mit unserer Überzeugung, daß er auch in Zukunft bestrebt sein werde, kraft seines weitreichenden Einflusses in Paris und Petersburg allen abenteuerlichen Regungen entgegen- zutreten, es der Kaiserlichen Regierung möglich sein werde, das auch bei uns zeitweise überhandnehmende Rüstungsfieber niederzuhalten und den Rahmen der bestehenden Wehrgesetze einzuhalten. Ich vermied es dabei absichtlich, auf unser Flottengesetz näher ein- zugehen, da ich dieses heikle Thema mit dem Minister seit meiner Ankunft in London noch nie berührt habe und er auch es bisher sorgsam unterlassen hat, diesen Gegenstand mit mir zu erörtern. Der Minister nahm meine Eröffnungen mit sichtlicher Befriedigung zur Kenntnis und sagte, daß es ebenso sein Bestreben sei, mit uns auch ferner Hand in Hand zu geh.en und allen auftretenden Fragen gegenüber in enger Fülüung zu bleiben. Er habe in dieser Absicht soeben mit mir die gegenwärtige orientalische Lage besprochen und glaube, daß dieser Weg für unsere beiderseitigen Ziele der geeignete sei. Was Rußland beträfe, so habe er nicht den geringsten Grund, an den friedlichen Absichten der russischen Regierung zu zweifeln. Daß Graf Benckendorff hier keine deutschfeindhche Pohtik betreibe, brauche er mich nicht erst zu versichern. Kaiser Nikolaus und Herr Sasonow sprächen sich stets in friedlichem Sinne Sir George W. Buchanan gegenüber aus; nur sei es nicht zu leugnen, daß Herr Sasonow den Wunsch hege, gewissermaßen als Gegengewicht gegen den festgefügten Block des Dreibundes den Dreiverband etwas kräftiger in die Erscheinung treten zu lassen. Was aber den Artikel der »Nowoje Wremja« beträfe, auf den ich angespielt hätte, so sei er ihm, dem Minister, f überhaupt nicht bekannt. Lacliend fügte er hinzu, er habe erst gestern abend einen heftigen Angriff des gedachten Blattes gegen Großbritannien zu Gesicht bekommen wegen des per- sischen ölab komme ns. Was aber Frankreich anlange, so wisse er aus guter Quelle und würde in dieser Auffassung auch durch fremde, z. B. amerikanische Nachrichten bestärkt, daß die Franzosen nicht die geringste Lust zu einem Kriege verspürten.
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Es bestünden, so sagte mir Sir Edward, keine nicht veröffent- lichten Abmachungen zwischen Großbritannien und den Verbands- genossen, Er könne mir dies wiederholen, wie er es im Parlament erklärt habe, und er freue sich, hinzulügen zu können, daß von ihm aus niemals etwas geschehen werde, um diesem Verhältnis eine gegen Deutschland gerichtete Spitze zu geben. Er glaube auch, daß in den letzten Zeiten bei uns über diese Frage eine befriedigtere Auf- fassung Platz gegriffen habe. Er wolle aber mit mir ganz offen sein und wünsche nicht, daß ich mich zu irrigen Auffassungen verleiten ließe, und möchte daher die Gelegenheit benutzen, um mir zu sagen, daß trotz obiger Tatsachen sein Verhältnis zu den beiden Genossen nach wie vor ein sehr intimes sei und dasselbe nichts von seiner früheren Festigkeit eingebüßt habe. Über alle wichtigen Fragen stände er mit den betreffenden Regierungen in dauernder Fühlungnahme.
Ich dankte dem Minister für seine vertrauensvollen Eröffnungen, die er in freundschaftlich-gemütlicher Form vortrug, und erwiderte, daß für uns kein Grund vorläge, daran Anstoß zu nehmen, solange er seinen mächtigen Einfluß zugunsten des Friedens und der Mäßigung zum Ausdruck brächtet L i c h n o w s k y
* Siehe Nr. 6, Nr. 20 Anm. 3 und Nr. 30 Anm. 3.
Nr. 6
Der ünterstaatssekretär des Auswärtigen an den Reichskanzler^
Berlin, den 27. Juni 1914
Bei der Unterredung^ ist, wie zu erwarten stand, Lichnowsky wiederum völlig von Grey eingewickelt worden imd hat sich von neuem in der Auffassung bestärken lassen, daß er es mit einem ehrlichen, wahrheitsliebenden Staatsmann zu tun hat. Es wird nichts anderes übrigbleiben, als L. einige, natürlich recht vorsichtige Andeutungen über uns aus Petersburg zugehende geheime, aber unbedingt zuverlässige Nachrichten zu machen, die über das Vor- handensein fortdauernder politischer und militärischer Abmachungen zwischen England und Franki"eich und über bereits angeknüpfte, auf das gleiche Resultat hinzielende Verhandlungen zwischen England_^und Rußland keinerlei Zweifel aufkommen lassen^. ycrviroot-TnoTn»,
£j 1 IXl IliC X lli cL 11 11
' Niederschrift des Unterstaatssekretärs Zimmermann.
2 Siehe Nr. 5.
^ Am Rand die urschriftliche Rückäußerung des Reichskanzlers: »Lichnowsky kommt Montag 5 Uhr zu mir. Ich möchte vorher die Situation noch ein- mal mit Ihnen besprechen. B. H. 27.«
Nr. 6 a
Der Generalkonsul in Sarajevo an das Auswärtige Amt^
Telegramm ii Sarajevo, den i. Juli 1914^
Heute Nacht ist von Semlin als Tatsache hierher berichtet worden, daß 10 bis 12 Verschwörer aus Belgrad unabhängig einer vom anderen entsendet worden sind.
Hier in Sarajevo waren mindestens drei Mordgesellen postiert. Mein Vertrauensmann, eine unbedingt zuverlässige Persönlichkeit in ve ran tworth eher, ihn allseitig orientierender Stellung, erklärte mir auf meine bestimmte Frage als mein Freund, daß er die Reise Sr. M. des Kaisers nach Wien auf Grund seiner Kenntnis der Wiener Verhältnisse und des Systems der russisch-serbischen Gewalttäter auf das allerentschiedenste widerraten müsse. — Ich persönlich trete dem nach alledem, was ich hier gehört oder beobachtet habe, be- dingungslos bei.
Die Fahrt nach Artstätte^, das rein deutsch und klein, deshalb leicht kontrollierbar sei, soll unbedenklich sein*.
Dr. Eiswaldt
^ Nach der Entzifferung.
* Aufgegeben in Sarajevo den i. Juli i" nachm., angekommen im Aus- wärtigen Amt I.Juli, 4^ nachm. Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 1. Juli nachm.
' So in der Entzifferung für »Artstetten«.
* Siehe Nr. 6 b.
Nr. 6b
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien'
Telegramm 107 Berlin, 2. Juli 1914-
Infolge der aus Sarajevo eingegangenen Warnungen^, von denen eine erste übrigens schon aus dem April d. J. datiert, habe ich S. M. den Kaiser bitten müssen, die Reise nach Wien aufzugeben. Bestimmend war für mich, daß es sich bei dieser Reise nicht um einen Akt staatlicher oder poUtischer Notwendigkeit, sondern um eine über die Forderungen der Etikette hinausgehende freiwillige Bekundung freundschaftücher Gesinnungen handelt, daß der Frevel-
' Nach dem Konzept von des Reichskanzlers Hand. * 10^0 vorm, zum Haupttelegraphenamt gegeben » Siehe Nr. 6 a
10
tat von Sarajevo anscheinend ein weitverzweigtes Komplott zu- grunde liegt, und daß Attentate bekanntermaßen eine suggestive Wirkung auf verbrecherische Elemente ausüben. Aus diesen Er- wägungen habe ich die Verantwortung für eine nicht zwingende Exposition Sr. M. in fremdem Lande nicht übernehmen können.
Der Öffentlichkeit gegenüber wird die Aufgabe der Reise mit körperUcher Indisposition Sr. M. motiviert werden. S. M. wünschen indes, daß S. M. dem Kaiser Franz Joseph persönlich die wahre Ur- sache mitgeteilt werde. S. M. haben deshalb die nachstehende In- struktion für Ew. pp. Allerhöchst selbst niedergeschrieben:
»An H. V. Tschirschky für S. M. Kaiser Franz Joseph S. M. sind durch S. Exz. den Reichskanzler informiert worden, daß aus Sarajevo durch Vertrauensleute des deutschen Konsuls Sr. Exz. eine Warnung zugegangen sei, die von einer Reise nach Wien seitens des deutschen Kaisers abraten. S. Exz. der Reichs- kanzler haben daraufhin Sr. M. als sein verantwortlicher Ratgeber bestimmt erklärt, die Verantwortung nicht übernehmen zu können, und S. M. gebeten, die Reise zu unterlassen. S. M. haben sich den Gründen nicht verschließen können und schweren Herzens in tiefem Schmerz sich zur Aufgabe derselben entschlossen. S. M. haben den k. Botschafter beauftragt, persönUche Meldung sofort an Kaiser Franz Joseph zu machen imd auszusprechen, wie schwer der Entschluß ihm geworden sei. Einerseits, weil er als Mangel an persönlichem Mut ausgelegt werden könnte, andererseits, weil S. M. dadurch verhin- dert werde, dem Kaiser tröstend und leidmittragend zur Seite zu stehen, sowie auch dem ganzen österreichischen Volke am Tage der Trauer nahe sein zu können. Schluß.«
Ew. pp. ersuche ich ergebenst, diesen Allerhöchsten Auftrag schleunigst in geeigneter Form zur Ausführung zu bringen.
Bethmann Hollweg
Nr. 7
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler^
Wien, den 30. Juni 1914^
Graf Berchtold sagte mir heute, alles deute darauf hin, daß die Fäden der Ver- schwörung, der der Erzherzog zum Opfer ge- fallen sei, in Belgrad zusammenliefen. Die Sache sei so wohl durchdacht worden, daß
^ Nach der Entzifferung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Arats: 2. Juli nachm. Entzifferung lag dem Kaiser vor, von ihm am 4. Juli zurückgegeben.
1 1
man absichtlich ganz jugendhche Leute zur Ausführung des Verbrechens ausgesucht habe, hoffentlich nicht S^S^^ <^'^ ""^' ^^i^^ere Strafe verhängt werden
könne. Der Minister sprach sich sehr bitter über die serbischen Anzettelungen aus.
Hier höre ich, auch bei ernsten Leuten,
vielfach den Wunsch, es ynüsse einmal gründlich
jeti^t oder nie ynit den Serben abgerechnet werden. Man
müsse den Serben zunächst eine Reihe von
Forderungen stellen und falls sie diese nicht
wer hat ihn da^u ermäch- akzeptierten, energisch vorgehen. Ich benutze
tigt? das ist sehr dumm! jeden solchen Anlaß, um ruhig, aber sehr
geht ihn gar nichts an, nachdrücklich und ernst vor übereilten Schritten
s:Ä-°«T,W^" »'«'■"^"- ^- ^"^"^ ™"^=^ man sich erst fw thun gedenkt. Nachher klar darüber werden, was man wolle, denn heißt es dann, wenns schief ich. hörte bisher nur ganz unklare Gefülils- geht, Deutschland hat tiicht äußerungen. Dann solle man die Chancen fÄ,>I^Äir to" irgendeiner Aktion sorgfältig erwägen und sich sen! Mit den Serben muß vor Augen halten, daß Osterreich -Ungarn nicht aufgeräumt werden, und allein in der Welt stehe, daß es Pflicht sei,
pvar bald. neben der Rücksicht auf seine Bundesgenossen
versteht sich alles von die europäische Gesamtlage in Rechnung zu selbst, und sind Binsen- ziehen und speziell sich die Haltung Itahens
Wahrheiten. ^^ Rumäniens in allen Serbien betreffenden
Fragen vor Augen zu halten.
van Tschirschky
Nr. 8
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Ämt^
Telegramm 80 Wien, den 2. Juh 1914^
Die Blätternachricht, der zufolge hiesige Regierung eine De- marche in Belgrad gemacht habe, um von serbischer Regierung Untersuchung gegen die Attentäter zu verlangen, ist nicht richtig. Bisher sind keinerlei solche Schritte imternommen worden. Ob dies später erfolgen werde, hänge davon ab, ob hiesige Untersuchung wirkhch gravierendes Material gegen Belgrad ergeben werde.
Tschirschky
' Nach der Entzifferung.
* Aufgegeben in Wien 6" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 7** nachm. ; Eingangsvermerk : 2. Juli nachm. Bericht vom Auswärtigen Amt am 3. Juli telegraphisch den Vertretungen in Rom, Bukarest und Belgrad mitgeteilt, io*° vorm. zum Haupttelegraphenamt.
12
Nr. 9
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Ämt^
Telegramm 8i Wien, den 2. Juli 1914^
Habe mich soeben Allerhöchsten Auftrags bei Sr. M. dem Kaiser Franz Joseph entledigt, der die Gnade hatte, mich fast eine Stunde bei sich zu behalten. S. M. der Kaiser Franz Joseph lassen Sr. M. herzHchst für die eingehende Benachrichtigung danken. So tief und aufrichtig er bedauere, S. M. nicht hier begrüßen zu können, so würdige er andererseits durchaus die zwingenden Gründe, die ein Aufgeben der Reise in diesem Augenblick geboten hätten erscheinen lassen. Es sei auch für ihn eine Erleichterung, S. M. nicht den Zufäüigkeiten einer Auslandsreise ausgesetzt zu wissen. Die War- nungen aus Sarajevo und aus Semlin, die auch hier eingelaufen seien, seien leider so ernst, daß sie unmöglich hätten unberück- sichtigt bleiben können. Freihch hätte er sehr gern S. M. jetzt bei sich gesehen, um auch so mancherlei Pohtisches mit ihm zu be- sprechen. »Denn ich sehe sehr schwarz in die Zukunft«, sagten S. M., »und die Zustände da unten werden mit jedem Tage beunruhigender. Ich weiß nicht, ob wir noch länger werden ruhig zusehen können und ich hoffe, daß auch Ihr Kaiser die Gefahr ermißt, die für die Monarchie in der serbischen Nachbarschaft liegt. Was mich ganz besonders beunruJiigt, das ist die russische Probemobilisierimg, die für den Herbst geplant ist, also gerade in einer Zeit, wo wir hier den Rekruten Wechsel haben. Herr von Hartwig ist ja der Herr in Belgrad, und Paschitsch tut nichts, ohne ihn zu fragen.«
Der Kaiser sprach dann noch eingehend über die politische Lage im allgemeinen. Ich darf mir hierüber weiter gehorsamste Berichterstattung vorbehalten.
S. M. der Kaiser Franz Joseph ersuchte mich beim Abschied noch- mals, Sr. M. seinen aufrichtigsten Dank für die durch mich erfolgte Mit- teilung zu übermitteln. S. M. könne versichert sein, daß er, so schmerz- hch ihn das Fernbleiben Sr. M. berühre, es doch als eine Beruhigung empfinde, daß der Kaiser die Reise hierher aufgegeben habe.
S. M. der Kaiser Franz Joseph sah sehr wohl aus. Höchst- derselbe meinte zwar, er habe seine Kraft noch nicht wieder in vollem Maße wiedergewonnen, doch sei der Appetit gut und er hoffe, daß die gute Luft in Ischl, wohin er sobald als möglich zurückzu- kehren gedenke — voraussichtlich nächsten Montag — , die letzten Spuren der überstandenen Krankheit beseitigen werde^.
Tschirschky
^ Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Wien 2. Juli lo^ nachm.; angekommen im Auswärtigen Amt
3. Juli 12^2 vorm. Eingangsvermerk: 3. Juli vorm. ä Siehe Nr. 1 1.
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Nr. 10
Der Gesandte in Belgrad an den Reichskanzler'
Belgrad, den 30. Juni 1914*
Das grauenhafte Attentat in Sarajevo, das hier erst in den Abendstunden des 15. /28. Juni offiziös bekanntgegeben wurde, wahrscheinlich, um der an diesem Tage — dem sogenannten Widowdan, Erinnerung an die Schlacht auf dem Amselfeld am 15. Juni 1389 — abgehaltenen Volksfeier kein allzu frühes Ende zu bereiten, hat einen tiefen Eindruck in Serbien gemacht. Nicht etwa in dem Sinne, daß die Nachricht in den breiten Schichten der Be- völkerung das Gefühl besonderer, aus dem Herzen kommender Trauer ausgelöst hätte. In dieser Hin- sicht kann man höchstens sagen, daß verletzende und unziemUche Kundgebungen in der Öffentlichkeit unterbheben sind. Sondern weil man hier sofort instinktiv fühlte, daß für die von Serben begangene Bluttat nicht bloß die Brüder in Bosnien, sondern jci das gan^e Serbentum die Verantwortung treffe.
Nachdem es sich herausgestellt hat, daß beide Atten- täter sich bis vor wenigen Wochen in Belgrad auf- gehalten haben, der eine, Prinzip, als Handelsschüler, der andere, Tschabrinowitsch, als Setzer in der Staatsdruckerei, nachdem letzterer offen zugegeben hat, seine Bombe, wie seinerzeit der Attentäter in Cetinje, aus Belgrad bezogen zu haben, ist die Stimmung hier eine recht gedrückte. Zwar bemüht man sich, den anstürmenden Verdächtigungen und Anklagen dadurch die Spitze abzubrechen, daß man auf das Fiasko der früher gegen Serbien in den Agramer und Fried Jungprozessen erhobenen Anwürfe hinweist und immer wieder betont, wie ungerecht es sei, eine ganze Nation für die Untaten einzelner Überspannter verantwortlich zu machen. Aber es wird schwer sein zu bestreiten, daß das Königreich Serbien imd speziell Belgrad mit seiner unge{ügelten Presse, seinen fanatischen Omladina -Vereinen und
Nach der Ausfertigung.
Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 3. Juli vorm. Bericht lag dem Kaiser vor, von ihm am 4. Juli zurückgegeben. Wurde gemäß kaiserlicher Randverfügung am 7. Juli den Vertretungen in Wien, St. Petersburg, London, Rom, Paris und Bukarest mitgeteilt.
Aktenstücke I. 4.
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seiner wüsten großserbischen Agitation, einen unver- gleichlichen Nährboden für solche exaltierten Ge- müter abgibt.
In dieser peinlichen Situation hat die Regierung es für angebracht gehalten, vor allem in möglichst geräuschvoller und ostentativer Form ihre Verur- teilung der Tat und ihr Beileid zum Ausdruck zu bringen. Um die Attentäter wenigstens von ihren Rockschößen abzuschütteln, hat sie ein Communique veröffentlicht, worin die unseHge Tat in den schärfsten Ausdrücken verdammt wird. Ein inspirierter Ar- tikel der »Samouprawa« hebt hervor, wie schwer dieses Ereignis Serbien gerade in dem jetzigen Moment treffe, wo so vielfältige und wichtige Ver- handlimgen mit der Monarchie ihrer Lösung ent- gegengehen und wo Serbien, der fortwährenden Aufregungen müde, nichts sehnücher wünsche, als eine Periode ungestörter Ruhe.
Im Pubükum, das durch offizielle Rücksichten nicht gebunden ist, hört man freihch auch andere Stimmen. Ganz abgesehen von geschmacklosen Vergleichen, wie mit der Tat Teils und der des Serben Milosch Obilitsch, der den Sultan Bajasid auf dem Amselfeld ermordete und heute noch als Nationalheld gefeiert wird, wird darauf hingewiesen, wie unbedacht es war, in dem fanatisierten^ Bosnien* Manöver abzuhalten und vollends zu einem Zeit- punkt, wo der Widowdan empfängliche Gemüter immer von neuem mit patriotischer Erregung er- fülle. Ein erhebhcher Teil der serbischen Presse hat sich zum Echo dieser Stimmungen gemacht und spricht sogar von einer Provokation des serbischen patriotischen Gefühls^ durch die Abhaltung der Manöver. Diese Taktik bezweckt ' natürlich nichts anderes, als die Anschuldigungen zu parieren, die in der Öffentlichkeit Österreich-Ungarns gegen die planmäßig in Serbien betriebene großserbische Agitation erhoben werden.
Die nicht abzuleugnende moralische Mitschuld Serbiens an dem Attentat bedeutet eine schwere Schädigung des durch die beiden letzten Kriege kaum erst wieder gehobenen Ansehens des Landes.
^ »fanatisierten« vom Kaiser zweimal unterstrichen.
* Am Rand Fragezeichen und Ausrufungszeichen des Kaisers.
■' Am Rand Ausrufungszeichen des Kaisers.
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Dies empfinden auch seine wärmsten Freunde und
Gönner. So soll mein russischer Kollege auf die
erste Nachricht von der Katastrophe ausgerufen
er mußte es ja doch haben: t Esperons qiie ce ne sera pas un Serbe.«
wissen! „ .
V. Griesinger
Nr. II
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler ^
Geheim ! Wien, den 2. Juli 1914^
Im Anschluß an meine anderweite Berichterstattung^ beehre ich mich, über meine heutige Audienz bei Sr. M. dem Kaiser Franz Joseph nachstehendes zu melden.
Der Kaiser kam mir bei meinem Eintritte in sein Kabinett mit elastischem Schritte entgegen und forderte mich nach Entgegennahme meines Allerhöchsten Auftrages auf, an seinem Schreibtische Platz zu nehmen. Der Kaiser sagte dann, die Zeiten seien sehr ernst. Er wisse ja nicht, wie lange ihm noch zu leben beschieden sein werde, aber er fürchte, in seinen letzten Lebenstagen würde ihm keine Ruhe vergönnt sein. Der Kaiser sprach dann über die wachsende Gefahr »da unten« und meinte, »ich sehe sehr schwaiz in die Zukunft«. Man müsse aber an die Zukunft denken und schon jetzt nach Mög- lichkeit Vorsorge treffen. Er hätte sehr gern sich mit unserem Aller- gnädigsten Herrn über alle die ihn beschäftigenden politischen Fragen ausgesprochen. Nun sei das leider für jetzt unmöglich geworden. Statt dessen werde er aber den Prinzen Hohenlohe tunlichst bald nach Berlin senden, der mit seinen Anschauungen wohl vertraut sei. Er hoffe zuversichtlich, daß mein Kaiser dem Prinzen volles Vertrauen entgegenbringen werde, »denn er verdient es«. Er habe den Prinzen beauftragt, ganz offen und rückhaltlos mit Sr. M. dem Kaiser und dessen Ratgebern zu sprechen.
Der Kaiser berührte dann die albanische Frage. In Albanien gehe es sehr schlecht. Mit den Leuten dort sei nichts zu machen : Jeder Albanese sei bestechlich, und auf keinen könne man sich ver- lassen. Prinz Wied habe gewiß den besten Willen, aber anscheinend sei er nicht der Mann für die ihm gestellte Aufgabe, wobei er aber nicht entscheiden wolle, ob ein anderer es besser gemacht haben würde. Man habe wohl die Verpflichtung, den Fürsten von Albanien so lange wie möglich zu halten und seine persönliche Sicherheit zu
^ Nach einer bei den Akten befindlichen Abschrift
* Eingangsvermerk, des Auswärtigen Amts: 4. Juli nachm. Dazu die Notiz:
11 Vom Unterstaatssekretär persönlich beantwortet«. Die Antwort ist nicht
bei den Akten. 2 Siehe Nr. 9.
4*
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garantieren. Weiter könne er aber nicht gehen. Die Albaner möchten dann sehen, wie sie untereinander fertig werden würden. Österreich interressiere nur die Integrität des albanischen Staates. Solange diese gewahrt werde, denke man hier an keine Intervention.
Turkan Pascha scheine auch ein recht übler Herr zu sein, der jetzt nun schon zum zweiten Male seinen Fürsten und sein Land im Stiche lasse. Daß man ein so übel beleumrmdetes Subjekt wie Herrn AHotti von Rom aus nach Durazzo geschickt habe, sei be- dauerlich und zeige von der Schwäche der italienischen Regierung. Doch sei Marquis di San Giuliano durchaus korrekt, und es gehe ja jetzt glücklicherweise entschieden besser im Verhältnis mit Rom.
Erfreulich sei es, daß die Beziehungen zu Griechenland wärmer geworden seien. Mit so vernünftigen Leuten wie die Herren Veniselos und Streit werde man gewiß auf diesem guten Wege weiterkommen.
Wenn er, der Kaiser, auch gewiß nichts für König Ferdinand übrig habe, so sei doch Bulgarien ein großes Land und bedeutender Entwicklung fähig. Bulgarien sei, außer vielleicht Griechenland, der einzige Balkanstaat, der gar keine widerstreitenden Interessen mit Österreich habe. Er halte es deshalb für richtig, die Beziehungen zu diesem Lande zu pflegen und fester zu gestalten.
Traurig dagegen sei das Kapitel »Rumänien«. »Ich weiß, daß Ihr Kaiser volles Vertrauen zu König Carol hat«, meinten S. M. wörtlich. »Ich habe es nicht.« Wenn der König auch versuche, sich möglichst gut mit Worten nach allen Seiten hin zu decken, so sei er, der Kaiser, doch fest überzeugt, daß der König nicht mehr die Kraft habe, sein Land zu führen, sondern er werde von der Volksstimmung geführt. Übrigens habe der König ja mit aller Deutlichkeit seinerzeit schon dem Prinzen Fürstenberg erklärt, er fühle sich nicht imstande, seinen Verpflichtungen dem Dreibunde gegenüber nachzukommen. Die von ihm oft gerühmte Politik der freien Hand werde notwendig dahin führen, daß er gegen Österreich werde marschieren müssen.
Ein Lichtblick in der sonst so trüben politischen Lage sei die Besserung der Beziehungen zwischen Berlin und London, die natur- gemäß auch eine günstige Rückwirkung auf die Beziehungen zwischen Wien und London zur Folge gehabt hätten. Sir Edward Grey habe sich im Laufe der Jahre entschieden in politischer Beziehung zu seinem Vorteil verändert, und er glaube, daß die sonst nicht gerade brillante Londoner Konferenz doch das Gute gehabt habe, Deutsch- land und auch Österreich dem Minister näherzubringen, der unsere Politik jetzt wohl richtiger beurteilt wie früher. »Wenn wir England nur ganz von seinen Freunden Frankreich und Rußland abbringen könnten«, meinte S. M. Ich bemerkte hier, daß S. M. überzeugt sein könnten, daß S. M. unser allergnädigster Kaiser, und der Herr Reichskanzler auch weiter auf dem bisher mit großer Geduld und Beharrlichkeit verfolgten Wege weiterschreiten würden, um England mehr und mehr von der Kongruenz unserer Interessen zu
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überzeugen. Ein völliges Abdrängen von seinen jetzigen Entente- freunden würde aber wohl in absehbarer Zeit kaum möglich sein. Wir müßten mit einer allmählich fortschreitenden Besserung unseres Ver- hältnisses zu England uns für jetzt zufrieden geben. Vielleicht würden einmal Ereignisse in der Welt eintreten, durc h welche unsere Bemühungen rascher zum Ziele geführt werden würden.
S. M. kam dann zum Schluß nochmals auf den serbischen Nach- bar zu sprechen. Die Belgrader Intrigen seien unerträglich. Mit den Leuten sei eben im guten nichts anzufangen. S. M. erwähnten hier die Stellung, die Herr von Hartwig in Belgrad einnehme, und die Besorgnisse, die ihm die russischen sogenannten Probemobilisierungen im Herbst, also zu einer Zeit, wo hier die Rekruten eingestellt würden und die Armee nicht vollkommen schlagfertig sei, einflößten. Er hoffe, daß mein Kaiser und die Kaiserli he Regierung die Ge- fahren ermäßen, die für die Monarchie in der serbischen Nachbar- schaft lägen. Man müsse, wie gesagt, an die Zukunft denken und die Machtstellung der im Dreibund Verbündeten waliren. Ich be- nutzte diese Bemerkung des Kai>ers, um auch Sr. M. gegenüber — wie ich es in diesen Tagen dem Grafen Berchtold gegenüber sehr nachdrückUch bereits getan habe — nochmals daiauf hinzuweisen, daß S. M. sicher darauf bauen könne, Deutschland geschlossen hinter der Monarchie zu finden, S(;bald es sich um die Verteidigung eines ihrer Lebensinteressen handele. Die Entscheidung darüber, wann und wo ein solches Lebensinteresse vorhege, müsse Österreich selbst überlassen bleiben. Aus Stimmungen und Wünschen heraus, wenn sie auch noch so verständhch seien, könne verantwortliche Politik nicht gemacht werden. Es müsse vor jedem entscheidenden Schritt sehr genau erwogen werden, wie weit man gehen wolle und müsse und mit welchen Mitteln das ins Auge gefaßte Ziel zu errreichen sei. In erster Linie müsse bei jedem folgenschweren Schritte die allgemeine politische Lage erwogen und die voraussichtliche Haltung der anderen Mächte und Staaten in Rücksicht gezogen und das Terrain sorgfältig vor- bereitet werden. Ich könne nur wiederholen, daß n ein Kaiser hinter jedem festen Entschlüsse Österreich -Ungarns stehen werde. S. M. stimmten diesen meinen Worten lebhaft zu und meinten, ich hätte gewiß recht.
Der Kaiser erwähnte dann noch, daß der plötzliche Tod des Generals Pollio ein herber Verlust für Italien und auch für uns sei. »Alles stirbt um mich herum,« sagte S. M., »es ist zu traurig.«
Der Kaiser sprach dann noch über seine Sommerpläne in Ischl, die Aussichten der Hirschjagd und geruhten mich nach fast ein- stündiger Audienz in gnädigster Weise zu entlassen.
Während ich diesen Bericht — zwischen 12 und i Uhr nachts — niederschreibe, höreich da-. Johlen und Pfeifen einer großen Menschen- menge, die eine Demonstration vor der nahe gelegenen russischen Botschaft veranstalten. Zahlreichen Schutzmannschaften ist es soeben gelungen, die Demonstranten von der russischen Botschaft abzu-
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drängen, und nach einer Ansprache, die von jemandem an die Menge gerichtet wurde, die ich aber nicht verstehen konnte, zieht die Menge soeben ab unter Absingung des »Gott erhalte« und der »Wacht am Rhein«.
von Tschi rschky
Nr. 12
Der Gesandte in Belgrad an den Reichskanzler ^
Belgrad, den 2. JuH 1914^
Wie mir der österreichisch-ungarische Geschäftsträger mitteilt, hat er gestern von sich aus an den Generalsekretär im hiesigen Auswärtigen Ministerium die Frage gerichtet, was die serbische Regierung angesichts der selbst nach den slawischen Blättern auf Serbien und Belgrad weisenden Zusammenhänge mit dem Attentat :(u deren Ermittelung angeordnet habe. Herr Gruitsch erklärte ihm darauf, daß bis jet:{t nichts geschehen sei und die Sache die serbische Regierung auch nichts anginge^, und fragte seinerseits, ob der Geschäftsträger im Namen seiner Regierung spreche. Herr von Storck ist ihm dann sehr deutlich geworden und hat ihm sein tiefstes Be- fremden darüber ausgedrückt, daß eine Regierung, die fortwährend versichere, mit ihren Nachbarn in korrekten Beziehungen leben zu wollen, eine derartige Gleichgültigkeit an den Tag lege. Die Unter- redung scheint beiderseits ungemein erregt geführt worden :{u sein und hat damit geendet, daß der Generalsekretär sofort mit dem Minister des Innern sich ins Benehmen setzte. Es verlautet nun- mehr, daß am gestrigen Abend einige Verhaftungen imd Haussuchungen in den von den Attentätern seinerzeit bewohnten Quartieren vorge- nommen wurden. Auch sollen nähere Ermittlungen darüber im Gange sein, welchen Gesellschaften und nationalistischen Vereinen die Atten- täter angehört haben, wie sie in den Besit{ der Bomben gelangt sind und woher die angeblich bei ihnen vorgefundenen Gelder stammen.
V. Griesinger
sehr bezeichnend
^ Nach der Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 5. Juli vorm, Bericht lag dem
Kaiser vor, von ihm am 13. Juli zurückgegeben, am 16. Juli wieder im Amt.
Gemäß kaiserlicher Randverfügung am 20. Juli der Botschaft in Wien
mitgeteilt. ' Die Worte »jetzt nichts geschehen« und »nichts anginge« vom Kaiser
zweimal unterstrichen, am Rand zwei Ausrufungszeichen des Kaisers.
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Nr. 13
Der Kaiser von Österreich an den Kaiser
Handschreiben ^
Ich habe aufrichtig bedauert, daß Du genötigt warst, Deine Absicht, zur Trauerfeier nach Wien zu kommen, aufzugeben. Ich hätte Dir sehr gerne persönlich meinen herzhchen Dank für Deine wohltuende Anteilnahme an meinem schweren Kununer ausgesprochen.
Du hast mir durch Dein warmes, mitfühlendes Beileid wieder bewiesen, daß ich in Dir einen treuen verläßlichen Freund besitze und daß ich in jeder ernsten Stunde auf Dich rechnen kann.
Es wäre mir auch sehr erwünscht gewesen, die politische Lage mit Dir zu besprechen; da dies jetzt nicht möglich gewesen ist, erlaube ich mir. Dir die anruhende von meinem Minister des Äußern ausgearbeitete Denkschrift zu senden, die noch vor der furchtbaren Katastrophe in Sarajevo verfaßt wurde und jetzt nach diesem tra- gischen Ereignisse besonders beachtenswert erscheint.
Das gegen meinen armen Neffen verübte Attentat ist die direkte Folge der von den russischen imd serbischen Panslawisten betriebenen Agitation, deren einziges Ziel die Schwächung des Dreibundes und die Zertrümmerung meines Reiches ist.
Nach allen bisherigen Erhebungen hat es sich in Sarajevo nicht um die Bluttat eines einzelnen, sondern um ein wohlorganisiertes Komplott gehandelt, dessen Fäden nach Belgrad reichen, und wenn es auch vermutlich immöglich sein wird, die Komplizität der serbi- schen Regierung nachzuweisen, so kann man wohl nicht im Zweifel darüber sein, daß ihre auf die Vereinigung aller Südslawen unter serbischer Flagge gerichtete Politik solche Verbrechen fördert, und daß die Andauer dieses Zustandes eine dauernde Gefahr für mein Haus und für meine Länder bildet.
Diese Gefahr wird noch dadurch erhöht, daß auch Rumänien, trotz des bestehenden Bündnisses mit uns, sich mit Serbien eng be- freimdet hat und auch im eigenen Lande eine ebenso gehässige Agitation gegen uns duldet, wie Serbien es tut.
Es wird mir schwer, an der Treue und den guten Absichten eines so alten Freundes, wie Carl von Rumänien es ist, zu zweifeln,
^ Nach der bei den Akten befindlichen offiziellen Abschrift der k. u. k. Regierung, die nebst der unten (Nr. 14) abgedruckten Denkschrift am 5. Juli von österreichisch-ungarischer Seite dem Unterstaatssekretär Zimmermann überreicht worden war. Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 5. Juli. Am 6. Juli dem Botschafter in Wien abschriftlich mitgeteilt. Siehe außer- dem die Telegramme vom 6. Juli an die Vertretungen in Wien, Bukarest, Sofia und Rom Nr. 15, 16, 17 und 33. Siehe auch deutsches Weißbuch vom Juni 1919, Anlage V. 3.
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er selbst hat aber meinem Gesandten im Laufe der letzten Monate zweimal erklärt, daß er angesichts der erregten und uns feindüchen Stimmung seines Volkes nicht in der Lage wäre, im Ernstfalle seinen Bundespflichten nachzukommen.
Dabei fördert die gegenwärtige rumänische Regierung ganz offen die Bestrebungen der Kulturliga, begünstigt die Annäherung an Serbien und strebt mit russischer Hilfe die Gründung eines neuen Balkanbundes an, der nur gegen mein Reich gerichtet sein könnte.
Schon am Beginne der Regierungszeit Carls haben ähnliche politische Phantasien, wie sie jetzt von der Kulturliga verbreitet werden, den gesunden politischen Sinn der rumänischen Staatsmänner getrübt, und es hat die Gefahr bestanden, daß das Königreich eine Abenteurerpolitik treiben würde. Damals hat Dein seliger Großvater in energischer zielbewußter Weise durch seine Regierung eingegriffen und hat Rumänien so den Weg gewiesen, auf welchem es zu einer Vorzugsstellung in Europa und zu einer verläßlichen Stütze aller Ordnung geworden ist.
Jetzt droht dieselbe Gefa'^r dem Königreiche; ich befürchte, daß Ratschläge allein nicht mehr helfen werden und daß Rumänien nur dann dem Dreibunde erhalten werden kann, wenn wir einerseits das Entstehen eines Balkanbundes unter russischer Patronanz durch den Anschluß Bulgariens an den Dreibund unmöglich machen und andererseits in Bukarest klar und deutlich zu erkennen geben, daß die Freunde Serbiens nicht unsere Freunde sein können, und daß auch Rumänien nicht mehr mit uns als Bundesgenossen wird rechnen können, wenn es sich nicht von Serbien lossagt und die gegen den Bestand meines Reiches gerichtete Agitation in Rumänien nicht mit aller Kraft unterdrückt.
Das Bestreben meiner Regierung muß in Hinkunft auf die Isolierung und Verkleinerung Serbiens gerichtet sein. Die erste Etappe auf diesem Wege wäre in einer Stärkung der Stellung der gegenwärtigen bulgarischen Regierung zu suchen, damit Bulgarien, dessen reelle Interessen mit den unsrigen übereinstimmen, vor der Rückkehr zur RussophiUe bewahrt bleibt.
Wenn man in Bukarest erkennt, daß der Dreibund entschlossen ist, auf einen Anschluß Bulgariens nicht zu verzichten, jedoch bereit wäre, Bulgarien dazu zu veranlassen, sich mit Rumänien zu ver- binden und dessen territoriale Integrität zu garantieren, so wird man dort vielleicht von der gefähi liehen Richtung zurückkommen, in welche man durch die Freundschaft mit Serbien und die Annähe- rung an Rußland getrieben worden ist.
Wenn dies gelingt, könnte der weitere Versuch gemacht werden, Griechenland mit Bulgarien und der Türkei zu versöhnen, es würde sich dann unter der Patronanz des Dreibundes ein neuer Balkanbund bilden, dessen Ziel darin bestehen würde, dem Vordringen der pan- slawistischen Hochflut ein Ziel zu setzen und unseren Ländern den Frieden zu sichern.
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Dies wird aber nur dann möglich sein, wenn Serbien, welches gegenwärtig den Angelpunkt der panslawischen Politik bildet, als politischer Machtfaktor am Balkan ausge- ehaltet wird.
Auch Du wirst nach dem jüngsten furchtbaren Geschehnisse in Bosnien die Überzeugung haben, daß an eine Versöhnung des Gegensatzes, welcher Serbien von uns trennt, nicht mehr zu denken ist, und daß die erhaltende Friedenspolitik aller europäischen Mo- narchen bedroht sein wird, solange dieser Herd von verbrecherischer Agitation in Belgrad ungestraft fortlebt.
Nr. 14
Memorandum der österreichisch-ungarischen Regierung^
Geheim !
Nach den großen Erschütterungen der letzten zwei Jahre haben sich die Verhältnisse am Balkan so weit geklärt, daß es nun möglich ist, die Ergebnisse der Krise einigermaßen zu übersehen und fest- zustellen, inwiefern die Interc'-sen des Dreibundes, insbesondere die der beiden zentralen Kaisermächte, durch die Ereignisse tangiert wurden und welche S' hlußfolgerungen sich für die europäische und Balkanpolitik dieser Mächte ergeben.
Wenn man die heutige Situation mit jener vor der großen Krise unbefangen vergleicht, muß man konstatieren, daß das Ge- samtergebnis, vom Standpunkte Österreich-Ungarns sowie des Drei- bundes aus betrachtet, keineswegs als günstig bezeichnet werden kann.
Die Bilanz weist allerdings einige Aktivposten auf. Es ist ge langen, als Gegengewicht gegen das Vordringen Serbiens ein selb- ständiges albanesisches Staatswesen zu sei äffen, das nach einer Reihe von Jahren, wenn seine innere Organisation vollendet sein wird, immerhin auch als mihtärischer Faktor in den Kalkül des Dreibundes eingestellt werden kann. Die Beziehungen des Dreibundes zu dem erstarkten und vergrößerten griechischen Königreiche haben sich all- mählich so gestaltet, daß Griechenland trotz seines Bündnisses mit Serbien nicht unbedingt als Gegner anzusehen ist.
Hauptsächhch ist aber infolge der Entwicklung, die zum zweiten Balkankrieg gefülirt hat, Bulgarien aus der russischen Hypnose er- wacht und kann heute nicht mehr als Exponent der russischen PoHtik gelten. Die bulgarische Regierung strebt im Gegenteile an, in ein näheres Verhältnis zum Dreibund zu treten.
^ Nach der bei den Akten befindlichen offiziellen AbscMpt der österreichisch- ungarischen Regierung. Siehe auch deutsches Weißläfuch vom Juni 1910 Anlage V. 4. Mit Nr. 13 am 5. Juli überreicht.
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Diesen günstigen Momenten stehen jedoch nachteilige gegenüber, die schwerer als jene ins Gewicht fallen. Die Türkei, deren Interessen- gemeinschaft mit dem Dreibunde von selbst gegeben war, und die ein starkes Gegengewicht gegen Rußland und die Balkanstaaten dargestellt hatte, ist aus Europa fast ganz verdrängt worden und hat eine wesentliche Einbuße an ihrer Großmachtstellung erlitten Serbien, dessen Politik seit Jahren von feindlichen Tendenzen gegen Österreich -Ungarn geleitet wird, und das ganz unter russischem Ein- flüsse steht, hat einen Zuwachs an Gebiet und Bevölkerung erreicht, der die eigenen Erwartungen weit übertroffen hat ; durch die terri- toriale Nachbarschaft zu Montenegro und das allgemeine Erstarken der großserbischen Idee ist die MögHchkeit einer weiteren Vergröße- rung Serbiens im Wege der Union mit Montenegro nahegerückt. Endlich hat sich im Laufe der Krise das Verhältnis Rumäniens zum Dreibunde wesenthch geändert.
Während die Balkankrise somit zu Resultaten geführt hat, die an sich schon für den Dreibund keineswegs günstig sind und den Keim einer speziell für Österreich-Ungarn unerwünschten weiteren Entwicklung in sich schließen, sehen wir andererseits, daß die russische und französische Diplomatie eine einheitHche und plan- mäßige Aktion eingeleitet hat, um die errungenen Vorteile weiter auszugestalten und einzelne, von ihrem Standpunkte nachteilige Momente entsprechend zu modifizieren.
Ein kurzer UberbHck über die europäische Lage läßt klar er- kennen, weshalb die Triple-Entente — richtiger der Zweibund, denn England hat seit der Balkankrise aus erklärlichen und sehr be zeichnenden Gründen eine reservierte Haltung eingenommen — sicli mit den zu ihren Gunsten eingetretenen Verschiebungen am Balkan nicht zufrieden geben konnte.
Während die PoHtik der beiden Kaisermächte und bis zu einem gewissen Grade auch jene Italiens eine konservative ist imd der Dreibund einen rein defensiven Charakter besitzt, verfolgt die Pohtik Rußlands wie Frankreichs gewisse, gegen das Bestehende gerichtete Tendenzen und ist das russisch -französische Bündnis, als Produkt des Parallehsmus dieser Tendenzen, in letzter Linie offensiver Natur. Daß die PoHtik des Dreibundes sich bisher durchsetzen konnte und der Friede Europas vor Stönmgen durch Rußland und Frankreich bewahrt blieb, war auf die militärische Superiorität zurückzuführen, welche die Heere des Dreibundes, vor allem Österreich-Ungarns und Deutschlands, gegenüber jenen Rußlands und Frankreichs unzweifel- haft besaßen, wobei das Bündnis Rumäniens mit den Kaisermächten ein hoch zu bewertender Faktor war.
Der Gedanke, die christUchen Balkanvölker von der türkischen Herrschaft zu befreien, um sie dann als Waffe gegen Zentraleuropa zu gebrauchen, ist seit altersher der realpoHtische Hintergrund des traditionellen Interesses Rußlands für diese Völker. In neuerer Zeit hat sich hieraus die von Rußland ausgegangene, von Frank-
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reich verständnisvoll aufgenommene Idee entwickelt, die Balkan- staaten zu einem Balkanbund zu vereinigen, um auf diese Weise die militärische Superiorität des Dreibundes aus der Welt zu schaffen. Die erste Vorbedingung für die Verwirklichung dieses Planes war, daß die Türkei aus den von den christhchen Balkannationen be- wohnten Gebieten verdrängt werde, damit die Kraft dieser Staaten vermehrt und nach Westen hin frei werde. Diese Vorbedingung ist durch den letzten Krieg im großen und ganzen erfüllt worden. Da- gegen ist nach dem Ausgange der Krise eine Spaltung der Balkan - Staaten in zwei annähernd gleich starke gegnerische Gruppen, die Türkei und Bulgarien einerseits, die beiden serbischen Staaten. Griechenland und Rumänien andererseits, eingetreten.
Diese Spaltung zu beseitigen, um alle Balkanstaaten oder doch die entscheidende Mehrzahl zur Verschiebung des europäischen Ejäfteverhältnisses verwenden zu können, bildete die nächste Auf- gabe, die sich nach dem Abschluß der Krise Rußland und mit ihm Frankreich stellte.
Da zwischen Serbien und Griechenland ein Bündnis bereits be- stand und Rumänien sich mit diesen beiden Staaten wenigstens hinsichtlich der Resultate des Bukarester Friedens solidarisch erklärt hatte, handelt es sich für die Zweibundmächte im Wesen darum, den tiefen Gegensatz Bulgariens zu Griechenland und vor allem zu Serbien in der mazedonischen Frage auszugleichen ; ferner, eine Basis zu finden, auf welcher Rumänien bereit wäre, ganz ins Lager des Zweibundes abzuschwenken und selbst mit dem mißtrauisch be- obachteten Bulgarien an einer politischen Kombination teilzunehmen ; endlich, wenn möglich, eine friedliche Lösung der Inselfrage herbei- zuführen, um eine Annäherung oder den Anschluß der Türkei an die Balkan Staaten anzubahnen.
Über die Gnmdlage, auf weicher sich nach den Absichten der russischen und französischen Diplomatie die Ausgleichung dieser Gegensätze und Rivalitäten vollziehen und der neue Balkanbund aufbauen soll, kann kein Zweifel bestehen. Ein Bündnis der Balkan- staaten kann sich unter den heutigen Verhältnisssen, da eine ge- meinsame Aktion gegen die Türkei nicht mehr in Betracht kommt, nur gegen Österreich-Ungarn richten und nur auf der Basis eines Programmes zustande gebracht werden, das in letzter Linie auf Kosten der territorialen Integrität der Monarchie allen Teilnehmern durch eine staffelweise Verrückung der Grenzen von Ost nach West Gebietserweiterungen in Aussicht stellt. Eine Einigung der Balkan- staaten auf einer anderen Grundlage ist kaum denkbar, auf dieser Basis aber nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern auf bestem Wege, zur Tatsache zu werden.
Daß Serbien unter russischem Druck darauf eingehen würde' für den Eintritt Bulgariens in ein gegen die Monarchie gerichtetes auf den Erwerb Bosniens und der angrenzenden Gebiete abzielendes
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Bündnis in Mazedonien einen angemessenen Preis zu bezahlen, ist wohl nicht zu bezweifeln.
Größer sind die Schwierigkeiten in Sofia.
Rußland hat Bulgarien Vorschläge auf der eben erwähnten Basis schon vor dem zweiten Balkankrieg gemacht und sie nach dem Bukarester Frieden wiederholt. Bulgarien, das offenbar von Verein- barungen mit Serbien gründlich abgeschreckt war, hat es jedoch ab- gelehnt, auf die russischen Pläne einzugehen, und verfolgt seither eine Politik, welche auf alles eher als auf eine friedliche Verstän- digung mit Serbien unter der Ägide Rußlands abzielt. Man hat in St. Petersburg das Spiel aber keineswegs verloren gegeben. Im Innern des Landes arbeiten russische Agenten am Sturze des heutigen Regimes, und gleichzeitig ist die Zweibunddiplomatie eifrig bemüht, eine völlige Isolierung Bulgariens herbeizuführen, um es hierdurch den russischen Angeboten zugänghch zu machen.
Da Bulgarien nach dem Friedensschlüsse bei der Türkei An- lehnung gesucht und gefunden und da sich bei der Pforte anderer- seits die Neigung gezeigt hatte, ein Bündnis mit Bulgarien einzu- gehen und sich dem Dreibund zu nähern, so ist russisch-französischer Einfluß seit einiger Zeit am Bosporus eifrig am Werk, um dieser Politik der Türkei entgegenzuarbeiten, letztere zum Zweibund hin- überzuziehen und auf diese Art Bulgarien entweder durch völlige Isolierung oder durch Einwirkung der Türkei zu einer neuen Orien- tierung zu veranlassen. Meldungen aus Konstantinopel, die durch die Reise Talaat Beis nach Livadia eine gewisse Bestätigung er- fahren haben, besagen, daß diese Bemühungen, wenigstens was die Türkei betrifft, nicht ohne Erfolg geblieben sind. Es ist Rußland gelungen, durch den Hinweis auf die angeblichen, den klein asiatischen Besitzstand bedrohenden Aufteilungspläne anderer Mächte das histo- rische Mißtrauen der Türkei von sich abzulenken und mit wirksamer Unterstützung Frankreichs, das die Finanznot der Türkei auszunutzen verstand, zu erreichen, daß anstatt eines Zusammengehens mit dem Dreibimd der Gedanke einer Annäherung an die andere Mächte- gruppe von den türkischen Staatsmännern in ernste Erwägung ge- zogen wird.
Auf die Tätigkeit der russischen und französischen Diplomatie ist auch die Reise Talaat Beis nach Bukarest zurückzuführen, durch welche eine rumänische Vermittlung in der Inselfrage herbeigeführt, gleichzeitig aber auch durch die Anbahnung freimdschaftlicher Be- ziehungen zwischen Konstantinopel und Bukarest die Einkreisung Bulgariens gefördert werden sollte.
Einstweilen hat sich eine Wirkung dieser Einkreisungsbestrebungen auf die bulgarische Politik noch aicht gezeigt, vielleicht deshalb, weil man in Sofia noch keinen Anlaß hatte, gegen die Absichten der Türkei mißtrauisch zu werden. Jedenfalls ist aber die Erwartung Rußlands vollkommen gerechtfertigt, daß eine völlige Isoherung am Balkan wie in Europa Bulgarien schHeßlich nötigen würde, seine
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bisherige Politik aufzugeben und auf die Bedingungen einzugehen, die ihm Rußland für die Wiederaufnahme in seinen Schutz und Schirm auferlegen würde.
Mazedonien spielt in der inneren und äußeren Politik Bulgariens eine proeminente Rolle. Wenn es sich für die dortigen Machthaber herausstellen sollte, daß der von Rußland proponierte friedliche Ausgleich und das Bündnis mit Serbien der einzige Weg ist, wenigstens Teile Mazedoniens für die bulgarische Sache zu retten, wird trotz der erlittenen Enttäuschungen keine bulgarische Regierung es wagen können, diese Kombination zurückzuweisen. Nur eine Aktion, die Bulgarien den russischen Drohungen und Lockungen gegenüber das Rückgrat stärkt und das Land vor Isolierung bewahrt, könnte verhindern, daß Bulgarien schließlich auf die Balkanbund- pläne eingeht.
Was nun Rumänien anbelangt, so hatte dort die russisch- französische Aktion schon während der Balkankrise mit voller Intensität eingesetzt, sie hatte die öffentliche Meinung durch erstaunliche Ver- drehungskünste und durch geschickte Anfachung der unter der Oberfläche stets fortglimmenden großrumänischen Idee in eine feind- selige Stimmung gegen die Monarchie hineingetrieben und die aus- wärtige Politik Rumäniens zu einer mit seinen Bundespfiichten gegenüber Österreich-Ungarn kaum in Einklang stehenden militärischen Kooperation mit Serbien veranlaßt.
Diese Aktion ist seither keineswegs zum Stillstand gekommen, sie wurde und wird vielmehr mit allem Nachdruck und mit so ein- drucksvollen und demonstrativen Mitteln, wie dem Besuche des Zaren am rumänischen Hofe, fortgesetzt.
Parallel damit vollzog sich ein immer tiefer gehender Umschwung in der rumänischen öffentlichen Meinung, und es kann heute nicht daran gezweifelt werden, daß viele Kreise der Armee, der Intelligenz und des Volkes für eine neue Orientierung Rumäniens gewonnen sind, für eine Politik des Anschlusses an Rußland, die sich die »Befreiung der Brüder jenseits der Karpathen« zum Ziele zu setzen hätte. Es ist klar, daß damit das Terrain für den Eintritt Rumäniens in einen etwaigen künftigen Balkanbund in der wirksamsten Weise vorbereitet ist.
Das offizielle Rumänien hat bisher dem Einflüsse dieser populären Strömungen und den russisch-französischen Werbungen so weit wider- standen, daß von einem offenen Übergang ins Lager des Zweibundes und zu einer ausgesprochenen Politik gegen Österreich-Ungarn derzeit noch nicht gesprochen werden kann. Es ist aber unleugbar, daß in der auswärtigen Politik Rumäniens eine bedeutsame Schwenkung eingetreten ist, die — ganz abgesehen von allen Perspektiven auf eine künftige, in gleich(r Richtung fortschreitende Entwicklung — schon jetzt auf die politische und militärische Situation Österreich- Ungarns, ja des ganzen Dreibundes, in beträchtlichem Maße zurückwirkt.
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Während nämlich früher, trotz der Geheimhaltung des Allianz- verhältnisses, kein positiver Anhaltspunkt vorlag, an der Erfüllung der aus dem Akkord mit den Dreibundmächten entspringenden Ver- pflichtungen durch Rumänien zu zweifeln, haben kompetente rumänische Stellen in letzter Zeit mehrfach die öffentHche Erklärung abgegeben — \vogegen die Dreibundmächte infolge der Geheimhaltungsklausel des Bündnisvertrages keine Rekriminationen erheben konnten — daß der leitende Gedanke der rumänischen Politik das Prinzip der freien Hand sei. Ebenso hat König Carol mit der Offenheit, die seiner vornehmen Gesinnung entspricht, dem k. und k. Gesandten erklärt, solange er lebe, werde sein Streben zwar dahin gehen, daß die rumänische Armee gegen Österreich - Ungarn nicht ins Feld ziehe, allein gegen die öffentliche Meinung des heutigen Rumänien könne er nicht Politik machen, und es sei daher im Falle eines Angriffes Rußlands gegen die Monarchie trotz des bestehenden Bündnisses an eine Aktion Rumäniens an der Seite Österreich-Ungarns nicht zu denken. Um einen Schritt weiter ist — bezeichnenderweise un- mittelbar nach dem Zarenbesuche in Constanza — der rumänische Minister des Äußern gegangen, indem er in einem Interview unver- blümt zugab, daß eine Annäherung Rumäniens an Rußland erfolgt sei und daß eine Interessengemeinschaft zwischen den beiden Staaten bestehe.
Das Verhältnis Österreich-Ungarns zu Rumänien ist somit gegen- wärtig daduich charakterisiert, daß die Monarchie ganz auf dem Boden des Bündnisses steht und nach wie vor bereit ist, Rumänien, wenn der casus foederis eintreten sollte, mit ganzer Macht zu unter- stützen, daß Rumänien aber sich von den Bündnispflichten einseitig lossagt und der Monarchie lediglich eine neutrale Haltung in Aus- sicht stellt. Selbst die bloße Neutralität Rumäniens ist der Mon- archie nur dru"ch eine persönhche Zusage König Carols garantiert, die natürlich lediglich für die Dauer seiner Regierung von Wert ist, deren Einhaltung aber überdies davon abhängt, daß der König die Leitung der auswärtigen Politik stets vollkommen in der Hand behält. Daß dies in Zeiten nationaler Erregung des ganzen Landes die Kraft des Monarchen übersteigen könnte, kann um so weniger negiert werden, als König Carol sich heute schon auf die Volks- stimmung beruft, um die Unmöglichkeit der vollen Erfüllung der Bundespflichten seitens Rumäniens zu begründen. Es darf schließ- lich auch nicht übersehen werden, daß Rumänien schon heute mit dem erbittertsten Gegner der Monarchie am Balkan, mit Serbien, durch Bande der Freundschaft und Interessengemeinschaft verknüpft ist.
Die Monarchie hat sich bisher darauf beschränkt, die Schwen- kung der rumärüschen Politik in Bukarest in freundschaftlicher Weise zur Sprache zu bringen, sich im übrigen aber nicht veranlaßt gesehen, aus dieser immer deutlicheren Kursänderung Rumäniens ernste Konsequenzen zu ziehen ; das Wiener Kabinett hat sich hierzu in erster Linie dadurch bestimmen lassen, daß die deutsche Re-
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gierung die Auffassung vertrat, es handle sich um vorübergehend Schwenkungen, Folgeerscheinungen gewisser Mißverständnisse aus der Zeit der Krise, die sich automatisch zurückbilden würden, wenn man ihnen gegenüber Ruhe und Geduld bewahrt. Es hat sich aber gezeigt, daß diese Taktik ruhigen Abwartens und freundschaftlicher Vorstellungen nicht die gewünschte Wirkung hatte, daß sich der Prozeß der Entfremdung zwischen Österreich-Ungarn und Rumänien nicht zurückgebildet, sondern im Gegenteil beschleunigt hat. Daß von dieser Taktik auch für die Zukunft eine Wendung im günstigen Sinne nicht zu erwarten ist, dafür spricht schon der Umstand, daß die gegenwärtige Situation der »freien Hand« für Rumänien durch- aus vorteilhaft imd nur für die Monarchie nachteilig ist.
Es drängt sich nun die Frage auf, ob Österreich-Ungarn das Verhältnis zu Rumänien noch durch eine offene Auseinandersetzung sanieren könnte, indem es das Königreich vor die Wahl stellt, ent- weder alle Brücken zum Dreibund abzubrechen oder — etwa durch Bekanntmachung seiner Zugehörigkeit zum Dreibunde — ausreichende Bürgschaften dafür zu geben, daß die aus der Allianz entspringen- den Verpflichtungen auch von seiner Seite voll und ganz erfüllt werden würden. Eine solche Lösung der Frage, die eine dreißigjährige Tradition wieder aufleben ließe, würde sicherlich den Wünschen Öster- reich-Ungarns am meisten entsprechen. Unter den gegebenen Ver- hältnissen ist es aber leider wenig wahrscheinUch, daß sich König Carol oder irgendeine rumänische Regierung, selbst gegen eine even- tuelle Erweiterung des gegenwärtigen Bündnisvertrages, dazu bereit- finden würde, der herrschenden Volksstimmung zum Trotz Rumänien öffentlich als Bundesgenossen des Dreibundes hinzustellen. Ein ka- tegorisches aut-aut seitens der Monarchie könnte daher zum offenen Bruch führen. Ob es dem deutschen Kabinett durch ernste und nachdrückliche Vorstellungen, eventuell verbunden mit einem An- erbieten im obigen Sinne, gehngen würde, Rumänien zu einer Stel- lungnahme zu veranlassen, die als eine verläßhche Garantie füi seine dauernde und volle Bundestreue angesehen werden könnte, läßt sich von Wien aus nicht leicht beurteilen, erscheint aber wohl gleichfalls als zweifelhaft.
Unter diesen Umständen kann die MögHchkeit praktisch als ausgeschlossen gelten, das Bündnis mit Rumänien wieder so verläßlich imd tragfähig zu gestalten, daß es für Österreich-Ungarn das Pivot seiner Balkan politik bilden könnte.
Es wäre nicht nur zwecklos, sondern bei der politischen und militärischen Bedeutung Rumäniens eine nicht zu verantwortende Sorglosigkeit, die wichtige Interessen der Reichsverteidigung aufs Spiel setzen würde, wenn sich die Monarchie gegenüber den in Rumänien zutage getretenen Erscheinungen weiterhin mehr oder weniger passiv verhalten und nicht ohne Aufschub die erforderlichen militärischen Vorbereitungen und politischen Aktionen einleiten
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würde, um die Wirkungen der Neutralität und eventuellen Feind- seligkeit Rumäniens aufzuheben oder wenigstens abzuschwächen.
Der militärische Wert des Bündnisses mit Rumänien bestand für die Monarchie darin, daß sie im Konfliktsfalle mit Rußland gegen dieses von der rumänischen Seite her militärisch völlig freie Hand gehabt hätte, während ein ansehnhcher Teil der russischen Heeresmacht durch den Angriff der flankierenden rumänischen Armee gebunden worden wäre. Das heutige Verhältnis Rumäniens zur Monarchie hätte jedoch, würde jetzt zwischen ilir und Rußland ein bewaffneter Konflikt ausbrechen, so ziemlich das Gegenteil zur Folge. Rußland hätte nun auf keinen Fall einen Angriff Rumäniens zu befürchten und würde gegen Rumänien kaum einen Mann aufstellen müssen, während Österreich-Ungarn der rumänischen Neutralität nicht ganz sicher und deshalb gezwungen wäre, ein entsprechendes Aufgebot an Truppen gegen das jetzt an seiner Flanke befindliche Rumänien zurückzubehalten.
Die bisherigen mihtärischen Vorkehrungen Österreich -Ungarns für den Fall eines Konfliktes mit Rußland basierten auf der Voraus- setzung der Kooperation Rumäniens. Ist diese Vorraussetzimg hin- fäUig, ja nicht einmal eine absolute Sicherheit vor einer rumänischen Aggression gegeben, so muß die Monarchie für den Kriegsfall andere Dispositionen treffen und auch die Anlage von Befestigungen gegen Rumänien in Betracht ziehen.
PoUtisch handelt es sich darum, Rumänien durch Taten zu Deweisen, daß wir in der Lage sind, für die Balkanpolitik Österreich- Ungarns einen anderen Stützpunkt zu schaffen. Sachlich und zeit- lich deckt sich die zu diesem Zweck einzuleitende Aktion mit der Notwendigkeit, gegen die von den Zweibundmächten betriebene Er- richtung eines neuen Balkanbundes wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Das eine wie das andere kann bei der heutigen Lage am Balkan nur dadurch erreicht werden, daß die Monarchie auf die schon vor einem Jahre gestellten und seither mehrfach wiederholten Anerbieten Bulgariens eingeht und mit diesem in ein vertragsmäßiges Verhältnis tritt. Gleichzeitig müßte die Pohtik der Monarchie darnach trachten, ein Bündnis zwischen Bulgarien und der Türkei zustande zu bringen, wofür in beiden Staaten bis vor kurzem noch so günstige Dis- positionen herrschten, daß ein Vertragsinstrument, wenn es auch später nicht unterzeichnet wurde, bereits ausgearbeitet war. Auch in dieser Hinsicht könnte eine Fortsetzung der bisherigen abwartenden Haltung, zu welcher sich die Monarchie durch eine viel weiter- gehende Rücksichtnahme auf das Bündnis, als sie in Bukarest an den Tag gelegt wurde, bestimmen heß, von nicht wieder gut zu machendem schweren Nachteil sein. Weiteres Zuwarten und nament- lich das Unterbleiben einer Gegenaktion in Sofia würde den inten- siven und planmäßigen Bestrebungen Rußlands und Frankreichs vollkommen freies Spiel lassen. Die Haltung Rumäniens drängt die Monarchie geradezu mit Notwendigkeit dahin, Bulgarien jene An-
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lehnung, die es seit langem sucht, zu gewähren, um den sonst kaum abzuwendenden Erfolg der russischen Einkreisungspohtik zu ver- eiteln. Dies muß aber eben geschelien, solange der Weg nach Sofia und auch nach Konstantinopel noch offen steht.
Der Vertrag mit Bulgarien, dessen nähere Bestimmungen noch eingehender zu prüfen sein werden, wird im allgemeinen natürhch so abzufassen sein, daß er die Monarchie nicht in Widerstreit mit ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen Rumänien gegenüber zu bringen vermag. Auch wäre dieser Schritt der Monarchie vor letzterem nicht geheim zu halten, da ja darin keine Feindsehgkeit gegen Rumänien gelegen ist, wohl aber eine ernste Warnung, durch die sich die maßgebenden Faktoren in Bukarest der ganzen Trag- weite einer dauernden einseitigen politischen Abhängigkeit von Rußlcind bewußt werden könnten.
Bevor Österreich-Ungarn aber an die in Rede stehende Aktion herantritt, legt es den größten Wert darauf, mit dem Deutschen Reiche ein volles Einvernehmen herzustellen, und zwar nicht nur aus Rücksichten, die der Tradition und dem engen Bundes- verhältnis entspringen, sondern vor allem deshalb, weil wichtige Interessen Deutschlands und des Dreibundes überhaupt hier mit im Spiele sind und weil eine erfolgreiche Walirung dieser in letzter Konsequenz gemeinsamen Interessen nur zu erwarten ist, wenn der einheithchen Aktion Rußlands und Frankreichs eine ebenso ein- heitHche Gegenaktion des Dreibundes, insbesondere Ost erreich- Ungarns und des Deutschen Reiches, entgegengesetzt wird.
Denn wenn Rußland, von Frankreich unterstützt, die Balkan- staaten gegen Österreich-Ungarn zu vereinigen trachtet, wenn es die bereits erreichte Trübung des Verhältnisses zu Rumänien zu ver- tiefen bestrebt ist, so richtet sich diese Feindseligkeit nicht allein gegen die Monarchie als solche, sondern nicht zuletzt gegen den Bundesgenossen des Deutschen Reiches, gegen den durch seine geo- graphische Lage und innere Struktur exponiertesten, Angriffen am meisten zugänglichen Teil des zentraleuropäischen Blocks, der Rußland den Weg zur Verwirklichung seiner weltpohtischen Pläne sperrt.
Die miÜtärische Superiorität der beiden Kaisermächte durch Hilfstruppen vom Balkan her zu brechen, ist das Ziel des Zwei- bundes, aber nicht das letzte Ziel Rußlands.
Während Frankreich die Schwächung der Monarchie anstrebt, weil es hiervon eine Förderung seiner Revanchebestrebungen erwartet, sind die Absichten des Zarenreiches noch weit mufassender.
Wenn man die Entwicklung Rußlands in den letzten zwei Jahr- hunderten, die stetige Erweiterung seines Gebietes, das enorme, alle anderen europäischen Großmächte weit überflügelnde Anwachsen seiner Volkszahl und die gewaltigen Fortschritte seiner wirtschafthchen Ressourcen und militärischen Machtmittel überbückt und bedenkt,
Aktenstücke I, 5
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daß dieses große Reich durch seine Lage und durch Verträge vom freien Meer noch immer so gut wie abgeschnitten ist, dann begreift man die Notwendigkeit des der russischen Pohtik seit jeher immanenten aggressiven Charakters.
Man kann Rußland vernünftigerweise territoriale Eroberungspläne gegen das Deutsche Reich nicht zumuten ; trotzdem sind die außer- gewöhnüchen Rüstungen und kriegerischen Vorbereitungen, der Aus- bau strategischer Bahnen gegen Westen etc. in Rußland sicherhch mehr noch gegen Deutschland als gegen Österreich-Ungarn gerichtet.
Denn Rußland hat erkannt, daß die Verwirküchung seiner, einer inneren Notwendigkeit entspringenden Pläne in Europa und Asien in erster Linie höchst wichtige Interessen Deutschlands verletzen und daher auf dessen imausweichüchen Widerstand stoßen müßte.
Die PoHtik Rußlands ist durch unveränderhche Verhältnisse bedingt und deshalb eine stetige xmd weitausbhckende.
Die manifesten Einkreisungstendenzen Rußlands gegen die Monarchie, die keine WeltpoHtik treibt, haben den Endzweck, dem Deutschen Reiche den Widerstand gegen jene letzten Ziele Rußlands und gegen seine pohtische und wirtschaftliche Suprematie unmöglich zu machen.
Aus diesen Gründen ist die Leitimg der auswärtigen Politik Österreich-Ungarns auch davon überzeugt, daß es ein gemeinscimes Interesse der Monarchie wie nicht minder Deutschlands ist, im jetzigen Stadium der Balkankrise rechtzeitig und energisch einer von Rußland planmäßig angestrebten und geförderten Entwicklung ent- gegenzutreten, die später vielleicht nicht mehr rückgängig zu machen wäre.
Die vorHegende Denkschrift war eben fertiggestellt, als die furchtbaren Ereignisse von Sarajevo eintraten.
Die ganze Tragweite der ruchlosen Mordtat läßt sich heute kaum überblicken. Jedenfalls ist aber, wenn es dessen noch bedurft hat, hierdurch der unzweifelhafte Beweis für die Unüberbrückbarkeit des Gegensatzes zwischen der Monarchie und Serbien sowie für die Gefährhchkeit und Intensität der vor nichts zurückschreckenden großserbischen Bestrebimgen erbracht worden.
Österreich-Ungarn hat es an gutem Willen und Entgegenkommen nicht fehlen lassen, um ein erträghches Verhältnis zu Serbien herbei- zuführen. Es hat sich aber neuerhch gezeigt, daß diese Bemühungen ganz vergeblich waren und daß die Monarchie auch in Zukunft mit der hartnäckigen, unversöhnhchen und aggressiven Feindschaft Serbiens zu rechnen haben wird.
Um so gebieterischer tritt an die Monarchie die Notwendigkeit heran, mit entschlossener Hand die Fäden zu zerreißen, die ihre Gegner zu einem Netze über ihrem Haupt verdichten wollen.
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Nr. 14a
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler*
Wien, den 4. Juli 1914'
Obgleich sich das hiesige Ministerium des Äußern ernstlich be- müht, auf die Presse beruhigend einzuwirken und sie von allzu scharfen Artikeln abzuhalten, kommt die Erregung, die das ver- hängnisvolle Attentat auf den Erzherzog Thronfolger und die Her- zogin von Hohenberg zur Folge gehabt hat, immer mehr zum Durch- bruch.
Die Presse weist darauf hin, daß die Fäden der Verschwörung unzweifelhaft in Belgrad zusammenhefen, und daß den vom König- reich Serbien aus geschürten großserbischen Umtrieben in den süd- lichen Gebieten der Monarchie unbedingt ein Ende gemacht werden müsse. Die Sprache der serbischen Presse hat nicht dazu beigetra- gen, die öffentliche Meinung hier zu beruhigen. Man findet in ihr trotz sJler offiziellen Versicherungen, daß man in Serbien das Atten- tat außerordenthch bedauere, weil es die Beziehungen zur Monarchie vergifte, eine Art Zynismus zwischen den Zeilen.
Die Bemerkung der offiziösen »Samouprawao, daß das Sara- jevoer Ereignis nicht gewaltsam zu einem Streitobjekt zwischen Bel- grad und Österreich-Ungarn gemacht werden könne, weil über das Ereignis auch die übrige zivihsierte Welt urteilen werde, und daß diesem Urteil weder Serbien noch Österreich-Ungarn sich würden entziehen können, beantwortet heute das »Deutsche Volksblatt«, indem es bemerkt: »Wenn die serbische Presse glaubt, an die ge- samte europäische Öffentlichkeit als Richter zwischen uns und Ser- bien apeUieren zu müssen, so soll man sich in Belgrad gesagt sein lassen, daß wir die Ergebnisse, die die in Sarajevo geführte Unter- suchung ergeben wird, als eine Angelegenheit betrachten, die lediglich zwischen uns und Serbien zu erledigen sein wird. Wir gestehen niemand das Recht einer Einmischung in dieser Sache zu, und wir werden sie so erledigen, wie die Ehre und die Lebensinteressen der Monarchie es von uns verlangen.«
Ich möchte nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Artikel wie der der Frankfurter Zeitung vom 3. d. M. (Nr. 182) über das Attentat in Sarajevo und die durch dasselbe hervorgerufene Spannung zwischen der Monarchie und Serbien hier leicht falsch aufgefaßt werden könnte. Die in dem Artikel enthaltenen, an sich sehr beherzigenswerten Ratschläge zur Ruhe und Besonnenheit werden in der öffenthchen Meinung hier vorläufig wenig Verständnis finden.
* Nach der Ausfertigung.
* Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts : 5. Juli nachm.
5*
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Dazu ist dieselbe, wie auch aus den allabendlichen Demonstrationen, die sich gegen Serbien und Rußland richten, hervorgeht, zu sehr in Wallung versetzt. Meines gehorsamsten Dafürhaltens sollte unsere Presse sich möghchst zurückhalten und es vermeiden, durch unerbetene Ratschläge in diesem Augenblicke hier zu froissieren.
von Tschirs ch ky
Nr. 15
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien*
Telegramm 113 Berlin, den 6. JuU 1914^
Geheim !
Zu Ew. Exz. persönhcher Orientierung.
Der österreichisch-ungarische Botschafter hat Sr. M. gestern ein geheimes Handschreiben des Kaisers Franz Joseph überreicht^ das die gegenwärtige Lage vom österreichisch-ungarischen Standpunkt dar- stellt und die seitens Wien ins Auge gefassten Maßnahmen entwickelt. Abschrift geht Ew. Exz. gleichzeitig zu.
Ich habe heute Graf Szögyeny im Allerhöchsten Auftrag er- widert, daß S. M. dem Kaiser Franz Joseph für das Schreiben danken lasse und es alsbald persönlich beantworten werde. Unverzüghch wolle S. M. indes betonen, daß auch Er sich der Gefahr nicht ver- schließe, die Österreich-Ungarn und damit dem Dreibund aus der von russischen und serbischen Panslawisten betriebenen Agitation drohe. Wenngleich S. M. zu Bulgarien und seinem Herrscher bekannt- lich kein unbedingtes Vertrauen hege und naturgemäß mehr zum alten Bundesgenossen Rumänien und seinem Hohenzollernfürsten neige, so verstehe Er doch, daß Kaiser Franz Joseph mit Rücksicht auf die Haltung* Rumäniens und die Gefahr der Gründung eines neuen Balkanbundes mit direkter Spitze gegen die Donaumonarchie einen Anschluß Bulgariens an den Dreibund herbeizuführen wünsche. S. M. werde daher Seinen Gesandten in Sofia anweisen, die hierauf gerichteten Schritte des österreichisch-imgarischen Vertreters auf dessen Wunsch zu unterstützen. S. M. werde ferner im Sinne der Anregungen des Kaisers Franz Joseph Seine Bemühungen in Bukarest einsetzen, um König Carol zur Erfüllung seiner Bündnispflichten, zur Lossagung von
^ Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand Zimmermanns, mit einigen Änderungen des Reichskanzlers. Siehe auch deutsches Weißbuch vom Juni 19 19 Anlage IV. 5.
25" nachm. zum Haupttelegraphenamt.
3 Siehe Nr. 13 und 18 Anm. 4.
* Im Entwurf ursprünglich: „leider offenbar gewordene Unzuverlässigkeit**, vom Reichskanzler geändert in: Haltung.
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Serbien und zur Unterdrückung der rumänischen Agitation gegen Österreich-Ungarn zu bewegen.
Was endhch Serbien anlange, so könne S. M. zu den zwischen Österreich-Ungarn und diesem Lande schwebenden Fragen naturgemäß keine Stellung nehmen, da sie sich Seiner Kompetenz entzögen. Kaiser Franz Joseph könne sich aber darauf verlassen, daß S. M. im Einklang mit seinen Bündnispflichten und seiner alten Freundschaft^ treu an Seite Österreich-Ungarns stehen werde.
Bethmann Hollv^eg
^ Im Entwurf hier folgendes : „unter allen Umständen", vom Reichskanzler gestrichen.
Nr. i6
Der Reichskanzler an den Geschäftsträger in Bukarest ^
Telegramm 33 Berlin, den 6. Juli 1914^
Geheim I
Bitte bei Sr. M, dem König Audienz nachsuchen und sich Ihm gegenüber im Namen des Kaisers und Königs in folgendem Sinne zu äußern.
Der Kaiser Franz Joseph habe soeben im geheimen Handschreiben* an S. M. den Kaiser und König auf die Gefahren der von russischen imd serbischen Panslawisten betriebenen Agitation hingewiesen. Das gegen Erzherzog Franz Ferdinand verübte Attentat sei direkte Folge dieser Agitation, deren Ziel in Zertrümmerimg der Donaumonarchie und Schwächung des Dreibimdes bestehe. Die Gefahr werde, so wird in dem Handschreiben weiter ausgeführt, durch die enge Freund- schaft Rumäniens mit Serbien, durch die gehässige Agitation in Rumänien gegen Österreich -Ungarn und durch die rumänischerseits geförderten Bestrebungen Russlands zur Gründung eines neuen Balkan- bundes mit direkter Spitze gegen die Donaimionarchie erhöht. Zu- dem habe König Carol dem österreichisch-ungarischen Vertreter in letzter Zeit zweimal erklärt, daß Er im Ernstfall angesichts der erregten und feindlichen Stimmimg des rumänischen Volks gegen Österreich-Ungarn seinen Bündnispfiichten nicht werde nachkommen können. Kaiser Franz Joseph wünsche daher, Bulgarien an den Dreibund heranzuziehen. Ein eventuelles Abkommen mit Bulgarien werde er natürlich derartig abfassen lassen, daß es den vertrags- mäßigen Verpflichtungen Rumänien gegenüber nicht zuwiderlaufe.
^ Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand Zimmermanns, mit einigen
Änderungen des Reichskanzlers. * 5^^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. ' Siehe Nr. 13.
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S. M. der Kaiser und König sei, wie dem König Carol bekannt, stets in Wien für eine Verständigung mit Serbien eingetreten. Trotzdem hätten sich die serbisch-östeneichisch-ungarischen Beziehungen an- dauernd verschlechtert. Angesichts des Attentats in Sarajevo, das sich offenbar als wohlorganisiertes Komplott und Folge der seitens der Regierung in Belgrad geförderten Pohtik der Vereinigung aller Südslawen unter serbischer Flagge darstellt, verstehe S. M. der Kaiser und König, daß Kaiser Franz Joseph eine Verständigung mit Serbien für unmöglich halte und die gegen sein Haus und sein Reich von Serbien drohenden Gefahren durch Heranziehung Bulgariens zu paralysieren suche. S. M. habe Sich daher damit einverstanden erklärt, daß Kaiser Franz Joseph den Annäherungsversuchen Bulgariens an den Dreibund Entgegenkommen erweisen lasse.
S. M. der Kaiser und König bäten König Carol als treuen Ver- wandten, Freund und Bundesgenossen, zu erwägen, ob Er angesichts des Ernstes der Situation nicht von Serbien abrücken und auch der gegen den Bestand der Donaumonarchie gerichteten Agitation in Rumänien entgegentreten könnte. S. M. der Kaiser und König legten selbstverständhch den allergrößten Wert auf die Erhaltung der herz- lichen und vertrauensvollen Bundesbeziehungen zu Rumänien und würden, falls S. M. der König es wünscht, darauf bestehen, daß ein eventuelles Abkommen Bulgariens mit dem Dreibund nicht nur — was selbstverständhch sei — mit den vertragsmäßigen Ver- pflichtungen gegenüber Rumänien in Einklang stehe, sondern auch ausdrücklich die territoriale Integrität Rumäniens garantiere.
Über die Ausführung dieser Instruktion bitte ich kurz telegra- phisch und eingehend schriftlich zu berichten*.
Bethmann Hollweg
* Siehe Nr. 28 und 41.
Nr. 17
Der üntcrstaatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten
in Sofia*
Telegramm 23 Berlin, den 6. Juli 1914'
Geheim !
Österreich-Ungarn beabsichtigt, den Annäherungsversuchen der dortigen Regierung entgegenzukommen und Bulgarien tunhchst dem Dreibund anzuschließen ^. Wir haben uns hiermit einverstanden er-
^ Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand Zimmermanns. * 9*" nachm. zum Haupttelegraphenamt. ' Siehe Nr. 13, 14 und 22
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klärt. Ew. Exz. sind ermächtigt, etwaige diesbezügliche Schritte Ihres österreichisch-ungarischen Kollegen auf dessen Wunsch zu unter- stützen.
Der Sachlage wird es entsprechen, wenn bei Betreibung der Angelegenheit besonderes Empressement seitens des Dreibunds ver- mieden und der an sich auch uns erwünschte Anschluß Bulgariens als wesenthch bulgarisches Interesse dargestellt wird.
Zimmermann
Nr. i8
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^
Telegramm 83 Wien, den 7. Juli 1914''
Geheim !
Ich wurde heute zu einer Besprechung zwischen Graf Berchtold und den beiden Ministerpräsidenten zugezogen, in der Graf Hoyos die Berichte des Grafen Szögyeny vorlas, die dieser über die vorläufige Antwort Sr. M. nach Lektüre des kaiserlichen Handschreibens und des Promemorias sowie über die darauffolgende Besprechung mit Ew. Exz. hierher erstattet hat. Außerdem verlas Graf Hoyos eine Aufzeichnung, die er über ein Gespräch mit dem Herrn Unterstaats- sekretär in gleicher Sache aufgesetzt hat*.
Zu letzterer Aufzeichnung darf ich bemerken, daß sowohl Graf Berchtold, als insbesondere Graf Tisza ausdrückhch hervorgehoben wissen wollte, daß alles, was Graf Hoyos in dieser Besprechung mit dem Herrn Unterstaatssekretär gesagt habe, nur als dessen rein persönliche Auffassung anzusehen sei. (Diese Feststellung bezieht sich insbesondere darauf, daß Graf H. geäußert hat, es werde hier eine völhge Aufteilung Serbiens ins Auge gefaßt.)
Graf Berchtold bat mich zugleich im Namen der beiden Minister- präsidenten, Sr. M. unserm Allergn ädigsten Herrn sowie Ew. Exz. seinen aufrichtigsten Dank für die klare, dem Bundesverhältnis und der Freundschaft entsprechende SteUimgnahme zu übermitteln.
Die Berichte des Grafen Szögyöny entsprachen durchaus dem Inhalt des mir hochgeneigtest zugestellten Telegramms Ew. Exz. vom 6. d. M., Nr. 113*.
' Nach der Entzifferung.
' Aufgegeben in Wien 3^* nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 6^* nachm. Eingangsvermerk: 7. Juli nachm. Absatz i mit Ausnahme des letzten Satzes und Absatz 3 wurden am S.Juli durch Jagow an den Kaiser an Bord der »HohenzoUern« telegraphiert; zum Haupttelegraphenamt 2** nachm.
» Siehe Nr. 61.
* Siehe Nr. 15.
3^
An diese Vorbesprechung anschließend findet ein Ministerrat statt, der sich heute ausschheßlich mit dem in Bosnien und der Herzegowina zu ergreifenden Maßnahmen innerpoHtischer Natur be- fassen wird.
Tschirschky
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Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt*
Telegramm 84 Wien, den 8. Juh 1914^
Geheim 1
Nach Schluß des gestrigen offiziellen Ministerrats hat daran an- schließend eine Besprechung über die Serbien gegenüber einzimehmende Haltung stattgefunden, wobei den bei der Vorbesprechung, zu der ich zugezogen war, nicht anwesenden Ministern in großen Zügen von der von Sr. M. unserem Allergnädigsten Herrn eingetroffenen Antwort Kenntnis gegeben wurde.
Es haben sich dabei in bezug auf das Vorgehen gegen Serbien zwei Strömungen geltend gemacht. Die eine, diejenige des Grafen Berchtold und des Auswärtigen Ministeriums, will den Anlaß des Vorgehens direkt aus der durch die gesamte serbische Pohtik und deren in dem letzten Attentat gipfelnden Wühlereien gegenüber der Monarchie geschaffenen Lage herleiten, wälirend die andere, vom Grafen Tisza vertreten, es für erforderlich hält, zunächst konkrete Forderungen an Serbien zu stellen. Ich habe den Eindruck, daß Graf Berchtold den Grafen Tisza als retardierendes Element be- trachtet^. Letzterer will seinen Standpunkt noch in einem Memo- randum niederlegen, welches Graf Berchtold erst heute abend kurz vor seiner Abreise nach Ischl erhalten wird. Graf Berchtold meinte, er würde seinem Kaiser, falls sich dieser der Ansicht anschheßen sollte, daß zunächst Forderungen an Serbien zu stellen seien, jeden- falls raten, die Forderungen so einzurichten, daß deren Annahme ausgeschlossen erscheint.
Graf Berchtold bemerkte noch ganz geheim, daß nach Ehr. Con- rad von Hötzendorf 16 Tage für die Mobilmachung gerechnet werden müßten. Der Generalstabschef hat, wie Graf Berchtold mir sagt,
^ Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Wien, den 8. Juli 8^° nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 10'"' nachm. Eingangsvermerk: 9. Juli vorm. Am 9. Juli durch Jagow nach Vornahme einiger Kürzungen, telegraphisch dem Kaiser und dem Reichskanzler mitgeteilt, zum Haupttelegraphenamt i^^ nachm.
' Satz »Ich habe — betrachtet« fehlt in Jagows Telegrammen an Kaiser und Reichskanzler.
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nochmals auf die entscheidende Bedeutung der Haltung Rumäniens für Anordnung und Verlauf der mihtärischen Operationen hingewiesen. Der Minister bemerkte noch, er sei nach reifer Überlegung zu der Ansicht gelangt, daß es klüger wäre, das beabsichtigte Bündnis mit Bulgarien vorerst nicht abzuschheßen, besonders weil sonst Rumänien beunruhigt werden würde. Er werde im Gegenteil nach Sofia den dringenden Rat gelangen lassen, sich ruhig zu verhalten*.
Tschirschky * Siehe Nr. 21 und 22.
Nr. 19a
Der Gesandte in Belgrad an den Reichskanzler'
Belgrad, den 6. Juh 1914'
Die schicksalsvollen Ereignisse der vergangenen Wochen haben die allgemeine Aufmerksamkeit in so hohem Maße auf die Wirksam- keit der sogenannten »Narodna Odbranat (wörthch übersetzt Volkswehr hingelenkt, daß eine zusammenfassende Übersicht ihrer Entstehung, Organisation, Ziele und Mittel im gegenwärtigen Zeitpunkt von be- sonderem Interesse sein dürfte.
Das Jahr 1908, wo Serbien sich gegen die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch die Nachbarmonarchie wild aufbäumte, aber dann, von Rußland im Stich gelassen, sich mit der Einver- leibung dieser »echt serbischen Ländero in Österreich-Ungarn ab- finden und sogar vor aller Welt erklären mußte, hierdurch »nicht beleidigt zu sein«, hatte der serbischen Volksseele eine nicht ver- narbende Wunde geschlagen. Kurz zuvor waren durch den Aus- bruch der jimgtürkischen Revolution die Hoffnungen Serbiens auf Erwerb von Mazedonien und Altserbien stark verringert worden, und die Früchte einer vieljährigen, kostspieligen und opferreichen Propa- ganda drohten verloren zu gehen. Die Pohtiker aller Parteien salien die Zukunft des Landes auf das Äußerste gefährdet ; sie waren über- zeugt, daß Serbien sich nwi mit Einsatz aller Kräfte der Umklamme- rung durch den übermächtigen Nachbarn erwehren könne. Damals begannen die radikalen Regierungen in Serbien sich ernstlich für einen Entscheidlingskampf vorzubereiten und eine Rüstungsanleihe nach der andern aufzunehmen. Im Zusammenhang damit trat die Idee der Narodna Odbrana in die Erscheinung.
1 Nach der Ausfertigung.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts : 9. Juli vorm. Lag dem Kaiser vor. Durch Randverfügung des Kaisers an Kultusminister, Minister des Innern und den Polizeipräsidenten von Berlin mitgeteilt.
3»
Sie war gedacht als ein patriotisch-nationalistischer Geheimbund, der nicht bloß das König-reich Serbien, sondern sämtliche Länder mit serbischen Bevölkerungselementen umfassen sollte und bestimmt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Stammeseinheit zu entwickeln und zu kräftigen und auf dem so vorbereiteten Boden an der realen Durchführung dieser Vereinigung mit aUen Mitteln zu arbeiten. Das Schlagwort lautete: »Arbeit an der Befreiung der unterjochten Brüder.« In die Leitung des Gebeimbundes, als dessen Ehren- präsident der General a. D. Bosidar Jankowitsch, später Komman- mandant der Ibardivision im serbisch-türkischen Kriege, fungierte, traten Männer der verschiedensten Berufsarten ein : Bccimte, Offiziere (insbesondere diejenigen aus der Gruppe der viel besprochenen iischwar^en Hand»), Abgeordnete, Kaufleute, Handwerker u. dgl. Ver- trauensmänner des Bundes wurden wie für das Innere Serbiens, so auch für Südungarn, Bosnien und die Herzegowina, Dalmatien, Alt- serbien und Mazedonien bestellt. Aber gewitzigt durch die un- angenehmen Erfahrungen, die man mit dem früheren »Jugoslowenski Klub« (Südslawischer Verein) in Serbien gemacht hatte, vermied es der neue Geheimbund, sich durch schriftliche Festsetzungen der Gefahr einer Kompromittierung auszusetzen. Insbesondere wurden weder schrifthche Statuten abgefaßt, noch über die Sitzungen schrift- liche Protokolle aufgenommen. Die Sitzungen wurden je nach Um- ständen und Verabredung bei dem einen oder andern der Vorstands- mitglieder abgehalten.
Man war sich darüber einig, daß vor allem die Jugend mit ihrer Begeisterungsfähigkeit für unklare Freiheitsideen gewonnen werden mußte. So begann die Narodna Odbrana mit der systematischen Verhet:(ung und Fanatisierung der Jugend, namenthch der Schuljugend. Im Königreich Serbien eigneten sich treffhch hierzu die Sokol- und Duschanow\i- Vereine, in denen mit der großserbischen Agitation praktische Unterweisung im Waffengebrauch verbunden wurde. In den südslawischen Ländern Österreich-Ungarns, wo derartige öffent- liche Verbindungen auf Widerstand der Behörden stießen, bildeten sich überall unter den Schülern serbischer NationaUtät geheime Konventikel die sich an der Lektüre aus Serbien eingeschmuggelter chauvinistischer und auch einheimischer großserbischer Blätter be- rauschten. Solcher großserbischer Blätter gibt es in Sarajevo, Fiume, Agram die Fülle. In letzterer Stadt ist es z. B. der »Srbobran«, ein Organ des kroatischen Landtagsabgeordneten und großserbischen Agitators Swetosar Pribitschewitsch, eines Bruders des jet^t mit dem Attentat in Sarajevo öffentlich in Verbindung ge- brachten serbischen Majors Milan Pribitschewitsch.
Ihren Zielen entsprechend wendete die Narodna Odbrana ferner dem Bandenwesen in der Türkei ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Sie hat es zwar nicht geschaffen, denn die Komitadjis bestanden lange vor ihr, aber sie hat zu ihrer Vermehrung und besseren Ausrüstung viel beigetragen. Auf ihre Bearbeitung der Jugend ist
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es mit zurückzuführen, wenn fast täglich Schüler aus den Gymnasien und Studenten von der Universität verschwanden, um als Freischärler in Makedonien aufyiitauchen, oder wenn junge Offiziere aus der Armee austraten und, mit falschen Pässen versehen, nach Altserbien gingen. Fragt man, was aus diesen Komitadjis jetzt, nach be- endetem Krieg und erobertem Mazedonien geworden ist, so ist die Antwort : ein Teil ist vom Staat bei den verschiedensten Betrieben (Eisenbahn, Post, Monopol, Zoll, Pohzeiverwaltung) untergebracht, wo sie meistens kleine Sinekuren inne haben ; ein anderer Teil strolcht arbeitsscheu, und wahrscheinlich von der Narodna Odbrana unterstützt, umher, auf eine Gelegenheit lauernd, wieder seine wilden Instinkte !{u betätigen. Es hat nicht an warnenden Stimmen gefehlt, die auf die Gefahr hinwiesen, jene Komitadjis möchten sich, nun- mehr ihre Arbeit in der Türkei beendet war, Bosnien und Südungarn zum Feld neuer Tätigkeit aussuchen.
Was die Mittel betrifft, mit welchen die Narodna Odbrana ihre mannigfachen Ziele bestreitet, so appelhert sie in erster Reihe an freiwillige Massenbeiträge des Pubhkums. Sie geht dabei von der gewiß richtigen Ansicht aus, daß kleine Beiträge, die in Massen geleistet werden, ein ungleich ergiebigeres Erträgnis liefern, als ver- einzelte größere Spenden. Es wÄrden daher bei gewissen Gelegen- heiten und namentlich an dem auf den 15. Juni a. St. fallenden St. Veitstage (Widowdan), der der Erinnerung an den Untergang des mittelalterlichen Großserbiens in der Schlacht auf dem Amsel- feld gewidmet ist, öffentliche Sammlungen in ganz Serbien veran- staltet, die regelmäßig höchst respektable Summen einbringen. So- dann ist es Brauch geworden, bei letzt willigen Verfügungen die Narodna Odbrana mit Legaten zu bedenken, ebenso, zum Gedächtnis an verstorbene Famihenangehörige der Narodna Odbrana Beiträge zu überweisen. Doch hat es mit diesen freiwilhgen Beiträgen keines- wegs sein Bewenden. Oft genug entsendet die Narodna Odbrana ihre Vertrauensmänner zu reichen Kaufleuten, Banken usw., auch solchen, die, ohne Serben \u sein, mit Serbien in dauernder Geschäfts- verbindung stehen, oder, wie man hier zu sagen pflegt, an Serbien sverdienent und fordert Beiträge. So wurde mir erst kürzUch ein Fall erzählt, wonach ein solcher Vertrauensmann bei der hiesigen Filiale der Banque franco-serbe einen Beitrag verlangte und als ihm bemerkt wurde, daß die Bank ohne Genehmigung der Pariser Zentrale nicht über 100 Fr. beisteuern könne, ausfällig und drohend wurde. Der Staat selbst, wenn er gleich, um Verantwortlichkeiten zu ver- meiden, darauf halten muß, daß die Narodna Odbrana ihren privaten Charakter bewahre, beschränkt sich indes keineswegs auf die Rolle eines passiven Zuschauers. Unter harmlosen Titeln si?id in das Staatsbudget gewisse Positionen aufgenommen, die der Narodna Odbrana :^ugute kommen. Bezüglich der Anschaffung von Flinten für Schüler, von Revolvern für Freischärler ist es notorisch, daß der Staat sie geliefert hat. Charakteristisch ist, daß als Zentral-
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stelle für die Verausgabung von Staatsmitteln für solche Zwecke und die Abrechnung weder das Ministerium des Äußern, noch das Kriegs- ministerium, sondern dasjenige für Kultus und Unterricht mitwirkt. Mag daher die serbische Regierung noch so sehr ihren Abscheu und ihre Entrüstung über die in Sarajevo begangene Bluttat kund- geben, mag sie noch so sehr ihre Unschuld beteuern und darauf hin- weisen, wie sinn- und zwecklos dieses Verbrechen sei und wie es der Sache des Serbentums viel eher geschadet als genützt habe, eines kann sie nicht ableugnen. Sie hat die Atmosphäre geschaffen, in der solche Explosionen des blinden Fanatismus allein möglich sind. In ihrem Lande und unter den Augen ihrer Behörden sind die Elemente groß gezogen worden, die Serbien vor der ganzen gesitteten Welt bloßgestellt und auf eine Stufe wieder herabgedrückt haben, wie der verabscheuungs würdige Königsmord des Jahres 1903.
V. Griesinger sehr gut
Nr. 20
Der Botschafter in London an den Reichskanzler*
Geheiml London, den 6. Juü 1914*
Ich besuchte heute nachmittag Sir Edward Grey und nahm dabei Gelegenheit, die gesamte europäische Lage mit ihm in ver- traulichem Tone zu besprechen.
Zunächst glaubte ich ihn darauf hinweisen zu sollen, daß die österreichisch-ungarisch-serbischen Beziehungen durch die Ermordung des Thronfolgers eine nicht unbedenkliche Zuspitzung erhalten hätten. Man könne es der k. u. k. Regierung nicht verübeln, wenn sie diese neue Herausforderung angesichts der Unterstützung, die die Ver- schwörer erwiesenermaßen aus Belgrad erhalten hätten, nicht unge- sühnt lassen und von der serbischen Regierimg Genugtuxmg verlangen würde. Ob imd in welcher Form dies geschehe, sei mir zwar nicht bekannt, aber ich glaubte, daß es sich schon jetzt empfehlen würde, die Möglichkeit einer Verschärfung der Beziehungen zwischen Wien und Belgrad ins Auge zu fassen, damit er, Sir Edward, rechtzeitig in der Lage sei, seinen Einfluß in Petersburg dahin geltend zu machen, daß von dort auf Serbien im Sinne der Nachgiebigkeit gegenüber den österreichischen Forderungen gewirkt würde.
Sir Edward schien in dieser Richtung noch keinerlei Nachrichten erhalten zu haben. Er verkannte jedoch nicht die Gefahr, die die
1 Nach der Ausfertigung.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: g. Juli nachm.
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Lage mit sich bringen könnte, und schien zu begreifen, daß es für einen leitenden österreichisch-ungarischen Staatsmann schwer sei, sich auf die Dauer aller energischeren Maßnahmen zu enthalten. Er versprach mir, auch über diese Frage mit uns in Fühlung zu bleiben, enthielt sich aber vorläufig einer bestimmteren Meinungsäußerung.
Sodann erwähnte ich unter Bezugnahme auf unsere letzte Unter- haltung*, daß die gewaltigen Rüstungen Rußlands und gewisse andere Anzeichen, wie der Bau strategischer Bahnen, nach meinen letzten persönlichen Eindrücken in Berlin nicht verfehlt hätten, dort ein gewisses Unbehagen hervorzurufen. Die Stimmung Rußlands für uns und Österreich-Ungarn sei zweifellos keine freundhche. Diese Tatsachen, verbunden mit dem bosnischen Frevel, hätten bei uns eine etwas pessimistische Auffassung der auswärtigen Lage ge- zeitigt. Da wir aber überzeugt wären, daß wir uns mit der britischen Politik in dem Wunsche begegneten, den Frieden zu erhalten und die Gruppen einander zu nähern, so glaubte ich, durch eine Aus- sprache mit ihm den beiderseitigen Zwecken zu dienen.
Sir Edward wiederholte mir ungefähr dasselbe, was er mir erst kürzhch gesagt hatte, nämhch, daß ihm keine Anzeichen einer deutsch- feindlichen Stimmung in St. Petersburg bekannt seien. Noch weniger glaube er an kriegerische Absichten Rußlands, er wolle aber der Frage erneut seine Aufmerksamkeit zuwenden und mit mir gelegentlich darauf zurückkommen, da auch er den Wunsch hege, über alle Fragen der auswärtigen Politik mit uns in Fühlung zu bleiben.
Zum Schlüsse sagte ich, er müsse mir gestatten, da ich ganz offen mit ihm sein wolle und ich es für wichtig hielte, daß er über unsere Auffassimgen und Stimmungen genau unterrichtet sei, ein etwas heikles Thema in vertraulicher Weise zu berühren. Wir wüßten aus seinen Erklärungen, daß geheime Abmachungen pohtischer Natur zwischen England und Rußland nicht bestünden. Wir hätten selbstverständhch nicht den geringsten Anlaß, an der Richtigkeit seiner Worte zu zweifeln, bedauerten aber um so mehr, daß immer wieder Gerüchte auftauchten, welche von einer Flotten Verständigung zu berichten wüßten, die ein beiderseitiges Zusammenwirken gegen uns im Kriegsfalle bezwecke. Ich wäre nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Gerüchte zu prüfen, könne mir aber wohl denken, daß etwaige Besprechimgen der beiderseitigen Seebehörden nicht in den Rahmen politischer Abmachungen und bindender Verträge fielen, und daß sie daher mit seinen Erklärungen zu vereinbaren wären. In diesem Falle aber glaubte ich ihn darauf aufmerksam machen zu müssen, daß derartige Verabredungen notwendigerweise dazu beitragen würden, die in Rußland zweifellos bestehende natio- nahstische Strömung zu bestärken und andererseits bei uns das Ver- langen nach vermehrten Rüstungen zu fördern und der Regierimg
' Siehe Nr. 5.
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es zu erschweren, den ihm bekannten, den Rahmen der gesetzlich festgelegten Aufwendungen überschreitenden Forderungen entgegen- zutreten.
Sir Edward entgegnete, ohne auf die von mir berührte Frage eines Flottenübereinkommens näher einzugehen, daß er mir bereits vor kurzem gesagt habe, daß kein neues oder geheimes Überein- kommen bestünde, daß aber die Beziehungen zu den Verbands- genossen nichtsdestoweniger einen sehr intimen Charakter trügen. Aus seiner Zurückhaltung und der Bemerkung, daß er mit mir noch einmal auf die Angelegenheit zurückkommen wolle, konnte ich entnehmen, daß er sich die ganze Frage reifhch überlegen will, ehe er mir gegenüber zu meiner Anregung Stellung nimmt. Auf jeden Fall hat er eine Fühlungnahme der beiden Marinen für den Fall eines gemeinsamen Krieges nicht direkt in Abrede gestellt. Er betonte aber auch bei dieser Gelegenheit wieder, daß sein Bestreben dahin ginge, die beiden Gruppen einander näher zu bringen und dadurch europäischen Verwickelungen vorzubeugen und eine Ver- ständigung über alle auftauchenden Fragen zu erleichtern.
Der Minister stand sichthch unter dem Eindruck meiner Er- öffnungen und dankte mir für die offene Aussprache, die sich in gewohnter gemütlicher und freundschaftlicher Form vollzogen hatte.
Lichno wsky
Nr. 21
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger
in Bukarest '
Telegramm 34 Berlin, den 9. Juli 1914"'
Geheim !
Nach einer neueren Meldung des k. Botschafters in Wien be- absichtigt Graf Berchtold vorläufig nicht, auf den Abschluß eines Bündnisses mit Bulgarien zielende Schritte in Sofia zu tun und will dort nun zur Ruhe raten. Graf Berchtold hat sich zu dieser Haltung durch bundesfreundliche Rücksichten auf Rxmiänien und die Erwartung bestimmen lassen, daß Rumänien im Falle eines Kon- flikts seinen Bündnispflichten im vollen Umfange nachkommen wird.
Bitte vorstehendes bei Audienz Sr. M. dem König ebenfalls mitteilen.
Jagow
^ Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand, letzter Satz des
Telegramms von Zimmermanns Hand beigefügt. * i*° nachm. zum Haupttelegraphenamt. ^ Siehe Nr. 19 und 28.
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Nr. 22
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten
in Sofia '
Telegramm 25 Berlin, den 9. Juli 1914 2 a
Geheim!
Zur persönlichen Information
Nach Mitteilung des k. Botschafters in Wien beabsichtigt Graf Berchtold nicht das geplante Bündnis mit Bulgarien alsbald abzu- schließen und will zunächst dort zur Ruhe raten lassen^.
Jagow
' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand.
* i**' nachm. zum Haupttelegraphenamt. ^ Siehe Nr. 17 und 19.
* Siehe Nr. 162.
Nr. 23
Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen^
Berhn, den 9. Juli 1914
Der österreichische Botschafter sprach mir heute im Auftrag seiner Regierung den Dank für die entgegenkommende Antwort aus, die S. M. der Kaiser und König und der Herr Reichskanzler auf das vom Grafen Hoyos überbrachte Handschreiben Sr. M. Kaiser Franz Josephs und das Expose * gegeben haben. Von allen zu treffenden Ent- scheidungen würde die hiesige Regierung seinerzeit — der Zeit- punkt hinge auch noch von dem Ausgang der Untersuchung in Sarajevo ab — sofort in Kenntnis gesetzt werden.
Jagow
* Von Jagows Hand. Reichskanzler und Zimmermann nahmen Kenntnis von der Aufzeichnung; von letzterem am 9., von ersterem am 10. Juli zu- rückgegeben.
* Siehe Nr. 13 und 14.
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Nr. 24
Der Gesandte in Athen an das Auswärtige Amt*
Telegramm 195 Athen, den 9. Juli 1914*
Ganz streng geheim 1
Minister der auswärtigen Angelegenheiten sagt mir mit der Bitte um Geheimhaltung, griechische Regierung benutze zurzeit ihren ziem- lich bedeutenden Einfluß in Belgrad, um dort auf die Milderung Gegensätze zwischen Wien und Belgrad hinzuwirken. Auch sei es griechischer Regierung zu verdanken, wenn die Frage der Vereinigung zwischen Montenegro und Serbien mit Rücksicht auf österreichische Empfindlichkeit auf lange Zeit verschoben sei.
Quadt
' Nach der Entzifferung.
^ Aufgegeben in Athen 4" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 6^' nachm. Eingangsvermerk: 9. Juli nachm. Am 11. Juli von Jagow tele- graphisch dem Kaiser mitgeteilt, Telegramm aufgegeben in Berlin 1 1° nachm., angekommen im Hoflager 7^° nachm.
Nr. 25
Der Reichskanzler an den Kaiser*
Hohenfinow, den 9. Juh 1914*
Ew. M. verfehle ich nicht, in der Anlage* den befohlenen Ent- wurf zu Allerhöchstdero Antwort auf das Handschreiben Sr. M. des Kaisers Franz Joseph mit dem Anheimstellen huldvoller Vollziehung allerimtertänigst zu imterbreiten.
V. Bethmann Hollweg
' Nach dem von Jagow gezeichneten Konzept. Entwurf von der Hand
Bergens. ■^ Das Konzept ist datiert: Berlin, den 10. Juli 1914, die vom Reichskanzler
vollzogene, jetzt gleichfalls bei den Akten befindliche Ausfertigung des
Immediatberichts : Hohenfinow, den 9. Juli 1914. ^ Siehe Nr. 26.
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Nr. 26
Der Kaiser an den Kaiser von Österreich^
Baiholm, den 14. Juli 1914*
Mein teurer Freund!
Mit aufrichtiger Dankbarkeit habe ich es empfunden, daß Du in den Tagen, wo Ereignisse von erschütternder Tragik über Dich hereingebrochen waren und schwere Entscheidungen von Dir forderten. Deine Gedanken auf unsere Freundschaft gelenkt und diese zum Ausgangspunkt Deines gütigen Schreibens an mich^ gemacht hast. Ich betrachte die von Großvater und Vater auf mich überkommene enge Freundschaft zu Dir als ein kostbares Vermächtnis und er- bhcke in deren Erwiderung durch Dich das sicherste Pfand für den Schutz unserer Länder. Bei meiner verehrungsvollen Anhänglichkeit an Deine Person wirst Du ermessen können, wie schwer die Aufgabe meiner Reise nach Wien und der mir auferlegte Verzicht auf die öffentliche Bekundung meiner innigen Anteilnahme an Deinem tiefen Schmerz mich bekümmern mußte.
Durch Deinen bewährten und von mir aufrichtig geschätzten Botschafter wird Dir meine Versicherung übermittelt worden sein, daß Du auch in den Stunden des Ernstes mich und mein Reich in vollem Einklang mit unserer altbewährten Freundschaft und unseren Bündnispfiichten treu an Eurer Seite finden wirst. Dir dies an dieser Stelle zu wiederholen, ist mir eine freudige Pflicht.
Die grauenerregende Freveltat von Sarajevo hat ein grelles Schlaglicht auf das unheilvolle Treiben wahnwitziger Fanatiker und
^ Nach dem Konzept. Entwurf von Bergen gezeichnet, mit Ergänzungen und Änderungen Bergens, Zimmermanns und Jagows. Siehe deutsches Weißbuch vom Juni 1919, Anlage V, 6.
^ Die bei den Akten befindlichen Konzepte sowie eine erste, nicht verwendete Reinschrift sind undatiert. Das mit dem Immediatbericht d. d. 9. Juli abge- sandte Handschreiben erhielt nach seinem Wiedereintreffen im Auswärtigen Amt das Datum, das der Kaiser auf dem es ins Hof lager begleitenden Immediat- bericht des Reichskanzlers (Nr. 25) niedergeschrieben hat: Baiholm, den 14. Juli 19 14. Die vom Kaiser vollzogene Ausfertigung des Handschreibens wurde von Jagow am 17. Juli an den Botschafter in Wien abgesandt »mit dem Ersuchen, es durch Vermittlung der dortigen Regierung an seine hohe Bestimmung gelangen zu lassen« ; zwei Abschriften des Hand- schreibens, von denen eine für den Grafen Berchtold, die andere für die Akten der Botschaft bestimmt war, wurden beigefügt.
^ Siehe Nr. 13.
Aktenstüeke I. 0
46
die den staatlichen Bau bedrohende panslawistische Hetzarbeit ge- worfen. Ich muß davon absehen, zu der zwischen Deiner Regierung und Serbien schwebenden Frage Stellung zu nehmen. Ich erachte es aber nicht nur für eine moralische Pflicht aUer Kulturstaaten, sondern als ein Gebot für ihre Selbsterhaltung, der Propaganda der Tat, die sich vornehmlich das feste Gefüge der Monarchien als An- griffsobjekt ausersieht, mit allen Machtmitteln entgegenzutreten. Ich verschUeße mich auch nicht der ernsten Gefahr, die Deinen Ländern und in der Folgewirkung dem Dreibund aus der von russischen und serbischen Panslawisten betriebenen Agitation drohen, und erkenne die Notwendigkeit, die südhchen Grenzen Deiner Staaten von diesem schweren Drucke zu befreien. Ich bin daher bereit, das Bestreben Deiner Regierung, das dahin geht, die Bildung eines neuen Balkan- bundes unter russischer Patronanz und mit der Spitze gegen Öster- reich-Ungarn zu hintertreiben und als Gegengewicht*, ferner den Anschluß Bulgariens an den Dreibund herbeizuführen, nach Tun- lichkeit zu fördern. Demgemäß habe ich trotz gewisser Bedenken, die in erster Linie durch die geringe Zuverlässigkeit des bulgarischen Charakters bedingt werden, meinen Gesandten in Sofia anweisen lassen, die diesbezüghchen Schritte Deines Vertreters auf dessen Wunsch zu unterstützen.
Des weiteren habe ich meinen Geschäftsträger in Bukarest be- auftragt, sich zu König Carol im Sinne Deiner Anregungen zu äußern und unter Hinweis auf die durch die jüngsten Ereignisse neu geschaffene Lage die Notwendigkeit eines Abrückens von Serbien und einer Unterbindung der gegen Deine Länder gerichteten Agitation hervorzuheben. Ich habe gleichzeitig besonders betonen lassen, daß ich den größten Wert auf die Erhaltung der bisherigen vertrauens- vollen Bundesbeziehungen zu Rumänien lege, die auch bei einem eventuellen Anschluß Bulgariens an den Dreibund keinerlei Beein- trächtigung zu erleiden brauchen würden.
Zum Schluß darf ich dem herzhchen Wunsche Ausdruck geben, daß es Dir vergönnt sein möge, nach den schweren Tagen durch den Aufenthalt in Ischl Erholung zu finden.
In aufrichtiger Anhänglichkeit
Dein treuer Freund Wilhelm^
■* Die Worte »als Gegengewicht« im Entwurf von Zimmermann beigefügt.
^ Die Worte »In Wilhelm« waren in der abgegangenen Ausfertigung
vom Kaiser eigenhändig geschrieben.
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Nr. 27
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler ^
Wien, den 8. Juli 1914^
Die in der gestrigen Abendnummer der »Neuen Freien Presse« (Nr. 17911) an der Spitze des Blattes erschienene Mitteilung »von besonderer Seite über die russische Auffassung von den österreichisch- ungarischen Schritten anläßlich des Attentats^« ist, wie ich von dem auf der Botschaft verkehrenden Korrespondenten der »Neuen Freien Presse« höre, von der hiesigen russischen Botschaft inspiiHert.
Er sei telephonisch auf die Botschaft zitiert worden, wo ihn ein Sekretär im Auftrage des Bot- schafters empfangen habe. Abgesehen von der vor- erwähnten Veröffentlichung sei noch bemerkt worden, daß Rußland äner Beeinträchtigung^ der politischen Selbständigkeit Serbiens nicht ruhig werde -{usehen können. Auf die Frage des Korrespondenten, ob die »Neue Freie Presse« auch diese Bemerkung aha ! bringen solle, sei ihm verneinend geantwortet worden.
Wie mir der Korrespondent weiter sagte, habe er bei Herrn Benedikt schon seinen Einfluß dahin geltend gemacht, damit die »Neue Freie Presse« nicht in das während der Balkankrise beliebte Gejammere über etwaige russische Angriffspläne verfalle. Der heutige Morgenartikel des Blattes war gemäßigt ge- halten.
Ich beehre mich, die vorerwähnte Mitteilung der Vollständigkeit halber im Ausschnitt gehorsamst beizufügen.
von Tschirschky
* Nach der Ausfertigung.
* Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 10. Juli vorm. Bericht lag dem Kaiser vor, von ihm am 13. Juli zurückgegeben, am 16. Juli wieder im Amt. Gemäß kaiserlicher Randverfügung am 21. Juli der Botschaft in St. Petersburg mitgeteilt.
' Der Artikel lautete: »Wie uns von besonderer Seite mitgeteilt wird, sind in Rußland alle Kreise einig in der Verurteilung des Attentats in Sarajevo. Die vielfach in der österreichisch-ungarischen Presse veröffentlichte An- schauung, als ob Rußland dagegen protestieren würde, wenn Österreich- Ungarn von Serbien eine Untersuchung in Belgrad verlangte, entbehrt jeglicher Begründung. Das monarchische Prinzip hat im Zarenreiche so starke Geltung, daß es ganz natürhch erscheint, daß Rußland einen solchen Schritt Österreich- Ungarns nie mißbilligen würde.«
6*
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Nr. 28
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt '
Telegramm 37 Sinaia, den 10. Juli 1914^
Geheimen Auftrag ausgeführt^.
S. M. der König glaubt nicht, daß es möglich sein werde, mit Bul- garien in ein Bündnisverhältnis zu treten, da der König schwach sei, keine Autorität besitze und die Regierung jederzeit weggefegt werden könne. Außerdem sei kein Verlaß auf Bulgarien, und so- bald Rußland von Abmachungen Wind bekäme, würde es in Bul- garien eine Revolution anzetteln. König sprach dann über all- gemeine politische Angelegenheiten. Auf meine schheßlich gestellte Frage, wie sich S. M. zu den beiden von Sr. M. dem Kaiser und König ausgesprochenen Bitten verhalte, meinte S. M., von Ser- bien könne er wohl abrücken, an Serbien läge ihm nicht viel, auch könne er auf die Agitation gegen Österreich einwirken, es müßte aber in Ungarn Entgegenkommen für die dortigen Rumänen gezeigt werden, um ihm dies zu erleichtern. Meine Frage, ob S. M. einem Anschluß an Bulgarien abgeneigt wäre, verneinte der König, meinte jedoch, im jetzigen Augenblick könne Rumänien nicht sofort mit Bulgarien ein Bündnis schließen, vielleicht in einem Jahre; ein solches müsse jedenfalls von Österreich und Deutschland in Sofia vorbereitet werden.
Ausführlicher Bericht folgt.
Waldb urg
1 Nach der Entzifferung.
^ Aufgegeben in Sinaia 5^" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 8*0 nachm. Eingangsvermerk: 11. Juli vorm. Am 1 1. Juli von Jagow mit kleinen Änderungen telegraphisch dem Kaiser und dem Botschafter in Wien mitgeteilt. Im Telegramm Jagows an Tschirschky nach Mitteilung von Waldburgs Depesche der Zusatz: »Bitte vorstehendes dem Grafen Berchtold streng vertraulich mitteilen.« Siehe Nr. 35.
^ Siehe Nr. 16 und 21.
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Nr. 29
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt '
Telegramm 85 Wien, den 10. Juli 1914^
Ganz geheim!
Über seinen gestrigen Vortrag bei Sr. M. dem Kaiser Franz Joseph in Ischl teilt mir Graf Berchtold nachstehendes mit:
S. M. der Kaiser habe mit großer Ruhe die Sach- lage besprochen. Zunächst habe er seinem lebhaften Dank Ausdruck gegeben für die Stellungnahme unseres Allergnädigsten Herrn und der kaiserlichen Regierung und geäußert, er sei ganz unserer An- da S. M. pro Memo- sieht, daß man jet:{t zu einem Entschluß kommen ria etwa 14 Tage müsse, um den unleidlichen Zuständen Serbien gegen- ^li ist, so dauert ^^^j. ^^^ ^^^^ ^u machen. Über die Tragweite
„ . ."", "^' eines solchen Entschlusses, fü^te Graf Berchtold
Das ist doch eigent- , . • , r- ,«• ■■■,,■ 11
lieh zur Begrün- ^'^^' ^ei sich S. j\I. volhg klar.
düng des Enischlus- ^^^^ Minister hat hierauf dem Kaiser Kenntnis
ses selbst eni- gegeben von den zwei Modahtäten, die in bezug
warfen! auf das nächste Vorgehen gegen Serbien hier in
Frage stünden. S. M. hätten gemeint, es heße sich
vielleicht dieser Gegensatz überbrücken. Im ganzen
hätten aber S. M. eher der Ansicht zugeneigt, daß
aber sehr! konkrete Forderungen an Serbien zu stellen sein
und unzweideutig ! bürden. Er, der Minister, woUe auch die Vorteile eines solchen Vorgehens nicht verkennen. Es würde damit das Odium einer Überrumpelung Serbiens, das auf die Monarchie fallen würde, vermieden und Serbien ins Unrecht gesetzt werden. Auch würde dieses Vorgehen sowohl Rumänien als auch England eine wenigstens neutrale Haltung wesentlich erleich- tern. Die Formulierung geeigneter Forderungen gegen-
da^u haben sie Zeit über Serbien bildet gegenwärtig liier die Hauptsorge *, genug gehabt und Graf Berchtold sagte, er würde gern wissen,
^ Nach der Entzifferung.
^ Aufgegeben inWien S^*^ nachm., angekommen imAuswärtigenAmt i o^- nachm. ; Eingangsvermerk des Amts: 11. Juli vorm. Am 11. Juli 12^^ nachm. von Jagow nach Vornahme einiger Änderungen und mit Auslassung der
Worte: Gral Berchtold »sagte, er würde gern wissen denke <
und des vorletzten Absatzes »Der Anregung alarmieren %
telegraphisch ins Kaiserliche Hoflager mitgeteilt, dortselbst eingetroffen 10° nachm., Entzifferung vom Kaiser am 12. Juli zurückgegeben, im Aus- wärtigen Amt am iG. Juli.
3 Die VVorte Tschirschkys »bildet die Hauptsorge« von Jagow
im Telegramm an den Kaiser in »wird erwogen« geiinoert;
»erwogen« vom Kaiser unterstrichen, am Rand seine Bemerkung: »dazu haben gehabt. «
50
wie man in Berlin darüber denke *. Er meinte, man könne u. a. verlangen, daß in Belgrad ein Organ der österreichisch-ungarischen Regierung eingesetzt werde, um von dort aus die großserbischen Um- triebe zu überwachen, eventuell auch die Auflösung der ! von Vereinen und Entlassung einiger kompromit-
tierter Offi:{iere. Die Frist zur Beantwortung müsse möghchst kurz bemessen werden, wohl 48 Stunden. Freilich würde auch diese kurze Frist genügen, um Hartwig ist todt! sich von Belgrad aus in Petersburg Weisungen zu holen. Sollten die Serben alle gestellten Forderun- gen annehmen, so wäre das eine Lösung, die ihm »sehr unsympathisch« wäre, und er sinne noch dar- 'dann^lft^'^der^ttr!±ehi^^^ nach. Welche Forderungen man stellen könne, sofort da! den muß die Serbien eine Annahme völlig unmöglich machen
Osterreich unbedingt ... c c
sofort wiederhaben, um WUruen.
ind^Mofüafeg%l^'und ^cr Minister klagte schließhch wieder über die
das Erreichen des Mee- Haltung dcs Grafen Tisza, die ilim ein energisches
res seitens der Serben -. , oi- ^ r^ t -t^- ^
lu hindern! Vorgehen gegen Serbien erschwere. Crrai lisza be-
Mördern gegen- haupte, man müsse •ogentleman like« vorgehen, das
über nach dem, was sq{ aber, wenn es sich um so wichtige Staatsinter-
vor gefallen ist! essen handele und bssonders einem Gegner ime
Blödsinn. Serbien gegenüber schwerlich angebracht.
Der Anregung der Kaiserlichen Regierung, schon jetzt die öffentliche Meinung in England im Wege der Presse gegen Serbien zu stimmen — worüber Graf Szögyeny telegraphiert hat — wird der Minister gern folgen. Nur müsse dies, seiner Mei- nung nach, noch vorsichtig gemacht werden, um Serbien nicht vorzeitig zu alarmieren.
Der Kriegsminister wird morgen auf Urlaub gehen, auch Freiherr Conrad von Hötzendorf Wien zeitweilig verlassen. Es geschieht dies, wie Graf kindisch! Berchtold mir sagte, absichtlich*, nm jeder Beun-
ruhigung vorzubeugen.
Tschirschky
ungefähr wie :^ur Zeit der Schlesischen
Kriege! »Ich bin gegen die Kriegsräthe und Berathimgen, sintemalen die timidere Parthey allemal die Oberhand hat.*
Frd. d. Gr.
* Siehe Nr. 31.
^ Das »absichtlich« Tschirschkys stand in der Entzifferung des Kaiserlichen
Hoflagers verderbt als »von possumus«; am Rand dazu zwei Fragezeichen
des Kaisers.
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Nr. 30
Der Botschafter in London an den Reichskanzler^
Vertraulich! London, den 9. Juli 1914'
Sir E. Grey ließ mich heute zu sich bitten und gab mir zunächst Kenntnis von der Aufzeichnung, die er über unsere Unterredung ^ gemacht hatte, die kurz vor meiner Reise nach Berhn und Kiel stattfand. Er sagte, er habe seinen damahgen Worten auch heute nichts hinzuzufügen und könne nur wiederholen, daß geheime Ab- machungen zwischen Großbritannien einerseits und Frankreich und Rußland andererseits, welche Großbritannien im Falle eines europä- ischen Krieges Verpfhchtungen auferlegten, nicht bestünden. England wolle sich vollkommen freie Hand bewahren, um bei festländischen Verwickelungen nach eigenem Ermessen handeln zu können. Die Regierung habe gewissermaßen dem Parlament gegenüber die Ver- pflichtung übernommen, sich in keine geheimen Verbindhchkeiten einzulassen. Auf keinen Fall werde bei festländischen Verwickelungen die britische Regierung auf selten des Angreifenden zu finden sein.
Da er mich aber nicht habe irreführen wollen — as I did not want to mislead you — , habe er gleich hinzugefügt, daß nichts- destoweniger seine Beziehungen zu den genannten Mächten nichts von ihrer früheren Innigkeit verloren hätten. Wenn auch also keine Abmachungen bestünden, die irgendwelche Verpflichtungen auferlegten, so wolle er doch nicht in Abrede stellen, daß von Zeit zu Zeit Unterhaltungen (conversations) zwischen den beiderseitigen Marine- oder Militärbehörden stattgefunden hätten, und zwar die erste schon im Jahre 1906, dann während der Marokkokrisis, als man hier ge- glaubt habe, wie er lachend hinzufügte, daß wir die Franzosen angreifen wollten. Aber auch diese Unterhaltungen, von denen er meist nichts Näheres gewußt habe, hätten durchaus keine aggressive Spitze, da die englische Pohtik nach wie vor auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei und in eine sehr peinliche Lage käme, wenn ein europäischer Krieg ausbräche.
Ich wiederholte dem Minister ungefähr dasselbe, was ich ihm schon neuhch gesagt hatte, und gab ihm dann zu verstehen, daß es wünschenswert wäre, daß solche militärischen Konversationen auf ein Mindestmaß beschränkt bheben, da sie sonst leicht zu uner- wünschten Folgen führen könnten.
Seit unserer letzten Unterhaltung, fügte Sir Edward hinzu, habe er sich über die Stimmung, die in Rußland uns gegenüber bestehe, eingehend erkundigt und keinen Grund zu einer beunruhigenden
^ Nach der Ausfertigung.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 11. Juii vorm.
^ Siehe Nr. 5.
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Auffassung gefunden ; er schien auch bereit zu sein, falls wir es wünschten, in irgendeiner Form auf die Haltung Rußlands einzu- wirken. Auch sei er bestrebt gewesen, für den Fall, daß das Wiener Kabinett sich genötigt sehe, infolge des Sarajevoer Mordes eine schärfere Haltung gegen Serbien einzunehmen, die russische Regierung bereits jetzt für eine ruhige Auffassung und versölmliche Haltung gegen Österreich zu gewinnen. Sehr viel würde freilich, so meinte Sir Edward, von der Art der etwa gedachten Maßnahmen abhängen, und ob dieselben nicht das slawische Gefühl in einer Weise erregten, die es Herrn Sasonow unmöglich machen würde, dabei passiv zu bleiben.
Im allgemeinen war der Minister in durchaus zuversichtlicher Stimmung und erklärte in heiterem Tone, keinen Grund zu haben zu einer pessimistischen Auffassung der Lage.
Lichnowsky
Nr. 30 a
Der Gesandte im kaiserlichen Gefolge an das Auswärtige Ämt^
Telegramm 103 Bergen, den 11. Juli 1914^
Bei Vorlage des vom Auswärtigen Amt redigierten üblichen Glückwunschtelegrammen twurfs für morgigen Geburtstag des Königs von Serbien haben S. M. mir befohlen, bei Ew. Exz. anzufragen, ob ein solches Telegramm im gegenwärtigen Augenblick notwendig imd unbedenklich erscheine^.
We d e 1
* Nach der Entzifferung.
''Aufgegeben in Bergenj 11. Juli li^'' nachm., angekommen im Auswärtigen
Amt 2^° nachm. Emgangsvermerk: 1 1. Juli nachm. ' Siehe Nr. 32 a.
Nr. 31
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in
Wien'
Telegramm 117 Berlin, den 11. Juh 1914 ^ ^
Zur Formulierung der Forderungen an Serbien können wir keine Stellung nehmen, da dies Österreichs Sache ist. Uns erscheint
^ Nach dem Konzept von Jagows Hand. ■^ Zum Haupttelegraphenamt 2*° nachm. * Siehe Nr. 29.
53
es nur erwünscht, daß Wien genügend Material sammelt, um zu be- weisen, daß m Serbien eine großserbische Agitation besteht, welche Monarchie gefährdet, damit öffenthche Meinung Europas soweit als moghch vom guten Recht Österreichs überzeugt wird. Dies Material wäre am besten — nicht getrennt, sondern einheithch — kurz vor Stellung der Forderungen bzw. des Ultimatums an Serbien zu publizieren *.
Jagow "* Siehe Nr. 40.
Nr. 32
Der Gesandte in Belgrad an den Reichskanzler'
Belgrad, den 8. Juh 19142
Herr Paschitsch sprach sich mir gegenüber heute gelegentlich der Vorstellung des Mihtärattaches lange über das Attentat in Sarajevo und die Maß- nahmen aus, welche die serbische Regierung im Zusammenhang damit und zur Verhinderung weiterer anarchistischer Freveltaten zu ergreifen beabsichtigt^. Er begann zunächst mit Versicherungen seiner tiefsten Entrüstung und seines größten Abscheues über die Tat und hob dann hervor, daß man doch Blech.'!.'! nicht eine zivilisierte^ Regierung für die Exzesse unreifer und überspannter Burschen verantiPortlich machen dürfe. Die österreichisch-ungarische Presse schieße weit über das Ziel hinaus. Die Über- wachung der nation ah sti sehen Vereine und ihrer Verbindungen im In- und Auslande stelle der ser- bischen Regierung die schwierigsten Aufgaben; die demokratisch -freisinnige Verfassung des Landes, namenthch auf dem Gebiete des Vereinswcsens und der Presse, biete der Regierung nahezu keine Hand-
' Nach der Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 11. Juli nachm. Bericht lag dem Kaiser vor von ihm am 20. Juli zurückgegeben, am 23. Juli wieder im Amt Kaiser befahl durch Randverfügung Mitteilung an den Botschafter in Wien die indessen tatsächlich nicht erfolgt ist. '
=» ''beabsichtigte vom Kaiser zweimal unterstrichen. "Zivilisierte.! vom Kaiser zweimal unterstrichen.
54
habe, und jeder Versuch, die Macht der Regierung zu erweitern und ihr ein energisches Durchgreifen zu ermöghchen, sei stets noch an dem Widerstand der Skupschtina gescheitert. Soweit es in seiner Macht, innerhalb der bestehenden Gesetzgebung, liege, werde er die Tätigkeit der nationahstischen Blech ! Verbindungen streng kontrollieren und alle Elemente
ausweisen, die hier einen Unterschlupf suchen. Er habe sich auch mit dem Kultusminister bereits ins Benehmen gesetzt, um durch eine schärfere Kontrolle der Schulen und der mit ihnen in Verbindung stehenden Turnvereine zu verhindern, daß unver- standene politische Theorien in diesen gelehrt und verbreitet imd die Jugend mit solchen angefüllt und verhetzt werde. Endlich solle der freie Handel und Verkehr mit Schußwaffen und Explosivstoffen eingeschränkt und strengeren Kautelen als bisher unterworfen werden. Eine gesetzliche Regelung dieser Materie liege im Projekt bereits vor, sei aber von der Skupschtina bis jetzt nicht votiert worden.
V, Gr ie sin ge r Phrasen !
Nr. 32 a
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten im kaiserlichen Gefolge*
Telegramm 77 Berlin, den 11. Juli 1914*
Da Wien noch keinerlei Schritte in Belgrad unternommen hat, würde Unterlassung des gewohnten Telegrammes zu sehr auffallen und eventuell zu frühzeitige Beunruhigung hervorrufen.
Befürworte dahei Absendung 2.
Jagow
^ Nach dem Konzept von Zimmermanns Hand. ' 6*^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. • Siehe Nr. 30a
55
Nr. 33
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter
in Rom*
Telegramm i Berlin, den ii. Juli 1914^
Ganz geheim!
Kaiser Franz Joseph hat an S. M, den Kaiser und König ein geheimes Handschreiben gerichtet*, worin die gegenwärtige Lage vom österreichisch-ungarischen Standpunkt dargestellt und die Not- wendigkeit hervorgehoben wird, energische Maßnahmen gegen die von russischen und serbischen Panslawisten betriebene Agitation zu ergreifen, die eine Zertrümmerung der Donaumonarchie sowie die Schwächimg des Dreibundes erstrebe und das Attentat in Sarajevo gezeitigt hätte.
Wir haben es der österreichisch-ungarischen Regierung überlassen, die ihr geeignet scheinenden Schritte zu tim und ihr erforderlichen- falls unsern Beistand im Sinne des Bündnisses zugesagt. Wir haben uns ferner damit einverstanden erklärt, daß Österreich-Ungarn in Verhandlungen mit Bulgarien wegen dessen Beitritt zu unserer Bündniskombination tritt.
König von Rumänien, durch uns über diese Absicht informiert, hat sich reserviert, aber nicht ablehnend verhalten.
Die Untersuchungen, zu denen das Attentat in Sarajevo Anlaß gegeben, sind noch nicht abgeschlossen. Die Wiener Regierung dürfte die weiteren Entscheidungen nach deren Ergebnis treffen.
Vorstehendes zu Ew. Exz. rein persönlicher Orientierung. Eine Information des Marquis San Giuliano dürfte sich wegen seiner Hin- neigung zu Serbien gegenwärtig nicht empfehlen, doch bitte ich, ihn auf die maßlose Sprache der serbischen Presse hinzuwei,-en und zu bemerken, daß es für Österreich -Ungarn kaum möglich sein würde, derartige Provokationen ruhig hinzunehmen. Ferner dürfte Marquis San Giuliano vorsichtig darauf vorbereitet werden, daß wir eine Annäherung an Bulgarien erwägen, wobei jedoch Gegensatz zu Rumänien vermieden werden solle* ^.
Jagow
1 Nach dem Konzept. Entwurf Bergens mit Änderungen Jagows. ^ 9^° nachm. zum Haupttelegraphenamt.
2 Siehe Nr. 13.
* Letzter Satz von Jagow dem Entwurf Bergens angefügt. 6 Siehe Nr. 38.
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Nr. 34
Der Gesandte in Athen an den Reichskanzler ^
Streng vertraulich! Athen, den 6. Juli 1914^
Mein itahenischer Kollege teilt mir streng vertrauHch mit, der italienische Botschafter in Petersburg habe einen sehr alarmierenden Bericht nach Rom gerichtet über kriegerische Vorbereitungen Rußlands. Der Bericht sei sehr eingehend und gehe ins Detail. Erwähnt seien auch ungeheure Geldforderungen der russischen Regierung, die in einer geheimen Sitzung der Duma oder einer Kommission zu Kriegs- rüstungen bewilhgt worden seien ^.
Quadt
1 Nach der Entzifferung.
- Berliner Eingangsvermerk: 12. Juli vorm. Der Reichskanzler hat am
14. Juli von dem Stück Kenntnis genommen. 3 Jagow bemerkt dazu am Rande: »Wenn die Nachricht von Petersburg
nach Rom und von dort nach Athen gegangen ist, muß sie jedenfalls
schon etwas älteren Datums sein«.
Nr. 35
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^
Telegramm 86 Wien, den 11. Juli 1914^
Geheim !
Da Graf Berchtold heute abend über Sonntag nach Buchlau gefahren, habe Telegramm^ Graf Forgäch ganz vertrauhch mitgeteilt. Dieser bittet mich, seinen ganz besonderen Dank Ew. Exz. für den Schritt in Bukarest und die Mitteilung zu übermitteln. Die Antwort des Königs an unseren Geschäftsträger fand Graf Forgäch über Erwarten günstig. Daß König Carol zunächst Bedenken gegen ein Bündnis mit Bulgarien geäußert habe, sei ja natürlich. Wertvoll dagegen, daß er sich nicht prinzipiell dagegen gestellt und daß er ein Ab- rücken von Serbien für tunüch bezeichnet habe.
Tschirsch ky
1 Nach der Entzifferung.
^ Datiert in Wien: 11. Juli, aufgegeben 12. Juli ii^'^ vorm., eingetroffen im Auswärtigen Amt 12. Juli 12^* nachm. Am 13. Juli von Jagow nach Vor- nahme kleiner Änderungen dem Geschäftsträger in Bukarest »zur persön- lichen Information« mitgeteilt, abgegangen 14. Juli 4*^ nachm.
ä Siehe Nr. 28, Anm. 2.
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Nr. 36
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter
in London^
Telegramm 155 Berlin, den 12. Juli 1914'*
Geheim !
Die Untersuchimg des Mordes von Sarajevo läßt immer deutlicher erkennen, daß die geistigen Urheber in politischen und militärischen Kreisen Belgrads sitzen. Es besteht die Möghchkeit, daß Österreich sich infolgedessen zu ernsteren Maßnahmen gegen Serbien entschließen und diese zu allgemeinen Komplikationen führen könnten. Wir wünschen unter allen Umständen Lokalisierung des Konflikts^. Hierzu ist es nötig, daß die öffentliche Meinung in Europa es ihren Regierungen ermöglicht, der Austragung der Differenz* zwischen Österreich und Serbien ohne Parteinahme zuzusehen. Es ist daher erforderlich, daß auch in der dortigen Presse schon jetzt eine Stimmung geschaffen wird, die in dem Attentat ebenso wie seiner Zeit in der Ermordung des serbischen Königspaares den Ausfluß einer mit dem Kultur- gewissen Europas unvereinbaren politischen Verbrech er moral sieht und die es begreiflich erscheinen läßt, daß die Nachbarmonarchie sich gegen diese dauernde Bedrohung von serbischer Seite zur Wehr setzt. Bitte in diesem Sinne tunlichst ^ auf die dortige Presse ein- zuwirken, dabei aber sorgfältig alles vermeiden, was den Anschein erwecken könnte, als hetzten wir die Österreicher zum Kriege^.
Jago w
' Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand des Vortragenden Rats im Auswärtigen Amt von Radowitz vom 7. Juli mit Änderungen Zimmermanns vom 12. Juli.
'■^ Zum Haupttelegraphenamt 6^" nachm.
^ Der Satz »Es besteht Konflikts« von Zimmermann geändert aus
Radowitz' ursprünglichem Text: »Österreich scheint entschlossen, sich diese Gelegenheit zur Abrechnung mit Serbien nicht entgehen zu lassen. Wir stehen dieser Auffassung sympathisch gegenüber, wünschen aber einen etwaigen Krieg lokalisiert zu sehen.«
* »Der Austragung der Differenz« von Zimmermann geändert aus Radowitz' ursprünglichem: »dem Kampf«.
^ »tunlichst« von Zimmermann beigefügt.
^ Siehe Nr. 43 und 48.
— ^
Nr. 37
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter
in Wien ^
Geheim! Berlin, den 12. Juli 1914^
Zur streng vertraulichen Orientierung des Grafen Berchtold
Nach geheimen Nachrichten liegt Rußland und Serbien die vertrauliche Information vor, daß Österreich- Ungarn seine Garnisonen an serbischer und russischer Grenze unauffällig verstärkt.
Jagow
* Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand Zimmermanns. 2 Zur Post gegeben 8*^ nachm.
Nr. 38
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt ^
Telegramm 2 Fiuggi Fönte, den 12. Juli 1914^^
Marquis di San Giuliano sagt mir, daß er sofort nach Ermordung des Erzherzogs den italienischen Vertreter in Belgrad beauftragt habe, serbischer Regierung sehr dringend zur Mäßigung zu raten. Er glaube auch, daß diesem Rat entsprochen werden würde. Für Ausschrei- tungen der Presse könne in demokratischen Ländern Regierung nicht verantwortlich gemacht werden, österreichische Regierung dürfe sich darin nicht ins Unrecht setzen. Übrigens melde heute itaUenischer Botschafter in Wien, daß österreichische Regierung keine Befürchtungen wegen ernster Komphkation mit Serbien habe.
In Bulgarien sei nach Meldung italienischen Vertreters in Sofia Handstreich gegen König Ferdinand von russischer Partei zu befürchten.
Flotow
^ Nach der Entzifferung.
* Aufgegeben in Fiuggi Fönte den 12. Juli 7*^ nachm., angekommen im Aus- wärtigen Amt 10 2^ nachm. Eingangsvermerk: 13. Juli vorm. Der letzte Absatz »In befürchten« am 13. Juli vorm. von Jagow tele- graphisch zur »rein persönlichen Information« dem Gesandten in Sofia,
die beiden ersten Sätze »Marquis würde« unter dem 13. Juli
durch Erlaß »Zur persönlichen Information« dem Gesandten in Belgrad mitgeteilt.
^ Siehe Nr. 33.
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Nr. 39
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien und den Gesandten in Bukarest*
Geheim! Berlin, den 13. Juli 1914
Zu Ew. pp. rein persönl. Information.
Graf Szögy^ny las mir heute ein Telegramm des Grafen Czernin aus Bukarest über eine Audienz vor, die letzterer bei König Carol gehabt hat.
Der König hat danach dem Gesandten gegenüber geäußert:
1. Er sei gewiß, daß das offizielle Serbien die Mordtat von Sarajevo ebenso verdamme wie die übrige Welt, man dürfe die Mordbuben nicht mit dem offiziellen Serbien in einen Topf werfen.
2. Er sei gewiß, daß die serbische Regierung die Untersuchung gewissenhaft führen werde, würde es aber begreiflich finden, wenn Serbien die Führung der Untersuchung durch österreichische Kom- mission nicht zulassen würde.
3. Er bedauerte die Sprache der serbischen Presse, aber auch gewisse Hetzereien der österreichisch-ungarischen Zeitungen.
Der König wünsche offenbar eine friedhche Lösung der Frage, sei aber einer Äußerung über die Stellungnahme Rumäniens im Falle eines Konfhkts ausgewichen.
Im Laufe der Konversation habe der König, auf Äußerungen rumänischer Politiker: Bratianus, Marghilomans und Take Jonescus bezugnehmend, sich diese zu eigen gemacht, daß nämlich »nach Er- mordung des Thronfolgers die Zukunft Österreich-Ungarns dunkel erscheine und den Großmächten zu großem Pessimismus Anlaß geben müssea.
Graf Berchtold bittet den Grafen Szögy^ny, bei Mitteilung dieser Äußerung des Königs mich daran zu erinnern, daß König Carol sclion im Laufe des Winters dem österreichischen Gesandten einmal gesagt habe, er würde seine Pohtik nicht gegen die öffentüche Meinung seines Landes füliren können.
Graf Berchtold knüpft hieran pessimistische Ansichten über die Haltung Rumäniens, hofft aber doch, daß es noch dem Eingreifen unseres Allergnädigsten Herrn gelingen werde, Rumänien beim Drei- bimd zu halten.
* Nach dem Konzept von Jagows Hand. Abgegangen nach Wien, mit Aus- lassung des letzten Absatzes, am 13. Juli nachm.; abgegangen nach Bukarest, mit vollem Text, am 14. Juli
6o
Die Äußerungen des Königs über Österreich -Ungarn lassen sich — aus dem Zusammenhang gerissen, wie Graf Czernin sie berichtet — schwer beurteilen. Mit der Besorgnis, daß der Tod des Erzherzogs im jetzigen Moment für die Monarchie folgenschwer sein kann, dürfte der König nicht allein stehen. Daß aber ein so vorsichtiger Politiker wie König Carol den österreichischen Gesandten auf die Möglichkeit des Zusammenbruchs seines Vaterlandes hat hinweisen wollen, ist kaum anzunehmen. Jedenfalls läßt sich aus der Äußerung noch nicht ohne weiteres auf die zukünftige Haltung Rumäniens schließen.
Dagegen läßt sich wohl aus der Art der Berichterstattung über diese Äußerung auf einen weitgehenden diplomatischen Dilettantismus des Autors schließen.
Jagow
Nr. 40
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt ^
Telegramm Sy Wien, den 13. JuH 1914^
s
Graf Berchtold teilt durchaus die Ansicht Ew. Exz. ', daß die Ergebnisse der Untersuchung in Sarajevo nicht im einzelnen, sondern Richtung serbischer Politik und ihre Folgen zusammenfassend dar- zustellen sein werden.
Minister ist jetzt selbst überzeugt, daß schnellstes'^ Handeln geboten ist. Er hofft morgen mit Tisza über Wortlaut der an Serbien zu richtenden Note ins Reine zu kommen, würde diese dann Mittwoch, den 15. Juli, dem Kaiser in Ischl unterbreiten, worauf dann unverzüglich — mithin noch vor Abreise Poincares — Über- gabe in Belgrad erfolgen könnte.
Tschirschky
1 Nach der Entzifferung.
^ Aufgegeben in Wien 13. Juli 3**' nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 7** nachm. Eingangsvermerk: 14. Juli vorm. Der zweite Abschnitt von Jagow am 14. Juli 11^^ vorm. telegraphisch dem Kaiser mitgeteilt, dem die Ent- zifferung nachmittags nach 5 Uhr vorlag.
^ Siehe Nr. 31.
* Die Worte »jetzt selbst überzeugt« und »schnellstes« vom Kaiser zweimal unterstrichen.
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Nr. 41
Der Geschäftsträger in Bukarest an den Reichskanzler ^
Ganz geheim! Bukarest, den 11. Juli 1914 ^
S. M. der König empfing mich gestern um 12^/2 Uhr in Sinai a. Ich hatte die Ehre, hierauf zur Frühstückstatel zugezogen zu werden, nach der sich S. M. noch längere Zeit in Gegenwart des Prinzen von Rumänien mit mir über die in der Audienz schon besprochenen Fragen unterhielt.
S. M. hörte meine im Namen Sr. M. des Kaisers und Königs gemachten Ausführungen mit lebhaftem Interesse an. Bei den Stellen, die von dem Freund- schaftsverhältnis zwischen Rumänien und Serbien, sowie über die in Rumänien bestehende Agitation gegen Österreich -Ungarn handelten, machte S. M. eine zustimmende Kopfbewegung. Auch zu den Äußerungen, daß Höchstderselbe dem österreichi- schen Vertreter letzter Zeit zweimal gesagt habe. Er werde im Falle eines Krieges, mit Rücksicht auf die österreichfeindliche Stimmung in Rumänien, Höchstseinen Bundespflicliten nicht nachkommen können, und als ich davon sprach, daß S. M. der Kaiser und König in Wien stets für eine Verständi- gung mit Serbien eingetreten sei, stimmte S. M. beifällig zu. Als von den Bestrebungen Rußlands, einen neuen Balkanbund mit einer direkten Spitze gegen Österreich -Ungarn zu gründen, die Rede war, unterbrach mich Höchstderselbe mit der Bemerkung, daß ihm von einer solchen Absicht Rußlands nichts bekannt sei. ^
Am Schlüsse meiner Ausführungen bemerkte S. M. zunächst, Er glaube nicht, daß die serbische Regierung mit dem Attentat in Sarajevo in Ver-
^ Nach der Ausfertigung. Siehe Nr. 16 und 28.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 14. Juli vorm. Bericht lag dem Kaiser vor, von ihm am 20. Juli zurückgegeben, am 23. Juli wieder im Amt Kaiser befahl durch Randverfügung Muteilung an die Botschafter in Wien, Rom und Petersburg, die indessen tatsächlich nicht erfolgt ist.
^ Am Rand Fragezeichen und Ausrufungszeichen des Kaisers. Aktenstücke I. j
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bindung gebracht werden könnte. Er habe dies auch schon dem Grafen Czernin gesagt und ihn ge- fragt, ob man denn in Wien sichere Beweise da- für besitze. *
Hierauf sprach sich S. M., wie ich schon tele- graphisch berichtet habe, über die Aussichtslosigkeit eines Bündnisses mit Bulgarien aus. Als S. M. da- von sprach, daß Rumänien nicht sofort mit Bulgari« n in ein Bündnisverhältnis treten könne, wies er auf den letzten Grenzzwischenfall, bei dem ein rumäni- scher Soldat von einem bulgarischen erschossen wurde, sowie darauf hin, daß die Stimmung in Bulgarien gegen Rumänien sehr erregt sei.
S. M. meinte weiter, die Lage sei zwar augen- blicklich ernst, doch nicht hoffnungslos. In Wien scheine man den Kopf verloren zu haben. Es wäre gut, von Berlin aus auf den Ballplatz einzuwirken, um der dort herrschenden kleinmütigen Stimmung ^ auszuhelfen. Über die politischen Fähigkeiten des Grafen Berchtold sprach sich S. M. nicht gerade schmeichelhaft aus. Der König tadelte die Organi- sation in Bosnien und meinte, man wisse tatsächlich heute noch nicht, ob Österreich oder Ungarn dort regiere.
Während S. M. früher die Mißstimmung im Lande gegen Österreich-Ungarn als eine Welle, die wieder vorübergehen werde, bezeichnet hatte, äußerte Er sich gestern dahin, daß die Agitation eine ernste sei. Höchstderselbe stimmte mir bei, als ich die Ansicht aussprach, dieselbe sei deshalb so heftig geworden, weil man hier Österreich für schwach halte, und zudem das Selbstbewußtsein in Rumänien so außerordentlich gestiegen wäre. Als ich erwähnte, daß hier vielfach der Glaube bestehe, Siebenbürgen werde in nicht zu ferner Zeit Rumänien zufallen, meinte S. M., Er trete dieser Auffassung hier scharf entgegen und habe offen ausgesprochen, daß Er sich zu einer Eroberung Siebenbürgens niemals hergeben werde. Nach der Tafel kam das Gespräch nochmals auf diese Frage, wobei der König, zum Prinzen Ferdinand gewendet, äußerte: »Wir werden das ja nicht mehr erleben. Dein Sohn vielleicht.«
♦ Am Rand Ausrufungszeichen und Fragezeichen des Kaisers. ' Desgleichen.
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S. M. sprach sich bezüghch Serbiens dahin aus, daß man vor allem den gexvissenlosen Preßtreibereien entgegentreten müsse; diese trügen die Hauptschuld an allem Unheil und hielten die Gemüter in steter Erregung.
Auch in Österreich müsse auf die Presse gewirkt werden, damit diese nicht allzu sehr gegen Serbien hetze. Sasonow habe Ihm gesagt, Rußland denke nicht daran, einen Krieg zu führen, weil es in diesem Falle viel zu sehr innere Unruhen befürchten müsse, aber einen Angriff Österreichs auf Serbien könne es nicht dulden. Bei einem solchen, fuhr der König weiter, habe Rumänien keine Verpflichtungen.
Über Bulgarien bemerkte der König, im Laufe des Gesprächs habe sich Sasonow Ihm gegenüber derart despektierlich ausgesprochen, daß Er förmlich als Verteidiger aufgetreten sei. Der König erörterte auch die Frage bezüghch der Stellung Griechenlands im Falle eines Bündnisses mit Bulgarien und meinte, eine Verständigung zwischen diesen beiden Staaten könne nur erfolgen, wenn Griechenland Kavalla wieder \urückgäbe.
Die pohtische Lage hält der König auch beson- ders mit Rücksicht auf Albanien für sehr bedenklich. Mit Recht Er zeigt sich sehr unzufrieden über die Haltung Italiens daselbst. Insbesondere bezeichnete Er es als unglaubhch, daß man einen Gesandten wie Aliotti dahin geschickt habe. Dieser hätte seinerzeit London wegen Falschspielens eiligst verlassen müssen. AHotti habe dem Fürsten seinerzeit geradezu gedroht, die Truppen zurückziehen zu lassen, wenn der Fürst sich nicht auf ein Schiff begebe.
Um auf die Stimmung in Serbien gegen Öster- reich möghchst wirksamen Einfluß nehmen zu können, hält S. M. für unbedingt notwendig, daß Schritte von Berlin aus in Petersburg^ in diesem Sinne gemacht werden.
Dort müsse man zu verstehen geben, daß es sich jetzt nicht mehr lediglich um Rassenstreitig- keiten, sondern um sehr wichtige dynastische In- teressen handele. Was gestern in Sarajevo geschehen sei, könne sich morgen ebenso gut in Petersburg ereignen. Man möge daher von Petersburg aus ernste Schritte in Belgrad unternehmen. Er, der
doch!
Am Rand Fragezeichen des Kaisers.
7*
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König, sei bereit, auch seinerseits in diesem Sinne einen Druck auf Serbien auszuüben. Femer wolle Er Seinen Gesandten in Petersburg, der demnächst mit der Deputation des dem Zaren verliehenen Regimentes nach Petersburg gehen werde, dies- bezüghch Instruktionen erteilen. Der König würde großen Wert darauf legen, daß eine Demarche Deutschlands in dem gedachten Sinne in Petersburg erfolge, doch bat er. Ihn nicht als den Urheber der- selben zu bezeichnen. Höchstderselbe kamt mehrfach auf die Notwendigkeit eines derartigen Schrittes zurück und schien sich von einem solchen viel zu versprechen. Als ich nach der Frühstückstafel die Gelegenheit benutzte, um Sr. M. auftragsgemäß von der tiefen Wirkung Höchstseiner kürzlich ge- machten Demarche in Athen, die die Erhaltimg des Friedens bezweckte, zu sprechen, und dabei den Allerhöchsten Randvermerk' auf dem Bericht des Grafen Quadt zur Kenntnis brachte, zeigte sich der König sichtlich erfreut, und meinte, nun hätte S. M, der Kaiser durch eine Demarche in Petersburg Gelegenheit, ebenfalls der Sache des Friedens e^nen großen Dienst zu erweisen.
Über weitere Eindrücke, die ich aus meiner Unter- redung mit Sr. M, gewonnen habe, werde ich dem- nächst berichten.^
Waldburg
' Der Randvermerk des Kaisers findet sich auf folgendem Telegramm des stellvertretenden Staatssekretärs an den Kaiser vom 19. Juni:
Wien, Rom, Bukarest, Ew. M. Gesandter in Athen telegraphiert:
Stambul, London, Paris, ... ^ 1 • i 1 • r^ • •«»• •
Petersburg. »Kumamens Schritt, der hier nur Konig, Minister-
Der König hat uns allen Präsidenten und Minister der auswärtigen Angelegen-
einen großen Dienst er- heiten bekannt ist, hat ungeheure Wirkung gehabt, und
wiesen! Wir können -^j^ j^^j^^ Frieden, wenn Türkei weiter vorsichtig handelt,
thm alle sehr dankbar ^ . ,. , . , "
sein! VT. *'^'' Ziemlich gesichert.
der muß scharf \uge- riauptgefahr schien mir darin zu liegen, daß grie-
redet werden! chische Regierung gegenwärtige Streitfrage mit der sehr erfreulich! Türkei mit Inselfrage verquickt und hierin neue Forde- rungen betreffend Anerkennung stellen würde. Diese Absicht hat entschieden einmal bestanden, scheint aber jetzt, wie Streit mir versichert, aufgegeben.«
AUeruntertänigst
Zimmermann ^ Siehe Nr. 66
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Nr. 41 a
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt*
Wien, den 13. Juli 1914*
Die Haltung der hiesigen Presse verfolgt sichtlich die vom Ballhausplatz inspirierte Tendenz, die öffentliche Meinung nicht vorzeitig zu beunruhigen. Zugleich wird aber durch ausführliche Reproduktion der serbischen Preßartikel für deren weiteste Ver- breitung gesorgt und darauf hingewiesen, daß Serbien durch seine Wühlereien, die in dem Attentat auf den Thronfolger gipfelten, allen Kredit in Europa verloren haben müsse. So bemerkt die heutige Wiener Sonn- und Montagszeitung, daß Europa zum Glück wisse, was es von den bewußten Entstellungen, die man jetzt von Belgrad aus über die ganze Welt zu verbreiten suche, zu halten habe. Ins- besondere werde man in England nicht an die Lüge glauben, daß die serbischen Staatsangehörigen der Monarchie in den südlichen Ländern unterdrückt worden seien. Die Serben glaubten selbst nicht mehr daran, daß das Recht auf ihrer Seite sei.
In einem anscheinend offiziösen Entrefilet bemerkt dasselbe Blatt:
»Mit Rücksicht darauf, daß die Untersuchung über das Sarajevoer Mordattentat noch nicht zum Abschlüsse gelangt ist, sind auch alle Kombinationen über Form und Inhalt einer allfälligen diplomatischen Aktion Österreich-Ungarns bei der Belgrader Re- gierung verfrüht und müßig. Die verschiedenen Meldungen, die über Ischler Audienz des Grafen Berchtold in die Welt gesetzt wurden, haben eine entschiedene Zurückweisung erfahren und sind endlich ganz verstummt. Um so gesprächiger ist man in Belgrad. Die serbischen Blätter strengen sich seit Tagen an, Beweise dafür zu erbringen, daß die Monarchie keinen Rechtstitel zu irgendwelchen Forderungen besitzt, und wehren sich heute schon gegen Zu- mutungen, die bisher niemand gestellt hat. Ein besonders voreiliger Herr in Konstantinopel, der dortige serbische Geschäftsträger, unter- nimmt sogar schon Einschüchterungsversuche für den Fall, als Österreich-Ungarn es wagen sollte, mit Serbien einen Streit anzu- fangen. Das Treiben der Herrschaften erinnert ganz an den Mann, der durch den Wald läuft und vor Angst aus Leibeskräften schreit. Er muß sich fortwährend hören, damit ihn die Furcht nicht über- wältigt.«
Die Tendenz, die Äußerungen der Presse noch in Schranken zu halten, geht auch aus einer offiziösen Budapester Korrespondenz der Wiener Sonn- und Montagszeitung hervor, in der es heißt, daß die
* Nach der Ausfertigung.
^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 14. Juli nachm.
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Nachricht von der Einberufung eines neuerlichen gemeinsamen Ministerrats an maßgebender Stelle als unrichtig bezeichnet werde. Die Notwendigkeit eines neuen Ministerrats bestehe nicht, da die gemeinsame Regierung bereits über alle Eventualitäten übereinge- kommen sei. Die Meldung sei offenbar durch ein Mißverständnis entstanden. Graf Tisza beabsichtige nämlich, auf einen Tag nach Wien zu reisen, um sich über den Abschluß der Sarajevoer Unter- suchung zu informieren, nachdem die Opposition in Ungarn neuer- liche Interpellationen über die großserbische Bewegung vorbereite, und Graf Tisza seine letzte Rede, falls eine Notwendigkeit bestehen sollte, zu ergänzen beabsichtige.
Auch auf die Börse wird einzuwirken gesucht, die in den letzten Tagen sehr stark nachgegeben hatte. In der Presse wird an die Großbanken appelliert, deren Pflicht es sei, »sich in die Bresche zu stellen, wenn eine eminente Gefahr einer aller Voraussicht nach sogar ganz unmotivierten Entwertung drohe. Das Großkapital solle durch seine Haltung den Kunden und dem ganzen Markte zeigen, ein wie schlechter Berater in schweren Zeiten der Pessimismus sei.«
Die »Montags-Revue« schreibt: »Die Frage, ob und in welchem Umfange eine Mitschuld des offiziellen Serbien an der Tragödie von Sarajevo nachweisbar, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Gewiß ist aber, daß die Vorgänge und Kundgebungen der letzten Tage die ganze Unverfrorenheit und Tollkühnheit der ser- bischen Austrophobie enthüllen.
Man kann es nur billigen, wenn bei den Entscheidungen unserer Regierung auch weiterhin jede Voreiligkeit, jedes Nachgeben gegen Temperamentswallungen vermieden bleibe. Auch unsere öffentliche Meinung muß ihre Ruhe bewahren. Selbst dann, wenn eine diplo- matische Auseinandersetzung über das Drama von Sarajevo den gleichen Verlauf nähme, wie frühere Diskussionen, in welchen das amtliche Serbien uns vorerst durch läppische Ableugnungen ver- höhnte und uns schließlich Versprechungen erteilte, deren Ein- haltung nicht einen Augenblick ernstlich beabsichtigt war. Niemand wird bei uns so naiv sein, von einer in Belgrad veranstalteten Forschung nach Mitschuldigen der Mörder konkrete Ergebnisse zu erwarten. Auch das Eingehen des Belgrader Kabinetts auf die Forderung nach formeller Desavouierung der großserbischen Propa- ganda, nach künftiger Unterdrückung dieser Bewegung wäre ledig- lich ein diplomatischer Erfolg von sehr geringer greifbarer Be- deutung. Nur Tatsachen könnten beweisen, daß man sich in Belgrad unter der Wucht eines internationalen Verdikts zu einer Umkehr bequemt, die eine wirkliche Klärung des Verhältnisses zu Österreich-Ungarn ermöglichen würde.«
Nach der Mordtat von Sarajevo müsse das Verhältnis Öster- reich-Ungarns zu Serbien nur vom Standpunkte des nüchternsten Realismus beurteilt und geregelt werden. In Belgrad habe man Ent- scheidungen zu treffen, deren Tragweite noch über die sachliche Er-
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wägung einer hochernsten Kontroverse hinausreiche. Es handele sich um eine letzte Erprobung der Vernunft und Einsicht der Staatslenker Serbiens. Werde die Probe nicht bestanden, so müßte die offizielle Politik der Monarchie durch das Beharren bei der bis- herigen Methode den unentbehrlichen Rückhalt verlieren. Sie würde unverständlich für die Bevölkerung Österreich-Ungarns werden.
von Tschirschky
Nr. 42
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt^
Telegramm 5 Fiuggi Ponte, den 14. Juli 1914^
Obwohl Marquis di San Giuliano immer noch erklärt, daß Be- richte des italienischen Botschafters in Wien über Serbien nicht pessi- mistisch lauten, hat er doch bereits Gutachten des Völkerrechts- kundigen Herrn Fusinato über Rechtslage eingezogen und sagt mir, nach italienischer Auffassung könne eine Regierung nur wegen Verbrechen gegen gemeines Recht, nicht wegen politischer Propaganda reklamieren, wenn diese Propaganda nicht zur Tat übergehe^. Er fürchte daher, Italien würde österreichische Reklamation nicht unter- stützen können, ohne sich in Widerspruch zu tief begründeter Über- zeugung des italienischen Volkes und zu liberalen Prinzipien zu setzen. Habe erwidert, daß man zunächst überhaupt Inhalt österreichischer Reklamation abwarten müsse, daß aber, wenn Konflikt entstehen sollte, es sich nicht mehr um juristische Fragen, sondern um politische handeln würde. Marquis di San Giuliano bestand aber darauf, daß itaüenische Regierung niemals gegen Prinzip der Nationalität an- kämpfen könne. Minister will uns anscheinend vorbereiten, daß er bei weiterer Komplikation nicht an Seite Österreichs bleiben kann, österreichische Regierung wird mit diesem Umstand rechnen müssen. Weisungsgemäß habe ich Marquis di San Giuliano in Aussprache zwischen Wien und Berlin noch nicht eingeweiht. Minister sagt mir, Rußland habe in Belgrad zu Nachgiebigkeit geraten; es werde gut sein, wenn alle Regierungen diesem Beispiel folgten.
österreichischer Botschafter sagt mir ganz geheim, daß in Wien Entschlossenheit zu aktivem Vorgehen besteht.
Floto w
* Nach der Entzifferung.
* Aufgegeben in Fiuggi Fönte 2* nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 5*^ nachm. Eingangsvermerk: 14. Juli nachm. Unter Auslassung der Sätze
»Weisungsgemäß eingeweiht« und »Österreichischer
besteht« und unter Beifügung eingehender Erörterungen Jagows am 15. Juli dem Botschafter in Wien mitgeteilt (siehe Nr. 46).
» Siehe Nr. 64
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Nr. 43
Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt*
Telegramm 129 London, den 14. Juli 1914*
Geheim !
Ich habe bereits versucht, in diesem Sinne ^ vertraulich und vorsichtig Fühlung zu nehmen, verspreche mir aber angesichts der bekannten Unabhängigkeit der hiesigen Presse derartigen Einwir- kungen gegenüber nur wenig Erfolg. Es wird schwer halten, die gesamte serbische Nation als ein Volk von Bösewichten und Mördern zu brandmarken imd