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OCT 3 1 1908 l^arbarli College l,ii)raro

FROM THE

SUBSCRIPTION FUND

BEGUN IN 1858

Kritischer Jahresbericht

Über die Fortschritte der

Romanischen Philologie.

Unter Mitwirkung von über hundert Facligenossen herausgegeben von

Karl Vollmöllen

Mitredigiert von 6. Baist, Otto E. A. Dickmann, R. Mahrenholtz, V. Roasi, C. Salvioni.

VIII. Band. 1904.

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Erlangen 1908. Fr. Junge.

SeyffardtBche Buchh., Amsterdam. A. F. Host & Sön, Flofbuclih., Kopen- hagen. — Williama & Norgate, Covent Garden, London. 0. Schulze & Co., Edinburgh. Parker & Son, Broad Street, Oxford. H. Weiter, Paris. Rieh. Hoeoniger, St. Petersburg, Grosse Morskaja 12. Loeschor & Co., Rom. Kordiska Bokhandeln, Aktiebolaget, Stoekholm.

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K. II. Hof- lind ITnlv.-BMchdrnekerei von Juny« ä 8uI>d In Erlangvn.

Vorwort.

Durch die verspätete Einsendung einiger wichtiger Manuskripte hat sich die Ausgabe dieses Bandes leider etwas verzögert. Doch ist Band IX, der 1905 enthält, bereits im Druck; auch sind die Vorbereitungen für Bd. X schon im Gange.

Nach wie vor ist es mein Bestreben, den Jahresbericht immer mehr auszubauen und noch bestehende Lücken auszu- füllen. Es freut mich daher, mitteilen zu können, dass es mir gelungen ist, für einige bisher noch nicht behandelte Gebiete Bearbeiter zu finden. So wird vom nächsten Bande ab über die neufranzösischen Mundarten von Oberlehrer Dr. Urtel- Hamburg, über die itahenische Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Prof. Dr. Caccia- Florenz und über die italienische Literatur der Gegenwart von Prof. Baron Locella- Dresden berichtet werden.

Leider hat sich H. Prof. Stengel genötigt gesehen, infolge seiner ihm durch das Reichs tagsmandat erwachsenen Doppel- tätigkeit den Bericht über den Unterricht an den preussischen Universitäten abzugeben. Ich hielt es nun für das Zweck massigste, den für Einen fast zu umfangreichen Bericht zu teilen und für jede einzelne Universität einen besonderen Referenten aufzustellen.

Bisher sind für folgende Universitäten Bearbeiter gewonnen worden :

Berlin (A. Risop), Breslau (C. Appcl), Göttingen (A. Stim- ming), Greifswald(F. Heuckenkamp), Halle a/S. (C. Voretzsch),

IV Vorwort.

Königsberg (O. Schultz- Gora), Marburgi.H. (Ed. Wechssler), Münster i/W. (L. Wiese).

Es fehlen also nur noch Bonn und Kiel.

Leider hat der Jahresbericht auch den Tod dreier Mitarbeiter zu beklagen, der Herren Proff. DDr. Adolf Kressner, Jakob Ulrich und Ludwig Traube.

Als Redaktionssekretare waren an diesem Bande tätig die Herren Dr. A. Werner (bis Herbst 1906) und L. Grashey (bis Ostern 1907), schliesslich wieder die Herren Dr. A. Werner (bis 1. Oktober 1907) und Dr. K. Gruber (bis Ostern 1908).

Bei dieser Gelegenheit möchte ich an alle HH. Mitarbeiter noch die dringende Bitte richten, doch ja ihre Berichte recht- zeitig fertigzustellen. Denn ohne ihre Unterstützung ist es mir trotz aller Mühe nicht möglich die angestrebte Vollständigkeit und Regelmässigkeit im Erscheinen zu erreichen.

Dresden- A^ den 1. März 1908. Wienerstr. 9.

Karl Vollmöller.

Inhal t.*)

Seite

Einleitung. I

GoBchichte, Enzyklopädie und Methodologie der romanischen Philologie.

E. Stengel 8. Bd. VII i 1.

Erster Teil: Sprachwissenschaft. SprachphiloBophie, allgemeine und indogermanische Sprach- wissenschaft (mit indogermanischer Kulturwissenschaft). A. Walde 1

Allgemeine Phonetik. R. Weeks 11

Baskisch.

J. Vinson, 1901—1905 19

Arabisch.

C. F. Seybold 33

Lateinische Sprache.

F. Skutsch, Altitalische Sprachen 1902 1904 35

Allgemeine lateinische Grammatik und Metrik 1902—1904 . 42

Altlatein 1902—1904 57

G. Landgraf, Hochlatein . . 64

W. Kroll, Spätlatein 1902— 1904 66

Bibel- und Kirchenlatein 1902 - 1904 67

J. Pirson, Latin vulgaire et bas-latin 70

W. Kalb, Juristenlatein 76

Vergleichende romanische Grammatik.

E. Richter, Nachträge 1901-1903 78

1904 80

Rumänische Sprache. G. Weigand 90

B&toromanisohe Sprache. G. Hartmann 116

Italienische Sprache.

M. G. Bartoli, Lingua letteraria 1903. 1904 117

C. Salvioni, Dlaletti italiani antichi 131

Dialetti moderni dell' Alta Italia 140

H. Schneegans, Süditalienische Dialekte 1902—1904 149

P. E. Guarnerio, Dialetti sardi 1902—1904 153

*) Wo keine Jaliressahi beigefllgt, ist es immer 1904.

VI Inhalt.

Seite

Französische Sprache. R. Weeks, Französische Phonetik, zusammen mit der allgem. Phonetik behandelt s. S. 11 ff.

K. Sachs, Französische Lexikographie 178

E. Stengel, Altfranzosische Textausgaben s. Bd. VII i S. 170 ff.

Fransösische Mundarten.

A. Doutrepont, Le Walion 181

J. Vi sing, Anglonormannisch . . 185

Provenzalische Sprache.

J. Anglade, Altprovenzalische Grammatik und Lexikographie .... 189

Neuprovenzalische Grammatik und Lexikographie .... 190

Altprovenzalische Texte 191

Neuprovenzalische Texte 192

Katalanische Sprache.

B. Schädel 194

Spanische Sprache. G. Baist 1902-1904 196

Albanesisch. H. Pedersen 214

Romanische Sprachen ausserhalb Europas.

J. Geddes jr., Canadian French 1902—1904 217

J. Leite de Vasconcellos, Crioulos portugueses. Sprache zusammen

mit der Literatur behandelt s. S. II 166. R. Basset, Die afrikanischen Sprachen 259

Romanische Metrik.

E. Stengel, s. Bd. VII i S. 217 ff.

Zweiter Teil: Literaturwissenschaft. il

Literaturwissenschaft und Poetik.

K. Borinski, s. Bd. VII ii S. 1 ff.

Lateinische Literatur. L. Bellangcr, Latinit^ eccl^siastique et latin populaire; littdrature latine

du haut moyen dge s. Bd. VII ii S. 18. K. V. Reinhardatoettncr, Lateinische Renaissanceliteratur s. Bd. VII

II S. 43.

Französische Literatur. I. Altfranzösisch.

E. Stengel, Allgemeines. Das Kaiisepos s. Bd. VII ii S. 46.

Die historische Literatur des französischen Mittelalters 1902-1904 1

F. Freymond, Altfranzösisches Kunstepos und Romane 1899—1902 . . 216 A. Hilka, ,, 1903—1906 . . 296

W. V. Zingerle, Kaoul de Houdenc 4

A. Jeanroy, Poesie lyrique 5

J. Bonnard, Religiöse Literatur 7

A. Doutrepont, Wallonische Literatur s. I 188

.1. Vising, Anglonormanische Literatur 9

f E. Stengel. Das französische Drama im Mittelalter 341

K. Mahrenholtz, Französische Literatur von ca. 1630 ca. 1900 . . 9

E. Kitter, Rousseau 350

M. Mayr, Die französische Literatur im Jahre 1904 19

Inhalt. VII

Seite

FroyenBalische Literatur.

J. Anglade, Altprovenzalische Literatur 75

NeuproveDzalische Literatur 77

Katalanische Literatur.

B. Schädel 350

Italienische Literatur.

M. Pelaez, Antica poesia italiaoa XII— XIV sec. 1903. 1904 ... 79

N. Zingarelli, Dante 1903. 1904 105

V. Crescini, Boccaccio 1902. 1903 ... 116

L. Piccioni, Letteratura italiana del sec. XVJII |27

La letteratura italiana nel sec. XIX.

P. Bellezza, La scuola classica 141

Della Giovanna, 11 ronoanticismo e la letteratura italiana durante

il Risorgimento nazionale 1902. 1903 146

Bätoromanische Literatur.

G. Hartmann 160

Bumänische Literatur.

S. Pu^cariu, 1800 bis Gegenwart 161

Albanesische Literatur.

H. Pedersen, s. ob. I 214.

Bomanische Literaturen ausserhalb Europas.

J. Geddes jr., Kanadische Literatur s. I 217 ff.

J. Leite de Vasconcellos, Crioulos portugueses 166

R. Basset, Die afrikanischen Literaturen s. I 259.

Wechselbesiehungen swischen romanischer und germanischer

Literatur.

M. Kaluza, Romanische Einflüsse auf die englische Literatur des Mittel- alters 1902—1904 171

L. Fränkel, Romanisch-, insbesondere italienisch-englische Literaturbe- ziehungen im 16., 17. und 18. Jahrhundert 189

V

Dritter Teil: Grenzwissenschaften HI

Volkskunde.

A. Doutrepont, Folklore wallon s. I 185.

G, Pitrfe, Folklore in Italia 1

G. Hart mann, Rätoromani.sche Volkskunde 6

G. Weigand, Rumänische Volksliteratur, s. I 115 f.

J. Geddes, Kanadische Volkskunde 1902—1904 s. I 217 ff.

Bomanische Kulturgeschichte.

A. Schultz, 1904—1906 6

Bomanische Kunstgeschichte.

A. Schultz, 1904—1906 8

VIII Inhalt.

Seite

Vierter Teil: Unterricht in den romanischen Sprachen. A) An Universitäten.

(Redigiert von Karl Volimöller.)

H. Schneegans, Bayern 1

E. Michael, Sachsen 2

C Voretzsch, Württemberg 1902—1904 2

J. Haas, Baden 21

E. Heuser, Hessen 23

K. Zenker, Mecklenburg 24

H. Schneegans, Elsass-Lothringen . 24

B) An den technischen Hochschulen des deutschen Reiches. W. Scheffler 25

G) An höheren Lehranstalten (einschliesslich Selbstunterricht). Unterricht in der französischen Sprache.

(Redigiert von Dt. Otto £. A. Dickmann, Cöln.)

I. Allgemeines.

a) A. Gundlach, Allgemeine Methodik des neusprachlichen Unterrichts

b) Stand des Unterrichts im Französischen:

B. Herlet, Bayern 34

F. Schwend, Württemberg . , 35

Rose, Baden ,, 42

J. Ellinger, Österreich 43

II. Lehrweiee.

a) R. Krön, Lehrmittel fürden Selbstunterricht im Französischen 1902— 1905 45

b) ,, , Über den auf Abbildungen gegründeten Anschauungsunterricht

im Französischen 1902—1905 47

c) , Über die Bestrebungen, das Französische auf Grund der

geistigen (inneren) Anschauung zu lehren (Methode Gouin). 1902—1905 51

III. Hllfemittel flir den französlechen Unterricht

a) A. G und lach, Französische Schulgrammatiken und Übungsbücher . 53

b) A. Kugel, Schulausgaben 64

K. Gruber und A. Werner, Autorenregister 1

Verzeichnis der Abkürzungen 19

Druckfehler und Berichtigungen 25

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Kritischer Jahresbericht

Über die Fortschritte der

Romanischen Philologie.

Unter Mitwirkung von über hundert Fachgenossen hei-ausgegcben vou

Karl Yolimöller.

Mitrediglert von G. Baist, Otto E. A. Dickmann, R. Mahrenholtz, V. Rossi, C. Salvioni.

: VIII. Band. 19Ö4. 1. Heft.

Ausgegeben Dezember 190(3. Ladenpreis dieses Heftes Mark 13.60.

Erlangen 1906. Fr. Junge.

Seyffardtsuhe Buchh., Amsterdam. A. F. Ilöst & Sohn, Hofbucbh., Kopen- hagen. — Williams & Norgate, Covent Garden, London; Edingburgh; Broad Street, Oxford. H. Weiter, Paris. —Aug. Deubners Bucbh.. St. Petersburg, New8kyPr.28. Loe8cher&Co.(Bret8chneider&Regenberg),Rom.— Nordiska Rokhandcln, Aktiebolaget, Stockholm. Carlo Clausen, Torino. ^-g

Inhalt von Heft 1.*)

1

Seite

I. Einleitung. Geschichte, Encyklopädie und Methodologie der romanischen Philologie (E. Stengel, s.Bd. VII,

S. I Iff.) 1

Erster Teil: Sprachwissen- schaft. Sprachphilosophie, allgemeine und indogermani- sche Sprachwissenschaft (mit indogermanischer Kulturwis- senschaft) (A. Walde) ... 1 Allgemeine Phonetik (R. Weeks) 11 Les Etudes basques de 1901

k 1905 (J. Vinson) .... 19 Arabisch (C. F. Seybold) . . 33 Lateinische Sprache (1902 )

1904 (F. Skutsch) .... 35 Hochlatein (G. Landgraf) . . 64 Spätlatcin 1902— 1904(W. Kroll) 66 Bibel- und Kirchenlatein 1902—

1904 (W. Kroll) 67

Latin vulgaire et bas-latin (J.

Pirson) 70

Juristenlatein (W. Kalb) . . 76 Vergleichende romanische Grammatik (E. Richter) 1904 (Nachträge 1901—1903) . . 78 Rumänische Sprache (G. Wei-

gand) 90

Kätoromanische Sprache (G.

Hartmann) 116

Italienische Sprache (1902, 1903)

1904 (M. G. Bartoli) ... 117 Dialctti italiani antichi (0. Sal-

vioni) 131

Dialetti modcnii dell'Altalta- lia (C. Salvioni) 140

I Seite

Sttditalienische Dialektfe (H. Schneegans) 149

Dialetti sardi 1902 (P. E. Guar- nerio) 153

Französische Phonetik (R. Weeks,8. S. 1 11 ff. zusammen mit der allgemeinen Phone- tik).

Französische Lexikographie (K. Sachs) : 178

Altfranzö&ische Textausgaben (E. Stengel s. Bd. VH, S. I 170 ff.)

Le Wallon (A. Doutrepont) . 181

Anglonormannisch (J. Vi sing) . 185

Altprovenzalische Grammatik und Lexikographie (J. An- glade) 189

Neuprovenzalische Grammatik und Lexikographie (J. An- glade) 190

Altprovenzalische Texte (J. Anglade) 191

Neuprovenzalische Texte (J.

Anglade) 192

. Katalanische Sprache (B. Schä- del) 194

Spanische Sprache. 1902—1904 (G. Baist) 196

Albane&isch (H. Pcdersen) . . 214

Canadian-French (1902—1904) (J. Geddey, Jr.) 217

Die afrikanischen Sprachen und Literaturen (R. Basset) , . 259

Romanische Metrik (E. Stengel, 8. Bd. VII, S. I 217 flf.).

*) Wo keine Jahreszahl beigefügt, ist es 1904.

[Fortsetzung auf S. 3 des Cmschlagrs.]

<* - 7

^ "'^ '-*-

I.

Einleitung.

Geschichte, Enzyklopädie und Methodologie der romanischen Philologie. 1904 von E. Stengel siehe Bd. VII, S. I Iff.

Erster Teil. Sprachwissenschaft.

Spraclipliilosopliie, allgemeine

tuid indogermanisolie Sprach-

-ssrissenschaft (mit indogerma-

nisolier Kulturiarissensoliaft). 1904.

Auch in diesem Berichtjahre zieht Wundt* grosses Werk über die Sprache, das nun selber schon in zweiter, umgearbeiteter Auflage mehr nur in Einzelheiten modifizierend, die grossen Richtungslinien aber unverrückt lassend vorliegt^), seine Kreise. Vor allem ist hier zu nennen :

Jan V. RozwADOWSKi: „Wortbildung und Wortbedeutung. Eine Untersuchung ihrer Grundgesetze"*). Nach Wundt ist jede Benennung eines Gegenstandes nach jenem Merkmale erfolgt, das für den Schöpfer der Benennung im Blickpunkte des Interesses stand, während die anderen Merkmale in der Bezeichnung keinen sprachlichen Ausdruck finden. Dies ergänzt Rozwadowski dahin, dass bei einer Be- nennung nicht nur das dominierende Merkmal zum Ausdrucke kommt, sondern noch etwas anderes: während das dominierende Merkmal in dem Grundelement des Wortes enthalten ist, hat das Wort doch auch noch ein sog. formatives Element (mag dies auch bei den sog. Wurzel iiomina bereits in ältester Zeit abgeschliffen worden sein), und diesem formalsprachlichen Verhältnisse muss auch ein sinnsprachliches, d. h. psychisches entsprechen.

1) „Völkerpsychologie", I. Bwid. Leipzig. Engelmann 1904. 2) Heidel- berg, Karl Winters Universitätsbuchhandiung 1904.

Yollmoller, Rom. Jahresbericht YlII. 1

I 2 Sprachphilosophie, allgem. u. indogerm. Sprachwissenschaft. 1904.

Rozwadowski hält nun dieses formative Element für den sprachlichen Ausdruck des nach Abzug der zunächst dominierenden Vorstellung übrig- bleibenden VorsteUungsrestes, indem beim Übergang vom „wurzelhaften" zum „formativen" Wortteile (der ja ursprünglich auch konkretere Bedeutung gehabt haben wird) auch das im wurzelhaften Teile ausgedrückte domi- nierende Merkmal aus dem Blickpunkte trete und durch andere Merk- male der Gesamtvorstellung ersetzt werde. Dagegen scheint dem Bericht- erstatter einmal zu sprechen, dass aus dem Vorstellungsreste doch immer nur wieder 6in Merkmal zur Aj)perzeption gelangen kann, ähnlich wie es in Zusammensetzungen wie ^Kohlkopf" der Fall ist. Von einem Ausdrucke des gesamten Vorstellungsrestes im Suffixteile könnte daher nicht die Rede sein. Aber auch wenn R. die Zweigliedrigkeit (Wurzel Suffix) der Simplizia durchweg mit der Zweigliedrigkeit klar gebliebener Komposita identifiziert natürlich einräumend, dass in erstem zugleich mit der Abschleifung des zweiten Gliedes auch dessen Apperzeption zur Perzeption abgeschwächt sei , dürfte dies doch nur für einen Teil der Fälle Gültigkeit beanspruchen. In andern dürfte der suffixale Teil nicht erst durch einen Abschleifungsvorgang zum blossen Gattungs- oder Be- ziehungsexponenten herabgesunken sein, sondern von Anfang an diesen Charakter gehabt haben, ähnlich wie unser „Bläuling" als Bezeichnung einerseits eines Schmetterlingöj andererseits eines sich blau verfärbenden Pilzes bloss „blaue Farbe habend" besagt, die übrigen, gänzlich ab- weichenden Merkmale- beider Dinge aber vollkommen vernachlässigt, ja eliminiert. In den Fällen letzterer Art, die als uniu'sprünglich anzusehen wir kaum berechtigt sind, drückt das Suffix bloss aus, in welcher Be- ziehung das „Nominandum" zum „wurzelhaften" Wortbestandteile steht DieZwoiirliedrigkeit der Simplizia bleibt aber dadurch unberührt. Allerdings ist eine eingliedrige Benennung da vorhanden, wo ein Gefühlslaut zur Bezeichnung eines Gegenstandes wurde, wie jedenfalls in grösstem Umfange in den Anfängen der Sprache; hier ist nur die psychische Zweigliedrigkeit gewahrt in der Beziehung des Gefühls auf den Gegen- stand.

Die Zweigliedrigkeit liegt klar vor in Zusammensetzungen, und deren Vorstufe ist wieder die als Einheit apperzipierte Wortgruppe. Der End- punkt der Entwicklung ist aber das durch vollständige Abschleifung des Suffixteiles entstehende Wurzelnomen, z. B. in idg. Zeit * ped „Fuss", in nhd. Zeit Stein, das für sich betrachtet absolut einheitlich, d. i, eingliedrig apperzipiert wird.

In der Lehre vom Bedeutungswandel wird die Wundtsche Formu- lierung erörtert, dass durch die feste Assoziation des Lautbildes mit der ganzen Vorstellung und durch diesen Übergang des dominierenden Ele- mentes in die Gesamtmasse der Elemente zugleich der Weg für einen fast unbos(!hränkten Bedeutungswandel frei werde. Rozw. führt auch hier den Begriff der Differenzierung ein, indem zugleich mit der Identi- fikation einer neuen Vorstellung (z. B. Fuss eines Tisches) mit früheren (z. B. Fuss eines Menschen) auch die Apperzeption der nicht überein- stimmenden Elemente der neuen Vorstellung eintritt (die aber eventuell nicht s[)rachlich ausgedrückt wird, wenn sie durch die ganze Situation gegelxMi ist), so dass wir neben der Identifikation zugleich und untrenn-

A. Walde. I 3

bar davon eine Unterscheidung vollführen. Bei jeder neu apperzipieiten Vorstellung ist also ein identifizierendes ,|j^ ein unterscheidendes Glied vorhanden. Letztere Feststellung führt ^^. einer befriedigenden Erklärung aller Bedeutungswandel und leitet über, zur Gegenülierstellung von Identi- fizierungsnamen, in denen das identifizierte Glied vorherrscht, und Unter- scheidungsnamen) in denen das unterscheidende Glied dauernd vorhen-scht. Weiters untersucht R. das Verhältnis von Wort und Sat-z, und sucht nachzuweisen, dass der Satz sieh vom Substantiv nur durch eine voll- kommenere Beziehung des Gegliederten und die Fortdauer der analytischen Apperzeption, nicht aber durch den Inhi«lt der Vorstellung unterscheide („Die Sonne scheint" „Sonnenschein"). Das sog. Subjekt des Satzes sei das identifizierte, (his sog. Prädikat das unterscheidende Glied der Vorstellung. Der Satz ist ihm also der sprachliche Ausdruck der zwei- gliedrigen Apperzeption einer Gesamtvorstellung, das Substantiv der sprachliche Ausdruck eines auf Grund der zweigliedrigen Apperzeption einer Gesamtvorstellung entstiuidenen Begriffes. Weniger befriedigt^ was über Adjektiv und Verbum ausgeführt wird. Über die Anwendung des Differenzierungsprinzips auf die Phonetik wird erst eingehender geurteilt werden können, wenn sie vom Verfasser näher ausgeführt sein wird.

Mit Rozwadowskis Einteilung in Identifizierungs- und Unter- scheidungsnämen trifft Ottmar Dittrich zusammen, der in einer für die Lehre von der Zusammensetzung wichtigen, ergebnisreichen Abhand- lung „Über Wortzusammensetzung auf Grund der neufranzö- sischen Schriftsprache IV "^) dafür die Ausdrücke „Übereinstimmungs- und Abweichungsnamen" prägt, und seine Unterscheidung an einem reichen Materiale durchführt. Bezüglich der mir nicht zugänglichen Schrift Alfred Risop* „Begriffsverwandtschaft und Sprachent- Wicklung. Beiträge zur Morphologie des Französischen"*) verweise ich auf die Anzeigen Vohsler* ^) und Herzog* % welch letzterer die auffällige Tatsache feststellt^ dass zwischen begrifflich gänzlich un- verwandten Wörtern formelle Beziehungen oft die weitestgehenden Folgen haben, während Beeinflussungen von begrifflich sich noch so nahestehenden Worten ohne formelle Verwandtschaft sich nur spärlich aufweisen lassen. Ebenso muss ich für P. Beck „Die Nachahmung und ihre Be- deutung für Psychologie und Völkerkunde" '^) auf die Besprechung Ehrenreich* ®) verweisen.

Über das Leben der Sprache, speziell des Deutschen, handeln in volkstümlicher, anziehender Darstellung die von O. Weise in dritter Auflage wesentlich umgearbeitete und verbesserte Schrift von Friedrich Polle: „Wie denkt das Volk über die Sprache? Plaudereien über die Eigenart der Ausdrucks- und Anschauungsweise des Volkes"*) und Karl Müller-Fraureuth" „Aus der Welt der Wörter. Vorträge über Gegenstände deutscher Wort- forschung"*®), sowie der anspruchslose Vortrag von Emil Stern

3) Halle, Niemever 1904 (Habil.-Schr. Lpz.); S.A. ZRPh. XXIX. 4) Berlin, Weidmann 1903, 39 S. 4«. 5) LBlGRPh. 1905, 18 ff. C) ZRPh. 1905, XXIX, 234 ff. 7) Leipzig, Haacke 1904, 173 S. 8^ 8) DLZ. 1904, 2304. 9) Leipzig und Berlin, Teubner 1904, V— 112 S 8«. 10) Halle, Nieracyer 1904, 230- (1) 8. 8«.

1*

I 4 Hprachphilosophie, allgem. u. indogerm. SprachwiBscn.schaft. 1904.

„Das Leben derWörter"^^). Die Qualitätsverschlechterung einiger eng- lischer Wörter bespricht Johannes Kollberg „Beiträge zur Lehre vom Bedeutungswandel der Wörter im Englischen. Tl. L"^*). Von mir nicht zugänglich gewordeneu Abhandlungen sei wenigstens dem Titel nach erwähnt Platz „Über lautliche und begriffliche Wort- assimilation"^^) und Thurau „ßprachstoff und Sprachge- fühl" i*).

Über Ziele und methodologische Grundsätze im Betriebe der Sprach- wissenschaft handelt die mit frischem Zuge und starkem Temperament verfasste Schrift Karl Vossler* „Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft. Eine sprachphilosophische Unter- suchung"^®). Dass die Kenntnis des Materials, die möglichst genaue Beschreibung des Tatbestandes notwendige Voraussetzung für die Er- kenntnis jedes geschichtlichen Vorganges, also auch der Sprachgeschichte sei, ist selbstverständlich; ebenso aber wie der Historiker, hat auch der Sprachhistoriker nicht bei der blossen Beschreibung der Geschehnisse stehen zu bleiben, sondern muss zur kausalen Erkenntnis vorzudringen suchen. Als Positivismus bezeichnet nun Vossler die Beschreibung des Tatbestandes; und soferne man darin nicht das Endziel sieht, sondern nur die Voraussetzung für die Aufdeckung der Kausalzusammenhänge, die der Idealismus anstrebt, erkennt ihn Vossler als berechtigt, und not- wendig an. Aufs heftigste aber wendet sich Vossler gegen jene, die die Ermittlung der Tatbestände nicht bloss als vorlaufiges, sondern als End- ziel auffassen und die er metaphysische oder besser radikale Positivisten nennt. Es ist nun gewiss zuzugeben, dass die Einteilung der Grammatik in Lautlehre, Flexionslehre, Wortbildung, Syntax und Stilistik nur ein praktischer Notbehelf der positivistischen Sprachbeschreibung ist luid dass, da die Sprache geistiger Ausdnick sei, die umgekehrte An- ordnung, die die Stilistik an erste Stelle rücke, innerlich berechtigter wäre. Diese starke Betonung des psychologischen, von ihm als ästhetisch bezeichneten Gesichtspunktes, der übrigens, wie auch Wechssler*^) be- merkt, nicht neu ist, treibt aber Vossler unberechtigt auf die Spitze, wenn er den Geist als die allein wirkende Ursache sämtlicher Sprach- formen betrachtet, so dass selbst die unbedeutendsten und scheinbar zu- fälligen Wandlungen inmier eine in der Geistesart des Sprechenden liegende Ursache haben sollen. Dagegen wendet Wechssler treffend ein, dass sich der Geist doch mit dem sprachlichen Materiale und seinen fördernden und hemmenden Bedingungen abzufinden hat^ und dass (Uiher nicht bloss von Psychischem, sondern auch von Psycho- physischem zu sprechen ist. Aus den stets anregenden, wenn auch vielfach zum Widerspruch rcMzenden Darlegungen Vosslers sei besonders seine Auseinandersetzung mit Wechssler über die Frage der Lautgesetze hervorgehoben. Jeder Lautwandel ist ihm zunächst durch die individuelle Initiative eines einzigen entstanden, und zwar veranlasst durch den Akzent, der nur Geist sei. Am schärfsten fasst er seine

11) Sammlung gemeinnütziger Vorträge Nr. 314, Prag, Calve 1904.

12) Beil. z. Progr. der Vorstäd tischen Realschule in Königsberg, Ostern 19()4.

13) Diss. Münster 1905. 14) ZFEU. III. 15) Heidelberg, Karl Winters Uni- vorsität^buchhandlung 1904, VIII— 98 S. 8«. 16) LCBl. 1905, 137 ff.

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Ansicht an einer anderen Stelle*') in die Worte, dasa es eine absolute Alternative zwischen lautphysiologischer und assoziationspsychologischer (analogischer) Erklärung gar. nicht gebe und dass jeder Lautwandel zu- gleich auch ein Bedeutungswandel sei; mit anderen Worten, dass bei denjenigen Wandlungen, die uns als lautgesetzlich oder mechanisch er- scheinen, das psychische (assoziative oder dissoziative) Moment nicht etwa gefehlt oder geruht habe, sondern sich eben nur in derselben Richtung wie die mechanische und physische Entwicklung bewegte, ja diese sogar restlos in sich aufsaugte. Die Einheit und Regelmässigkeit der Sprache ist aber Vossler das Ergebnis geistiger Passivität, indem jedes Individuum durch Anpassung an seine Umgebung Beschränkung in seiner Individualität erleidet. So wird ja die Ausbreitung von Lautveränderungen oft genug vor sich gegangen sein; aber andererseits werden zweifellos Aussprachsneuerungen, die ein gewisses Sprachgebiet ergriffen haben^ ihrerseits in der Veränderung anderer Laute oder ganzer Lautreihen ihre rein physischen Folgen gehabt haben, für die eine geistige Ursache un- bedingt zu leugnen ist.

In ganz anderer, das physische Moment mit grösster Schärfe be- tonenden Richtung wird die Lautgesetzfrage von Eugen Herzog ange- packt in einer wohltuend klaren Schrift „Streitfragen der roma- nischen Philologie. 1. Bändchen: Die Lautgesetzfrage. Zur französischen Lautgeschichte" ^%

Wie Ausnahmen von einem bisher als richtig angenommenen Natur- gesetze dadurch zu erklären sind, dass das Gesetz entweder unrichtig gefasst ist, oder dass der kreuzende Einfluss eines anderen Gesetzes vor- liegt, oder dass man in noch anderen Fällen aus Mangel an Hilfs- mitteln der Untersuchung vorderhand zu keiner der „Ausnahme" gerecht werdenden Fassung zu gelangen vermag, so auch beim Lautgesetze und seinen scheinbaren Ausnahmen. Auch dass es beim Lautgesetze das selbstverständlich nicht als aprioristisches Gesetz, sondern nur als die Feststellung von Entwicklungsgleichheit aufzufassen ist noch an der Erkenntnis des kausalen Zusammenhangs fehlt, teilt es mit vielen Natur- gesetzen. Gegen die Gegner der Lautgesetze wird zunächst ausgeführt, dass Störungen durch Sprachmischung keinen Einwand begründen; denn je mehr eine Sprachgemeinschaft auf sich selbst angewiesen sei oder wo Mischungen vorliegen je gleichartiger sich die Mischungsver- hältnisse gestalten, um so w^eniger wird die Gleichartigkeit der Entwicklung gestört (korrelative Approximation). Auch die Rolle der individuellen Differenzen werde ungeheuer überschätzt, da das Zusammenleben der Ge- meinschaft stets ausgleichend wirke. Ferner dass die Sprache als Mittel zum Ausdmcke individueller Bewusst*<eins Vorgänge bei der Ver- schiedenheit, mit der sich letztere bei verschiedenen Menschen und zu verschie<lenen Zeiten abspielen, keine allgemeinen Regeln für die Vor- änderungen im Ausdruck jener Bewusstseinsvorgänge schaffen könne, erledige sich dadurch, dass Bewusstsein und Wille zwar als innere Veranlassung und in vielen Fällen bei der Wahl der von der Sprache

17) LBlGRPh. 1905, 10; ähnlich Becker DLZ. 1904, 3083 ff. 18) Halle a. S., Nicmeyer 1904.

I 6 Sprachphilosophie, allgeni. u. indogerm. Sprachwissenschaft. 1904.

als etwas historisch Gewordenem für die Einkleidung des Mitzuteilenden zur Verfügung gestellten Ausdrucksformen am Sprechen beteiligt sind, nicht aber bei der Überführung jener Ausdrucksformen in Bewegungs- akte, in der Lautsprache also bei der Erzeugung der Laute. Wille und Bewusstsein ist bei der Erlernung des Sprechens im Kindesalter oder bei der Nachahmung uns bisher unbekannter Laute und Artikulationen auch in späteren Jahren stark beteiligt, spielt aber bei schon bekannten und eingeübten Lauten keine Rolle. Je mehr wir uns also dem Ideal- zustande ungemischten Weiterlebens der Sprache nähern, um so mehr beschränkt sich die Mitwirkung von Bewusstsein und Willen auf die früheste Kindheit als die Zeit der Spracherlernung. Der Einwand, der jeden Lautwandel als Mode, als Nachahmung der Sprechweise irgendwie massgebender Personen betrachtet, könnte nach Herzog höchstens für höher gebildete Kreise in Betracht kommen, die glauben, dass die Sprache kunstmässig ausgebildet werden könne. Freilich mit der Widerlegung der Möglichkeit, dass Sprachänderungen sich von einem kleineren Gebiete aus verbreitet haben können (Wellen theorie), hat Herzog wenig Glück; es ist eben durchaus nicht anzunehmen, dass ein derartiges Umsichgreifen nach allen Seiten gleichmässig, konzentrisch zu erfolgen habe. Was endlich die Annahme betrifft, dass neue akustische Nuancen unterm Ein- flüsse von Gemütsstimmungen entstehen, so wendet Herzog ein, dass auch innerhalb kleiner Sprachgemeinschaften die herrschenden Gemüts- richtungen so auseinander gehen, dass zur Gewinnung einer einheitlichen Entwicklung wieder die Mode, die Nachahmung zu Hilfe gerufen werden müsste. Nach dieser Erörterung der bisher vorgebrachten Gründe des Lautwandels wendet sich Herzog zu positiven Vorschlägen. In lichtvoller und zutreffender Auseinandersetzung mit den von Wechssler aufgestellten Kategorien des Lautwandels gelangt er zunächst zum Schlüsse, dass es einen Unterschied zwischen graduellem und springendem Lautwandel nicht gebe, da ein springender Lautwandel in Abrede zu stellen sei. Jeder mechanische Lautwandel ist ihm graduell, d. h. er stellt eine Summe minimaler Verschiebungen dar, und nur wo ein zweites Element hinzukommt, dessen Wurzeln in psychischer Einwirkung zu suchen sind (entweder Analogie oder eine jener pvSychischen Erscheinungen, die beim Erlernen von Sprachelementen eine Rolle spielen), kommen neue Formen zustiinde, die sich nicht durch eine Summe minimaler Verschiebungen aus den älteren erklären lassen. Auch Metathesen, Assimilationen und Dissimilationen gehören als Ausdehnungen spezifischer Artikulationen nach vorne oder rückwärts zum graduellen Lautwandel, für den er nun eine einheitliche Erklärung sucht. Er glaubt sie darin zu finden, dass die Sprachorgane mit dem Älterwerden des Individuums sich verändern, so dass die Artikulation, die in der Jugend für einen bestimmten Laut ge- lernt wurde, beim erwachsenen Sprechenden einen (nicht bloss an Tonhöhe, sondern auch au Klangfarbe) etwas verschiedenen Laut erzeugt, der nun von der folgenden Generation übernommen und ihrerseits in entsprechender Weise verschoben wird (Geschlechterablösungsprinzip). Im Individuum tritt also eine Verschiebung des akustischen Elements ein, und die neue Generation bedarf zur Erzielung dieses akustischen Effektes einer Arti- ^ kulation, die von der der Lehrmeister etwas verschieden ist^ weil sie mit

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ihren anders gearteten, d. h. jüngeren, Organen bei gleicher Artikulation nicht die von den Altern gehorte I^autung erzielen würden. Durch der- artige Verachiebungen, die immer (?) in derselben Richtung liegen, kann ein Laut in der Dauer mehrerer Generationen einen auch schriftlich aus- drückbaren Wandel durchgemacht haben; bei dieser Auffassung erklärt es sich auch, das« sich innerhalb einer Sprachgemeinschaft ein Lautwandel nicht ganz gleichzeitig durchsetzt, sondern dass häufig ein Schwanken zwischen Altem und Neuem zu beobachten ist; dass schliesslich doch das Neue zum Siege gelange, sei darum begründet^ dass die Veränderungen, wenn auch in ungleicher Geschwindigkeit, doch nach derselben Richtung erfolgen.

Wie erfolgen nun Dialektspaltungen? Einmal durch Abtrennung eines Teiles der Sprachgenossenschaft; in diesem Falle können minimale Sprachabweichungen, die sonst in der nächsten Generation der Ausgleichung verfallen wären, zu dauernder Geltung gelangen. Es ist dann in bezug auf diese Sprachgewohnheit in der neu abgezweigten Genossenschaft ein anderer Durchschnitt vorhanden, auf den neu entstehende Abweichungen zurückgeführt werden, als in der zurückgebliebenen. Oft wird sich die Verschiedenheit darauf beschränken, da.ss die getrennten Teile sich nur in der Raschheit der Veränderungen unterscheiden. Der zweite Fall ist die Annahme einer fremden Sprache (bezw. einer fremden Mundart) durch die Sprachgemeinschaft. Hier kommt aber nicht das stets nur zu roher Nachahmung der neuen Sprache führende Sprechen lernen der Er- wachsenen in Betracht, sondern das der Kinder (eventuell neben der Muttersprache), die die Laute der neuen Sprache genau nachahmen. Da nun derselbe Laut oft durch mehrere Artikulationsmöglichkeiten her- vorgebracht wenlen kann (nebenbei bemerkt ein Punkt, der auch bei Erlernung der Muttersprache Artikulationsverschiedenheiten zwischen Jungen und Alten o<ler zwischen Jungen und Jungen hervorrufen und den Keim zu sprachlichem Auseinandergehn legen kann), erfolgt die Arti- kulation oft in einer den Ijehrmeistern ungewohnten Weise, die vielfac^h deshalb gewählt wird, weil sie der der Muttersprache verwandter ist. Nun hat jede Sprachgemeinschaft, die eine längere ungestörte Entwicklung hinter sich hat, ein System bequem zusammenpassender Artikulationen erreicht, indem jeder Laut so hervorgt^bracht wird, wie er die bequemste Anknüpfung an vorhergehende und die beste Vorbereitung zu den folgenden Lauten enthält. Wenn aber dieses System durch ein System akustisch, aber nicht artikulatorisch gleichartiger Laute ersetzt wird, wie es bei Sprachübertragung in der angedeuteten Weise geschieht, muss ein solches Zusammenpassen erst erzielt werden, es muss neu gelernt werden aus einem Laute in den andern bequem überzugehen. Daher die massen- haften Assimilationserscheinungen, die in den ersten Jahrhunderten nacli einer Sprachübertragung besonders auffällig sind. Dass Herzo^rs An- nahme der Greschlechterablösung zu ihrer Bestätigung vieler eingehcMi(I(»r Untersuchungen bedarf, verhehlt sich ihr Begründer nicht; sie wird auch gewiss nicht der einzige? in Betracht kommende Erklärungsgrund bl(jiben; ernstlichster Beachtung ist sie aber jedenfalls wert.

Auch Rudolf Thukneysen „Die Etymologie" ^®) nimmt Stellung

19) Rektoratsrede Freiburg i. B. 1904.

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zur Lautgesetzfrage. Er steht auf dem Standpunkte, dass die Überein- stimmung einer Sprachgenossenschaft auf einem Ausgleich der individuellen Sprachen beruhe, und dass der Lautwandel sich aus zunächst bei einzelnen jungen Individuen auftretenden und dann von anderen nachgeahmten Sprachabweichungen (über deren Entstehung nichts prajudiziert wird) erkläre, die, weil auf eigentümlicher Bildung eines Lautes beruhend, das ganze Sprachmaterial der betreffenden durchdringen. Auf diese Weise können sich nebeneinander verschiedene Sprachkreise bilden, die sich früher oder später nach einer oder der andern Richtung ausgleichen. Sehr dankenswert ist die klare Herausstellung der Tatsache, dass in Wörtern von leichtestem logischen Gewichte, wie Konjunktionen, Hilfs- zeitwörtern, Grussformeln, aber andererseits auch in selten gebrauchten Wörtern sich häufig über das regelmässige hinausgehende Veränderungen finden. Wenn aber Thumeysen dies gegen die Ausnahmslosigkeit des Laut- wandels ins Feld führt, glauben wir dies dem hochgeschätzten Forscher nicht zugeben zu dürfen. Denn, wenn auch der Etymologe diese Ge- sichtspunkte ebensowenig wird aus den Augen verlieren dürfen, wie den heute nirgends mehr vernachlässigten der analogischen Beeinflussung oder der Kreuzung von Formen, so haben die selten gebrauchten Worte für die Prinzipienfrage auszuscheiden, da hier ein Verhören vorliegt, das infolge seltenen Gebrauches des Wortes im Munde anderer Angehöriger der Sprach- genossenschaft nicht gleich seine Korrektur erfährt. Für die an erster Stelle genannten Wortformen aber hat Berichterstatter den Eindruck, dass einerseits Verstümmlungen nicht lautlicher Art vorliegen („die Ehre" für „habe die Ehre" wie „Ober" für „Oberkellner"), andererseits aber Fälle, für die wegen eines gesteigerten Sprechtempos oder besonderer Tonschwäche lautliche Bedingungen gegeben sind, die eben im übrigen Wortschatze nicht (bezw. gewöhnlich nicht) vorkommen, aber deshalb noch nicht von gesetzmässiger Betrachtung auszuschliesscn sind. Das sind Fälle, die wir als „Privilegia" empfinden nur mangels vergleichbarer Fälle, die die Erkenntnis eines Gesetzes gestatten würden.

Klar orientierend ist auch der die Frage der Lautgesetze be- handelnde Abschnitt von Berthold Delbrück'* ausgezeichneter „Ein- leitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung"^^) in ihrer nun vorliegenden 4. Aufl., die im übrigen durch einen Abschnitt über die grammatischen Lehren der Griechen, sowie durch ausführlichere Darstellung der Ansichten Wilhelm von Hum- boldts wesentlich bereichert ist. Lautgesetz im subjektiven Sinne ist die Feststellung von Gleichmässigkeiten in der Aussprache von Lauten, im objektiven Sinne das Bestehen solcher Gleichmässigkeiten, die sich inner- halb gewisser örtlicher und zeitlicher Grenzen vorfintlen. Dass Ver- änderungen der Aussprache in einer solchen gleichmässigen Richtung erfolgen, kann geschehen durch eine die ganze Gemeinschaft umfassende Sprachmischung oder durch andere, freilich schwer zu fassende, die Ge- samtheit ergreifende Einflüsse physischer oder sozialer Natur. Jedenfalls aber ist zur Herbeiführung der Gleichmässigkeit in der Aussprache der

20) BIgG'. Bd. 4. Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1904.

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verschiedenen Individuen doch immer noch eine auf gegenseitiger Nach- ahmung beruhende Ausgleichung nötig. Die ersten Veränderungen können sich anfänglich auch bloss an einem Teile oder an einzebien Indi- viduen der Sprachgemeinschaft vollziehen, in welchen Fällen die übrigen Glieder nur durch Nachahmung von diesen Vorgängen berührt werden. Als eine der Hauptaufgaben der künftigen Forschung bezeichnet es Delbrück, durch Beobachtung näher festzus(tellen, wie die besprochene Ausgleichung vor sich gehe. Er erwähnt zum Schlüsse eine dahin- gehende Ansicht Wheeler**^), das» ein Sprechender, der einen neuen Laut aufnimmt, ihn zunächst an einigen Wörtern lerne und dass ihm bei anderen Wörtern, die den alten Laut enthalten, sofort das sieg- reiche neue Lautbild einfalle, das sich auf diese Weise bei allen Wörtern festsetze (?).

Schliesslich sei noch die kurze Skizze über Lautwandel von K. S. Laurila ^*) erwähnt, der wesentlich im Sinne Wundts die Gründe der lautlichen Veränderungen betrachtet.

Grundsätzliche Fragen der Sprachbetrachtung erörtert auch Ottmar DiTTRiCH „Die Grenzen der Sprachwissenschaft"^^), wobei er sich gegen Pauls Formel „Sprachwissenschaft ist gleich Sprachgeschichte" wendet und feststellt, dass in der Sprachwissenschaft neben dem historischen auch ein nicht historischer Teil anzuerkennen ist, und daran anknüpfend eine Systematik der sprachwissenschaftlichen Disziplinen versucht.

Von den Untersuchungen, die in diesem Berichtjahre der Kinder- sprache zuteil wurden, sei zunächst verwie.sen auf H. A. Idklbkrger" „Die Entwicklung der kindlichen Sprache'***). Auf Grund von Beobachtungen wird zuerst die Energie der Aufmerksamkeit untersucht und gezeigt, dass letzlere sich nur so kurze Zeit auf denselben Gegen- stand lenkt, dass schon deshalb die Annahme abzuweisen sei, als ob das Kind schon in der frühesten Ijebensperiode zur Analysierung seiner Wahrnehmung imstande sei. Übergehend zum Problem der ersten Woit- bedeutungen bestätigt er aus der Anwendung derselben Lautung beim Anblicke der allerverschieden artigsten Dinge die schon im vorigen Be- richtjahre gebuchte Erkenntnis, dass die ersten Worte des Kindes nicht eine Bezeichnung der Gegenstände bezwecken, sondern nur dem Aus- drucke der kindlichen Gefühle und Bogehrungen gegenüber dem fraglichen Gegenstande dienen. Diese Gefühle und Begehrungen sind beim ein- jährigen Kinde in solcher Stärke vorhanden, dass sie nicht durch bloss einmaligen, sondern erst durch mehrmaligen Gebrauch eines Wortes voll- ständig ausgelöst werden; daher ist gerade die Reduplikation ein Haupt- kennzeichen des Gefühls- und Begehrungswert(^s dieser Worte. Erst sehr allmählich entwickelt sich daraus die Verwendung der Worte zum Zwecke der Bezeichnung. Betreffs der Frage der freien Worterfindung leugnet er auf Grund von Beobachtungen mit Recht, dass die Kinder Wörter bilden, die in keiner W(mso auf äussere Anregung zurü(;kzuführen wären. In einem Anhange macht er einige Bemerkungen darüber, welche

21) TAPhA. 1901. 22) NM. hg. vom Neuphilolog. Verein in Helsingfors 1904, Nr. :}/4. 23) Berlin, Walter 1904. Nicht zugänglich ist mir desselben Verfassers Abhdlg. „Hauptprobleme der kindl. Sprachentwicklung" in: ZPPP. V, 4/5. 24) Leipzig & Berlin, Teubner 1905 (S.A. NJbbKlA. XV).

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artikulierten Laute das Kind zuerst spricht^ welche dann folgen und welche den Schlusstein in dem Lautgebäude bilden, und ob hierin wirklich eine bestimmte Reihenfolge zu beobachten sei. Dabei ergibt sich ihm folgendes: In der Wende vom 3. zum 4. Monate treten die ersten artikulierten Laute auf, und zwar anfänglich meist Kehl- und Gaumenlaute (indem der Luftstrom zuerst an diese Organe anprallt), oft nasaliert, meist mit den Vokalen a, ä, ö. Nebenher läuft aber eine ausserordentlich grosse Zahl unartikulierter Laute, die aber Ende des 6. Monats schon stark zurücktreten. Im 6. bis 12. Monate werden über- wiegend Lippen- und Zungenlaute gesprochen; dies wird bewirkt durch die zunehmende Beweglichkeit der Lippen und Zunge infolge der Saug- bewegung des Kindes, aber auch dadurch, dass die Kinder die Mund- bewegungen der Erwachsenen beobachten und nachahmen, was er experi- mentell feststellt.

Eine populäre Übersicht über die Entwicklung des kindlichen Sinnen- lebens und der kindlichen Sprache bietet Adolf Dyroff in einer Schrift „Über das Seelenleben des Kindes"^'), deren zweite Hälfte „von der Dichtkunst des Kindes" uns hier nicht zu beschäftigen hat

Für einige andere dem Berichterstatter nicht zugängliche Arbeiten muss er sich auf blosse Aufzählung beschränken: Probst, „Gehirn und Seele des Kindes"^®), Ament, „Fortschritte der Kinderseelen- kunde"*"), HE»rpRiCH, „Zur modernen Kinderforschung"**), Lo- wiNSKY, „Neuere amerikanische Arbeiten auf dem Gebiete der Kinderpsychologie"**).

Die Frage der Weltsprache hat durch B. L. Witieö^®) eine Be- handlung in durchaus ablehnender Weise erfahren, die selbstverständlich ist, wenn man unter Weltsprache eine wirkliche Volks- und Verkehrs- sprache im umfassendsten Sinne versteht, die allen Völkern und Menschen- klassen bei allen Gelegenheiten und in allen Lagen gut verständlich sein soll. Auf anderem Standpunkte steht H. Schuchardt ^^), der hervorhebt, dass es sich heute nur mehr um eine internationale Hilfs- sprache handeln könne, und auf seinen im Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1904 (ibid. 1905) erschienenen Bericht „über die auf Schaffung einer künstlichen internationalen Hilfssprache gerichtete Bewegung" ver^^eist, auf den wir im folgenden Berichtjahre zurückzukommen haben werden.

Aus dem engeren indogermanischen Gebiete sei vor allem eine als vorbildlich zu bezeichnende bedeutungs-geschichtliche Untersuchung „Die Demonstrativpronomina der indogermanischen Sprachen" von Karl Brugmann^^) hervorgehoben. Ebenso wie desselben Gelehrten frühere Untersuchung der Ausdrücke für den Begriff der Totalität zeigt auch die vorliegende in eindringlicher Weise, dass 'nur bei Erfassung

25) Bonn, Hanstein 1904. 26) SAPPsPh. VII, ?;3. 27) Leipzig, Engel- mann 1904. 28) JbVWP. 161-208. 29) ZPPP. 30) „Die Weltsprache", AZB. 1903, Nr. 294. 31) AZB. 1904, Nr. 20; dort ist auch auf die Flugschrift „Die internationale Hilfssprache" von L. CoütüRAT (Paris, Selbstvlg.) und auf die „Histoire de la langue universelle" von L. Coüturat & L. Leau (Paris, Hachette) verwiesen. 32) AbhphhKlSGW. XXII, Nr. VI. Leipzig, Teubner 1904.

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der grösseren Zusammenhänge zwischen bedeutungsverwandten Gruppen Erkenntnisse zu erlahgen sind, die ein isolierendes Herausgreifen von Einzelheiten nie zu liefern vermag. Auch der Einzelphilologe, der Fragen dieses Gebietes an zu forschen unternimmt, wird der in der Brugmannschen Arbeit gewiesenen Richtungslinien nicht entraten können.

Auf etymologisch-bedeutungsgeschichtlichem Gebiete ist die starke Betonung des Grundsatzes weitestgehender Berücksichtigung der Realien für die Wortgeschichte ein Fortschritt, den R. Meringer in seinen Ab- handlungen über „Wörter und Sachen "^^) angebahnt hat, wodurch Schuchardts in gleiche Richtung weisende Bestrebungen auf romanischem Sprachgebiete auch auf indogermanischem ihre Parallele erhalten.

Das Problem der Entstehung der indogermanischen Flexion hat durch Hermann Hirt^*) eine scharfsinnige Behandlung erfahren, die aus der Übereinstimmung vieler Endungen der Nominaldeklination mit solchen der Verbalflexion den sehr besiechenden und wohl auch richtigen Schluss zieht, dass das indogermanische Verbalsystem durchaus nominalen Ursprungs sei.

Endlich muss hier ein, wenn auch die Romanistik nicht unmittelbar berührendes Werk wenigstens erwähnt werden: Chr. Bartholomae** monumentales „Altiranisches Wörterbuch"^*), das als vollwertiges Seitenstück zum Petersburger Wörterbuch des Altindischen unter die Grosstaten aller philologischen Wissenschaft gezählt werden muss.

Aus dem Felde der indogermanischen Kulturgeschichte ist, etwa ausser O. Schrader* anziehender Studie „Die Schwiegermutter und der Hagestolz" ^^), unser Berichtjahr wenig fruchtbar gewesen. Mehr wird, besonders in den Fragen der Urheimat und Urgeschichte, das folgende zu berichten geben.

Innsbruck. Alois Walde.

Allgemeine Phonetik. 1904.

O. Jespersen, Lehrbuch der Phonetik'). This volume is translated from the Danish treatise of the nuthor. The principle of composition of the work was to proceed from the smallest beginnings of sure Observation to larger and niore general conclusions. In accordance with this principle, the book divides itself into four main divisions: I Analysis: the position and movement of each organ of speech examined separately, without any regard to the action of the other organs. II Syn- thesis: a study of the single sounds as the product of several or all the Organs of .speech. III Combination; the binding together of the various sounds with those that precede and those that follow. IV National Bases: the main traits that distinguish the system of sounds of a given language from that of other languages. The aiphabet used in the phonetic tnins-

33) IgF. Bd. XVI und folgende. 34) IgF. XVII, 36 ff. 35) Strassburg, Trübner 1904. 36) Braunschweig, Westcrmann 1904. 1) Leipzig und Berlin, Teubner, 1904.

112 Allgemeine Phonetik. 1904.

criptions is that of the Association phon^tique internationale, but frequent application is made of the author's own analphabetic System *).

In accordance wilh his principle of proceeding from what is easy to discover to what is more difficult, the author treats the organs of Speech in the foUowing order: lips, lower jaw, tongue, soft palate, uvula, larynx, the breathing apparatus. The pages that are devoted to these topics are naturally iess original than most that has come from the pen of Jebpersen, none the Iess, they contain many keen and incisive obser- vations. The language is that of a conscientious searcher and clear thinker. As in all works which follow the English school of Phonetics, there is, to my taste, too great an assumption of scientific accuracy, tempered, it is true, by a judicious spirit which preserves the author from the excesses of many phoneticians.

No more can be here attempted than to mention, almost at pure hazard, several points in the varions divisious of the work. In his dis- cussion of the sound p, the author inquires what the really distinctive dement of the sound is, and arrives at the conclusion that it is not the movement of the lips towards or away from eachother, but their position, the cloture itself: pp. 10 12. For the fricatives, he prefers in German the Word Engelaut to Reibelaut^ in which I can not agree with him, since the first of these terms does not so unmistakeably convey the idea of a consonant p. 13. But why should the German not use the word fricatire, which may fairly be called international? He says, p. 22, in speaking of such pairs of vowels as i and /y, that they differ only in the Position of the lips, a statement which occurs in all works on Phonetics. But are we eure that this statement is correct? All will agree that the main difference is in the lips, but who will venture to say that tho action of the velum and of all the other organs, aside from the lips, is iden- tical in these sounds? In his remark on p. 37 with regard to a distinction beyond that indicated by Sweet between the sounds jt and d, he seems to me to be right. The experiment indicated in the last paragraph on p. 42 (the production of a series of tongue explodents, each formed a slight distance further back than the last) is very interesting, and I know from personal examination of the author's organs of speech how admirably he can do this, running the whole scale, and producing accurately and easily the back explodents. Chapter Five, p. 55 ss., concerning the soft palate, is one of the best in the book, and shows a great power of Ob- servation in the author, as does the excellent chapter on the larynx, p. 67 SS.

The division of the book which treats of Synthesis has not only great usefulness but the charni of a successfully applied system. In the rapid summarj' of the (?ssential action of the various sounds (p. 124 ss.) there are many paragraphs which reiiUy offer a more adequate compre- hension than appears in the preceding pages. For each sound, the analphabetic analysis is given, and however complex it may appear, shows itself as a working system which is certain to lead to careful reflection.

2) Articulatious of Speech Sounds, Marburg, 1889.

R. Weekfl. I 13

It 18 not the fault of this system if the organs of speech are so very complicated in their action.

In the third division of the book are to be found valuable and interesting expositions of assimilation, quantity^ sonority, the syllable, the diphthong, stress, and tone. The closing chapter deals insructively with the main characteristic traits of languages, especially of North Ger- man, English and French.

The fundamental theories on which the Lehrbuch is based appear in a separate volunie by the same author^). This volume is divided into seven chapters, any one of which would offer material for a long review. The book will certainly rank with the most profound and inspiring utterances on the subject of Phonetics. The tone of the work is for more personal than that of the Lehrbuch: it is Jesp£R8£N himself whom we hear talking. The style is clear and sparkling, and abounds in instructive metaphors and similes. Many of the most effective parts of the volume have all the ease of a causerie.

In this brief mention of the Grundfragen, no more can be done than to draw attention to a very few interesting and valuable points. Chapter II, which treats of Lautschrift, is to be commended just now to those who are devising new alphabets. The last sentence of para- graph 25, p. 19, severe as it is, should be taken to heart by would-be devisors of phonetic alphabets, as should also the last sentence on p. 25, in which the author expresses bis disbelief in the possibility of devising, on the basis of the Latin aiphabet, a system of speech notation which shall be comprehensive, accurate^ and yet practical*). The author gives on p. 29 SS. a description of bis analphabetic system, in which one notes the following keen Observation: «so wenig wie die Chemiker einen ein- zelnen Buchstaben oder ähnl. für zusammengesetzte Stoffe haben, so wenig darf der Phonetiker eine ganz einfache Bezeichnung der Laute erwarten.» I may add in passing that however true this Observation in the sense meant by the author, the comparison is not a fair one in every way, for Chemistry is an exact science, which Phonetics is not.

Chapter III treating of the best pronunciation, contains much that is new on an old subject, and will appeal to a wider circle of readers than most of the divisions of the book. The following Chapter offers an earnest and careful examination of the questions that divide the acoustic and genetic (or organic) schools of Phonetics. The exposition of the differences between the two schools, beginning on p. 72, is a model of clear and judicial Statement. Jespersen ends by inclining to the organic side, and bis criticism of a number of the experiments and declarations of the acoustic school is certain to lead to rejoinders *). His attitude, however, is so far from bcing unjudicial, that he is able to close the

3) 0. Jespebsen, Phonetische Grundfragen, Leipzig and Berlin, Teubner, 19()4. 4) Cf. the closing sentence of paragraph 31, p. 27: „ein all- umfassendes System, wo alle Lautnuancen in allen Sprachen Platz finden, und wo doch jedes Zeichen überall dieselbe Bedeutung hat, eine reine Chimäre ist und bleibf One will note also the foot-note on the above mentioned page. 5) Note, for example, the author's criticism of Lloyd, Pipping, Helmholtz, Beckmann, Hermann, and Trautmann. He seems to me to bo entirely right when he says of Helmholtz with regard to his Lehre von den Tonempfin-

I 14 Allgemeine Phonetik. 1904.

discusaion w>th the ätatement that, while he believes in giving prominence to the articuktory aide of speech sound, he would by no means neglect the other sides.

Chapter V begins with a Statement of the difficulties of a Classifi- cation of speech sounds. The author declares (with entire correctness) that all names used to indicnte divisions of consonanis . such as: nasals, voiced or lateral consonants, etc., are one-sided, and express only ^some one feature of what is really characteristic of the sound, whereas in fact eveiy sound owes something to the position of all the organs: „jeder Sprachlaut ist gleich zusammengesetzt." One can not therefore represent in a table of consonants all contributing activities of the organs of speech. He adds words which recall certain utterances in the Lehrbuch: „Man tut wohl besser daran, einfach den Gedanken einer einigermassen er- schöpfenden Konsonanten tafel aufzugeben." He then turns to the vowels, and draws similar conclusiona. Our only refuge, according to the author, is to transfer our efforts at Classification to another field: the systematic representation of all the articulations that contribute to form a sound. This is what he calls the study of the eUments^ in accordance with bis System of analphabetic symbols, and he gives as an examplc the analysis of the sound m'). The exposition of what constitutes this sound comes to the reader with a convincing freshness : here is a System adequate and elastic, which asks no favors of the fact«, and which does not place as its ultimate goal the giving of a name to a thing which is perhaps as yet imperfectly understood. It is difficult to imagine a discovery as to any essential trait of a sound, which could not be perfectly and imme- diately assimilated to the system of analphabetic symbols. As a System, it can have naught to fear from any discovery of science.

The author speaks of the so-called faucal or nasal explödent in words like necken. It is hard to agree with him when he inquires why we do not say that there is a nasal or faucal explödent in the combi- nation a a, „wo wir zwischen dem reinen Mundvocal und dem nasalen Vocal genau dieselbe Bewegung des Gaumensegels haben?" But is it true that we have here the very same movement of the soft palate? By no means, as many tracings in my possession show. The action of the velum in the sound k and in a is not identical.

In Chapter VI, Jespersen discusses methods of research, and gives his views of Experimental Phonetics. This is one of the most interesting chapters in the book. Its judgments tu-e so reasonable and so just that the most enthusiastic experimental phonetician could not well take ex- ception to them. Pages 134 42 are to be especially commended. This

düngen that: „es der Phonetik vielleicht nicht zu ungeteiltem Vorteil gewesen ist, dass Helmholtz ein so hervorragender Mann war, wie er war." 6) The author gives as the first element closure of the lip», and adds that in this m agrees with m p and b. That the lips are closed in all four of these sounds is evident, but if°we wish to carry the analysis to the last degree we must reoognize that the cloture for p and in a measure for b differs slightly from that for m. Similarly, when, on p. 110, he says that the differences between the m of imitieren and that of atnateur depend on sraall differencies in the positions of the tongue, a fuller Statement would add «^and of the soft palate , for the action of this organ for the m in thesc would is not identical.

R WeekB. I 15

valuable book closes with a discussion of the great Lantgesett frage of the Junggrammatiker i in which many new and original observations are to be found. Witbout attempting to go into Jebpersen's argument, one may bo permitted to praise the close reasoning and rapid exposi- tion of this Chapter: see, for example, paragraphe 163, 171, 172, 173. In conclusion, it is not likely that any plionetician who has been able to pas8 an hour over Phonetinche Grundfragen will be able to resign himself willingly to not adding the volume to his own private library, where it will certainly rank araong the real treasures.

W. ViETOR has favored us during the year 1904, with a fifth edition of hiö Elemente der Phonetik'') the new edition differs from the preceding mainly in the thorough adoption of the aiphabet of the Association phon^tique Internationale, and in the bringing up to date of the most recent research, especially in Experimental Pho- netics. The definite adoption of the aiphabet of the Association in this excellent work marks a great stride forward in the spread of this form of transcription, which is rapidly becoining dominant. Both the Asso* ciation and the author are to be congratulated on the change. Time is becoming shorter and shorter for scholars, and everything which facili- tates their rapid understanding of each other can only be considered a distinct gain to science and to humanity as well.

Further meution of this Standard volume is unnecessary, since it is already so well known as a clear and systematic presentation of the salient facts of the Phonetics of German, English and French.

E. W. Scriptüre: Über das Studium der Sprachkurven'). Professor Scriptüre publishes a lecture, illustrative of his methods of research, delivered in the Psychological Institut of the University of Berlin. We are already familiär with the mainpoints in Scripture's methods of research from his numerous excellent publications.

J. GiLLi^RON publishes a reply to the review of the Atlas Lingui- stique de la France which appeared from the pen of A. Thomas in the Journal des Savants®). Polemics of this kind are among the most regrettable of misfortunes in the learned world, It is impossible for me to attempt to judge the merits of the questions in dispute, since both of the eminent scholars are among my former masters. I may say however that Professor Thomas' attitude towards the Atlas before his classes, even the most advanced, is distinctly «correct»,and that he mentions the enterprise of the Atlas as one of the most important ever undertaken in the linguistic world.

GiULio Panooncelli-Calzia, De la Nasalit^ en Italien*) The research of the author is an application of Experimental Phonetics, and is written in the tone of enthusiasm of a new convert^ The work seems to have been done in haste, and it is probable that the author's knowledge of this brauch of Phonetics does not date back more than two or three

7) ANPh. IV. Bd. Veit u. Comp., Leipzig, 1904. 8) Atlas linguiaticjue de la France, Compte Rendu de M. Thomas, Paris, Hooor^ Champion, 1904. In this reply, Gillieron republishes the critique of Thomas, which can also be found in JS., 1904, No. 2. 9) Paris, Institut de I^aryngologie et Ortho- phonie, 6, Quai des Orfi^vres, 1904.

I 16 Allgemeine Phonetik. 19()4.

years. He has an easy way of speaking of the difficulties in the inanipulation of instraments which betrays the beginner ^% and the slighting tone in which he mentions at times the work of Phoneticians of the old sehool is, to say the least, lacking in dignity. The selection of the phonetic aiphabet ofRousselot and Gilli^ron is unfortunate, since it is destined to disappear before that of the Association Internationale, which, for better for worse, is alone making great strides towards becoming all but universal among phone- ticians. The list of bibliography given by the author is incomplete, and his knowledge of general phonetics seems very limited. He says on p. 30 that the strictures pronounced by Sievers against the experi- mental method in the edition of 1901 of his Grundzüge der Pho- netik may be aimed at the work of Ernst A. Meyer, Beiträge zur deutschen Metrik^*), but if he will seek in the earlier editions of Sievers' work, he will find the some strictures, published before Meyer's work appeared. Again, however inferior the work in Experimental Phonetics done in Germany has in general thus for been, there are cer- tain expressions employed with regard to the work of Meyer which overstep academic propriety.

The volume of Panooncelli-Calzia includes 98 illustrations, nearly all of them tracings. Many of these tracings are among the best that have been published. His analysis of the tracings is not always clear, and seems often hasty. See, for example, his common t concerning figure 26, on p. 64, and much of that concerning the loss of the nasal con- sonant, p. 87 ss.

As to the results drawn from the author's examination of nasality in Italian, they are surprising, amazing even. In a word, nearly all Sounds in Italian appear from the tracings to be nasalized! One need only look at the liue which gives the Vibration s from the nose to see that these vibrations are vastly more general than those from the mouth. In many cases, the nasality in sounds generally considered purely oral appears to be more intense than that shown in tracings hitherto published of the French nasal vowels or of ni or w. The author says in his conclusion, p. 111: „Pour chaque articulation en italien le courant d'air phonateur est toujours bucco-naaal".

Can we refuse to accept the evidence of the interesting tracings publi- shed by Panconcelli-Calzia? Can we suppose that the instruments were improperly arranged? Certainly not! The work is surrounded with too many guaranties, and the tracings speak for themselves to the prac- tised eye. We must rather hope to see these valuable experiments con- tinued and multiplied by the author and must prepare ourselves to be ready to reconstruct our thoories as to what nasality is. There seems to be a nasal Vibration, which very per\'asive and very powerful, does not at all strike the ear as nasality.

Report of a Joint Committee on the Subject of a Phonetic

10) When, for example, p. 28, the author says that the psychological apprehensioD which so worries Sievers is neglectable and that it disappears rapidly even with the most awkward siibjccts, these words inapire distrust. 11) Marburg, Dissertation, 1898.

R. Weeke. I 17

English Alphabet***). The oommittee, which owed its inception to the Conference of representataves of the National Educational Association of America, the American Philological Association, and the Modem Language Association of America, has submitted the above Report. The chairman of the committee is Professor Calvin Thomas of New- York. Other members of the committee are: Professor George Hempl, late President of the two last mentioned Associations, Dr. Charles ^. G. Scott, lexico- grapher, Professor O. F. Emerson, secretary of the American Dialect Society, and M. E. O. Vaile, editor and educator. The committee reports on „a set of alphabetic symbols to be used in dictionaries and text-books for the accurate denotation of the sounds heard in English speech." The committee was instructed to take as the basis of its proposal the phonetic aiphabet recommended in 1877 by the American Philological Association.

The committee has endeavored to pay due attention to international usage among phoneticians, but it says: „Complete agreement upon an international phonetic aiphabet is probably out of the question," and adds that „an international aiphabet would oontain a much larger number of letters than are necessary for the purposes here in view"^^). The committee recommends a Revised Alphabet of 18 vowels and 24 consonaiits, an aiphabet „of medium precision for popular-scientific purposes". In another section of the Report a possible extension of this aiphabet is suggested for greater precision, and in still another section an abridgment of it, suitable for pracdcal spelling reform.

To attempt to give any analysis of the proposed aiphabet would require too much space. It may be said that the aiphabet offers greater precision for the vowels than for the consonants, as was to have been foreseen. The general appearance of a page printed in the proposed aiphabet is far from displeasing. One cannot help regretting that the aiphabet does not follow more closely what may be called the inter- national Standard. However serviceable its adoption may prove to English speaking countries, the result can hardly be favorable to that unity among phoneticians which should prevail.

The Modem Language Association requested its President, Professor Kittredge to appoint a committee of five to report later concerning the aiphabet. The chairman of this new committee is Professor E. 8. Shel- don, of Cambridge, Massachusetts, and he would doubtless be glad of any suggestions which phoneticians care to send him.

Proposed International Phonetic Conference*^). A movement has been started by Mr. Robert Stein of Washington and others looking to the calling of an international Conference of experts to devise and adopt a universal aiphabet. In August 1904, Boston University issued a preliminary circular inviting opinions on the proposal to hold an inter- national Conference. The opinions which this circular elicited were printed some months later in the above mentioned pamphlet. The conscnsus of opinion in favour of a Conference was remarkable, as an inspection of

IIa) The Publiehers' Printing Company, 32—34 Lafayette Place. New- York. 1904. 12) The aiphabet of the Association Phon^tique InternatioDale includes 85 letters, that proposed by the committee, 42. 13) Printed by the College of Liberal Arts, Boston University, Boston, Massachusetts. YollmSUer, Rom. jAhreibertelit VIII. 2

1 18 Allgemeine Phonetik. 1904.

the scores of replies will show.. The question was presented before the Congress of Letters at the World's. Fair at St. Louis by Mr. Robert Stein, before the Peace Congress held at Boston, and before the annual nieeting of the Modern Language Association by Professors Josselyn and Geddes. It is desired that all possible publicity be given the movement, and it is hoped that sufficient funds can be raised to provide for a Conference of experts. The modern world certainly cannot vaunt its intellectual achievements, if it has not enougn originality and ingenuity to devise an aiphabet that comes somewhere near being adequate. The scholars of the world should lay aside all jealousies and national prejudicies, and bend their efforts towards the amelioration of the aiphabet. Whether the present movement succeeds or not, a reform will some day be realized, and then people will wonder that so many ages of men remained content with such primi- tive and defective means of writing.

Aims and Principles of the International Phonetic Association. This pamphlet has been issued in English, and may be had gratis by addressing the Office of the Association : Phon6tique, Bourg- la-Reine, Seine, France. It ia hoped that the circulation ©f the pamphlet will aid in spreading the principles of the Association, which aim at the unification of phonetic science on a strictly international basis.

P. Passy, Choix de Lectures Fran9aises Phon^tiques^*). This little volume, which is very well printed, offers a choice of selections of French, some of them written in deliberate every-day speech, others in more rapid speech, and still others in a careful form of utterance. These selections will aid in providing a greater variety pronunciation of French, and also for those who wish to obtain practice in reading the aiphabet of the Soci6t6 Internationale.

Fauste Laclotte, Note sur TEpenthese en Fran9ai8**). The author examines by means of instruments the change of nr }> wdr, vir > mhr^ etc. His exposition of his method is clearer than is usually the case, but one wonders how he pronounced his Latin words and his modern derivatives also. Again, he says: „Les exemples choisis furent nombreux, je n'en retiens que deux, teneru{m) . . . tendre; camera . . . camhrn (lire te-n-dre, ca-m-bra)." I am frank to say that 1 do not understand everything here. What form of r was used in the Latin and French words? Is cambra a wörd at all, or merely letfcers, or is it the Proven9al derivative? What is meant by the parenthesis at the close of the passage quoted? Surely, it would have been easy to make all these points clear, and we should then be better able to judge of the reaults of the experiment. The author finds in the d of tendre a result, not of the juxtaposition of the n and r, „but a simple development of the primitive n, the tongue, by reason of the fall of the vowel e, pressing longer and firmer again st tlie teeth, and the soft palate functioning as before." This conclusion, while seeming to say much, really says little, and the concluding clause concerning the soft palate seems to me to be erroneous. With more care, an admirable study could be made of this

14) O. Schulze, Coethen (Anhalt), 1904. 15) Reprinted from the MPhBru. Paris 1904.

, . J,/ViD8on. I 19

qpestioo, which.lqnda its^lf remarkably to the experimental method. It 18 to be hoped that t|j^ author will take the investigation up again when he has ropre space at bis dieposaly and that he will give it the füll and careful discussion which it deserves. ,

Columbia; (Mies). Raymond Weeks.

Celtisehe Sprachen und Literaturen 1904 von L. Chr. Stern

folgen mit 1905 zusammen im nächsten Band.

Les Studes ba.8que8 de 1901 a 1905.

Le premier livre a signaler, et le plus important de tous, est certainement la ri§impression du Nouveau Testament basque de Li9arrague qui a paru ä Strasbourg en 1900 sousce titre: «I. Lei9arragas baskische Bücher 1571 in genauem Abdruck herausgegeben von Th. Linschmann und von H. 8cHUCHAiU>T, Strassburg, K. J. Trübner, 1900»; c'est un in-8® com- pacte de CXX— (XL)p., 459fts.,(II)-(LXIV)— (CXI)— (XVI)— (LVI)p. J'en ai rendu compte dans RL. (t. XXXIV, 1900, p. 190—199), et je ne puis que renvoyer ä cet article. J'y f^licitais vivement les savants 6diteurs, ainsi que TAcad^mie des Sciences de Vienne qui a fait les frais de la r^impression ; j'y constatais le soin avec lequel a 6t6 faite cette r^impression, page pour page, ligne pour ligne, mot pour mot et presque signe pour signe. M. Schuchardt a mis en töte du volume un lumineux avant-propos il Studie, au point de vue philologique et critique, les Oeuvres de Ligarrague. On sait qu'elles sont au nombre de deux, le Nouveau Testament et le Calendrier (avec un abc, la fonne des priores eccl^iasdques, le catßchisme de Calvin et la d6claration au roi). MM. Schuchardt et Linschmann ont reproduit tout ce qu'il y a de diff)§rent dans ces deux volumes. J'ai regrett6 que ces MM. aient adopt^, pour le nom de Tauteur, la forme Lei9arraga, alors qu'il a toujours 6t6 appele et qu'il signait lui-m6me Li9arrague. C'est M. E.-S. Dodg- son, le fantaisiste euskarisant, qui le premier s'est avis^ d'^crire Leiyar- raga; et il semble qu'il aurait voulu faire sa chose exclusive de l'oeuvre du Ministre de La-Bastide-Clairence. Lorsque MM. Schuchardt et Linschmann annoncerent leur projet de r^^diter le Nouveau Testa- ment de 1571, M. Dodgson leur conseilla de corriger ce vieux texte et, comme ils s'y refus^rent, il se permit d'6crire a TAcad^mie des Sciences d^ Vienne, qui avait pris ä sa Charge les frais de la r^impression, pour se plaindre et demander qu'on ne laissät pas publier ce volume dans ces conditions. M. Schuchardt la-dessus rompit toute relation avec ce trop z616 conseiUeur, ce dont personne ne s*6tonnera. M. Dodgson d'ailleurs a critiqu6 vivement ia r^impression de Strasbourg dans une note intitul^ Venom's antidote qui a 6t^ ins6r6e aux p. 37 44 des TPhS. M. Schuchardt repondit comme il convenait a cette critique, ainsi d'ailleiu-s qu*ä la mienne et a celle publice dans The pilot, le

2*

I 20 Les Etudes basqaes de 1901 ä 1905.

20 juiilet 1901, p. 76, par une lettre qui a pani dans RL. (t. XXXV, 1902, p. 86 100) et il stigmatise avec esprit les «dodgsonneries». Un compte-rendu de la publication de 1900, par M. d'Arbois de Ju- BAiNViLLE, avait ^t6 publik dans RCr.

Mais M. DoDGSON ne s'en est pas tenu et il a voulu faire aussi son Mition. II a rSussi ä int^resser ä son projet la Trinitarian Bible Society de Londres et, par les soins et aux frais de cette 8oci6t6, rimprimerie Horace Hart, d'Oxford, a livr6, le 29 mai 1903, un tout petit volume imprim^ sur un papier tres-mince en caract^res tres-iins, intitul6 lesus Christ gure launaren Testamentu berria, de (IV) 918 p. in-18; ä la demiöre page est indiqu6 un lieu de d6p6t, a Figueras, provinee de G6rone, Espagne. Presque en m^me temps, M. DoDGSON faisait ins^rer, aux p. 50 57 du 72® rapport annuel de la Soci^t6 Trinitarienne, une note qu'il a fait tirer a part en 6 p. in-8^ et qui est dat6e du 19 Juin 1903; il y fait son propre 61oge et attaque de nouveau MM. Sehuchardt et Linschmann. J'ai montrö, dans RCr. du 22 F^vrier 1904, que M. Dodgson a fait un mauvais livre et une mauvaise action. M. Schuchardt, dans ZRPh. (1903, p. 117 121) a exaniin^ de tr^s-pr^s TMition, d'ailleurs partielle, de M. Dodgson et fait voir combien ses pr^tentions sont peu justifi^es, surtout quand il s'attaque au vieux texte qu'il s'est permis de corriger, de retoucher, de compl^ter!

II y a longtemps que le Basquisant anglais s'occupe de Li9arrague; il a Continus et terminß dans RL. (t XXXIV, 263—283, 340—355; XXXV, 212—228, 297—321, XXXVI, 248— 263, 314— 33 7, XXXVII, p. 192) son analyse des formes verbales de 8. Marc. En 1902, il a fait imprimer a 200 exemplaires, en Catalogne, un tratail du m^me genre sur les 6pitres de S. Paul aux Colossiens et aux Philippiens: c'est une brochure de XLVIII pages chiffr6es en bas, sur papier de Hollande, bien imprim^e, mais sans titre; du moins, c*est la couverture qui sert de titre. La plaquette n'est pas exempte d'excentricit^; les trois derniöres pages contiennent des certificats de diverses personnes, plus ou moins comp^tentcs, attestant Tutilit^ et la valeur des travaux de T^diteur. En 1903, M. Dodgson a fait paraitre, dans BASA., Tanalyse du verbe dans les 6pitres aux fiphösiens et aux Thessalon iciens, article tir6 ä part en 53 p. gr. in-8®. En 1901, il avait 6tudi6, dans TPhS., le verbe dans le «second» livre en basque guipuzcoan (36 p. in-8®). Ce second livre serait TMition de 1742 de la traduction du Oatßchisme d* Astete dont un exemplaire so trouve ä la Biblioth^ue de Berlin. Le premier livre serait le Catßchisme de Villafranca, par J. Ochoa de Arin (S. S^- bastien, 1713, pet. in-8®) que M. Dodgson a fait r6imprimer a 8. 86- bastien en 1902 (120 p. in- 12) avec un index des formes verbales, des er rata, une notice biographique et bibliographique, etc., mais sans la partie latine de Touvrage.

. M. Dodgson a donn6 plusieurs articles aux N&Q.: 9 novembre 1901, «an Heuskarian rarity in the Bodleian library» (il s'agit d'un exemplaire de l'office de laVierge dont je reparlerai plus loin); 14 d^cembre 1901, «some notes on baskish books» (quelques ouvrages basques faisant partie de la Biblioth(^que de la Taylorian Institution d'Oxford; et la liste de ses ceuvres basques); 6 d^cembre 1902, 6tymo-

J. VinsoD. I 21

logie aventureuse du mot anglais boast qui serait basque; 13 d^embre 1902, «a bask schoolgirrs letter8> (deux lettres sans int^r^t); 7 mars 1902, cthe german reprint of Lei9aiTaga's books» (il en avait 6t6 d6jä parl6 dans les num^ros des 7 f^vrier et 24 janvier). Je dois relever aussi quelques notes ou lettres dans divers joumaux que le m^me ^rivain m'a adress^s: Y Llan, de Lampetu, 14 janvier 1901: «a baskgirl's letter to her family (lettre de la m^me jeune fiUe dont deux autres lettres ont 6t6 publikes depuis dans N&Q.)' ' Egeuva, Journal grec publik ä Oxford, de juin 1903 (p. 162, annonce de ik r6inipression par M. DoDGSON du Nouveau Testamenf de Li9arrague); El Correo de Guipuzcoa, 22 sept. 1900: les noms des mois; Biarritz-season, 5 janvier 1901, le po^te basque Gastelugar (1686); La Union Vas- congada, de S. Sebastien, 22 aoüt et 10 septembre 1902, et la Voz de Guipuzcoa, de la möme ville, 22 aoüt 1902, annonce de la nou- velle Vitien du Cat^hisme de Villafranca; La Voz de Guipuzcoa.

25 juillet 1902, sur les noms du mois de septembre; m^nie Journal, 8 septembre 1902, sur la Biblioth^ue basque de M. Ant. d'Abbadie; Diario de Villanueva y Geltrü, 4 mars 1902, vers basques compos^s ä Londres avec traduction en vers espagnols; La Union Vascongada,

26 septembre 1902, vers basques ä un ami; The Oxford Review, 10 juin 1903, lettre en allemand, avec traduction anglaise, de Madame Caroline Michaelis de Vasconcellos, sur le basque et les travaux de M. Dodgson; The Oswestry and Border Gountries Advertiser 10 avril 1904 et Eskual-Herria de Biarritz, 28 mai, 16 et 23 juillet 1904, sur les publications de M. Dodgson; mßme Journal, 12 juillet 1904, article sur le mot latin cortice et le basque tirtotcha ou tortit9a;

27 aoüt 1904, arch^ologie basque (inscription d'une maison d'Ormaiz- tegui); 8 octobre 1904, sur la traduction biscayenne, par le P. Carda- beraz, du Cat^hisme d' Astete; laVoz de Guipuzcoa, 3 mai 1904, lettre en basque adress^e des Canaries ä M. Dodgson; Eskual-Herria,

23 juillet 1904, article de M. Dodgson sur ses oeuvres (comme il m'y prenait ä partie, je lui ai vertement r^pondu dans le n^ du 30 juillet du m^me Journal); el noticiero bilbaino, 13 septembre 1904, sur un exemplaire d'une Edition inconnue d'un petit cat^chisme du P. Cardaberaz traduit en biscayen, et 26 septembre 1904 sur une note manuscrite basque du commencement du XVP si^cle (J'ai rendu compte de ces deux demiers articles dans RL., de janvier 1905, t. XXXVIII, p. 78 80); 7 novembre 1904, note relative ä une traduction en biscayen de Touvrage de J.-A. MoGüEL sur la Confession; 10 janvier 1905, r6ponse a un article de M. Nicolas de Zülueta sur Tenseignement du basque;

24 janvier, 23 f^vrier et 22 mars 1905, diverses notes de Bibliographie; 21 mars 1905, etymon de Samano; el Nervion, de Bilbao, 13 oc- tobre 1905, epigrafia vasconense: 17 octobre 1905, traduction de la pr^face de TEscolia de J. J. Moguel; 23 octobre 1905, note sur sir T. Browne, Tinventeur du mot «Baskish»; 20 d^cembre 1905, 2, 10 et 17 janvier 1906, discussion sur certains mots basques avec M. de Arri- ANDiAGA, ä propos des almanachs de 1906; Eskual-herria, de Biarritz, 27 janvier 1906, Bibliographie (sur la quatrieme Edition du Manuel de Darthayet). Cette liste est 6videmment incomplete.

I 22 Les Etudes basques 1901 ä 1905.

L'un des demiers articles de M. Dodgson dont j*aie eu connaissaiice est un compte rendu, dans le n^ du 26 f^vrier 1904 du Lemingion Spa Courier and Warwickshire Standard, de la brochure de M. G. H^RELLE, Professeur au Lyc6e de Bayonne: «Tjcs Pastorales Bas- ques; notice, catalo^e des manuscrits et questionnäire», Bayonne, 1903, pet. in 8^ (IV)— 87 p. M. Dodgsön qui ne saurait s'abstenir de se mettre en avant et de morig^ner, affirnie en passant que le basque anaya «fröre* vient peut-4tre des Ib^riens d'Asie, car ani, dit-il, veut dire «fröre» en tanioul; mais, en tamoul, il nV a point d'ani «fröre»; ily a seuleraent un annan(avec deux n c^rebraux) «fröre ain6».

La brochure de M. H^relle est du ret*te fort interessante et je compte en faire Tobjet d'un travail prochain; il serait a soubaiter que tous les amateurs r^pondissent au questionnäire qui la termine. Un oertain nombre de manuscrits modernes que l'on ne retrouve pas ne doivent pas etre irr^missiblement perdus.

Pour en finir avec les publications du f^ond et fougueux euscaro- logue, je dois signaler T^dition qu*il a donnße, dans TEskualherria de Biarritz (n® des 4, 11, 18, 25 juin et 2 juillet 1904), d'une traduction faite, il y a un grand nombre d'ann^es, par M. J. Duvoisin, en la- bourdin, du prologue et des trois premiers chapitres du Don Quichotte. Le manuscrit de M. Duvoisin, donn6 par lui a M. A. Ounpiön, de Pampelune, et remis par ce demier ä M. Dodgson, a ^t^ d6po.^ depuis ä la Bibliothöque nationale. M. Dodgson a r^uhi ces cinq articles en une petite brochure in-18® (66 p. et un feuillet s^par^ d'errata) en vente ä Biarritz, chez M. Ernest Seitz, imprimeur. A propos de cette publication, M. Julien Apraiz, le distingu^ Directeur de Tlnstitut de Vitoria, a 6crit une trös interessante lettre qui a paru dans TEskual- herria du 5 novembre 1904, et qui a du ^tre reproduite par les jour- naux de Bilbao et de Saint S6bastien. M. ApraIz a publik ä Vitoria, impr. Domingo Sar, en mars 1905, une petite plaquette in-8® de XXIV 91 p.: Omenaje vasco tributado a Cervantes en el TU Cente- nario de la aparicion del Quijote, qui comprend, aprös une fort interessante introduction , la reproduction des chapitres traduits par M. Duvoisin, le chapitre XLIII en guipuzcoan (par M. M. Mügica) et en biscayon (par MM. Ev. Bustinza et S. Ascazubi), une partie du chap. XLII traduite il y a vingt-cinq ans en labourdin (imprimß en 1882 a un trös-petit nombre d'exeniplaires et dont j'avais une copie manu- scrite), les proverbes de don Quichotte imit^s en basque par M. P. Zu- MARRiPA et un fac-simile de la signature du personnage qu*on regarde comme le prototype de don Quichotte. Une seconde Edition a 6t6 faite au mois de mai suivant (127 p. in-8®); eile contient une note sur Tauteur de la traduction labourdine de 1882: ce serait M. A. de Palacio qui habitait Sare a cette 6poque, des fragment^ de la premiere partie traduite par M. ZuMARRiPA et d'autres notices. Naturellem ent, Pinevitable Dodgson a critiqu6 s^vörement cette publication; je ne retrouve pas le Journal il a ins^r^ sa critique. M. Apraiz a annonc^ sn publication dans le Journal sp^ial Cronica de los Cervantistas (t. II, n**" 8 et 9, 31 Mai 1905, Madrid, p. 113—115).

Les journaux politiques se sont d'ailleurs assez occup^s du basque

J. Vinaon. 1 23

cette ann^c. La petite Qironde, de Bordeaux, a public de inai a septembre (16 mai, 22 juillet 1904) une s^rie d'articles de M. C. Bi^güin, auquel M. Georges Lacombe a cru devoir rßpondre dans le Journal de Saint-Palais (22 mai, 20 aoüt); je suis intervenu moi-m^me dans la discussioD, pour justifier et expliquer certaines de mes opinions que M. B^fuin s'etait attribu^s saus citer mon nom d'ailleurs: cf. TEskual- herria des 3 septembre et premier oetobre 1904, ainsi que le n^ du 10 septembre pour une premifere r^ponse de M. Lacombe. La discussion a 6t6 close par une lettre trfeä digne et tr^s courtoise de M. Lacombe, dans le Journal de Saint-Palais du 9 oetobre, il a aimablement reproduit ma seconde lettre. Les questions discut6es entre M. Lacombe et moi ^taient Celles du mot «Dieu», de l'importance des expressions locales, de l'absence de mots g^n6raux ou synth^tiques en basque. M. Lacombe a parl6, dans TEskualdun-ona de Saint Jean-de-Luz (n* du 28 avril 1905), du mot «fruit» en Euskara. A propos de ces discussions, M. le capitaine Darricarr^re a ^rit, dans leCourrier de Bayonne du 26 juillet 1904, un article intitul6 «la langue basque», il chercbe ä prouver, entre autres choses, que le mot 6p^e, ezpata, est purement et essetitiellement basque, ce qui est difficilement admissible.

Je dois signaler une note, sign6 Arnaud, du Journal (7 septembre 1905) sur le pays basque; un article du Petit Journal (15 septembre 1905) sur les «dialectes et patois» de France; et trois critiques de pro- positions de M. Dodgson, par M. Jos^ de Arriandiaga, dans la Gaceta del Norte, de Bilbao, des 25 et 29 d6cembre 1905 et 3 janvier 1906.

Le 16 fövrier 1904 est mort ä Halsou, il s'etait retir^ depuis trente ans, l'abb^ M. Harriet, ancien cur6 de T^glise franyaise de Madrid ; il avait r6uni une interessante coUection de livres basquen et avait pr6- par6 un dictionnaire raisonnd de l'eskuara. On m'a cominuniqu6 deux articles n^rologiques du Courrier de Bayonne (17 f^vrier) et de la Semaine de Bayonne (20 f^vrier).

En remplacement des excellentes fitudes de M. Tabb^ V. Dubarat, MM. Louis Batcave, Henri Courteault et Jean de Jaurgain, ont fond6 a Pau une nouvelle Revue de B6arn. Dans le 3, de mars 1904, j'ai commenc^ (p. 124 135) la publication d'une s^rie de Specimens des vari^t^s dialectales basques; le premier article est relatif au dialecte labourdin; le second (n** 17, novembre 1905, p. 495 505), s'occupe du bas-navarrais Occidental.

Outre Tarticle de M. H. Schüchardt que j'ai indiqu6 ci-desj^u8, je dois en signaler plusieurs autres: dans MAGW. de Vienne (t. XXXI, 1901) p. 40 42: Basken und Romanen (les emprunts linguistique.s des Basques aux N^o-Latins); dans LBlGRPh. de 1893: conipte rendu d'un article de M. G. de Gabelenz, Baskisch und Berberisch, qui fait partie du compte rendu des »Dances de TAcad^mie des Sciences de Vienne (22 juin 1893): M. Schüchardt montre que la thi'^se de la parent^ des deux langues est difficilement soutenable; mdme Journal, 1888, compte rendu d'un article de M. Georges Gerland, die Basken und die Iberer, dans GG., t. I p. 313 334: ce compte rendu est en quelque sorte un r^sum^, excellent, de Tetat actuel de la question ib4ri^nne; dans ZRPh. t. XXVIII, p. 99—101, bask. ope. opil =

I 24 Les Etudes basques de 1901 k 1905.

lat. offa, offeUa? (rßponse a M. Uhlenbeck, article dans le t XXVII, p. 627). Dans ce dernier Journal (t XXVIII, p. 101—102), M. Schu- CHARDT s'occupe de la notice que j'ai consacr^e aux Etudes basques dans le premier volunie de Tann^e unguis tique (p. 177 et ps.; j'ai mis une seconde notice dans le deuxi^me volume, 1905, p. 81 et ss.); il se plaint que dans mon examen du travail de M. GiACOMmo j'aie donn6 ä ses appr^ciations une signification tout ä fait contraire ä ce qu'elles voulaient dire; il rappelle notamment qu'il a protest6, tout conime moi, contre les hypotheses et les anachronismes de M. Giacomino, ä propos des dadfs pluriels et des formes verbales. J'avoue que j'avais lu trop vite et mal compris la discussion du savant linguiste de Graz et, en m'ex- cusant aupr^s de lui, je me f^licite que nous nous trouvions d'accord plus que je ne l'aurais pens6. M. Giacomino restera donc seul avec ses suppositions aventureuses.

Cependant M. de Michelis a cit6 M. Giacomino comme une autorit^ et il dit, dans son livre Torigine degli Indo-Europei (Turin 1903, in-8®) dont j'ai rendu compte dans JAs. dd nov.-d^. 1903, que, gräce aux travaux de MM. Giacomino, Gabelenz et G^ze (je remarque que ces trois noms commencent par un g), la parent^ du basque et du berb^re est d6finitivement 6tablie. Or, rien n'est moins 6tabli au contraire; des hypotheses hasardeuses et des 6tymologies fantai- sistes n'ont jamais rien prouv6. Les erreurs ont la vie dure pourtant; ainsi M. Webster me signale un ouvrage r^cent, Iberos e Bascos, par M. G. M. Pereira de Lima, le «Chant d'Altabiscar» est indiqu6 comme un document original authentique; or, nous savons tr^s exacte- ment aujourd'hui quand, comment, et par qui ce morceau de rh^torique a 6t6 compos^.

Mais a propos de ces ^tymologies et de ces rapprochements gram- maticaux, nous aurions plusieurs m6moires ä dter: de quelques noms de boissons en langue basque (Compte rendu du Congr^ de 1903 tenu a Montauban par TAssociation fran9aise pour Tavancement des Sciences (p. 1068 ä 1074), et Philologie euskarienne: suffixes et num^ration (RL., t. XXXVI, p. 1—23), par M. de Charencey qui poursuit avec acharnement la d^monstration que le basque a un voca- bulaire extraordinairement composite, these que je ne crois plus utile de discuter; Conclusion nouvelle sur la langue ba8que(Lyon, impr. nouv., 1900, 50 p. in-8®) par M. Percie qui d^clare hardiment que le basque est simplement un m^lange de celte et de grec (j'en ai rendu compte dans RL, t. XXXV, p. 107 111); La th^orie des racines communes aux langues Indo-europ^ennes et a Tidiome basque, par M. Darricarr^re, Capitaine de Douanes (Biarritz, impr, A. Lamaignfere, 1903, 11 p. gr. in-8^ extraits des Memoire s de Biarritz-Association) avec cette Epigraphe: «La Science rend Thomme meilleur»; il suffira, pour faire juger de la valeur de cette brochure, de dire que Tauteur ne fait que des rapprochements de mots et n^glige absolument la grammaire; il faut faire la m^me Observation a propos de la note sur la langue basque, du mßme ^crivain, qui a paru le 26 juillet 1904, dans le Courrier de Bayonne. Je dois indiquer ä ce propos un ouvrage fort important, Ton trouvera beaucoup de

J. VinsoD. I 25

bonnes choses, qui est ToBayre jusqu'alors in^dite d'un ancien capucin basque converti au protestantisme et r6fugi6 en Angleterre oü, comme je Tai dit pr^c^demment, ses manuBcrits sont conserv^ dans les coUections des Lord Macclesfield, ä Shirburn, pr^s d'Oxford; il est intitul6: «Gram- maire cantabrique basque, par Pierre d'Urte (1712) . . . publik par le Rev. W. Websterj? , . . Bagn^res de Bigorre, impr. D. B^rot, 1900, gr. in-S® de 4 VIII— 5 ä 568 p.; un long erratum a 6t6 publik dans EL, (t. XXXIV, p. 203—216 et p. 296—300) j'ai rendu compte de Touvrage (ibid. p. 200 203); c'est un livre interessant, qui pourra dtre tr^s utile et dont la publieation, faite d'abord dans BSR. (de 1896 ä 1900), a fini par fonner un gros volume.

J'ai ^rit, dans RL. (t. XXXIV, p. 128) une petite note sur la prononciation du basque. Dans le m^me Journal (t. XXXIV, p. 356 361; et t. XXXV, p. 82 85), j'ai parl6 du singulier Congrös de Hendaye, de 1901, oü, pour traiter de Torthographe et de la grammaire basque, on n'admettait que des gens n^ dans le pays, n'eussent-ils rien 6crit, ne se fussent-ils jamais occup6s de leur langue matemelle, et Teussent- ils m^me compl^tement oubli^. Une sorte de discussion des convenances a propos de ce congr^s a eu lieu dans divers joumaux du pays: La Semaine de Bayonne du 18 Septembre 1901, le R^veil de Bayonne du 29 octobre, le Memorial des Pyr6n6e8 du 6 novembre, TEsku- alduna du 22 et 29 novembre.

En 1901 a commenc6 h. paraitre, ä Bilbao, une revue trimestrielle, Euskadi, qui devait s'occuper de science, de belles-lettres et d'art, au prix trfes mod§r6 de 1 fr. 25 le n®. Je n'ai vu que le second num^ro, dat6 de juin 1901, je signalerai deux articles, le premier de M. Sabin Abana y Gomi sur la num^ration basque et le second de M. Elei- ZALDE sur la patrie et les noms de 8. Fran9ois Xavier. On sait que le o^lebre jdsuite ^tait d'origine basque et avait pour " nom patronymique de Yatxu; sa mfere s'appelait «Marie d'Azpilcueta y de Xabier» ; ce der- nier nom parait ötre une forme orthographique de Etcheberry «maison neuve». Quant au travail de M. Arana, c'est une s^rie d'etymologies tout ä fait aventureuses, malgr6 Tapparence scientifique que Tauteur a pr^tendu lui donner: pour lui, un serait «doigt», cinq «tous les doigts», vingt «toutes les extrem! t6s» etc.

La Revista da Aragon qui parait ä Saragosse depuis cinq ans a commenc^ dans son num^ro de janvier 1904, p. 39 52, une s^rie de «Dialogos familiäres acerca del Euskera en relacion con las demäs languas y en particular con el castellano» par M. Xouj del Cairo; le premier n'est qu'une suite de consid^rations g^n^rales qui ne peuvent faire pr6juger les conclusions finales. J'ai relev6 de graves erreurs dans Torthographe des noms propres: Prunner, Whithney, Mahbharata, etc.

üne petite discussion a eu lieu, T^t^ de 1904, dans les colonnes de TAthenaeum de Londres. Dans len® du 18 juillet(p. 100, col. 2— 3), M. John Rhys, le celtisant bien connu, proposait d'expliquer par le bas- que rinscription de la pierre de Branddsbutt irataddoarens(ca); dans le du 22 aoüt il annon9ait que plusieurs objections lui avaient 6t6 faites, notamment par M. E.-S. Dodgson. Quant ä moi, je ne ferai qu'une Observation, c'est que cette explication, inadmissible en th^rie et

I 26 Les Etudes basques de 1901 ä 1905.

injustifiable en fait, est sans raison, car il est infiniment probable que le basque n^a jamais 6t6 parl6 beaucoup au delä de son domaine actuel. La th^orie qui fait des Basques les habitants primitifs de toute TEspagne et de TEurope occidentale est une pure hypothese sans fondement.

Dans la RBIt. des 10—25 d^embre 1901 M. P.-E. Pavolini parle de la piu antica menzione del basco. Le premier ouvrage il est question du basque est, on le aait, le livre de Lucius Maximus Siculus, Cosas memorables de Espana, imprirn^ k Aleala en 153Ö. M. Pavolini a trouv^ une mention plus ancienne dans la relation du voyage d'Andreä Navdgero qui, ambassadeur de Venise auprfes de Charles Quint, vint dans le pays basque en 1524; il y distingue soigneusement les deux vari^t^s du Guipuzcoa et de la Biscaye dont Fune est plus vbelle et plus (§16gante que Tautre; contrairement ä Topinion de M. Pavo- lini, je crois que c'cst du Guipuzcoan qu'il s'agit. Mais la relation de ce voyage n*a 4t6 imprim^e qu'en 1563. H est bon de rappeler que le plus ancien document des mots basques soient citßs est le fameux Codex d'Aymeric Picaud, a 8. Jacques de Compostelle, qu'il date ou non du XIP si^cle. Ce passage a ^t6 pr^cis^ment rappelt, en f6vrier 1901, ä la p. 275 de DRu.

Une notice bien plus interessante et bien plus complfete a 6t6 pubU^ -en 1901, avec une longue liste d*indications bibliographiques, dans le tome CXXIX, 8, du 18 f^vrier 1901, p. 117—124, du Gl. de Brunswick, par M. Georges Buschan de Stettin. L'auteur ä beaucoup lu et bien lu. La linguistique tient d'ailleurs la moindre place dans son travail; il cite, sur la foi de Tethnographe Ripley, le mot Azpico- etagaraycösaroyarenbeherecolarrea coninie un nom propre, re- marquable exemple d'agglutination ; mais c'est une vieille plaisanterie: il y a la en r6alit6 six mots' differents et il faudrait 6crire: azpico eta garayco saroyaten behereco larrea «la lande au dessous de la •prairie du bas et du haut».

Dans TEscualduna du 23 octobre 1903, M. E.-S. Dodgbon a fait connaitre qu'il venait de d^couvrir, dans la Biblioth^que municipale de Hambourg, un exemplaire, sans doute unique, d*une Edition ancienne inconnue des Cantiques spirituels en basque. J'ai consacr6 ä cet interessant volume que Ton a bien voulu me communiquer une notice bibliographique detaill^e dans RL. du 15 avril 1904 (t. XXXVII, p. 128 134). II y a paru aussi, sous le titre de Bibliographie basque (XXXIV, p. 365 374) une contribution de M. J.-M. Ber- naola, de Durango, au sujet d'un livre basque de 1740, Novena a Maria (Pampelune, impr. V^® A. Burguete), dont on n'avait encore Signale aucun exemplaire.

M. DG LA Grasserie a fait allusion au basque dans un article sur «l'expression de Tid^e de la sexualite dans le langage» (RP., septembre 1904, p. 234).

J*ai fait reimprinier en 1901 a Chälon sur Saöne, a rimprimerie Bertrand, pour faire suite aux Petites oeuvres de Silvain Pouvreau publikes en 1892, un livTe basque dont on ne connaissait jusqu'ici qu'un scul exemplaire, incomplet, conserve dans la riebe Biblioth^ue du prince L. L. Bonaparte qui est aujourd*hui a Chicago (L'office de la Vierge

J. Vinson. I 27

Marie en Basque labourclin, par C. Harizmendi, MDCCCCI, in-8^, •XV 132 p.). M. E.-8. DoDGflON en a d^couvert, au moment nidme finissait cette r^impression, un exemplaire complet dana la Biblioth^ue Bodleyenne a Oxford. IIa annonc^ cette d^couverte notamment dans THendayais du 13 octobre 1901 et dans le R^veil de Bayonne du 15 octobre 1901; et il m'a mis en 6tat d'ajouter au volume une feuille suppl^iiien- taire avec un fac-simile du titre. L'ouvrage, tr^s important» date de -1660.

Un amateur distingu^, d^put6 de Tolosa aux Cort^s, Mr. Julio de Urquijo, qui a su r6unir en peu de temps une remarquable coileetion de livres basques et sur le pays basque, parait devoir faire de trös int^ressants travaux bibliographiques. II a donn^ au Correo de Guipuzcoa de 8. ö^bastien, les 12 mai et 18 juin 1905, deux articles fort bien faits, qui oht 616 röiinprim^s a part en brochures, sur le Dr. Jean Etcheberri de Sare et sur le fameux colonel de Perochegui, dont le livre sin^^lier, Origen de la nacion bascongada y de su lengua, constaminent remani^, n'a pas eu moins de cinq ^itions difKrentes de 1731 ä 1760; une des deux derniöree, toutes deux de 1760, a 61^ r6imprim6e tout r^ cemment (1905) ä Bilbao par l'öditeur Jos6 de Astuy (pet. in-8® de 50 p.) M. de Urquijo a parl6 dans le ni^me Journal, le 29 octobre 1905, de Top^ra badque de 1764 compos^ par le comte de Penaflorida; il y avait publik, les 17 aoüt, 10 et 29 septembre pr^^dents, un travail sur les auteurs de divers dictionnaires basques, imprim^s et manuscrits, sous ce titre «los prede- cesores de Azkue». Dans la Revue de Linguistique (n® d'octobre 1905, t XXXVIII, p. 249), le savant ^rudit a commenc^ l'lnipresaion d'une traduction en guipuzcoan du Cat6chisme d' Astete, faite en 1759 par F. A. de Aiguirre, cur6 d'Oiquina. M. de Urquijo s'occupe en ce mo- ment de la publication d'un ouvrage du Dr. Jean Etcheberri de Sare, 6crit en latin et en basque, sur les 616ments de la langue basque. Le manuscrit, qui est dat^ de 1712, a appartenu ä Astarloa et est conserv^ dans la bibliötheque des Franciscains de Zarauz. L'auteur, en 1727, avait demand6 au Bil9ar (assemlü^e provinciale) d'Ustaritz de faire les frais de Timpreasion, mais sa demande avait 6t6 rejet^e a Tunanimit^.

M. T. Rice Holmes a parl6 des Ib^res, en citant MM. Hübner, Blad6, Julien Vinson, Van Eys, Webster, Taylor, aux p. 255 et sui- vantes de son beau livre Caesars conquest of Gaul (Ijondon 1899, in-8^ XCIII— 866 p., 1 portr. et 9 cartes).

M. J. Bernou, Bibliotb^caire de la ville d'Agen en retraite, a cru utile de rßsumer les ouvragea de de Lancre, si bien rappel^s d^ja par Michelet, en un grand in-8® de 416 p. nous relisons la lamentable et instructive histoiro de Tenquöte judiciaire de 1609: «La Chasse aux sorciöres dans le Labourd, Agen, impr. Calvet et C616ri6, 1897 >.

M. l'abb^ DuRRUTY, cur6 do Domezain, a 6crit, dans la vari^tö bas-navatraise des Aldudes, Domezain et Cambo, un petit livro d'Eglise (Elizaco Libaru ttipia, 386 p. in-lK^) qui a ^t6 imprim^ avec soin ä Troyes, par M. Victor Martelct, on 1S97. li'ouvrage en lui-m^^me est d'un int^röt secondaire, mais la particularit^ linguistique qui le distingue le fera rechercher des amateurs.

La Grammaire de M. Tabb^ IthüRRI continue a paraitre petit ä

I 28 Les J^tudes basques de 1901 k 1905.

petit: eile en est aujourd'hui ä la treizi^me feuille (218 p.); en reyanche, le dictionnaire de M. DARRiCARRi:KE a ^t^ air^t^ au mot artzi, p. 176.

En Espagne, l'^diteur J. de Astuy a r6impriin6 le trait^ si original, publik a Auch en 1818: Historia de las Naciones Bascas, par J. A. de Zamacola (I. 1898, 307 p.; II. 1899, 346 p.; III. 1900, 233 p.); Touvrage avait 6t6 d6jä r^imprim^ en 1898 a Bilbao, chez Amorrortu (1 vol. in de 547 p.). Cette derniöre Edition est bien sup^rieure ä l'autre, dont Timpression est m^ioere, le papier vulgaire, et il n'y a aucun avertissement sp^ial. M. de Azkue a fait^ de son c6t6, r^imprimer, a Bilbao, la traduction par Ubillos, publice en 1785 ä Tolosa, du cäöbre Catßchisme historique de Fleury (199 p. pet in-8^ 1897), le Lora sorta de Anibarro (149 p., 1897), la Confesino ona de J. A. Moguel (262 p., 1897). Les consid^rations de J.-B. Aguirre sur la confession et la communion ont 6t6 aussi r^imprim^s ä Tolosa (Muguerza, 1900, XV— 348 p. pet. in-8^). En 1901, avait paru, k Bilbao, cbez Andres P. Cardenal, une nouvelle Mition du livre de Po9a, publik en 1587 (in-8® de XLVII 211 p., avec un prologue de Carmelo de Etchegaray; tome 56 de la Biblioteca bascongada de Fennin Herren).

Un hasard a amen^ sous mes yeux un roman sans grande valeur et d'un int^r^t m^diocre, dont les seines se passent dans le pays basque, Gröve d'amour par Robert Scheffer (Paris 1898, IV 324 p. format ordinaire des livres de ce genre): le titre est pr^tentieux, et il n'y a pas que le titre! Le Gaulois du 12 juin (suppl^ment du dimanche) annonce la prochaine apparition d'un roman par M. Paul Faüre, Maria, dont Taction se passe dans le pays basque; il donne un extrait de la pr^face. Je n'ai pas une grande confiance dans Texactitude des observations qu'a pu faire l'auteur.

Le Mercure de France, 190 (tome LV) du 15 mai 1905, p. 199 201, s'est oceup4 des C6r6monies et f^tes basques. L'auteur de Tarticle, M. PAUii Lafond, ne parle guöre que des pastorales, des cavalcades et des mascarades souletines.

Dans NR. (t. XXXII 129, 15 ttvrier 1905, p. 487—501), M. Eg. Lassaugue raconte, sous le titre a effet de «FÄme du pays basque», Thistoire d'une jeune basquaise. Maider (sans doute Mari- eder «belle Marie») emmen^e ä Paris par un artiste et mourant «de trop d'amour» sur TEsplanade des Invalides. L'auteur ne connait, h^las!, pas plus le caraet^re que le pays et les moeurs des Basques; il cite en passant quelques mots, une traduction du pr^tendu Chant des Canta- bres (p. 492 493), et deux chansons, la Bien-aim^e et la veuve du jour-m^me (p. 494); il donne le texte de la premi^re, celuco izarren bidia.

Faut-il mentionner, quoiqu'elle n'int^resse gabre la linguistique, une 6tude de M. Georges Lacombe sur «le trinquet; la prelote basque a maius nues», avec des Illustration s, dans la Revue Armes et sports du 11 f^vrier 1904? Le m£me auteur a d'ailleurs fait de la lingui- stique dans le Journal de Saint-Palais; aux articles que nous avons cit^s plus haut, il faut en ajouter deux autres, des 6 et 11 juin 1905,

J. Vinson. I 29

8ur r^migration basque et sur la langue basque et le japo- nais.

En mars et avril 1905, le Journal de Baint-Palais a reproduit le conte Baigorriko zazpi liliak «lea sept fleurs de Baigorry» publik en 1884 et 1885 par M. J. Düvoisin dans la Revue historique du B6arn et de la Navarre, devenue la Revue des Basses« Pyr6n6es et des Landes.

La Science Sociale (20® ann6e, deuxi^me p^rio<le, 17® fascicule, septembre 1905) a consacr^ toute une livraison (p. 435 ä 532) k une 4tude de M. Olphe-Galliard sur «le paysan basque du Labourd a travers les äges». Le Journal des voyages et aventures (1905, t. II, p.425 427) contient une notice de M. Paul Kauffmann «au pays basque; le jour des morts (avec illustrations)» sont cit6s quelques mots de la langue.

Que dire du Basque et Gaulois de M. H. de Charencey, gr. in-8^ Louvain, IV 87 p., extrait du Mus^on? Cest une olla po- drida d'ötymologies d'oü il r^sulterait que le gaulois a donn6 beaucoup de mots au basque. Je n'insiste pas. Pendant ce temps, M. Fabb^ J. EsPAGNOLLE voudrait que l'Euskara ne füt qu'une forme moderne du grec: ainsi anaya «frfere» serait Ivaia «force, viriDt6» (L'origine des Basques, Pau, 1900, (IV)— 145 p.).

M. DE Jaxjroaik a ^tudi6 Quelques legendes po6tiques du pays de Soule (50 p. in-8^ 1. d.); il s'agit de six chansons basques, tr^s connues, on peut möme dire populaires: la dame d'Umiti (M. de Jaurgain ^rit de Ruthie), la chanson de Berterretche, la dame du chäteau de Tardets, la veuve du jour möme, Monsieur de Sarri et la belle h^riti^re d'Arbouet. M. de Jaurgain expose Torigine de ces chansons, leur histoire, les alt^rations qu'elles ont subies, et le fait r6el qui leur a donn6 naissance. Cest extrömement interessant et il est a regretter que ce travail ne s'6tende pas ä un plus grand nombre de chansons.

M. Fabbe R. M. de Azküe, qui a 6t6 pendant un certain temps charg^ de faire un cours public de basque ä Bilbao, est venu s'installer ä Tours il fait imprimer, chez Manie, un grand dictionnaire basque espagnol fran9ais qui devra former plusieurs volumes. On m'a dit que pour cette publication, la Diputacion de Biscaye a accord6 ä M. de Azkue une Subvention de 30000 f. qui sera d'ailleurs insuffisante. J*ai sous les yeux le premier volume de ce dictionnaire qui me parait fort bien fait. Cest un grand in-quarto de XLVII 561 p. a deux colonnes, intitul6 Diccionario vasco-espaiiol-frances, qui va de a k ly et porte la firme «Bilbao, chez Fauteur, 15, Campo Volantin, 1905». Lea pr^liminairescomprennentprincipalement un prologuehistorique etcritique tr^s-int^ressant Chaque mot, chaque eitation, chaque d6finition,estaccompagn§ d'une traduction fran9aise. Le vocabulaire est extrömement abondant; les diverses significations sont justifi^es par des citations emprunt^es aux ouvrages 6crits, et ä ce propos, je dois reprocher k M. de Azkue d'avoir d4sign6 par Fabr^viation Leiz. le nom Li9arrague, seul exact et authentique, du traducteur du Nouveau-Testament de 1571. Beaucoup de traductions, Celles notamment de certains proverbes, sont a mon avis trop diffuses, trop peu prßcises et trop souvent incorrectes. Beaucoup d'explications grammaticales et 6tymologiques sont trfes discutables.

I 30 Les Etudes basques de 1901 k 1905.

L'auteur a sagement fait, je crois, en ne tenant pas compte de Taspir^e Ä, ce qui simplifie beaucoup las choses. Souhaitons rheureux ach^vement de ce gigantesque travail.

Unepetiteplaquettesousce titre: «Oiberouko botanika edo lant- haren jakitatia», Bayonne, impr. A. Lamaignöre, 1900, pet m-12, 24 p., sign6, ä la fin: Alth., est un vocabulaire fran9ai8-basque qui parait ^tabli avec sein et accompagn^ de iiotes quelquefois tr^s d^ve* lopp6es.

Je ne saurais oublier une brochure iii-8®, doiit le titre est largement encadr^ de noir, avec un fort beau portrait; c'est une traduction en basque des discours prononc^s ä Baigorry et ä Paris aux obs^ues de M. Charles d'Abbadie d'Arrast en d^mbre 1902, et d'une note sur le voyage de M. d'Abbadie en Abyssinie, ä la recherche de ses fröres en 1847. M. Ch. d'Abbadie 6tait vraiment le bienfaiteur du pays sa raort a laiss^ d'uni verseis regrets. La douleur publique a redoubl^ l'ann^ suivante quand la mdme famille a 6t6 frapp^e d'un nouveau coup, plus cruel encore peut^tre. Le 24 d^cembre 1902, la digne fille de cet homme de bien, Mlle. Lisette d^Abbadie d'Arrast, 6tait emport^e par une maladie rapide, a la quarante- troisi^me ann^e de son Äge. Une brochure, pareille ä celle consacr6e au p^re, a 6t6 imprim^e par les soins de sa famille; eile contient quelques pages en basque (11 ä 15, traduction du discours prononcö au ChÄteau d'Echaux le 27 d^cembre 1902 par M. le pasteur E. Monod, de Bayonne; 18 19, un article original de M. Salvat Haramboure, suivi d'une tra- duction fran§aise). Quelques exemplaires sont accompagn^s d'une gravure, reproduction d'un süperbe portrait de Texcellente et charmante jeune fille.

Je ne dirai rien de deux articles de M. V. Stempf, tir6s ä part d'ailleurs, dans le Bulletin de la Soci6t6 Ramond de Bagn^res de Bigorre (1896, p. 210—215 et 1898, p. 99—106): Essais de d^chiffrement d'inscriptions ib^res; je ne suis pas plus convaincu de la süret6 du proc^dß de M. Stempf et je ne crois pas qu'il ait vrai- ment trouv6 la Solution du probl^me.

Deux petites dissertations de M. Darricarrebe, publikes en 1901 et 1902 dans le Bulletin de Biarritz-Association et tir^es ä part en 4 et 12 p., sous le titre commun de Linguistique, avec les sous- titres: 1. nouvelle m^thode d'analyse appliqu^ ä la langue basque etc., 2. Evolution phon^tique et s^mantique de vocables; sont ä indiquer ici; la premifere r^pond a mes critiques des Quvrages ant^rieurs de M. Darri- carrferes. Je n'ai pas a y revenir. Je me bome ä r^p^ter que les 6tymologies, les rapprochements, les assimilations de mots ne prouvent rien et que la parent6 du basque et des idiomes indo-europ^.nne est une chimöre.

M. Camille Jullian, le savant et Eminent professeur ä la Facultö des Lettres de Bordeaux, r^cemment appel6 au College de France, k Paris, a publik r^cemment un certain nombre de noticea remarquables. Je ne retiens ici qu'une brochure de 16 p., extraite de la ReU. (n^ du 15 juin 1902) et intitul^e les Basques; c^est un compte rendu du trös interessant recueil d'articles r§unis par W. Webster, cet 6rudit si modeste et si consciencieux, sous le titre de Les loisirs d'un ^tranger au pays basque (ChOlon-sur-Saöne, 1901, in-8«, XXIV— 360 p.). Mais le.

J. Vinson. I 31

oompte rfendu de M. Jullian est un iriodMe du genre; la question basque y est r6suin§e toute cnti^re d'une £«9011 vraiment magistrale, avec la note personnelle discr^te mais tr^s nettement aecus^e. M. Jullian, qui admet Tauthenticit^ de rinseription latine de Hasparren, dont la latinitä est 81 m^diocre et qui a deux vers mauvais sur quatre, croit que TEurope occidentale antique a du <§tre peupl6e par les Ligures dont on retrouverait un substratum au fond toutes les langues anciennes ou modernes qui s'y sont consery^. C'est une opinion qu'il faudra examiner et discuter de tr^s pr^s» car eile est d'une importance capitale dans Thistoire des raoes humaines.

Une 6tude de M. Johannes Jungfer, Über Personennamen in den Ortsnamen Spaniens und Portugals (Berlin 1902, in-4®, 22 p. ; extrait de Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Friedrichs-Gymnasiums zu Berlin, Ostern 1902), se rapporte a cette question d'origine les noms de lieux sont appel6s a fournir de pr6cieuses indications; il y est assez longuement parl6 des noms basques.

M. C, C. Uhlenbeck, dans les M6moires de l'Acad^mie des Sciences d'Amsterdam (nouv. s^rie, Y. I) a publik un interessant memoire sur la phon^üque g^n^rale basque (Beiträge zu einer vergleichenden Lautlehre der baskischen Dialekte, Amsterdam, Janvier 1903, gr. in-8<^, 105 p.) dont j'ai rendu compte dans RL, (t XXXVI, 1905, p. 170 173); j'ai fait observer que Tauteur n'a travaill^ que de seconde main, qu'il n'a pas tenu compte des travaux de ceux qui Tont pr6c6de, et qu'il a par suite commis quelques erreurs plus ou moius graves: c'est en sonune un bon travail, d'un caract^re nettement scientifique, mais qu'il y aura lieu de reprendre, de corriger et de compl^ter. Au moment je mets la derni^re main ä cette Kevue, je reyois deux nouveaux travaux de M. Uhlenbeck qui viennent de paraitre dans les M^moirei« de FAca- d6mie royale des sciences d'Amsterdam (Nouv. s^rie, VI, 3, 79p.et VIII, 4, 39 p.), en hollandais: l®De woordaf leidende suf fixen van het baskisch. Cette 6tude sur les suf fixes d^rivatifs parait tr^s complöte et tr^s soign^e; je remarque, en passant, ä kume, que l'auteur a oubli^ emakume «femme» (qu'on a expliqu6 ema «donner» kume «enfant», donc «celle qui enfante»; c'est ä examiner de pr^s); il y aurait bien des r^serves a faire sur certains rapprochements et certaiues explications. Cf. le compte-rendu que j'en ai fait dans RL., octobre 1905. p. 811 313; Karasteristiek der baskische Grammatica.

Dans la LCBl. (1903, 35, cl. 1189—1190) M. Th. Linsch- MANN, aujourd'hui Biblioth^caire de la Bibliotheque grand-ducale de Meiningen, a rendu compte des interessantes ^tudes de M. Uhlenbeck,

J'ai donn^, en octobre 1905, a la Revue des 6tudes rabe- laisiennes, ann^, 3*^ fascicule, une note de 4 p. je propose une explication nouvelle des passages basques de Rabelais.

Dans la Revue de Linguistique, outre les articles mentionn6s plus haut, j'ai reproduit (t. XXXVIII, oct. 1905, p. 266), quelques passages d'Isidore de S^ville sur les Vascons et les Cantabrerf. Dans le m^me numöro (p, 218 237) j'ai ins^r^ une notice bibliographique sur la Doctrina du p^re 6t. Materre et la dissertation de Perochegui. Aux

I 32 Les ttndes basques de 1901 ä 1905.

p. 192 207, dans un article qui a pour titre: «science, critique et vanit6», j'ai parl6 de mes ^tudes basques et des appr^ciations dont elles ont 6t^ l'objet de la part du prince L.-L. Bonaparte et de MM. d'Abbadie, Duvoisin et Inchauspe.

Le compte-rendu des f^tes de la tradition basque qui ont 6t6 o616br^s cette ann^ ä 8. S^bastien contient trois articles tr6s int^ressants de M. T. DE Aranzadi: la flore foresttere dans le toponymie basque (35 p.), existe-t-il une race basque? (10 p.), le joug basque-uztarria (22 p. et 102 fig.).

Un excellent livre, qui est destin^ aux enfants et qu'il faut louer a tous les points de vue, malgr^ quelques trös minimes inadvertanoes, est Au Pays basque, par M™®. Ren^e Paul Stbaubs (Paris 1903, in-8®, 891 p. et 19 fig.). Je lui ai rendu pleine justice dans la RL. du 15 octobre 1903 (t. XXXVI, p. 473—375).

La Revue Scientifique du 20 octobre 1900 a publik, sous le titre de «les Basques et leurs jeux en plein air», une communication faite par M. Philippe Tissi^ au premier Congr^s international de TEdu- cation physique a Paris, qui traite successivement de la danse et des jeux, et qui raconte une partie de pelote ä laquelle Tauteur a assist^ ä Cambo. II cite deux articles de Tlllustration par C. B^guin (Au pays basque, le jeu de pelote, avec dessins de Scott (n** des 15 novenibre et 2 döcembre 1899). L^article de M. Tissiiß, interessant et bien ^rit, n'apprend d'ailleurs rien au lecteur sur la nature et les conditions ordinaires du jeu; et Torthographe des noms de viÜages y est vraiment trop incorrecte. Je ne citerai que pour memoire le fascicule 15 de La Terre de France, 16 p. gr. in-4^ avec quelques vues photo- graphiques de Bayonne, Biarritz, S. Jean de Luz et Hendaye. Plus digne d'attention est le 94 (15 septembre 1903) de la Revue Uni- verselle Larousse il est parl^ par M. C. B^güin, des Moeurs et Coutumes du pays basque (p. 165 169, avec cartes, vues et Por- trait«) et par M. Henri Lorin de l'fimigration des Basques (p. 160 170): M. Lorin constate que r^migration est un fait naturel et pour ainsi dire normal chez les Basques, niais il voudrait d^toumer le courant vers la colonisation fran9aise en Afrique et en Oc^anie; Tid^e est excellente quoique Texöcution en soit malais^e. Quant a Farticle de M. B6guin, il est mödiocre et d'un iut^röt trös secondaire; c'est ce qu'on peut appeler de la mauvaise vulgarisation.

Le basque n^est pas oubli^ dans un petit livre d'^tymologies ou de comparaisons de mots, A study on philology, par Ernest Pearson (London, Trübner et Co. 1899, X— 115 p. in-8^).

Ai-je mentionn^ la publication, en 1899, de la seconde partie (mai-juin) de la Vie des saints, Sainduen bizitzea, duP. Basile Joan- nateguy (Pau, impr. Lescher Montana, 1900, pet. in-8^ de VIH 435 p.), et une petite brochure, avec Vignette, sur Michel Garicoitz, publice en 1900, ä Pau, ä rimprimerie catholique? On me dit qu'il y en a eu deux editions, une en labourdin et une en souletin. A ce propos, il faut raentionner une autre brochure, in-18, de 36 p., qui raconte la vie et le martyre du P. J^suite Julien Lizardi, d'Asteasu (Guipuzcoa), tu6 a coups de flaches par les Indiens du Paraguay le 15 mai 1735; eile est acoompagn6e d'une lithographie naive.

0. F. Soybold. I 33

M'. Fabb^ P. Laharraoue a rendu un grand service aux travailleurs en faisant lithographier ä Bordeaux (II 21 p. pet. iii-4®) un curieux recueil de «Sauts basques authentiques, avec leurs suites». De son cöt^, M. l'abbö J.-B. Daranatz, secr^üiire de TEv^eh^ de Bayonne, in'a adress6 une brochure de 16 p., sans titre, sortie en 1905 des presses de M. L. Lasserre ä Bayonne, qui contient uneis^ric de recettes v^t^^rinaires com- pos^8 en 1692 parun M. Dassance de Monjon. On doit au mäme eccl^si- astique une quatrifeme Edition du Manuel de Darthayet et plusieurs r^ditions du paroissien couranl, Exercicio spirituala.

En juillet 1905, M. Tabb^ Landerretche, de Saint Jean de Luz, a publik a Bayonne (imprimerie Lamaign^re, 80 p. pet. in-8®), sous le titre de Apurka, une suite de huit articles ou 6tudes, en basque ou en franyais, sur les choses du pays. A la fin de l'ann^e, l'iniprimerie du Journal Eskualduaona a donn6 une petite brochure in-18 de III- 165 p., sans titre, qui se compose d'une pastorale, par M. Ch. d*Andurrain DE Maitie, üskaldunak Ibaiietan, est mise en scene la 16gende de Koland.

Dans le Temps des 16 septembre, 7 et 14 octobre, 25 novembre, 16 d^cembre 1900, 13 et 27 janvier, 3 et 10 f^vrier, 2 juin 1901, 16 juillet 1903; la Petite Gironde du 3 septembre 1902, M. Gaston Deschamps s'est occup6 du pays basque, de sa langue, de ses moeurs et coutumes, de son histoire. J'y relöverai, ä cöt^ d'un eloge inimod6r6 du mauvais livre de Lori, Ramuntcho, un certain nombre d'inadvertances comme celle qui fait contempler a Victor Hugo, en 1843, les fleches, construit^s aprös 1870, de la Cath^drale de Bayonne. Mais les princi- paux de ces articles sont relatifs ä la legende de Roland et M. Deschamps a pos6 plusieurs questions, la suivante notamment: Tauteur de la Chanson de Roland a-t-il jamais 6t6 a Roncevaux? MM. Camille Jultjan, W. Webster, le Dr. Vercontre, et moi-m^me, nous sommes intervenus et M. Deschamps a soumis le diffi^rent a M. Gaston Paris qui, dans RPar. (8« ann^e, n*^ 18, 14 septembre 1901, p. 225—229, Roncevaux) conclut que la Chanson «repose 11 Torigine sur une connaissance directe des faits, des hommes et des lieux» mais qu'elle a 6t4 reniani6e et amplifi^e par des ^crivains qui se souciaient uniquement de la forme po^tique et ne se pr^occupaient pas de la r&ilit6 materielle. Le point du d^part de la discussion, Texistence ou la non existence de pins dans les Pyr6n6es, venait d'ailleurs d'une etourderie du journaliste qui fait monter Olivier sur un «pin», alors que le texte j>orte «pui» cVst a dire «öl^vation, hauteur, coUine».

Paris. Julien Vinson.

Arabisch. 1904.

Victor Chauvin setzt in raschem Tempo unennüdlich seine wich- tige Bibliographie des ouvrages arabes ou relatifs aux Arabcs publica dans TEurope chrötienne de 1810 a 1885 (aber mit angemessener Weiterfühmng bis heute) fort: „VIII. Syntipas" (219 S. gr. 8), worin uns diese ganze weit^c^hichtige Erzählnngslitenitur in den ver-

Votlniüller, Rom. JaLresbericbt Vill. 3

I 34 Arabisch. 1904.

schiedensten Sprachen und Rezensionen vorgeführt wird als Syntipas, Sindban, Sindabär, Sindib&d; Enganos, Tüti-Näme; 7, 10, 40 Vezire. : Ebenso setzt E. VViedemann in seinen Beiträgen zur Geschichte der Naturwissenschaften III, 1905 (Sitzungsberichte der physikalisch-medizinischen Sozietät in Erlangen 1905, 218 2G3;

II ebenda 1904; I 1902) seine verdienstlichen Studien zur Geschichte der Naturwissenschaften bei den Arabern fort. Die Hauptpublikation des Jahres 1904 ist das von spanischen und ausländischen Gelehrten dem greisen Arabisten Coder a in Madrid als Jubiläumsschrift über- reichte Sammelwerk HCod.: Estudios de erudiciön oriental con una introduccion de D. Eduardo Saavedra. Zaragoza, Mariano Escar, tip6grafo. XXXVIII, 656 p. (Lexic. S% 1 Portr., 8 Tafeln (15 pesetas), worin die Einleitung I XXVII eine Biographie Coderas und Würdigung seiner Werke durch Saavedra, S. XXIX XXXVIII eine Aufzählung seiner sämtlichen Schriften (und Artikel) enthält. Die Reichhaltigkeit der verschiedenartigsten Beiträge ist aus der Aufzählung ersichtlich: Ribera, Origen del Colegio Nidami de Bagdad 5 17.

David LoPES, Quem era o rei Esmar da batalha de Ourique? 19 22. Ferrandis, Rendicion del castillo de Chivert ä los templarios 23 33. (Mariano de) Pano, El recontamiento Al- micded y Almayesa 35 50. Viscasillas, Paralelo entre los verbos defectivos ärabes y los respectivos hebreos, caldeos fiiriacos y etiope851 66, 51* 61». NALLiNO,IntornoalKitäbalBayän del giurista Ibn Rushd 67 77. Ibarra, Cristianos y Moros, documentos aragoneses y navarros 79 92. M. J. de Goeje, Quelques observations sur le feu gr^geois 93 98. Prieto

Y Vives, Numismätica africana; los Fatimitas en Fez 99 103.

Fagnan, Les Tabakät Malekites 105 113. Seybold, Otobesa = Abixa = Oropesa y Anixa = El Puig de Ce- bolla = Onüsa (?) 115 119. Houdas, Protestation des habi- tants de Kano contre les attaques du sultan Mohammed-Bello, roi du Sokoto 121 131. Alemany, Milicias cristianas al servicio de los sultanes musulmanes del Almaghreb 138 169.

Garcia de Linares, Escrituras ärabes pertenecientes al Archivo de Ntra. Sra. del Pilar de Zaragoza 171 197. Miret

Y Sans, La carta de franquicias otorgada por el Conde de Barcelona ä losJudfosde Tortosal99 205. Carreras y Candi, Relaciones de los Vizcondes de Barcelona con los drabes 207 215. Gaspar^ Cordobeses musulmanes en Alejandria y Creta 217 233. Mehren, Vues d'Avicenne sur Tastrologie et sur le rapport de la responsabilit6 humaine avec le destin 235—250. ÜREnA, Familias de j.urisconsultos: Los Beni- majlad de Cordoba 251 258. Gomez-Moreno, Arte cristiano entre los Moros de Granada 259 270. AsiN, El Averroismo teol6gico de Santo Tomas de Aquino 271 331. Eguilas Yanguas, Origen de las ciudades Garnata § lUiberri y de la Alhambra 333—338. Güidi, II Codice Vaticano Siriaco 196 339 348. GoNZALVO, Apunte sobre algunos musulmanes madrileiios 340—355. Altamtra, Notas sobro la doctrina

F. Skutsch. I 35

hist6ricade Abenjaldün 357 374. Macdonald, Ibn al 'AssäFs arabic Version of the Gospels 375 392. Men^ndez Pidal, Sobre Aluacaxi y la elegla ärabe de Valencia 393 --409. CHABäs, Moch^hid hijo de Yusiif y Ali hijo de Mocb^hid 411 434. L. Gauthier, La racine arabe hkni et ces d^riv^s 435 454. Ahmed Zeki, Memoire sur les relations entre TEgypte et TEspagne pendant Toccupation niusulniane 455 4R1. Meniöndez y Pelayo, La doncella Teodor (Un ouento deLas Mil y una Noches, un libro de cordel y una Co- mediade Lope de Vega) 483 511. Ant. Vives, Indicaciön del valor en las monedas ardbigo-espaiiolas 513—522. Hinojosa, Mezquinos y exaricos. Datos para la historia de la servidumbre en Navarra y Arag6n 523-531. Saavedra, Cuestiones de Prosodia: Berßber-Almorä vi d 533 536. Pabix) Gil, Los manuscritos aljamiados de mi colecciön 537 549. - Barrau- DiHioo, Contribution a la critique de Conde 551 569. H. Derenbouro, Notes critiques sur les Manuserits arabes de la Biblioth^que Nationale de Madrid 571 618. R. Basset, Extrait de la description de TEspagne tir^ de Touvrago du G^ographe anonyme d'Almeria 619 647.

Tübingen. C. F. Seybold.

Lateimsohe Sprache. (1902— )1904.

Lateinische Grammatik. 1902—1904. 1. Altitalische Sprachen und allgemeine lateinische Grammatil^. a)AltitaHsche Sprachen. Mit der Neuauflage von GG. I (Strassburg 1904 1906) hat auch die Darstellung der iUüischen Sprachen, die Dkkcke in der ersten Auflage gegeben hatte, eine Neubearbeitung <lureh W. Meyer- LtJBKE, also von sachkundigster Hand erfahren. So ist mancher An- stoss nunmehr beseitigt, namentlich bleibt man verschont von indogerinani- sierenden Interpretationen des Etruskischen, und im ganzen kann der Abriss jetzt als eine gute Orientierung empfohlen werden. Freilich bleiben auch für eine dritte Auflage noch manche Wünsche. BfMspielsvveise durfte im Jahr 1904 nicht mehr geschrieben werden, dass wir an etruskischen Sprachdenkmälern aus (-ampanien „nur beschriebene Tongefässe" kennen: die weitaus umfangreichste etruskische Inschrift stammt von dort und ist seit 1900 bekannt (s. JBRPh. VI 1, 429f.). Sie fehlt bei Meyer- Lübke auch in der Aufzählung der grösseren Inschriften. S. 436 ver- misse ich in der Übersetzung der oskischen Inschrift die Worte trfibüm ekak. 8. 440 wird die Dvenosinschrift im Anschluss an Thurncysen übersetzt, aber wo die Übersetzung hono gibt, enthält der Text noch die Unform dzenoi. S. 449 wird die Haininschrift von Luceria (CIL. IX 782) ohne weiteres als Grundlage für die Behauptung verwendet, dass die Schriftsprache gelegentlich oskische Formen ins Latein gemischt habe; dass es um die Zuverlässigkeit des Textes sehr übel steht (vgl. JBRPh. VI 1, 4i)9), wird nicht mit einem Worte ang(Mleutct. Gerade in -einer

:5*

I 36 Lateinische Sprache. 1902—1904.

Übersicht für Nichtspezialif*t('n scheinen mir solche Mängel bedauerlich. Wenden wir uns den Einzelsprachen zu, so ist auf dem Gebiet des MtV'llskischen auch iliesmal von einer erfreulichen Bereicherung unseres inschriftlichen Materials zu berichten. Bereits in seinem Bericht über die für den zweiten Band des Corpus inscriptionum P^tmscarum unternommenen Reisen und Vorarbeiten^) hatte Heriug auf eine Anzahl von neuen Funden und von früher gefundenen, aber noch unveröffentlichten In- schriften hingewiesen; kurz nachher hat er sie mit ToRP zusammen herausgegeben'^). Es ist darunter eine ganze Reihe kleinerer Inschriften aus Cortona, Chiusi, Perugia, Orvieto; das Hauptinteresse aber nehmen einige umfänglichere Sarkophagin schrift-en aus Viterbo und Toscanella in Anspruch. Von den letzteren hat Moscioni in Rom gute Photographien gefertigt, von denen ich eine schon Ostern 1901 oder 1902 gekauft zu haben meine; die Sarkophage standen nämlich bereits seit Jahren un- beachtet imd verwahrlost im Hofe eines jetzt als Kaserne ver^vendeten Klosters in Toscanella. Sie gehören nach den Schriftzügen und ihrem Kunstcharakter (wenn man von solchem reden darf) zu den ältesten Sarkophaginschriften überhaupt d. h. wohl ins o. Jahrhundert v. Chr. Die Ausbeute an neuen Wörtern und Formen ist nicht unbedeutend. In ati Nr. 35^) mag, wie Torp ausführt, das etruskische Wort für Mutter gefunden sein. Durch das weibliche Gentile fiuixlnc^i in Nr. 48 wird Fabr. 2124 vor Deeckes Konjektur (Krall, Mumienbinden S. r>4) ge- schützt. Was nach dem Gentile steht stalanes velus cianil puia, ist in der Haupt^^ache verständlich *des Vel Stalane . . . Gattin', aber cianil [c nicht ganz sicher) ist völlig neu. Torp setzt es in Beziehung zu dem Cardinale e?*, das er „drei*' deutet, und übersetzt ^dritte Gattin'. Ich halte diese ' Vermutung nicht für sonderlich einleuchtend und möchte jedenfalls bitten, bei nächster Gelegenheit nachzuprüfen, ob nicht etwa cianil geschrieben st^ht. Denn Nr. öf) bietet jetzt von clari 'Sohn' den Genetiv chuil, und dafür konnte wohl mit Svarabhakti cianil eintreten; der Schluss von 48 wäre dann zu übersetzen 'die Gattin des Vel Stiüane des Sohnes' (oder 'des Stalane des Sohnes des Vel*?). claiil sieht Torp als eine mit dem früher schon bekannten rlensi alter- nierende Genetivform an; letzteres scheint zwar mir wie anderen eher Dativ zu sein, aber clens und clanl scheinen allerdings als Genetive nebeneinander gestanden zu haben (CIE. 4049f., vgl. Schulze, Eigen- namen^^) S. 341 Anm. 3). Nr. 55 und 50 biet<*n zwei neue Zahl- wortformen: hu^nars und ceannd, beide in Verbindung mit avils („Jahre") als Altersangabe des Verstorbenen. W^as Torp zur Deutung dieser Numeralien vorbringt, die offenbar zu den Einern hu^ und ci auf den Würfeln gehören, scheint mir sehi- problematisch. Mir ist auffällig, dass Nr. 50 so schliesst t A (de ccanu& arils. Die Zahlzeichen bedeuten 55 (nichts wie Torp wiederholt schreibt, 15). celx* dürfte,, wie auch Torp annimmt, Nebenform des bekannten Zehners zu rv*, cealxlj ^"«ein. So kann ich mich der Vermutung m'cht ganz erwehren, dass hier vor avils dieselbe Zahl einmal in Ziffern, einmal in Worten

1) SHAkMünchenphKl. 1904, IT 2S:Uf. 2) EM. IV ISO ff. 3) Abtrcbildot NSc. 1903, S. 118.

F. 8kiit«ch. r 37

steht. Dann hiitk» ei den Wert 5, und dem kann man weni<^stens kein sicheres Resultat der bisherif»;en Forschungen ent<2:ef^en8etzeh.

Denn, um hieran gleich anzuknü[)fen was die Deutung der 8prach- restc in der Berichtszeit geleistet hat, man hat sich zwar auch jetzt wiefler vielfach mit den Zahlwörtern beschäftigt, aber ich habe (ich darf das w^ohl um so ruhiger aussprechen, als ich selbst an diesen Unter- suchungen mitbeteiligt war) nicht den Eindruck, dass wir weiter gekommen sind. Ich brachte, worin mir zum Teil Krall in seiner Ausgabe der Agramer Mumienbinden vorangegangen war, die in Glossen erhaltenen Monatsnamen Aclus (Juni) \x\\A Cclius (September) mit den Wortgruppen eslem xaf^rumis acale und coli huMs .xa^rumis zu- sammen, die auf den Binden zu Anfang neuer Abschnitte stehen*). Da cslem Kasus von xal, xa^rum Zehner desselben Numemles ist, und der Name der Eins ma^ gewesen zu sein scheint, so erschloss ich für xal den Wert 2; einen höheren lässt esleni ^a&rn?nis bei 30 tagigen Mo- naton nicht zu. Aber in diesen errorum latibula darf man nicht hoffen zur Einigung zu gelangen: Lattes hat alsbald andere ähnliche Gruppen in den Binden aufgezeigt, die nach seiner Meinung sich nicht als Monats- daten deuten lassen^), während Torp, der im Prinzip mit mir überein- stimmt®), resolut auch diese Wortverbindungen in meinem Sinne zu deuten unternimmt. Da nun i, B, in der Gruppe pe^ereni cicm cealxux, das letzte Wort mindestens dreissig bedeuten muss (1 ist max^ 20 ist xa^nwi), so ist Torp gezwungen, da ein Monat nicht 33 Tage haben kann, das dem Einer ci angehängte -cm subtraktiv zu deuten; cicm realxui< wäre also 27. Das ist gewiss scharfsinnig, aber ich bleibe sehr skeptisch. Nicht etwa wegtun meiner oben über cclc cemtw^ ausge- sprochenen Vermutung, obgleich ich sie durchaus für erwägenswert halte, sondern weil mich Zweifel quälen, ob die Grundlage für Torps Kombi- nationen, nämlich eben meine eigene Deutung von celi und acalc und ihre Ausdehnung auf lyc^creni u. s. w. wirklich zuverlässig genug ist.

Zweifelnd verhalte ich mich auch zu einer Reihe weiterer Veröffent- lichungen Torps''). Der Verfasser arbeilet mit der richtigen Methode, kombinatorisch, nicht etymologisierend, aber den Eindruck, dass diese Methode über die früher (namentlich durch Deecke und Pauli) ge- wonnenen »Ergebnisse nicht mehr wesentlich hinauskann, hat er nicht ab- zuschwächen vermocht. Dass Torps Deutungen ganzer Inschriften auf recht unsicheren Füssen stehen, hat sich an der Inschrift von Campiglia Marittima gezeigt, die er Beitr. II 116ff. als W^eihinschrift für ein Grab, jetzt aber, nachdem ich ihren Devotionscharakter nachgewiesen habe**), als Fluchtafel erklärt (Inschrift v. Lcmnos 02 ff.). Auch was die Inschrift von Lemnos anlangt, die man wohl allgemein als Denkmtd einer dem Etruskischen mindestens nahe verwandten Sprache ansieht, möchte ich der neuen Deutung von Torp in vieh^m nicht beitreten. Namentlich eines hat mich (hinin befremdet: als Hauptbeweisstück für

4) RMPh. 50, 088f. 5) Ebd. 57, 318ff. C) Etruskische Mo- natsdaten, Christiania 1902 (VShfKl. 1902, Nr. 4). 7) Etruskische Beiträge I, Leipzig 1902, II, ebd. 1903. Die vor griechische In- schrift von Lerano», (Tiristiam'a 19()H (VShfKl. 1903 Nr. 4). 8) DLZ. 1903, 844 ff. (vgl. über Beitr. I ebd. 1902, 2S41f). Siehe auch die ein-

I 38 Lateinische Sprache. 1902—1904.

die sprachliche Natur der Inschrift galt bisher die Gruppe sial^veix- avix, die man, zumal es sich um ein Epitaph handelt, allgemein als Ent- sprechung etruskischer Altersangaben wie avils muvalxls u. ä. ansah. Torp aber übersetzt „Sohn der Sial;^vei". Was hiernach als Stütze der etruskisierenden Auffassung übrig bleibt, sind etwa nui' die Formen auf -al -ale ®). Auch der Veteran der etruskischen Forschung, E. Lattes, ist wieder mit einer ganzen Anzahl Veröffentlichungen auf dem Plan erschienen. Die iscrizioni inedite venete ed etrusche delT Italia settentrionale*®) geben für das Etruskische nichts Nennenswertes aus (über das Venetische s. u.). In dem Aufsatz *gli Etruschi inSicilia'^^) weist Lattes für die in schriftliche Bezeichnung ak auf einem in der Nähe von Syrakus gefundenen Krater drei eti-uskische Gregenstücke nach. Eine dritte Abhandlung ^*), stellt etruskische Anklänge in einer von GniKARDiNi ^^) veröffentlichten Inschrift venetischen Alphabets zusammen. Eine vierte'*) und fünfte^*) beschäftigen sich mit der Deutung der grossen jetzt im Berliner Museum befindlichen Inschrift von S. Maria di Capua^*) und zwar, entsprechend der Resignation, zu der auch Lattes nunmehr gelangt ist, im ganzen nur durch Zusammenstellung verwandter oder wenigstens ähnlicher Worte und Formen aus den anderen etruskischen Sprachdenkmälern, die vielleicht späteren, glücklicheren Interpreten einst sehr zustatten kommen wird. Die etruskisch-lateini sehen Wörter aus den lateinischen Inschriften und was er dafür hält, hat Lattes im ALLG.^') gesammelt. Endlich hat er seine eingehende Nachprüfung und Erörterung des ersten Bandes vom Corp. inscr. Etr. zu Ende geführt'^). Diese Kritik ist dann, vereinigt mit den früher erschienenen Teilen^®) und mannigfach verbessert und vermehrt, auch als Buch erschienen^®). Auf den reichen Inhalt kann ich hier nicht im einzelnen eingehen, möchte aber doch bei dieser Gelegenheit bemerken, dass, was S. 14 des Buches gegen meine auch oben wieder verwertete Interpretation von CIE. 52 u. ä. als Devotion vorgebracht wird, gar nichts beweist: die Unterschiede dieser Bleitäf eichen von den an die Graburnen gehängten Namenschildern sind ebenso greifbar wie die entscheidenden Ähnlichkeiten mit den lateinischen, oskischen und griechischen Fluchtafeln. Ich habe lange bei den Arbeiten Torps und Lattes' verweilt, wie es ihrem Umfang und der darin steckenden Arbeit entspricht. Aber sie verschwinden selbst unter diesem Gesichtspunkt gegen das monumentale Werk, das noch zu nennen bleibt: W. Schulze" Buch Zur Geschichte lateinischer Eigennamen*^). Sieht man nun aber gar auf Methode und Ergebnisse, so darf sich der Berichterstatter über Etruskologie glücklich preisen, dass es ihm vergönnt

gehenden Rezensionen der „Beiträge" von Herbkj, BPhWS. 190:^, 146 ff., 175 ff. 1904, üüüff. 628 ff. und Hörn GGA. 1903, 507 ff. 9) Die Schrift von Apostglides, Origine asiatique des inscriptions de Lemuoa, Le Cain 190;j (Imprimorie nationale) habe ich nicht gesehen. 10) RIL. ser. TI vol. XXXIV (1901) 1131 ff. 11) Ebd. vol. XXXVIl (1904) 619ff. 12) L'iscri- zione etrusca della paletta di Padova, SIFCl. X (1902) 1 ff. 13) N8c. 1901, 314ff. 14) BB. XXVIII 112ff. 15) RIL. ser. II vol. XXXVIl (1904) 703 ff. 16) JBRPh. VI 1 S. 429f. 17) XIII 119 ff. 181 ff. 373 ff. 502 ff. 18) SIFCL XII (1904) 11 ff. 19) Siehe JBRPh. VI 1 S. 430 Anm. 7. 20) Corrozioni, ginnte, postiUe al corpus inscriptionum Etrus- carum I, Firenze 1904. 21) GAphhKl. V 2, Berlin 1904.

F. Ö kutsch. I B9

ist, endlich einmal die dürre Heide der Hypothesen und Resultätchen zu verlassen und von grüner Weide zu berichten, auf der reichster Ge- winn für die italische Sprachgeschichte ent*<prossen ist. Was der Alt- meister vor 22 Jahren schrieb: „Dass zwei niächtige Sprachstämme wie der etruskische und der lateinische, auch wenn sie innere Gemeinschaft nicht gehabt haben, durch Jahrhunderte nebeneinander gelebt hätten ohne beträchtliche Einwirkung aufeinander, müsste an sich wohl für eine wenig glaubhafte Voraussetzung gelten"*^), das hat sich bei der Unter- suchung des lateinischen und etruskischen Namen schatees durch Schulze glänzend bewährt. Schulze hat zweifellos einen starken etruskischen Einschlag im römischen Namen system nachgewiesen und zwar nicht auf Grund zufälliger partieller Beobachtungen, sondern unter vollständiger Bei- bringung und tiefeindringender Verarbeitung des gesamten ungeheueren Materials. Zu den längst als etruskisch anerkannten Namen mit charakteristischen 7i-Suffixen wie Spiirln7ia Caesennius u. s. w. (Schulze S. 108 285) gesellen sich jetzt die Namen auf -o -io mit ihren Weiter- bildungen, etruskischen auf -u etitsprechend, sodann die mit dem Suffix -tr- in verschiedenen Gestaltungen ( Vestanus Vestrius u. dgl.), endlich die mit dem Suffix -a in verschiedenen Erweiterungen und Ausgestaltungen (z. B. Acca Accaeus AccHus, so dass die lateinische Grammatik jetzt nicht mehr nötig hat, sich mit dem lautlichen Verhältnis dieses -wms -eins herumzuschlagen). Wie weit die historischen Konsequenzen reichen, mag inan z. B. daraus ersehen, dass im letzten Kapitel (S. 522 ff.), das sich mit dem Verhältnis von Familien- und Ortsnamen beschäftigt und namentlich die Herausbildung letzterer aus ersteren aufzeigt, Roma als Siedelung des etruskischen Geschlechts der liuma überzeugend erwiesen wird (S. 580 f.). Wie hier die bisherigen etymologischen Versuche, die meist an indog. sreu- *fliessen' anknüpften Rom sollte die *Strom- stadt' sein , kläglich gescheitert sind, so ergibt sich überhaupt aus Schulzes Buch eine ernste Warnung, bei der etymologischen Zurück- führung lateinischer Namen auf indogermanische Wurzeln und Stämme sehr vorsichtig zu sein. Dieser Warnung wird dadurch nichts genommen, dass im einzelnen Schulze selbst in dieser Zurückhaltung und in der Annahme etruskischen Ursprungs lateinischer Namen etwas zu weit geht. Diesen Eindruck haben wie ich so auch andere^^) gehabt; auch wenn er zurecht besteht (was ich im einzelnen hier nicht erörtern kann), können doch mit Schulzes Werk nur die allerbedeutsamsten Leistungen der italischen Sprachwissenschaft, Mommsens Unteritalische Dialekte etwa oder Aufrecht- Kirchhoff s Umbrische Sprachdenkmäler, im Range gleichgestellt werden. Die Sprache der lAgurer ist von Kretsciimer**) in seiner gelehrten, sauberen und verständigem Art vortreölich behandelt worden. Kretschmer weist ihr die in einem nordetruskischen Alphabet geschriebenen Inschriften von Ornavasso in der Nähe des Lago maggiore zu, denen sich übrigens neuerdings die in vielem auffallend ähnliche In- schrift eines Gefässes von Carcegna am Lago d'Orta g(»sellt hat^^); und gewiss ist nach Ausweis der gerade in dieser Gegend so zahlreichen

22) RMPh. XXXIX 409. 23) Vgl. Solmsen DLZ. 1905, 1751 ff., Ost- HOFP LCBl. 1905, 824 ff. 24) ZVglS. 38, 97 ff. 25) Lattes, Estratto dagli AAST. XXXIX, 21. Febr. 1904.

I 40 Lateiniwhc Sprache. 1002—1904.

Ortänamen mit dem charakteristi«cheii Suffix -aseo-, dass hier eiii.st Ligurer gesessen haben. Die ligurische Sprache rückt Kretschmer in den Kreis der indogermanischen und zwar in die Nähe des Keltischen. Seine Er- gebnisse sind im ganzen so wahrscheinlich, wie man sie bei unserem spärlichen Material irgend erwarten kann (Einzeleinwände bei Br^al MSLP. XIII 1904, S. 108 f.). Eine kleine Ergänzung liefert Olhen««) durch eine möglicherweise richtige Etymologie des aus dem Schieds- spruch der Minucier v. J. 117 v. Chr. (CIL. I 199) bekannten Fluss- namens Porcobera (ir. arc *salmo' aus i)orco-, griech. jieqxtj u. s. w. -|- idg. bher ^tragen' ^hervorbringen'). Die Veröffentlichung einiger bisher unbekannter venetiseher Inschriften durch Lattes^") hat vor allem für das venetische Alphabet eine wichtige Aufklärung gebracht: die in lateinischer Schrift erscheinende Form ecupetaris sicherte die Deutung des Zeichens O, das die epichorisch geschriebenen Inschriften im gleichen Worte an sechster Stelle setz(m und das Pauli als Vokal o hatte erklären wollen, während De ecke u. a. schon früher für i^ eingti- treten waren. Wie die venetischen Sprachdenkmäler werden bekanntlich von manchen Gelehrten auch die sog. aftSClbellischen Inschriften von Picenum, die eigenartig altertümlich schlangenförmige Schrift zeigen, als Vertreter eines illyrischen Dialekts angesehen. Leider können wir sie nicht einmal völlig sicher lesen, geschweige denn deuten; und so ist es um so bedauerlicher, dass auch die neu zutage gekommene Inschrift von Belmonte Piceno von der Zeit arg mitgenommen ist^^). Für die nächsten Verwandten des I^ateins, die Oskisch-Umbrischen Dia- lekte haben wir nach den grossen in JBRPh. V 1, 55 besprochenen Werken von Conway und Planta nunmehr ein knappes durch Klarheit und Genauigkeit sich zur Einführung vortrefflich eignendes Handbuch von C D. BucK erhalten ^^"). Die wichtigsten Inschriften sind mit kurzem Kommentar und einem sorgfältigen Glossiu* beigegeben, und so füllt das hübsche Buch eine längst empfundene Lücke vortrefflich aus. Es kann diesem Lobe nichts nehmen, dass man in ein paar Kleinigkeiten ab- weichender Meinung sein muss. (Z. B. sind in Rom Atellanen wirklich in oskischer Sprache gegeben worden, was der Verf. S. 6 abstreitet, aber Strabo V 238 bezeugt und Marx in Pauly- Wisse was RealenzykL II 1915 mit Recht festhält, pur *Feuer' S. 13 kann nicht mehr als oskisch- umbrische Eigentümlichkeit gegenüber dem Latein gelten, seit ich lat. pKTiis pnrare in BB. XXI 8S auf denselben Stimmi zurückgeführt habe. Wunderbar berührt S. 20 die Behauptung, Evkloi der Tafel von Agnone sei *probably EvHokog, an epithet of Hermes in Magna Graecia'; der bekannte Beiname des Hades liegt hier um so zweifelloser vor, als wir uns ja im Kreis der Demeter befinden. Dass in umbr. caterahamo S. 68 c>J lat. caterva r nicht weggefallen, sondern nie vorhanden ge- wesen ist, hat Solmsen schon vor Jährten gezeigt u. s. w.). Aber derlei tut dem Wert des Ganzen keinen Eintrag, und es ist freudig zu be- grüssen, dass Bucks Grammatik bereits auch in einer recht guten deutschen Bearbeitung vorlit^gt, die zur Einführung um so mehr empfohlen

26) ZVglS. 31), 007 ff. 27) RIL. scr. II vol. XXXIV (1901) 1131 ff. 28) N8c. imx 104 (mit Abbildung). 28a) A Grammar of Oscan and Umbrian, Bo.ston, Ginn 1004.

F. Skutsch. I 41

werden kann, als sie den englischen Wortlaut mit Geschick verkürzt'^***). Von Spezialarbeiten wäre etwa folgendes zu erwähnen. MEYER-LüBKE*®)hat zu den schon früher von Ascoli und Büch eier besprochenen Fällen, wo das Italienische inlautend f statt des schriftlateinischen b d. h. ein lautliches Charakteristikum der oskisch-umbrischen Dialektgruppe aufweist, farfecckie 'Schnurrbart' gestellt, das einem osk.-umbr. ^farfä- *Bart' (lat. barha durch Assimilation für *farba) genau entspricht. Dagegen darf trotz venez. kufarse = "^cubare se u. dgl. auch für das Oskisch-Umbrische kein *eufare angesetzt werden, da sowohl für das Faliskische wie für das Pälignische das Verbum mit b (bezw. p) belegt ist; in diesem Fall hat also italienisch f nichts mit alten italischen Differenzen zu tun. Eine Reihe Einzelheiten aus dem Oskisch-Umbrischen haben Brugmann und Gray behandelt. Unter G ray s Etymologien umbrischer, oskischer und pälig- nischer Wörter^®) habe ich nichts Stichhaltiges finden können. Bei Brugmann^^) ist besonders erwägenswert der Versuch nachzuweisen, dass anlautendes en (em) vor Konsonant im Oskisch-Umbrischen zu an (am) geworden sei; durch solchen Lautwandel würden sich osk. a?i- censto = lat. inceiisiiSy a7nprufid= improbe, o.-u. anter= lat inter, aber auch osk. anafriss = lat. imbribus sehr einfach erklären. Aber leider widerspricht osk. embratur *imperator* und osk. entrai 'interiori\ und Brugmanns Bemühungen mit diesen Ausnahmen fertig zu werden befriedigen mich bei dem besonders engen Zusammenhang zwischen entrai imd anter wenig. Ob etwa beidemal das a# der folgenden Silbe die 'sehr offene Aussprache' des e der ersten gehindert haben könnte? Nicht überzeugt hat mich sodann Brugmanns weitspannende Hypothese, die mit einem Schlag die oskischen Verbalformen mit t (tt) und die latei- nischen mit SS aufhellen möchte; dass meine Erklärung des lateinischen Typus habessit curassint (unten Anni. 79) ignoriert wird, ist nur eins und keineswegs das gewichtigste meiner Bedenken. Endlich gibt Brug- mann eine Interpretation von Z. 8 ff. der tabula Bantina, in der ich ihm auch nicht folgen kann. Den Satz pis . . . comono fiaßest meddis dat castrid loufir en eituas factud pous touto deivatuns tanginom deieans interpungiert er stark nach loufir, das man bisher mit rel über- setzte, und fasst (iies Wort dem Sinne nach als lü^at 'welcher Magistrat über liegende Habe Comitien abhält, soll freie Hand haben\ Dann soll eituas ein Genetivus iudicialis sein (wenn ich mich so ausdrücken darf), wie in manim aserum eixa\iinc egmaximi 'manum inicere propter eas res' oder in gortynisch xaxadixaxoaxo to Ikev^ego dexa oraxegavg, xo doXo Ttevxe 'wegen des Freien, wegen des Sklaven' u. s. f. Aber dieser Genetiv soll dann wieder noch von der Präposition en abhängen, wofür mir griech. ijujioöcov = iv noöcbv u. dgl. doch keine genügende Parallele scheint. Die Hauptbedenken indes dürften wohl im ganzen Zu- sammenhang liegen. Die Brugmann sehe Interpunktion stört die Ökonomie des Satzes und man vermisst bei ihr eine Adversativpartikel vor oder nach e7i eituas. Ein kleinerer Aufsatz von Brugmann ^2) be- handelt die Etymologie von osk. amjetuxet in einer mir sehr einleuchtenden

28b) SIgL. I: G. 7. Heidelberg (Winter) lOOfi (!). 29) WS. 24, 527 ff. 30) BB. 27, 297 ff. 31) IgF. XV 69 ff. 32) IgF. XVI 507 ff.

I 42 . ' Lateinische Sprache. 1902— li»04.

Weise: ich war nämlich selbst schon auf den Gedanken verfallen, dass es durch Synkope aus *ariagetuxet entstanden sein und zu latein. ind- igit-are in einem nahen Verhältnis steten möge. Endlich sei nicht versäumt, an dieser Stelle auf eine beiläufige Bemerkung in Joh. Schmidt* letzter Arbeit'**) hinzuweisen, die für das Faliskische von Wichtigkeit ist. Er hat die Inschrift Voltio Fqlcoxeo Zextoi fi (PI. 321), die man früher F. Fokosius Sexti ßlius übersetzte, schlagend richtig F. Fol- castus Sexto filio (sc. fecit oder posuit) gedeutet. Damit fällt, wie Schmidt vortrefflich ausführt, jede Berechtigung dem Genetiv der 2. Deklination im Italischen eine andere Endung als einfaches i zuzu- schreiben, und keinesfalls darf künftig der lat. -i-Genetiv, wie früher oft geschehen, als alter Lokativ mit ursprünglich dipthongischer Endung ge- fasst werden.

bj Allgemei/ne lateinische Grammatik und Metrik. a) Gesamtdarstellungen. Von Brugmann» kurzer ver- gleichender Grammatik der indogermanischen Sprachen^') ist ausführlicher an anderer Stelle dieses Bandes die Rede; aber soviel soll doch wenigstens auch hier gesagt sein, dass die Darstellung des Italischen in diesem Werke hinter der der übrigen indogermanischen Sprachen nicht zurücksteht und das Ganze sich durch seine meisterhaft« die veralteten Dispositionen der Grammatik vielfach glücklich umordnende Systematik ebenso auszeichnet, wie durch die echt Brugmannscbe Klarheit bei grösster Kompaktheit. Die zweite Auflage von Giles vergleichender Grammatik des Griechischen und Lateinischen ist mir nicht zu Gesicht gekommen; hoffentlich ist sie eine verbesserte. Eine tüchtige Leistung trotz nicht weniger namentlich für Philologen ärgerlicher Schwächen ist F. Sommer^ Handbuch der lateinischen Laut- und Formen- lehre^*). Das Hauptverdienst liegt in der klaren Anordnung und Dar- stellung, während das Material, soweit ich gesehen habe, gänzlich aus Mittelquellen entlehnt ist. So erklären sich eine Anzahl Zitate nament- lich von Inschriften in ganz antiquierter Form; man liest z. B. nicht nur „ephem. ep. VII 111 Nr. 360" S. 309 aus meinen Forschungen I 61 statt CIL. VIII 17938, sondern auch Angaben nach Orelli und sogar nach Gruter und Muratori. Trotz solcher Abhängigkeit hat Verf. die Mittelquellen (abgesehen von einer summarischen Zusammenstellung am Schlüsse) nur ganz vereinzelt einmal zitiert, was er damit begründet, dass es dem Anfänger, für den er sein Buch in erster Reihe bestimmt, nur auf eine Einführung in die Tatsachen ankomme. Hier scheint mir ein richtiges Prinzip, nämlich den Anfänger nicht durch massenhafte Verweise auf Gleichgültiges, Zweifelhaftes und Wertloses abzuschrecken, fälschlich auch auf solche Literatur übertragen, auf die gerade der An- fänger hingewiesen werden sollte; pädagogisch wäre es, meine ich, viel- mehr richtig gewesen, durch Zitat des Wichtigen eine dem Anfänger sehr nützliche Auslese zu treffen. Im einzelnen hatte ich nicht wenig Aus- stellungen zu machen. Der Verf. hat nicht jene Vertrautheit mit dem lateinischen Idiom, das Gefühl dafür (so möchte ich sitgen), wie es sich

32a) ZvglS. 88, 31. 33) Strassburg 1902—1904. 34) SIgL. I: G. 3, Heidelberg 1902.

F. 8kut8ch. T 43

nur aus täglichem intimen Verkehr mit . den Sprachdenkmälern; nicht aber aus Seelmann oder JJ^eue-Wagener oder Lindsay gewinnen lässt. Ich könnte dafür zahlreiche Beispiele geben; S. 474 f. kann jedem, der den Gebrauch von eccum ellum aliquis aus Plautus kennt (wirklich kennt), als beliebig herausgegriifener Beleg dienen. Im Abschnitt über hie iste S. 453 ff. vermisse ich beim Acc. masc. das *hum von eceuiUt stosse gleich danach auf ein angebliches kurzsilbiges Neutrum *Aoc, das nirgends im Latein zu belegen ist (immer nur hocc). In der Anmerkung zu dieser Seite wird eine plautinische Messung hülüs ernsthaft diskutiert und mit zwei ganz unmöglichen, zwei nichts beweisenden Versen belegt. Dazu gesellt sich S. 457 ein Nom. Akkus. Neutr. istoc aus Plaut B. 382, wo istoc vielmehr Adverb („dazu") ist. Beständig schreibt der Verf. coenum 'Schmutz' und knüpft daran allerlei lautgeschichtliche Schlüsse. Aber ich mag diese Liste nicht länger machen, denn ich wiederhole: der Aufbau des Buches, die Art der Darstellung hat grosse Vorzüge, und ich würde mich sehr freuen, wenn eine zweite Auflage dem Verf. recht bald Anlass gäbe, auch in den Einzelheiten sein Buch auf die Höhe zu heben. Für ein landschaftlich begrenztes Gebiet ist eine Darstellung des Lateins von Carnoy unternommen worden. Ih ähn- licher Weise wie der im vorigen Bericht'*) genannte Pirson das Ijatein von Gallien'*), will er auf Grund der Inschriften das Latein von Spanien behandeln *'). Von »seinen fleissigen Zusammenstellungen ist bisher nur die Phonologie erschienen'®).

ß) Iiautleh/re. Über die AtiS8prache des Lateins ist nur wenig veröffentlicht worden. Was mir davon nicht zugänglich geworden ist'*)*®)*^), betrifft, wie es scheint, nur die Frage der Aussprache in der Schule. Ausserdem habe ich nur zwei Kleinigkeiten von Hey**) und Lindsay*') zu verzeichnen, in denen aus angeblichen sehr bedenklichen Wortspielen die Aussprache des c (Auson. epigr. 52 p. 331 P.) und gn (Plaut. R. 767, Cic. rep. IV 6) erschlossen wird. Zur Entschädigung will ich wenigstens in Kürze auf die bedeutsame Abhandlung von W. Schulze über die lateinischen Buchstabennamen**) verweisen, wenn sie auch vielmehr eine Frage der antiken Schulpraxis als eine solche der lebendigen Aussprache betrifft. Während Marx*^) die uns geläufigen Buchstabennamen (de ge, et em etc.) auf Varro zurückgeführt hat, sucht Schulze nachzuweisen, dass die sog. semivocales rlmnfs bis tief ins 4. Jahrhundert hinein nur lautiert worden sind. Marx hat seine Ansicht unlängst kurz, aber energisch verteidigt*®). Eine Ent-

35) VI 1, 486 Anm. 47. 36) Vgl. dazu die IJesprechung von Leclercq, RQH. Nouv. S^r. 30 (1903), 123ff., die allgemeine Gesichtspunkte für die Ausbreitung des Lateins in Gallien zu gewinnen sucht. 37) Museen Nouv. Sdr. II 74 ff., III 351 ff., IV 179 ff. 38) Auch als Buch erschienen (mir nicht zu- gänglich); vgl. SoLMSEN BPhWS. 1902, 1G23 f. und E. Herzog ALLG. XIII 597. 39) Meunier, Prononciation du Latin clas^ique, Nevers 1903. 40) P. Meyer, Aussprache des cund<, 32. Jahresheft des Vereins der Schweizer Gymnasiallehrer, Aarau 1902 (vgl. WöKPh. 1903, 84r)ff.). 41) Seche- RESSE, ReU. 1902, 41 ff. 42) Aussprache des c, ALLG. XIV 112. 43) Aus- sprache von gn CIR. XVIII (1904) 402. 44) HBAkBerlJn. 1904, 760 ff. ^) Studia Luciliana, Bonn 1882, ,S. 7 ff. 46) Lucilius (s. JS. W Anm. 23) II 8. 144.

I 44 Lateinische Sprache. . 1902-1904.

Scheidung möge man von mir an dieser Stelle nicht verlangen; ich will nur auch die Romanisten nachdrücklich auf die^e Arbeiten verwiesen haben, die ein für jedermann int^^ressantes Thema in eindringlichster Weise erörtern; Schulze bringt zudem auch für die romanischen Buch- stabennamen mancherlei bei. Auch auf dem Gebiet der eigentlichen Latltlehre ist die diesmalige Berichtzeit an wirklich fördernden Er- scheinungen nicht allzu reich gewesen. Niedermann* Sp keimen d'un precis de phon^tique historique du latin**^) ist nur a Tusage des gy m na ses bestimmt und verfolgt diesen Zweck in anerkennens- werter Weise, aber ohne wissenschaftlich neues bieten zu wollen*^). Einen Ausschnitt aus der sog. „plautin i sehen Prosodie" vom granmiatischen Standpunkt aus bietet G. Weddings Arbeit De vocalibus productis Latinas voces terminantibus*®). Bei aller Anerkennung der red- lichen Mühe, die sich der Verfasser gegeben hat, kann ich nicht finden, dass er dem Thema eine neue Seite abgewonnen hat Der Hauptnutzen dürfte also der sein, dass die Aufmerksamkeit der Grammatiker wieder einmal auf diese Dinge hingelenkt und ihnen ein im ganzen (nicht durchaus) zuverlässiges Material in die Hand gegeben wird. Die /-p]pen- these glaublich zu machen sind die von Zimmermanns^) gesammelten Verschreibungen von Namen auf Inschriften (z. B. Urbaini CHj. XI 6999, das er mit französ. urhain identifiziert!), durchaus nicht geeignet. Verschiedentlich hat man sich wieder mit den Schicksalen des v be- schäftigt. Die Ijehre, dass h^ zu // assimiliert wird, hat Solmsen*^) energisch nachgeprüft, wobei sich ergeben hat, dass kein Beispiel für dieses angebliche Lautgesetz: sicher steht, fidvu^ gilrus und hclvus aber dagegen sprechen; 7noUis ist, wenn man es von ai. ^rifdus mfdvi nicht trennen darf; auf '^mollvls aus *u?oldris zurückzuführen und hat also wohl V nach dem Doppel-/ abgestossen, aber nicht assimiliert. Sehr ein- leuchtend erklärt derselbe Gelehrte*^) den Übergjing von Mar(o)rte zu Marte, mai:(o)lo zu malo durch einen Dissimilationsakt; so ist ^4?/- gnstus ausculto zu Agustus ascidtOj favoniu^ paror zu 'faonius paor geworden^"*): die eine Lippenaktion hat die andere behindert. Hier- mit ist einem wenig glücklichen Versuch H. Ehrlich^ das Suffix aster zu erklären ^*), eine wesentliche Stütze entzogen : es soll von yatraster ausgegangen und dieses aus '^jjatnnesfer (zu griech. närgcog inr^jiaxQCoF-g) entstanden sein. Aber so wenig wie marelim malwi können die sonstigen von Ehrlich angeführten Beispiele den Übergang von arc zu ä fürs Lateinische beweisen. Darin stimme ich ganz mit Stolz ^*) überein, ohne dass ich freilich gerade seine Beurteilung der einzelnen Fälle teilte». So wird quassum (= quaversum CGIL. IV 558) nicht anders zu beurteilen sein wie e])en Mars <^ Marrs ^ Marors. Und wenn ich auch für amarunt amdrim aniasti die Möglichkeit nicht leugnen will, dass sie Analogiebildungen nach dccrerunt dccrrrim midtsii u. s. w. sind (etwa wie audiham nach amabmn inoncbanij s. u.), so scheint mir doch die Frage dieser Perfektbildung noch zu kompliziert, um irgend etwas anders über sie mit Bestimmtheit auszusagen, als (hiss sie zu Stützen für Laut-

47) La Chaux-de-Fonds 1904. 48) Vgl. Sommer DLZ. 1904, 20o;^ f. 49i BB. XXVII Iff. 50) Ebd. 8Hlff. 51) ZvglS. XXX VIT! 4:J7ff. 52) Ebd. 4r)()ff. 53) Thurneysen IgA. IX :U). 54) ZvgKS. XXXVIII Ü5f. 55) Ebd. 42r)ff.

F. Skutsch. I 45

p;e#ietze vorlilufip: »chlecht taugen. Als lateinische Vertretung: der tenues aspifatae sucht Uhlenbeck^^) die tenues zu erweisen; mir bleibt von seinen „untadelhaften" Gleichungen nur sehr weni^ übrig, nämlich die bekannten rota = ai. ratha und poiis = ai. jyanthnn- patkiy wo aber doch wieder das griech. növrog die ursprüngliche Natur des Dentals sehr zweifelhaft erscheinen lässt. Nicht gesehen ha})e ich einen Auf- satz von Web^x*'), der sich anscheinend mit dem Anlaut von cubi und cmnde bofasst. Seine Bestrebungen, das Gebiet der syllablschen Dissi- milation einzuschränken, hat PoKROWöKY ZvglS. 38, 277 ff. fortgesetzt; in manchem hat er gewiss ebenso wie mit seinen früheren Betrachtungen*"*) recht. Endlich seien, last, not least, Bücheler** *''^) ausgezeichnete Beobachtungen über vulgäre Lauterscheinungen erwähnt, denen sich einiges aus der Fonnenlehre (z. B. edidit iÖrjdoxev) angliedert (Metathese von ps z. B. Si>€ckas = Psecas; Verwechslung von ps und x^ die beide in der Aussprache ss zusammenfielen, z. B. apsungia axungia, vgl. Nieder- mann *'c); Vokalvorschlag vor .<f impura;' sukzessive Assimilation, Metathese un<l Dissimilation der Zitterlaute in der Reihe tribunal Mbtma?^ tm- hurna tribiina). Auf dem Gebiet der Akzentlehve ist wenigstens ein umfänglicheres Work erschienen, Vendryes recherches surThistoire et les effets de Tintensit^ initiale en latin^^), aber einen Fort- schritt kann ich darin, so viel Mühe sich auch der Verf. gegeben hat, nicht erkennen •'^). Er vertritt wieder den alten Satz der französischen Forscher, dass das Latein von jeher und immer einen expiratorischen Akzent auf der ersten Silbe gehabt hat, der Dreisilbenakzent aber musi- kalisch gewesen ist. Ich freue mich sehr, jetzt endlich auch einmal von französischer Seite den Einwand geltend gemacht zu sehen®®), der jenen Anschauungen den Garaus macht. Da Plautus und Terenz den Zu- sammenfall von Iktus und Dreisilbenakzent erstreben, wie Lindsays und meine Untersuchungen endgültig sichergestellt haben, so war schon in ihrer Zeit der Dreisilbenakzent expiratorisch. Mit seiner Hauptthese fällt ein grosser Teil des Vendry esschen Buches dahin; aber auch in Fragen, die mit ihr nicht unmittelbar zusammenhängen, kann ich keines- wegs injmer mit dem Verf. zusammengehen. So bleibe ich dabei, dass für das Nebeneinander synkopierter und un synkopierter Formen (canite cocante, aliier c\d alter u. s. w.) die Ost hoff sehe Erklärung aus dem Sprechtempo (I^nto und Allegro) die einzige ist, die keinerlei Schwierig- keiten übrig lässt. Aber ich möchte darauf nicht weiter eingehen, um nicht wiederholen zu müssen, was ich im vorigen Bericht*^) und neuer- dings in Kroll® Altertumswissenschaft im letzten Vierteljahrhundert *^) S. 314 und 327 gesagt habe. Spezielle Fragen aus dem Gebiet der Synkope, namentlich chronologische, hat Stolz ^•^) behandelt. Er bemerkt, dass aselhis aus *nsnolos zu stände gekommen sein müsse, ehe das Grundwort *a^nos durch Svarabhakti zu asmus wurde. Dieser letztere Lautprozess aber könne sich erst abgespielt haben, als der

56) IgF. XIII 213 ff. 57) FFL. II. 57a) JBRPh. V 1,66. 57b) RMPh. 59, 34ff. 57c) Ebd. 60, 460. 58) Paris, Klincksieck 1902. 59) Vgl. Solmsen ALLG. XIII 137ff., «KUTSCH DLZ. 1902, 3220ff. 60) Diivau, A propos des initiales latines, MSLP. XII 138ff. 61) JBRPh. VI 1, 440f. 62) Leipzig (Reisland) 1905 (!). 63) IgF. XITI 9;') ff.

I 4G Lateinische Sprache. 1902-1904.

Rhotazismus nicht mehr wirkte: sonst würde es ^arinns heissen. So lange also müsste sich im Inlaut die Gruppe -sn- erhalten haben. Nicht genügend scheint mir dabei Stolz die Schwierigkeiten zu würdigen, die pöno aus posino macht Da es ja jedenfalls auch nur nachrhota- zistisch sein konnte, (wir würden sonst *pomo haben), müsste es noch in dieser relativ späten Zeit hintereinander zwei Behandlungen von -an- gegeben haben, 1. die anaptyktische fasinics), 2. die assimilatorische (pöno). Andere Einwände erhebt Niedermann IgF. XV 111 ff'. Dagegen scheint mir vollkommen glatt, was Stolz über den Ur- sprung von lotus bemerkt. Es ist aus *lovetos entstanden d. h. ehe noch *loro zu lavo, foreo zu faveo wurde, also jedenfalls vor dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. (vgl. JBRPh. V 1 62). Weitere Be- merkungen von Stolz scheinen sich mir bisweilen ins Gebiet des allzu Subtilen zu verlieren. Die vorhin erwähnten Untersuchungen über den plautinischen Akzent sind gerade jetzt von verschietlenen Seiten wieder aufgegriffen worden. Um den Zusammenfall des Iktus mit dem Sprachakzent voll zu würdigen, muss man bekanntlich ständig mit der weitgehenden Enklise des Lateinischen rechnen, wie sie Lindsay und der Ref. aufgezeigt haben. Offenbar auf die durch solche Toneinheit ge- bildeten Wortgruppen gehen die mir nicht zugänglichen Arbeiten von GusTARELLi**) uud Ramain'*); das Erheblichste aber über das Thema, wie ich denke, sind die sich gegenseitig ergänzenden und weiterführenden Arbeiten von Radford *•), die einen neuen Weg mit Scharfsinn und Erfolg betreten. Indem man sich bisher bemühte die einzelnen Fälle des sog. Jambenkürzungsgesetzes auszufinden, hat man entweder gar nicht oder ohne Erfolg gefragt, wie die Betonungen zustande kommen, durch die die Kürzungen veranlasst werden. Dass sed ille von Plautus ^ w ^ gemessen werden kann (ebenso sed argentum ^ ^ x, sed ahstidisti -'w x), weil ^ zu ^^ wird, wissen wir heut alle; aber warum tritt der Akzent auf sedy statt auf ilt Radford hat ganz richtig ge- sehen, dass man die Antwort nur beim Vergleich solcher Wortgruppen geben kann, wo auf ein kurzes Monosyllabum eine von vornherein kurze Silbe folgt. Für diese ergibt sich, dass sie vielfach seit uralter Zeit eine Einheit bilden infolge der vom Latein bereits ererbten Wortstellungsge- setze; man kann als Typen solcher Verbindungen z. B. s^d eius, hfc Iiomo, quid ego, quid ais, vel uti nehmen. Die entsprechenden Be- tonungen sffd ille etc. zeigen daher nur die gewöhnliche akzentuelle Her- vorhebung des Monosyllabums in solchen Gruppen; aber hier muss dann Jambenkürzung die unmittelbare Folge solcher Akzentstellung sein. Eine weitere Bestätigung die,*ier Ideen bilden die Fälle, wo das Monosyllabum eine Länge ist {cum patrr, hoc age, ne Urne, ne scio, placet etc.); auch hier zeigt Plautus regulär Betonung auf dem Monosyllabum, und

64) Questioni intorno alT enclitica etc. RSA. IX 109ff. 65) Etudes surles groupes de mots etc., Paris (Kiincksieck) 1904. 66) The Traditional Word Order and the Latin Accent, Elmira 1904; The Latin Monosyllables in their Relation to Accent and Quantity, TAPhA. XXXIV GOff.; Studies in Latin Accent and Metrie, ebd. XXX V 33 ff . ; On the Rccession of thc Latin Accent etc., AJPh. XXV 147 ff., 2r)Gff., 40Gff.

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die Empfindung, dass solche Gruppen eine Worteinheit mit Akzent auf der ersten Silbe sind, spricht sich deutlich darin aus, dass sie im iambi^h- trochäischen Verse nur mit denselben Kautelen wie daktylisch-kretische Worte verwendet werden: die beiden Schlusssilben dürfen im allgemeinen nicht zusammen in Hebung oder Senkung treten. Nicht alles in Rad- fords weiteren Folgerungen hat mir gleichmässig eingeleuchtet. Aber ich möchte hier lieber rein den positiven Gewinn seiner Arbeiten hervor- heben, als mich in Einzelpolemik einlassen. Über die letzte und wichtigste Frage zu reden, auf die er hinaus will: „was ist der lateinische Iktus? wie wurde ein lateinischer Vers gesprochen ?" möchte ich erst im nächsten Berichte Veranlassung nehmen, wo die Entwicklung der Satiu^nierf rage ohne- hin zur Berührung dieser Dinge nötigen wird. Bis dahin mag auch das Referat über die inhalts verwandten Aufsätze von Exon, The Relation of Metrical Ictus to Accent and Quantity in Plautine Verse, und Schlicher, Word- Accent in Early Latin Verse, aufgeschoben sein •'').

y) Wartbildung. Ein sehr nützliches Hilfsmittel für alle Ar- beiten auf diesem Gebiete haben wir in Gradenwitz' laterculi vocum latinarum*''») erhalten. Während der erste Teil des Buchs ein Ver- zeichnis sämtlicher lateinischen Worte nach Georges, den Pauck ersehen Supplementa und den Addenda im ALLG. in gewöhnlicher alphabetischer Reihenfolge enthält, ordnet der zweite dies Material a tergo secundum litteras, so dass man also hier alle Bildungen mit jedem einzelnen Suffix aufs einfachste finden und überschauen kann. Einzelarbeiten über Wortbildung sind nicht sehr zahlreich gewesen ; sollen sie nach ihrem W^erte gruppiert werden, so muss zweifellos Wackernagel* feiner Aufsatz *zu den lateinischen Ethnika'^®) voranstehen. Erbehandeltim wesentlichen die Herübernahme fremder Suffixe für Ortsadjektiva und ihre Ersetzung oder Umbildung im Lateinischen. Das wohl häufigste Suffix für Ortsadjekliva ist -ensis, mit dem sich schon bei Plautus griechische Formen auf -log zu erweitern lieben: BabylonhiSj -iensis; Corinthius^ -iensis ; Epidafnuius, -iens'is stehen alle sechs bei Plautus. Mit -änus, also wie Romä7ius, werden nur Adjektive von Städten besonderer Notorietät gebildet wie Syraeus- anus Spartarws. Aber vermieden wird *Atkenamis, weil aus nahe- liegenden Gründen das Suffix -a7itts überhaupt nicht an Stamme gefügt wird, die am Ende ein intervokalisches n haben, -tanus, uns aus Nea- politanus u. dgl. geläufig, findet sich in alter Zeit immer nur mit voraus- gehendem 7. Ausnahmen sind auch späterhin sehr selten. Aber auch in anderer Hinsicht ist der Gebrauch des Suffixes noch in ciceronischcr Zeit stark eingeschränkt. Es dient nur zu Latinisierungen griechischer Ethnika auf Ixrjg aus dem sizilisch-italischen Gebiete, sodann aber zur Bildung iberisch-libyscher Ethnika. Wenn sich die erstere Verwendung wie bei dem einfachen -änus aus den nahen Beziehungen der Römer zu den betreffenden Orten erklärt, so hängt die zweite gewiss damit zu- sammen, dass Bildungen auf -tanus -itamis in der iberisch-libyschen Welt epichorisch sind. Dies wenigstens einige Hauptgedanken der treff-

67) Ha. XII (1903) 470ff. und AJPh. XXIII 4Gff., 142ff. 67a) Leipzig (Hirzel) 1904. 68) ALLG. XIV Iff.

I 48 Lateioische Sprache. 1902—1904.

liehen Abhandlung. Einen einigermassen ähnlichen Versuch gewisse Namenbildungen geographisch abzugrenzen hat A. Schulten®^) gemacht. Er hat aus den mit Italien sich befassenden Bänden des Corpus in- scriptionum die Namen auf -iedius^ -ediu^ und -idius gesammelt und dabei über ihre örtliche Verteilung folgendes beobachtet. Diese Namen sind „eine den umbrisch-sabellisch-oskischen Stammen eigentümliche und gemeinsame Gruppe" und zwar beschränken sich die Ausgänge -iedius und »edius wesentlich auf den Apennin, während 'idius in den Küsten- ebenen (bei den Frentanern, in Apulien und Campanien) häufiger ist als im Apennin und während in Picenum -edius überwiegt. Dass der am Schlüsse ausgesprochene Wunsch Schul tens, auch andere Namensuffixo auf ihre örtliche Herkunft untersucht zu sehen, in W. Schulze* Werk'*^) grossartigste Erfüllung gefunden hat, ist oben S. 39 zu ersehen. Auf selbsterarbeitetem Material fussen wie Wackernagels und Schultens Arbeiten so auch die von Bögel'^) und Hodgman'^), vielleicht auch die mir nicht zugängliche von Radford über -finu^ und -mtis'^^). Den Nutzen von Hodgmans Zusammenstellungen vermag ich allerdings nicht ganz einzusehen ; er will anscheinend einen Überblick der Varietäten der Adjektivbildung und -deklination bei Plautus geben, aber ich kann weder der Beurteilung der einzelnen Fälle immer beitreten noch ist mir das Prinzip der Auswahl klar geworden. Bögel dagegen hat das Material für sein Thema bis zur augusteischen Zeit hinunter sehr eifrig gesammelt, aber er will mit seiner Arbeit anderen als morphologischen Zwecken dienen. Ihm kommt es darauf an, einmal die Konstruktion s weisen der nomina agentis und actionis, insbesondere ihr Schwanken zwischen nomi- naler und verbaler Rektion darzustellen, sodann die Leichtigkeit der Neubildung auf diesem Gebiete, das Hervorspriessen frischer Formen aus dem Bedürfnis des Augenblicks vor Augen zu führen. Alle anderen Arbeiten auf dem Gebiet der Nominal bildung, die hier noch zu registrieren sind, könnt« man im Gegensatz zu den bisher genannten als theoretisch bezeichnen; sie wirken nicht durch Sammlung und Ordnung neuen er- giebigen Materials, sondern stellen Vermutungen über Ursprung, Aus- breitung und Sinn bekannter Suffixe auf. So hat Brugmann'^^) vom lateinischen Superlativsuffix -sirniis -issinfus gehandelt, wozu er noch eine dritte Form -isiinus stellt. Wozu dies letztere, vermag ich nicht recht abzusehen. Denn facti Itmus pulcerrirmts müssen wohl nicht not- wendig auf Brugmanns Grundformen *facl'isemos *pifkr4se7nos, sondern können ebensogut auf *facU-semos *puIero-semos zurückgehen. Plisima aber, an dem man schon viel Scharfsinn verbraucht hat'*), scheint mir in seiner Sonderbarkeit zur Exemplifikation anderweitig nicht sicher zu erschliessender Formantien wenig geeignet. Ich zweifle, ehrlich gesagt, ob man der Überlieferung bei Paulus F. 205 trauen darf (plis- ima pliirima), da Varro 1. 1. VII 27, der in der unmittelbar folgenden Glosse (meliosem meliaremj genau zu Paul. F. 87 stimmt, plusima

69) Italische Namen und Stämme, BAG. II 167 ff., 440ff., III 235 ff. 70) De nomine verbali latino quaestiones grammaticae, JbbPh. Supplera. XXVIII 57 ff. 71) Adjectivai Forms in Plautus, CIR. XVI ( 1 902) 44(3 ff. 72) Studies in Honour of Gildersleove (vgl. Zimmermann WSKPh. 1904, 40()ff.). 73) IgF. XIV 1 f f . 74) Zuletzt namentlich .ToH. Schmidt

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plurima bietet. Ef< darf zu Bodenkon pejjon die Vairoüberlieferung keinen Anlass bieten, dans die vorrhotazintische Form doch zugleich falschh'ch mit jungem Vokalisnjun in der ersten und zweiten Silbe ge- schrieben ist; auch für plishmi könnte man ja in keinem Fall umhin dasselbe anzunehmen {*pleisuma, cf. Sclimidt'*). Für die nach dieser Ausscheidung übrig bleibenden beiden 8uffixfornien -siinns und -isshmus Hucht Brugmann nun zu erweisen, woher sie ihren Zuwachs fregenüber dem einfachen -imus -umits = idg. -fitnios erhalten haben. Ich stimme im Prinzip Brugmann vollkommen bei, dass dieser Zuwachs durch Ver- schmelzung vorausgehender Stammauslaute mit dem kürzeren Suffix zu- stande gekommen ist. -simKS wird also ursprünglich Ausgang von supcrlati vierten 5-Stanimen gewesen sein. Ich bin mir aber nicht ganz klar geworden, ob Brugmann hier dieselbe Vermutung vertritt, auf die ich auch schon verfallen bin, dass maximns einer der wichtigsten Aus- gangspunkte für 'Sinm^ gewesen sein könnte; jedenfalls weichen wir darin voneinander ab, dass Brugmann max- mit ai. maluts ^Grösse', mahm 'gross* identifiziert, während ich maximus mir einfach als *magis- imtfs deutete. Auf die Bildungen wie magis stützt Brugmann vielmehr seine Erklärung von -tssifmisi dies stelle den Ausgang solch neutraler Komparative wie magis -|- simvs dar. Das Schlimme ist dabei nur, dass wir magis keine zweite ähnliche Form mit Sicherheit an die Seite stellen können und dass gerade von magis der Superlativ nicht *ma- gissimus heisst. Im übrigen möchte ich nur noch bemerken, dass, wenn sich wirklich -ffirnus aus lateinischen Analogien erklären lässt, damit das letzte Argument für die italo-keltische Urgemeinschaft fällt. Brugmann hat dann schliesslich in einem letzten Abschnitt seines Aufsatz(»s siipf- pxtr- postr-cmiis einleuchtend als Analogiebildungen nach demiis er- klärt (beachte besonders die Adverbien postrcmum suprcniHui neben (Icmum), Viel scharfsinnige Vermutungen bietet W. Otto'*''''*) B(»- handlung der Substantiva und Adjektiva mit (i oder / vor dem schliessen<l(»n Suffix ('Ica, 'K-iits, '(X, -fr US, -tnus, -dlis, -fix u. s. w.); er sieht in jenem langen Vokal das bekannte (•harakteristikum von femininen, kollektiven und abstrakten Wörtern. Ich fürchte, so anregen<l die Ab- handlung ist und so richtig die Deutung in einzelnen Fällen sein mag, dass hier (»in richtiger Grundgedanke überspannt und die analogische Ausbreitung von Suffixkomplexen unterschätzt ist. Aber auf Einzeliieiten einzugehen ist hier unmöglich, und die Fortsetzung, die der Verf. in Aussicht stellt, wird vielleicht den Ansätzen dieses ersten Aufsatzes neue Stützen geben. Ein erwägenswerter Einfall Zimmermann** ist die Her- leitung des Suffixes -monhim (in Jimtrimoniu)}) u. dgl.) aus io-i\h- leitungen von -wo/i-Stämmen (namentlich flawofhiftnty vgl. M om m so n Ephem. epigr. I 22 If.)''^). Dagegen hat desselben (ielehrten Kon- jektur über die Entstehung der Suffixe -riniffm -cinari (latrö-ciinuin, -f'inari u. s. w.)''') für mich nichts Verlockendes: die Adjektiva wie ccnUiriOn-icns tiröfi-iriis sind viel zu jung, als dass man latrocitiari

ZvglS. 38, 44, wo auch sehr scharfHinnigo, aber recht komplizierte Vermutungen über plus pkorta u. s. w. vorgelegt werden. 75) IgF. XV Dff. 76) ZvglS. 39, 2G2ff. 77) Ebd. (lOlff. Ganz ähnlich Chask TrAPhA. :V1 S. LXIII.

Voll in ö Her, Rom. .J.ilir<'iiborlrht VH. J.

I 50 Lateinische Sprache. 1902— 1904.

mit Hilfe einer hypothetischen Metathese aus Denominativen der Form *lairöniC'(iri herleiten dürfte. Was mir für das Suffix -ciiiari, -cinium zunächst nötig scheint, ist der Versuch, über sein Verhältnis zu dem zweiten Kompositionsglied -cinari, 'Cininm Klarheit zu schaffen''^). Ich möchte nämlich glauben, dass beide sich nicht so glatt scheiden lassen, wie das Zimmermann will. Er setzt vaficinrujn, das ich meinerseits für doß Bindeglied beider Reihen halten möchte, einfach mit tubi- cinium tibicinium u. dgl. auf eine Stufe. Er übersieht also den sehr greifbaren Unterschied, dass hier das erste Kompositionsglie<l Instrument (oder, wenn man will, Objekt) des canere ist, dort dagegen Subjekt. Hierfür kann man nun freilich galliciniuyn vergleichen. Aber auch dieser Vergleich hinkt, denn so geläufig vatieiiiaH ist, wem ist es je eingefallen und konnte es je einfallen *gallicinari zu sagen? Man konnte dies aber offenbar darum nicht, weil die nominale Grundfonn *gallicen undenkbar ist. Bei raticinari umgekehrt muss einst die Grund- form *vati.cen existiert haben. Dann folgt aber weiter, dass *vati- hier tatsächlich nicht von Anfang an Subjekt war; im Kompositum muss ja der determinierende Teil dem determinierten vorangehen. So sehe ich mich zu der Annahme gedrängt, dass rates seine Bedeutung gewechselt hat; es wird ursprünglich nicht den Sinn von ir. faith, sondern von kymr. givawd *carmen, poema encomiasticum', die beide lautlich mit ihm identisch sind, gehabt haben (meine keltische Weisheit stammt aus Fick- Stokes Vergleichds. Wörterb. II* 261). Der Mensch ist benannt nach dem was er äussert, und wenn der Nominativ zwischen -üs und -Ifs schwankt (wenigstens in dör Überlieferung, z. B. Plaut. Mil, 911), könnte es damit zusammenhängen, dass der Seher sowohl von den carminu wie vom Carmen benannt sein kann. Von hier aus erklärt sich das weitere unter der einfachen Voraussetzung, dass das zweite Kompositions- glied farblos wurde, nur noch als Mittel zur Denominativierung erschien wie etwa -ficus -ficare -fieiuni'^^) oder griech. codrjg u.s.w. Dem rati- cinari können dann nämlich, bevor der Bedeutungswandel von vatis vaies eintrat, sermocinari und ratiocinnri nachgebildet sein, Uitrocinari lenocitiari patrocinnri aber, nachdem vates zur Personenbezeichnung geworden war. Dass Analogiebildungen stattgefunden haben, bezeugt patr-ö-rhior. Die einzige Frage, die noch offen bleibt^ ist die, welches Missverständnis des Vorbildes dazu verleiten konnte, vor -cinari die Nominative sermo latro u. s. w. einzuführen. Denn dass wirklich der Nominativ eingedrungen ist, scheint mir die Form aufs Deutlichste zu zeigen; die Versuche latrocinor auf *latron-cinor oder *latroni-cinor zurückzuführen, haben keine Wahrscheinlichkeit, obwohl sie bis in die jüngste Zeit fortgesetzt worden sind^^). Wir haben mit diesen letzten Betrachtungen schon das Gebiet der ZtiSammensetZUfig betreten. Für dies bleibt sehr wenig zu erwähnen. Herakuh verdanken wir eine vortreffliche Arbeit über die. Verteilung der Formen com- und con- vor vokalisch anlautendem zweiten Komposiiionsglied ^^). Stolz ^'*) hat dagegen

78) Die folgenden Darlegungen berühren sich zum Teil sehr nahe mit Fay CIR. XVIII (1904) 849, stehen in vielem freilich auf ganz anderem Standpunkt. 79) Ref. ACI8S. TI J, (Rom 1905), S. 194. 80) Siehe namentlich Brik^mann l^S(nV. 1901 S. 82. 81) ALLO. XTII r)l ff. 81a) Kbd. 99ff.

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mit einem Aufsatz über dis- unsere Kenntnis, wie mir scheinen will, nicht viel weiter gebracht, selbst wo neue und bessere Losungen der einzelnen Probleme recht nahe liegen. Zimmermann musste seine bereits im JBRPh. VI 1, 443 Anm. 107 erwähnte Deutung des zweiten Be- standteils von Nciepor Quintipor gegen Stolz ®^) verteidigen®^); sie hat diesem offenbar ebenso wenig eingeleuchtet wie mir. Ich schliesse hieran sogleich einige weitere Arbeiten von Zimmermann über die lügen - tjUMfietl^^), die ich der Vollständigkeit wegen registrieren möchte, ob- wohl sie nach dem Erscheinen von Schulze®^*) Werk kaum noch Be- lang haben.

d) Flexion. Die Nominalflexion hatte sich nur geringen Interesses zu erfreuen. Sturtevant* Contraction in the Case-Forms of the Latin io-Stems®^) habe ich nicht gesehen. Von Hodgman* Noun-Declension in Plautus*') gilt dasselbe, was oben'M von einer anderen Arbeit desselben Verfs. gesagt ist. Reichel* Aufsatz über die 5. Deklination ®'') hat mir keine Förderung gebracht; die Vermutung eines Zusammenhangs zwischen fades species einer-, fado specio, faciebam u. 6. w. andererseits war, jedenfalls in dieser Form, nur möglich, ehe ich die Flexion der lateinischen io- Verben und das Imperfektum aufgeklärt hatte (s. JBRPh. VI 1, 445f. und das Folgende). Einen Punkt der Pronominalflexion, die Genetivbildung von is hie und qui behandelt ExoN^®). Er hat, wie ich denke, wahrscheinlich gemacht, dass Plautus nur trochäische und pyrrhichische Messung dieser Formen (Exon schreibt je nachdem haiius eiius quoiius und koiiis eius quoins) kennte nicht aber einsilbige. Man muss jedenfalls zugeben, dass eine Notwendigkeit für letztere Messung nirgends existiert. Aber eine völlig befriedigende Lösung des Problems wird erst an dem Tage gegeben sein, an dem zu- gleich mit jenen Genetiven auch iJlius istius ihre morphologische Er- klärung finden. Reger war die Tätigkeit auf dem Gebiet der Verbal- flexion. Auch hier habe ich einiges nicht zu Gesicht bekommen. Bo zunächst Bayard** Schrift De gerundii et gerundivi vi antiquissima u. s. w.®*). Dass auch sie das schwere morphologische Rätsel nicht ge- löst hat, darf ich aus ihrem Reflex in Gustafsson^ Aufsatz De gerund iis et gerund i vis latinis®^) schliessen. Dieser letzUire geht auf das. for- melle Problem nur nebenbei ein und gibt hauptsächlich eine scharfsinnige und anregende Betrachtung des syntaktischen Verhältnisses zwischen Gerundium und Gerundivum; Fälle wie ad quaerendum honorem^ in denen quaerendum eigentlich Gerundium und Jionorem davon ab- hängiges Objekt sei, sollen dadurch dass man quaerrnduin als ein dem honorem beigeordnetes Adjektiv fassto, zum passivisch-modalen Gebrauciie von quaerendus geführt haben. So hübsch der Verf. seine These be- gründet, wir werden doch auch über diese Fragen erst mit Sicheriieit urteilen können, wenn uns das Verständnis für die Form des Gerundiums

82) IgF. XIII Ulf. 83) Ebd. XV 121f. 84) Zur Entstehung der altröm. Personennamen, Prgr. d. König-Wilhelra-Gym. in Breslau 1901/02; Perso nenn amen vom Stamme pop pup, KMPh. 57, 63()ff.; Per- sonennamen auf -«, 'onis, ALLG. XIII 225 ff, 475ff. 85) Diss. Chicago 1902. 86) CIR. 1902, 402 ff. 87) BB. 2(5, 267 ff. 88) IIa. XII 208 ff, 89) Thi^se von Lille oder Paris 1902. 90) Eranos V 81 ff.

4*

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und Gerundivums aufgegangen sein wird. Ebenfalls nur mittelbar kenne ich eine Schrift von Leopold Quid Postgatius de origine Latini infinitivi et participii futuri activi senserit^^). Leopold bekämpft hier den schon früher an dieser Stelle®*) erwähnten scharf- sinnigen Gedanken Postgates, dass der alte für alle Geschlechter und Numeri gleiche Infinitiv facturimi eine Verschmolzung aus einem Lokativ oder Dativ auf -tu und einem alten in der oskisch-umbrischen Weise ge- bildeten Infinitiv der Wurzel es-, nämlich esum, sei. In seiner Replik®*) hat Postgate treffend dargelegt, dass Leopolds Einwände grossenteils hinfällig sind und seine eigene Analyse viel von den Eigentümlich- keiten jenes alten starren Infinitivus Futuri ohne weiteres erklärt. Aber die Schwierigkeit, die ich selbst a. a. O. lange vor Leopold herausge- hoben hatte, bleibt auch jetzt noch unerledigt: „die hübsche Deutung, schrieb ich damals^ würde besser überzeugen, wenn P. uns nun auch noch über die Möglichkeit und den Sinn einer Verbindung eines solchen Lokativ-Dativs mit esse belehrte." Sedebo amabo dürfen heute weniger als je für die Verbindung des Verbum substantivum mit dem Instrumental oder einem beliebigen anderen Kasus ausser dem Nominativ angeführt werden, seit ich die richtige Erklärung dieser Formen gegeben habe'^*) (vgl. das folgende). Im übrigen ist es ja auch zu einem gewissen Grade bedenklich, für das Latein ohne weiteres die Infinitivform auf -um zu postulieren, die wir bisher nur aus dem anderen Zweige des Italischen kennen. Denn den Spuren, die neuesten s Stowasser von ihr im Latein gefunden haben wilP*), wird schwerlich jemand trauen. Für das Verbum finitum habe ich in Reicheis Beiträgen zur Geschichte der indogermanischen Konjugation®*), soweit sie das Lateinische be- trefl[en, nichts förderndes gefunden; die Auffassung der lateinischen w- Konjugation (vgl. oben bei Anm. 87) ist auch hier noch nicht berichtigt. Aus HiRT^ Bemerkungen zum lateinischen Perfektum®^) scheint mir die vergleichende Tabelle reduplizierender und reduplikationsloser Präterita im Lateinischen und Germanischen erwähnenswert. Endlich sei vermerkt., dass ich in der Berichti»zeit meine bereits im JBRPh. VI 1, 445 ange- gebene Erklärung der Vorbalformen mit dem Charakter h (a)nah(im = amans *fam *ich war liebend', mnnho = omans "^fo *ich bin' oder *werde liebend') ausführlich begründet habe''^), w^onach sie hoffentlich recht bald als die einzig natürliche anerkannt werden wird. Indem ich für alle anderen Einzelheiten auf meine angeführte Veröffentlichung ver- weise, kann ich mir doch nicht versagen eins, was mir von besonderer Wichtigkeit und Beweiskraft scheint, hier nochmals darzulegen. Trifft meine Erklärung das richtige, so ist von den alternierendeji Formen andivbam und atidibam die erstere die ursprüngliche (= aitdieus "^fatff), die letztere dagegen Analogiebildung nach der Proportion amarem amfire, moueron monere: amabain^ inoiiebam = (uidirem andire: x. Dies findet seine schlagende Bestätigung darin, dass die Imperfekte der dritten Konjugation wie facieham rapiehain keine Nebenform Hui -fbam kennen: hier fehlt eben die für diese Neubildung nötige Grundlage: der Kon-

91) Specialen literarium inniigurale, Leovardiae (Bell) 1904. 92) JBRPh.

II 0.3 Anm. GG. 93) CIR. XVIII (19o|) 450 ff. 94) WS. 2;i, ,31.-) ff. 95) BB. 27, G.3ff. 96) IgF. XVII 27Sff.

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jmiktiv auf -irem^ der Infinitiv auf -wc. Die cntsprwhende Behandlung der Fonnen auf -assit -essit (curassit prokibessit = curans s^itj prO' hibens sit) habe ich inzwis^^hen in die Hände eines meiner Schüler gelegt. e) Etymologie und Leacilogie. Auch diesmal verfahre ich nach gewohnter Weise. Ich zähle die mir bekannt gewordenen Etymo- logien nach der alphabetischen Abfolge der Namen ihrer Väter auf. Was mir besonders einleuchtet, versehe ich, soweit ich es nicht in anderer Weise kennzeichne, mit einem Doppelstern. Die stärksten Zweifel hege ich betreffs der Etymologien, die ich ganz ohne Zusatz lasse, womit ich nicht etwa sagen will, dass ich alle die, bei denen ich einen indifferenten Zusatz mache, für wahrscheinlich oder auch nur für möglich halte. Aber ich betone auch diesmal wieder, dass gerade Etymologien gegenüber, namentlich wenn sie in solchen Horden auf den C'hroniqueur einstürmen, das Urteil leicht noch subjektiver ausfällt als bei fassbareren Gegen- ständen. So hat es sich ja sogar eine Etymologie, der ich den sonst sehr sparsam vergebenen Doppelstern zugeteilt hatte, gefallen lassen müssen, dass er ihr nachträglich von anderer Seite und wohl mit Recht aberkannt wurde (Brugmann» fortis JBRPh. V 1, 70 Anm. 91; vgl. Solmsen ZvglS. 37, 575, dessen Anknüpfung an gemeinslav. hitrxä *schneir mich freilich nicht überzeugt). Wider die alphabetische Reihenfolge stelle ich Merinoer voran, weil seine Etymologien®') sämtlich ein wichtiges Prinzip gemeinsam verkörpern sollen. Es ist das Prinzip, das am glänzendsten Schuchardt in der Festschrift für Mussafia ver- treten hat. Zur richtigen Etymologie gehört, dass man die Bedeutung des fraglichen Worts nicht bloss aus dem Lexikon kennt, sondern aus eigener lebendiger Anschauung. Und vielfach wird sich die Etymologie eines fraglichen Wortes finden lassen, wenn man aus der Wirklichkeit weiss, wie das betreffende Ding hergestellt wird, wie es aussieht u. s. w. Dies Prinzip hat Meringer in sehr anregender Weise, nur freilich, wie mir scheinen will, gerade auf lateinischem Boden nicht immer sehr glücklich vertreten. Hier eben vermisse ich bei M. vielfach die Vertrautheit mit den sachlichen Möglichkeiten, die in Rom bestanden; sie wird durch Analogien aus beliebigen anderen Gegenden des indogermanischen Sprach- bezirks nicht ersetzt, testis haben V. Henry und ich unter allgemeiner Zustimmung als den ^Dritten' erklärt®^) d. h. als den, der zu den beiden Parteien hinzukommt und so Zeuge wird dessen, was zwischen ihnen vorgeht; Meringer sagt es mehr zu, darin den 'Drittsteher' zu sehen (vgl. JBRPh. VI 1, 449 Anm. 180) und darunter denjenigen zu ver- stehen, der den Händedruck zweier kontrahierenden Parteien * durch- schlägt'. Aber einen Versuch, diesen Gebrauch für Rom nachzuweisen, hält er offenbar für gänzlich überflüssig, würde sich freilich auch dabei sofort haben überzeugen müssen, dass solche Auffassung des römischen tcstis ganz undenkbar ist. Lat. leg- (Irx), von legere 'zusammenlesen' 'sammeln', soll den Begriff des 'zusannnen' enthalten und zuerst vom Vertrage der zwei irgend einen Handel Abmachenden gesagt sein, wo- möglich gar auf den Handschlag, das Binden der Hände gehen. Mir will scheinen, dass das zur wirklichen Bedeutung von lex sehr übel

97) IgF. XVI 184 ff., XVII lOOff. 98) JBRPh. V 1, 71.

I 54 Lateinische vSprache. 1902—1904.

stimmt. Mich hat cIhh Sachliche auf einen ganz anderen Einfall gebracht, den man diesem Zusanmienhang zu Gute halten mag: lex ist xax* iioxi]v *die Lektüre', klas Gelesene*. Wer an die Wichtigkeit öffent- licher Aushängung oder Aufstellung der Gesetze im alten Griechenland und Rom denkt., dem wird klar, wie dieser LesestoÄ sich vor allen anderen aufdrangen musstc; der gemeine Mann wird in Gortyn in alter Zeit schwerlich viel andere Lektüre gehabt haben als sein Zwölftiifel- gesetz. Wird es in Rom viel anders gewesen sein? So könnte ich meine Polemik gegen Meringer noch in vielen Einzelheiten weiterspinnen, ganz zu geschweigen von dem, was sich inzwischen von selbst erledigt hat wie die Gleichung 'AjiöXkcov = inqnilinus (!) durch Wilamowitz glänzenden Aufsatz (IL 38, 5 7 5 ff.). Aber ich möchte lieber dem Prinzipc nochmals meine Anerkennung aussprechen: die Sachen kennen, natürlich ola TjVy nicht ola hv yEvoirOj ist Vorbedingung für die sprachliche Deutung. Und nun zurück zum Anfang des Alphabets: Ascoli'*) (ridere: ai. rrnl Verlegen werden', *sich schämen', idg. rmrf 'verlegen, verschämt lächeln'); Br^al^®®) {comminvs ricissim saeer, das letzte aus dem Etmskischen!); Bruomann *®^) {cedo aus ('e-xdo zur W. sed- *gehen' in gr. 6d6g^ ksl. chod'i> *iiicessus'; arcesso inccsso aus *ar- faccsso * i?i-faeesso^ wo ich wenigstens im Negativen zustimme : Thurn- EYSKN^ Vermutung im Thesaurus s. v., arcesso könne = *arvocesso sein (vgl. Anm. 141), ist ausgeschlossen, denn von vfxnre liönnte höchstens *vocasso gebildet werden;^®*) igitur soll zu griech. ixtag *nahe' gehören: mir scheint lautlich und semasiologisch die alte Herleitung aus enklitischem mjitur weitaus im Vorteil, die man gegen Brugmanns Bedenken un- schwerverteidigen kann; tueor: ao(p6g; opimus j^dtrnmis nus *opfmnus *patriffmus m720-Partizipien von *optre patrire, cf. patrftns; ^^*) hu- maniis von Vioimo- 'Diesseits' zu Ä/e; endlich sei wenigstens hier der umfassenden und höchst anregenden Untt^rsuchung Brugmann^ über die indogermanischen Demonstrativpronomina^^*) gedacht, die natürlich auch für das Lateinische ihren Ertrag abwirft); Bücheler ^®''*) {orlopecfa, Pferdename auf einer afrikan. Devotion, bei Petron als Tiername herzu- stellen, etwa d(p^akjLt07iiJHTrjg 'ydleEmwendunoren von Vexdryes*®*") scheinen mir nicht genügend durchdacht); Cjardi-Duprez ^®*') {^pj'onmlgare Ver- schmelzung von promere und (di)vi(lgare^\ Döhrinc} ^®') {^v index index}; FxY^^^) (^r est ihulum, Veioris, vada vado, rernens elemeffs, Quin(c)tus, culpa cnlter (aus sculptro-, schon darum nicht möglich weil scidpo junge Form für scalpo HCi>'EX P, 5G, 3SS), populus popitlari;^^^) nach einer Reihe von Worten, die Entstehung von g aus j im Anlaut be- weisen sollen, perieratj aemulnn\ imifari, ira: aerunma: av. aesma *Wut', Carmen oportet aperit parnt;^^^) cesna = osk.-unibr. kersnu zu Ceres}; Hkmvl^^^) {tnaniis = ai. manu 'Mensch'); Holthauhen*^*) (.S77/r 'ohne'); Kretschmer^^^) {orbis aus ori-dhis zu öra 'Rtmd' ent-

99) IgF. XIII 278. inO)MSLP.XII243f. 101) IgF. XIII 84 ff. 102) Ebd. XVI 401 ff. 103)Ehd. XVII KMiff. 104)AbhphhKlhiGW. XXII Nr. 0 105)RMPh. 58, r)24ff. 105a) MSLP. XIII 231 f. 106) BB. XXVII lSr)ff. 107) ALL(;. XIV lH()ff. 108) AJPh. XXIV Ü2ff. 109) P:bd. XXV IGlJff. 110) ALLG. XTTI 13()f. 111) AJPh. XXII 420 ff. 11'2) IirF XIV 341. 113) ZvglS. 38, 12.sff.

F. Skiitsch. I 55

öprc(!hend meiner Erklärung von ffiorhn^ aus *iuori'dlms ^sterben machend'; orhita Kompositum aus orbis und dem Partizip itd 'begangen' wie griech. ä/ia^-nog aus äfia^a und h6g, letzteres recht einleuchtend; Mavors aus *m(U)cs = ved. mnkds und vorto *der mit Macht wendende'; es folgen Bemerkungen über Mars, das durch eine in Eigennamen häufige „innere Kürzung" [Kurt = Kuoiirät) aus Mavors hervorgegangen sei; demgegenüber s. olx»n 8. 44 Anm. 52); Lindsay^'*) (versucht das von mir als Urform von purum erwiesene parvom in der Wendung par- mm fidem esse, habere alicui bei Plautus nachzuweisen; leider ist es nur Bacch. 570 in T überliefert, sonst immer das normale parram oder das unmetrische panim}; MEiLLi^rr^^'*) (bespricht den Gegensatz zwischen der Assimilation von An- und Inlaut bei barba aus *farba und zwischen <ler Nichtassimilation in faber fiber; b habe in den letzteren Worten weniger Kraft gehabt als bei der postkonsonantischen Sttdlung in *farba); MoMMHEN^'*) {^maiinpium kurze Angal)e der Bedeutungsentwicklung auf Gnind der klaren Etymologie; dagegen ist was über ras und über praes aus praeves (zu praen'derel) gesagt wird, verfehlt und bereits von Lenel*^"') berichtigt: praeves ist natürlich Kompositum aus prae und va^si in der Präposition von praediu?n, der Ableitung von jrraes, kommt nach Lenel zum Ausdruck, dass es sich um ein Vorzugspfand handelt): Nazari^^*) (lateo, raremus, fragian aus ^frayrum zu fra- grare^; Niedermann ^^®) (litu-slavische Parallelen zu cornU'S corulus ebulum faenum ruscus: ebrius; Verteidigung der Gleichung 7Ww/2/s = gr. fjLvx^d?'^ Formen auf bundus\ Verteidigung und Erklärung einiger Worte aus den Glossaren:**®) furra Rückbildung aus furculay dieses zu lit. i irkles SSchere* : ebenso marcus *Hammer' zurückgebildet aus marcu- lus = *maltlos, dieses zu ksl. mlaH *Hammer'; sorbum Fruchtname älter als sorbus Baumname, aus sordhom *das Rote' zu lett. särts *rot im Gesicht'; wichtig an diesem Abschnitt ist der Nachweis, dass das in den Grammatiken als einziges Beispiel für den W^andel von rdu:rb funktionierende derbiosus überhaupt nicht existiert hat); Pokrowsky^**) {hirtus hirsutus; (^nxia Uuxia von Neutron *cingos *ungos: aditi- alis von ^aditiumojexitiumx rindicta von rindicit der 12 Tafeln; furtum von einem Verbum *furiOy Denominativ zu ftir\ rolncer feile- bris von Nebenformen der Verben volare fellnre nach der 3. Konju- gation; singultus: singuhis ■=■ tumiiltus: tumulus, letzteres jedenfalls mit ttnneo zusammenhängend ;^^^) vitvperare soll von *vftum kommen, das mit i'itium verwandt sei - wenigstens als gesunde Reaktion gegen allerlei unglaubliche Versuche der letzten Jahre zu begrüssen, nur liegt die Sache noch einfacher: ritium selber steckt in vituperare; der -io- Stamm ist behandelt wie in niedituUinm: medius u. dgl., das i vor Labial u geschrieben, was mir lautgeschichtlich intc^ressant scheint. Dass meine Deutung das richtige trifft, bew<^ist mir der Vergleich mit vltiare: man sagt in alter Zeit gleichmässig vituperare alicui omen Plaut. Cas. 411 und viiiare alicui auspicia, ein Verhältnis, das sich mit dem von

114) ALLgTxIII 133 f. 115) MSLP. XIII 215. 116) Z8RGR. XXIII 438. 117) Ebd. XXIV 414. 118) RFl. XXXII (1904) 101 ff. 119) Mdlangcs linguistiques offerts ä M. Ant. Moillet, Paria 1902 (Klinck«ieck) S. 97ff. 120) IgF. XV 104ff. 121) ZvglS. 38, 281 ff. 122) ZvglS. 38, 434f.

I 56 Lateinische Sprache. lOrrJ— 1904.

aeqtriparare und aequare deckt; auch die Bedeutuugöentwicklung wird sowohl ohne weiteres klar); Prellwitz '^^) {humaiws;^^^) cons^iderare 'mit den Sternen in Einklang bringen', 'seine Arbeiten gehörig einrichten', desiderare zunächst „von den Pflanzen, die gunstige Witterung von den Sternen verlangen", woran sich eine Betrachtung der von Uhdolph, Dissert. Breslau 1868, sog. „figurierten Verben" (verbalen Komposita aus Präposition und Nomen) schliesst); Regnaud ^''^^) {cinis finis;^^^) Proben eines etymol. Wörterbuches: Wörter mit dem Anlaut g); Roz- WADOwsKi^^') {robuj' osk. vereiiai); Scheftelow^itz ^^^) (interessante Zusammenstellung der verschiedenen Bezeichnungen dos Schädels in den idg. Sprachen); Schix>ssmann'^^) (Versuch einer Bedeutungsentwicklung für die Reihe stips stiptila stijnilari}; W. Schulze ^^) (neben manchen andern gelegentlichen Bemerkungen: S. 111 proprius aus *prop(a)trms zu jiQOJidxoQeg sehr verlockend für jedermann, der da weiss, wie häufig gerade der Begriff dauernden Eigentums in j!?ro/>7^*WÄ liegt) ; Skutsch^^®) {(wcipetrina bei Plautus Feminin zu aceipiter; die Adjektiva auf -farius wie bifanus erst im 2. Jahrh. n. Chr. aus den alten Adverbien auf fariani herausgebildet); Solmsen^^^) {faherna für Hraberna zu trabs osk. triibom u. s. w.); Sommer ^^^) (der Dativ me = nd soll aus den Auguralformeln bei Varro VII 8 herausgelesen werden, was mir ein recht kühnes Unterfangen scheint; quartus = q^tiirtos (sie); funus; soluH = sc vcs-los *für sich weilend'); Speyer ^^^) {veneman und Ver- wandtes); Stolz ^^*) (Jte.* gr. ydka; der Leser wundere sich nicht über den Doppelstern bei dieser ihm natürlich altbekannten Gleichung: sie war bezweifelt und Stolz hat sie verteidigt es gab nämlich Leute, die nicht glauben wollten, dass lac ein anlautendes g verloren habe, während gloria glos u. s. w. das ihrige bewahren. Dass übrigens Stolz irgend etwas Erhebliches zur Erklämng der Differenz beigebracht hätte, will ich nicht behaupten; es mag sich wohl um Einflüsse des voraus- gehenden Auslauts (hoc glac u. dgl.) handeln;*'^) pusti^ pullus sehr ausführlich ;^^^) arcifinius, (rapultty o/>/w<?wtms\sß desgleichen ;^^'^) öuntto oportet sollen wie gr. 6cphaxdv(o dxikXco digvvo) eine Präposition ö enthalten ; ^^*^j Abon'gincs = ab origine; actutum ähnlich wie Zimmer- mann^*'), nur soll das zu Gninde liegende Nomen actus von wxxx; konunen!; tolutivi: tollo aus tolro}; Stowasser ^^^) («//o, extra, Ad- verbien auf -/;;/; alias}; Tiiurneysen'***) (pluma zu W. pleus- plus- ^rupfen', die auch im Kelt. Germ. Lit. Vertreter, zum Teil ähnlicher Be- deutung, hat; trux identiscli mit mir. tru *dem Tode verfallen', daher 'dem Äussersten trotzig ins Auge sehend', trncfdare aus tmci-ctdare nlem Tode schon Verfallene abschlachten'; rens ist rums res agitier C'ic. de or. II 183 Fest. p. 273, idso ursprünglich Genetiv von res =z ai. ragd/j, reas est 'er gehört zum Prozess' an die Zugehörigkeit zu

123) BB. 2S, ;U8f. 124) I'n.ag. Abhandlungen zur Indogcrm. Sprach- geschichte A. Fick gewidmet, Göttingon 1903, S. (i.Jff. 125) RL. 3() (11)03), 09. 126) Ebd. 37 (19U4), Ijoff. 127) Eos Vin99ff. (mir nicht zngänglich). 128) BB. 28, 143ff. 129) RMPh. 59, 3U)ff. 180) IgF. XIV -ISjff. 131) ZvglS. 38, 4.jÜff. l:i2) IgF. XIV 2:J3ff. 133) Museum X 04 ff. (mir nicht zugängHch). 134) IgF. XIV 2()ff. 135) IgF. XV 53 ff. 136) Ebd. X VIT. S.-)ff. 137) BB.28, 813 ff. 138) WS. 20, 318ff. 139 ZOG. 1903, 1 f f . 2ol ff. 140) IgF. XIV 127 ff,

F. Skutsch. I 57

res habe ich ininiür geglaubt; crelo zu altir. ce( 'Erlaubnis, Einwilligung* gegen Zimmer ZvglS. 33, 153 und gegen Brugmann« „kühne Zerlegung" oben Anni. 101;^*^) Verteidigung seiner Etymologien im Thesaurus gegen Bri^al JS. 1901, 337 ff., durchaus zutreffend im Negativen, während ich über das positive hier und da anders denke, z. B. durchaus nicht zugeben kann, dass die von Brugmann vertretene Gleichung an = gr. äv == got. an auch nur eine Gebrauchsweise von lat. a7i erklärt, die meine, an = atne, auch nur eine Gebrauchsweise unerklärt lässt (vgl. JbbPh. Supplem. XXVII 96 ff.)); Uhlenbeck*") {cedo zu ksl. ^eznati 'schwinden', vgl. Brugmann^®*) und Thurneysen^*®); das relativ Wahr- scheinlichste ist jedenfalls Thurneysens Ansicht); Vetter^**) ^fäs = *fäsl, aktiver Inßnitiv zu farr^ nefäs est *man darf nicht reden';***) ebenso soll darnnas esto = *damnäsf esto sein 'man soll zur Zahlung verhalten dürfen'; dem widerspricht ausser nicht wenigem anderen doch auch, dass man dann in beiden Fällen gleichmässig est oder esto er- warten müsste); Wiedemann ***) (behandelt beiläufig eine ganze Anzahl lateinischer Wörter, z. B. S. 40 pomuyn pono, 8. 62 funis u. a., alles recht unphilologisch (das „lat. aeget *verdriesst'" 8. 49 ist dem Thesaurus und mir unbekannt, sonderbar sind die Erwägungen über die Quantität von fcmur 8. 61); ausführlich wird 8. 74 ff. über fmis gesprochen, das gut von figere hergeleitet wird, aber diese Etymologie hat Bücheler schon vor 30 Jahren in den commentationes Mommsenianae 8. 235 ge- geben, vgl. neuerdings RMPh. 60, 319); Zimmermanns**^) (avai^s armlrus cärtis von den „Lallwörtern" für Grossmutter, Grossvater, Mutter avä amä resp. kaka\^^'^) aerumna eigentlich Last, Tragreff (Paul. F. 24) von *aerti7nen ^ehernes Gestell'; *aetutum Neutrum von *aeti(tns, Bildung me statutus versutus: mein Doppelstern gilt auch in diesem Falle nicht der Originalität der Etymologie, sondern der Anerkennung dessen, was längst von anderen als selbstverständlich er- kläi-t worden ist, vgl. JBRPh. VI 1, 448 Anm. 168 u. 169;»*«) vüla: autumare von autem wäre nicht ohne einen gewissen 8chein, wenn sich autumare von aestumare trennen Hesse; Endung -os^er;^**) albariis ; ^^^) Marors, vgl. dagegen oben Anm. 52 und 113); Zubaty»^^) {absque nsque}.

C) Syntax. 1903—1904 von J. H. 8chmalz folgt mit 1905 zu- sammen im nächsten Band, rj) Metrik siehe unter 2.

2. Die einzelneil Phasen des Lateins in der historischen Zelt, a) Altlatein 1902—1904. Sprachdenkmäler. Die Flut von Literatur, über die das vorige Mal aus Anlass der Forumsinschrift zu verzeichnen war, hat abgc^ebbt, und was vereinzelt nachkommt, wird für eigene Chroniken^) künftig kaum mehr Stoff bieten. Für diesmal habe ich jedenfalls nur wenig zu verzeichnen. Zunächst Kretsciimer^'^)

141) ALLG. XIII Iff. 142) ZvglS. 3Ü, 258 ff. 143) WS. 24, 531 ff. 144) Prgr. Gy. VVien-Hernals, Wien 11)03. 145) BB. 28, Iff. 146) ZvglS. 38, .502 f. 147) Ebd. 39, ()()4ff. 148) IgF. XV 123 ff. 149) ALl^G XIII 252 gegen Meyer-Lübke ebd. 50. 150) llMPh. 5.S, 31()f. 151) LFi. 1903, 81 (mir nicht zugänglich).

1) Tropea RSASA. VII 425 ff. VIII .529 ff. Vgl. etwa noch Platter TrAPhA. 32, XlVff. :i) WS. 20 (1904), 1.58f.

I 58 Lateinische Sprache. 1902—1904.

Vermutung, <la88 die Worte iorestod j vcM Z. 12/13 ioie^ytod drel(l)ody iusto hello bleuten. Einwände liegen auf der Hand. In den beiden Fällen, wo man bisher schon Doppelgeltung eines einfachen Zeichens an der Wortgrenze vermutet hat, ist es am Anfang des zweiten Wortes ge- schrieben (ite\ ri; knpia] dotajz zur Bedeutung des Ganzen, soweit man von ihr reden darf (vgl. JBRPh. VI 1, 457), scheint bellum recht schlecht zu passen. Das Wort iouxmenta ist neuerdings von Bücheler*) trefflich behandelt worden," der es wie Ref. u. A. für die Urform von iumenta hält und nun auch offimentnm rjXoq CGIL. II 188 und 527 entsprechend aus offig-s-mentum, detramen Pelag. 199 aus detrax- ffien (:traho) erklärt. Von den anderen ältesten Inschriften ist die Dvenosin Schrift Gegenstand eines besonderen Paragraphen in Merin(5ER* oben S. 53 charakterisiertem Aufsatz * Wörter und Sachen'*) geworden. Ich habe freilich auch hier das Gefühl, dass man es mehr mit Hypo- thesen, als mit „Sachen" zu tun hat, gerade wie bei Meringers Behandlung der Ma niosin schrif t*). Grienberger^ Lesung und Deutung der Buchstabengruppe iovesat deivos = iurat deos auf der Dvenos- in Schrift**) glaube ich trotz Meringer" Widerspruch noch für wahr- scheinlich halten zu dürfen''). Auch das Arvallied hat wieder einige Interpreten angelockt, deren Scharfsinn man lieber auf einem frucht- bareren Felde begegnen würde *^). Originell ist Goidanich' Versuch®) der bekannten Bronze vom Fuciner See beizukommen; er liest Qiso Cantovios apni(m) FclnnofmJ (etwa Eclanom) ceipfed) npur ßnem Esalieom e7i urbid Casontonia sodeque donom atolere A(n)c(i)tia pro l[ecio]7iilyus Mm'tses und versteht unter dem Eber ein Feldzeichen der Aeculaner, das Cantovios erobert (cepit) und seine Kampfgenossen geweiht hätten. Ich erkenne gern an, dass diese Interpretation die erste ist, die dem ganzen einen greifbaren Sinn gibt, bleibe aber trotzdem im einzelnen sehr skeptisch. Dagegen stimme ich im ganzen mit dem Verf. darin überein, dass die Inschrift lateinisch ist, nicht marsisch oder mar- sisch-lateinisch, und etwa aus der Zeit um 300 v. Chr. stammt. Eine Reihe der älteren Inschriften hat Bormann ^'^) erörtert (lex repet. CIL. I 198, lex Anton, de Term. CIL. I 204). Weit gewinnreicher als diese Interpretationen und Interpretationsversuche waren ein paar neue Funde, die freilich an Alter hinter der Forumsinschrift weit zurückstehen. In Norba im Volskergebirge sind folgende zwei Inschriften zu Tage ge- kommen, die etwa dem dritten Viertel des 3. Jahrhunderts angehören mögen : P. Hutilins M, f. Junonei Loucina dedit mei^etod Diovos castiid und Jiinone Lovina dono pro C. Rutilio I\ f, ^^). Die erstere hat eine bekannte Streitfrage glatt entschieden: in der Inschrift CIL. I 813 Junone Loticinai IHovis caMud facitud ist der Genetiv Dwvuh nicht, wie Mommsen meinte, zum vorausgehenden zu ziehen (Junoni

3) RMPh.60(190r)!), 317ff. 4) IgF. XVI 104 ff. 5) Ebd. 102ff. 6) Ebd. 27 ff., vgl. JBRPh. VI 1, 458 Anm. 231. 7) Zur Dvenosinschrift vgl. noch Vetter oben S. 57 Anm. 144 (pncare soll 2. Sing. Konjunktiv Med. .sein).

8) GoiDANiCH SlFCl. X (1902) 270ff. Stowasser WS. 25 (1903), 78ff.

9) A. a. O. 8. 237 ff. 10) Beiträge zur alten Geschichte. Festschrift zu O. Hirschfolds 60. Geburtstage, Berlin 1003, 431 ff. 11) NSc. 1903, 255 mit Abbildung.

F. Skutsch. I 59

Joris sc. coniffgijy sondern zu castud, Für die handsehriftlich erhaltenen Überreste sei folgende« erwähnt. Das Salierlied hat Hkmpl*^) zu erklären versucht, worüber ich weiter kein Wort zu ver- lieren brauche. Die 12 Tafeln haben es sich gefallen lassen müssen, als Produkt des Sex. Aelius Paetus Catus erwiesen zu werden *^) und zwar, was mich am meisten verwundert, auch auf Grund der Sprache, die doch, wenn man von den natürlich der Modernisierung ausgesetzten Lauten und Endungen absieht, in Wortschatz, Syntax u. dgl. die deutlichsten Kennzeichen hohen Alters trägt (über stilistische Eigentümlichkeiten der 12 Tafeln, die Lamberts Verwunderung erregt haben, vgl. JBRPh.

V 1, 57). Die Echtheit ist gegen Lambert von Girard wirksam ver- teidigt worden^*). Eine ganze Anzahl neuer Ausgaben ist für die alten Dichter zu verzeichnen. Von der grundlegenden Teub Herausgabe des Plautus ist der Epidicus in zweiter Auflage erschienen^'), ebenso das zweite Bändchen der bequemen kleinen Textausgabe des gleichen Ver- lages ^^ das bei dieser Gelegenheit im kritischen Apparat manche Ver- vollständigung, im Text manche Verbesserung erfahren hat. Die scriptorum classicorum bibliotheca Oxoniensis, die englische Konkurrenz der biblio- theca Teubneriana, hat ihren Plautustext den geübten Händen Lindsay* anvertraut^'); der Hauptfortschritt besteht hier in der Ausnutzung der von Lindsa]^ gefundenen Kollation des codex Turnebianus (vgl. JBRPh.

V 1, 71 Anm. 101), im übrigen scheinen mir die textlichen und pro- sodisch-metrischen Neuerungen nicht durchaus Treffer zu sein. Von Literatur zu Plautus ist nicht viel erhebliches 'Neues zu nennen. Dem jetzt ein Dezennium alten Versuche Leo**, die Textgeschichte des Plautus zu schreiben, hat Lindsay einen ganz anders gearteten entgegengesetzt*®). Aber ob ich gleich in vielem anderer Meinung bin als Leo und z. B. für die angebliche Rezension des Probus jeden genügenden Anhalt ver- misse, so zweifle doch auch ich nicht, dass das Urexemplar, auf das unsere beiden Handschriftenklassen zurückführen, von Plautus erheblich absteht und dass Lindsays Versuch, die Ijcsuugen dieses Archetypus womöglich durch die Bank als plautin isch zu erweisen, ebenso prim&ipiell verfehlt ist, wie er im einzelnen zu bedenklichen Konsequenzen führt. Für Ennius und Lucilius haben wir in der Berichtszeit durch Vahlen und Marx die fortan massgebenden Editionen erhalten. Vahlen-^ Neu- bearbeitung seiner Ennianae poesis reliquiae*®) lässt nunmehr in einem Gesamtbild alles überschauen, was Vahlen in zahlreichen wert- vollen Einzelbeiträgen seit dem Erscheinen seiner ersten Ausgabe für Ennius geleistet hat, und hat natürlich zugleich auch all die neueren Editionen von Quellen der ennianischon Fragmente ausgeschöpft. Die Prolegomena geben einen Überblick über diese Quellen und versuchen in grösserer oder geringerer Ausführlichkeit die Rekonstruktion der Dichtungen des Ennius. Vielleicht hätte hier und da den Vermutungen

12) TrAPhA. 31, 182 ff. 13) Lambert NRHD. 1902, 149 ff. 14) Ebd. S. 381ff. 15) Plauti Epidicus itenimrec. G. Götz, I^ipzig 1902. 16) Plauti comoediae rec. Götz et Scholl. Fase. II (Bacch. Capt. Gas.) Editio altera eroendatior, Leipzig 1904. 17) Plauti comoediae reo. Lindsay. Tom. I Amph.-Merc. Tom. II Mil.-Vid. Frapm. Oxford, Clarendon Press, o. J. 18) The Ancient Editions of Plautus. Oxford (Parker) 1904. 19) I^ipzig 1903.

I f}0 Lateinische Sprache. 1002— 1<»04.

anderer über Kritik, Inhalt, Prosoilie und Metrik der Fnij>:niento etwas mehr Rechnung getragen werden können. So ganz ist L. Müllers im allgemeinen an Wert weit hinter Vahlen zurückstehende Ausgabe nun doch nicht antiquiert, in der u. a. mit Recht die Unechtheit von Ann. 573, den Vahlen nicht einmal verdächtig zu finden scheint, ausgesprochen ist (vgl. Sjögren, Zum Gebrauch des Futurums im Altlat.*®) S. 226f.) und in der z. B. für Buch XVI Bergks von Vahlen ohne ausreichenden Grund angezweifelte Entdeckungen verwertet sind. Vgl. für diese und ähnliche Dinge die Besprechung von Marx*^) und des Referenten Artikel Ennius in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie ^*). Marx' Lucilius*^) ersetzt die früheren Ausgaben vollkommen und erfüllt die Erwartungen, mit denen man ihm allein schon auf Grund von Marx' glänzender Erstlingsarbeit entgegensehen durfte. Ich will auch hier keineswegs sagen, dass ich im Kritischen, im Sachlichen und besonders im Prosodischen immer genau derselben Meinung wäre wie der Heraus- geber, aber dergleichen kleine Differenzen besagen nichts gegenüber einer so aus dem Vollen geschöpften und so durchdachten I^eistung. Der Kommentar brauchte die hier besonders kümmerliche Arbeit L. Müllers nicht zur Folie, um durch seinen doch immer nur auf die Sache ge- richteten Reichtum zu erfreuen. Für Terenz hat wie für Plautus die Clarendon Press einen neuen Text geliefert; leider hat sich der sonst verdiente Herausgeber auf diesem Gebiet als völliger Dilettant erwiesen**). Die Neubearbeitung des Dziatzkoschen Kommentars zu den Adelphen hat Kauer mit grossem^ Eifer durchgeführt**). Ausserdem mag die Faksimilicrung des Ambrosianus nebst Proben der anderen Bilderhand- schriften erwähnt sein*'). Von wichtigen Quellen für die Reste des Altlateins sind in der Berichtszeit Gellius und Nonius neu heraus- gegeben worden. Von ersterem hat Hosius einen mehrfach verbesserten Text mit geschickt komprimiertem apparatus criticus geliefert^') und in der inhaltreichen Vorrede unser Wissen von den Quellen des Gellius übersichtlich zusammengestellt^®). Lindsay** Nonius*^) verwertet ein um- fassendes handschriftliches Material (üb(»r eine wichtige Einzelfrage vgl. JBRPh. IV 1, 79 Anm. 51) und ist in der Textgestaltung mit Recht weit vorsichtiger gewiesen als seine nächsten Vorgänger.

JKetrik. An eigentlich metrischen Schriften habe ich nur ein paar Einzeluntersuchungen über das, was man plautini.^^che Prosodie zu nennen pflegt, anzuführen. Ich selbst habe die Frage nach der Synizese, die ich vor Jahren angeschnitten hatte, nun in ihre letzten Konsequenzen hinein verfolgt^®) uml nachgewiesen, dnss für iambische Wortschlüsse {aureo, pridic u. s. w.) so wenig wie für iambisclie Worte und Wortan- fänge eine Nötigung an Synizese zu glauben vorliegt. Viehnehr erklären sich alle bisher so aufgefas.sU^n Fälle ebenso wie sämtliche EigentümHch-

20) SHVU. 1X5, Upsala 19nr, (!). 21) DLZ. 190:^ L>74vSf. 22) V 'JöSDff. 23) Liicili carminum reliquiae rec. F. Marx, 2 Bde. lA}\\mg 11)04/05. 24) Teronti comoediae rec. R. Y. Tyrrell. 25) I^^pzig 1903. 26) Terentius. (/odex Ambrosianus H. 77) inf. phototypice editus. Praefatus est E. Bethe. l^vdon (Sijthoff) 1903. 27) 1 Bde., I^ij)zig 1903. 28) Vgl. die Besprechung von Heraeis BPhWS. 1904, ll()3ff. 29) 3 Bde., Leipzig 1903 di)) Inja^ (vgl. oIkjd Ö. 7)1). Anni. 124) S. I08tf.

F. Hkiitsch. I Gl

keiten in der Proswlie anapästisoher Verse als Wirkunpren des Jamben- kürzungs^esetzes, von dem in diesen Berichten schon wiederholt die Rede war^^). Zu meiner Freude hcj^innen die Ausgaben mehr und mehr meinen Ansichtt»n Rwhnung zu tragen, und wenn Götz- Scholl in der Neuauflage ihres kleinen Plautus^*) 8. VII mir soviel einräumen zu sollen glauben, <lass sie m^o s^'w u. s. w. schreiben, nicht wie früher 7ne6 suö „ubi de brevi breviante aut non minus bene aut adeo melius cogitari potest", so sollten sie nicht daneben setzen: „in synizesi a Plauto prorsus abiudicanda Skutschius quaedam admisit prorsus improbabilia, ut nobis videtur". Man muss mir gar nichts oder alles konzedieren. Eine Grenze zwischen Jamben kürzung und Synizese, wie sie Götz-SchöU wollen, lasst sich ohne Willkürlichkeit nicht ziehen; sie haben sie gegen früher zu meinen Gunsten verschoben, aber die Unsicherheit der Demarkations- linie ist bei ihnen genau die gleiche geblieben. Und worauf stützt sich denn die Anklage der Improbabilitat? was darf denn hier improbabel heissen? Das ist eine einfache Provokation an das Gefühl, die ich zurückweisen muss, wahrend ich jeden sachlichen Einwand gern prüfen werde. Überhaupt vermisse ich noch immer in vielem, was über plautinische Prosodie geschrieben wird, die Fähigkeit grammatischen Gesichtspunkten gerecht zu werden; wer uns über plautinische Rilbenmessung belehren will, muss in der lateinischen Lautlehre firm sein. Sonst lauft er Gefahr die Argumente pro und contra so falsch einzuschätzen wie Hingst in seiner übrigens fleissigen und ach tungs werten Dissertation'*). Hingst untersucht den drittletzten Jambus in den jambisch-trochäischen Versen und glaubt zu finden, dass er regulär nur dann durch ein spondeisches Wort gebildet wird, wenn die schliessenden zwei Jamben aus einem Wort bestehen. Aber Kasus von tVfe und Lste sollen sich an jener Versstelle so häufig ohne jene Einschränkung finden, dass man dadurch gezwungen werde, für diese Worte Kürze der ersten Silbe anzunehmen. Ich glaube diese Anschauung durch meine Forschungen z. lat. Gmmm. u. Metr. I (JBRPh. II 50 f.) definitiv als unmöglich erwiesen zu haben, glaube es nach Hingsts Arbeit so bestimmt wie vorher. Ich will so kurz wie möglich sagen, wanmi. Hingst hat keinerlei Ansatz gemacht meine Argumente zu widerlegen. Er hält den Blick vielmehr immer nur auf die Einzelheit gerichtet, die sein Thema ausmacht. Nun findet er 36 Fälle von nie iste im drittletzten Jambus (S. 77 f.). Von diesen fallen 12 ohne weiteres fort, weil die betr. Verse, wie die angeblich regulären Fälle, auf ein 4- resp. ösilbiges Wort schliessen; zwei weitere scheidet Hingst selbst als korrumpiert aus. Rest 22. Davon nimmt er ohne weit<Tes selbst noch 12 als durch Proklise, Enklise u. dgl. entschuldigt an, so dass im ganzen 10 Fälle übrig bleiben. Hiervon sind aber sofort die 5 mit istuCy istinc, illic, wtaec zu streichen. Denn dass das spondeische Wort im drittletzten Fuss erlaubt ist, wenn es auf der 2. Silbe betont ist, hat Hingst selbst, freilich anscheinend ohne sich dessen ganz bewusst zu werden, konstatiert, indem er mit Rec^ht Fälle wie Rud. 1070 iiosfcr no8 non solet als durch die Enklise von nos d. h. durch die Endbe-

81) Siehe namentlich I 34 f.; IV 1, 9:if. 32) De spondeis et ana- paestis in antepacnultimo pedc versuum peneris duplicis lati- nnrnm, I^eipzig 1904.

I 62 Lateinische Sprache. 1902-1904.

toiiung von noster entschuldigt ansieht; dass aber im Latein istdc isthic illh betont worden ist, gehört doch wohl zu den sichersten Tatsachen der lateinischen Akzentlehre. Für die übrigen 5 Fälle (Amph. 134 illa illüm censet virum, Bacch. 1018 dudurn Uli dixi omnia u. s. w.) will ich nicht erst nach Einzelentschuldigungen suchen; das Entscheidende habe ich schon in den Forschungen gesagt: es war auch hier Endbe- tonung des Pronomens eingetreten. Was Hingst S. 80 hiergegen ein- zuwenden versucht, kann nur zeigen, dass es ihm an Blick für die Akzentfragen fehlt; dass ille t^ils auf der ersten, teils auf der zweiten Silbe betont war, ergibt sich ja aufs einfachste aus den romanischen Sprachen. Dazu hat jetzt eine treffliche Beobachtung Leo^^^) meine Ansätze, wie mir scheinen will, überraschend bestätigt: die von mir als endbetont (oder besser vielleicht: als nicht auf der ersten Silbe betont) angesetzten Formen {ilbhn ist um etc.) stehen allemal nach Vokal {illa illüm, dudum tili u. s. w.). Das kann kein Zufall sein: die erste Silbe von ille wird irgendwie in dem vorausgehenden Vokal aufgegangen sein, wie das schon eine ältere Generation manchmal vermutete, ich selbst aber an den Verbindungen de (i)lla, nt(m ijlla, e(m ijllum ge- zeigt zu haben meine ^*). Allein ich habe mich viel zu sehr auf Einzel- argumentation eingelassen. Das war gar nicht nötig. Wer das richtige Verständnis für die Fragen der plautinischen Prosodie hat, der weiss, wie ich vorhin schon andeutete, dass sie Fragen der Lautlehre sind; es muss in jedem einzelnen Falle mit Hilfe der Lautgesetze erklärt werden können und erklärt werden, warum Plautus eine Silbe so oder so misst. Wer also behauptet, dass für Plautus die erste Silbe von ille eine Kürze sein konnte, der hat das lautgeschichtlich zu begründen. Das ist nicht nur von Hingst versäumt, sondern einfach unmöglich ^^), und darum sollte endlich einmal das Phantom Ille in der plautinischen Prosodie zu spuken aufhören. Die Vertrautheit mit der Grammatik, die Hingst fehlt, besitzt in erfreulichem Maasse Jacobsohn, der einen Teil der bei Plautus überlieferten Hiate auf neuem Wege zu rechtfertigen unter- nommen hat^°). Er glaubt, dass die 4. Arsis des Senars, die 2. und C. des trochäischen Septenars antiquierte und sonst dem Versschlusse vor- behaltene Formen (z. B. siet), ferner syllaba anceps und endlich eben den Hiat zugelassen haben. Aber trotz der Vorzüge des Verfs. halte ich den Beweis für durchaus missglückt. Plautus hat etwa 14 000 bis 113 000 Senare und trochäische Septenare, darin stehen nach den Listen des Verfs. (S. 2 ff. 27 ff.) 50 Fälle jener drei angeblich erlaubten Hiatc zusammengenommen, im ganzen also ^/g Proz. Eine nur so belegte Er- scheinung wird ohnehin schwerlich jemand als ausreichend beglaubigt an- sehen. Man möge aber, um die Zahl richtig zu wüixligen, noch damit die Belege für einen anerkannt legitimen Hiat vergleichen, nämlich für den einen Diäresenhiat im jambischen Septenar. Die 200 Verse Asin. 545 745 enthalten 11 solche Hiate d. h. 5^/2 Proz. Hiate für diese eine Versstelle! Dabei habe ich Jacob sohns Beispiele hingenommen, wie er sie gibt; aber auch ausser denen, die er selbst als zweifelhaft be-

33) Der saturnische Vers GAphhKl. VIII5(190r)!) S. 28 Anm. 34) P. 59,49r)f. 35) Vgl. auch />'o«c(Anin. :J0) S. 120 ff. 36) Quacstionos Plaiitinae

F. Skutsch. I G3

zeichnet, ist soviel krankes und lahmes darunter, dass ^g noch eine viel zu hoch gegriffene Prozeiitzahl isL Endlich aber lasse ich eben durch einen meiner Schüler den Nachweis führen, dass die Überlieferung für die von Jacobsohn verteidigten Hiate absolut nichts beweist, wovon mehr in einem der nächsten Berichte.

Wie üblich, schliesse ich hier das nötigste über die Arbeiten an, die sich mit den rhythmischen (besser gesagt: metrischen) Schlüssen der Sätze und Kola in der Prosa befassen. Alles kann nicht aufge- zählt werden, da nachgerade jeder, auch der entlegenste lateinische Schrift- steller auf diese Dinge hin untersucht wird und die Ergebnisse teils sehr speziell sind, t^ils (bei der Beliebtheit des Stoffes für Dissertationen) sehr unerheblich und unoriginelP''). Aus der Flut -hebt sich hoch heraus ZiELiNSKis *Klau8elgesetz in Ciceros Reden, Grundzüge einer oratorischen Rhythmik*'®) sowohl durch die Energie der Arbeit wie durch die Wichtig- keit der Ergebnisse. Ich halte es für einen vortrefflichen Gedanken Zielinskis, dass alle einzelnen Klauselformen (vgl. JBRPh. Vi, 74) ein gemeinsames Schema haben, das er die „Intcgrationsklausel** nennt. Diese besteht aus einer „Basis" (oder „Anlauf"), die meist ein Kretikus, aber auch ein Daktylus, Molossus oder dgl. ist, und einer „Cadenz" (oder „Ablauf"), die mindestens ein Trochäus ist, aber sich in Halbfüssen be- liebig verlängern kann; die üblichsten Formen sind: 1. ' | w;

2. ^ I >^ ; 3. - ^ I -- ^; weit seltener schon 4.

I ^ u. s. f. Der Ge<ianke war ziemlich leicht zu fassen, nach- dem erst einmal der Kretikus auch für den Ditrochäus als legitimer Vor- reiter erkannt war (Form 3); aber auch Wolff, der diese Zusammen- setzung der Form 3 bereits als die normale ansah .(vgl. JBRPh. VI 1, 4G1), hat doch die wichtige Folgerung noch nicht gezogen. Ich habe ihre Richtigkeit immer wieder, bei Untersuchung der verschiedensten Autoren, bestätigt gefunden und muss darin Zielinski auch gegen Kroll'*) beitreten. Dass - und ^ w eine feste Einheit bildeten, zeigt am einfachsten die Entwicklung späterer Zeit: nicht den einfachen Ditrochäus führen die mittelalterlichen Kanzleien fort, sondern ihr cursus velox ixx,xxxx ist offenbar der Abkömmling von ■^ | ^- -^ (vgl. JBRPh. a. a. O.). In anderem freilich habe auch ich starke Be- denken gegen Zielinskis Arbeit. Nicht in den vielfach vortrefflichen einzelnen Folgerungen für die ciceronische Textkritik, von denen ich leider an dieser Stelle nicht reden kann. Wohl aber muss ich einerseits die Formelsprache bedauern, die Z. einzuführen für rätlich gehalten hat. Man kann sich hineingewöhnen gewiss, und es ist nicht einmal so sehr viel guter Wille dazu erforderlich. Aber zunächst macht sie auf jeden einen abstossenden Eindruck, so scharfsinnig und konsequent sie

metricae et grammaticae, Dias. Göttingen 1904. 37) ÜDzuläuglich z. B. C. Hofacker De clausulis C. Caecili Plini Secundi, Diss. Bonn 1903, ebenso A. Kirch HOFF De Apulei clausularum compositione et arte, JbbPhSuppl. XX VIII (1902) Iff. Besser über Apuleius neuerdings Schober De Apulei metamor- phoseon compositione nuraerosa, Diss. Halle 1904. Andere neuere Literatur ist zusammeogesteUt von Ed. de Jonge Les Clausules M^triques dans St. Cyprien, Löwen-Paris 1905 (!), S. off., freilich nicht vollständig; es fehlt z. B. R. Kauer Studien zu Pacianus, Jahresber. des k. k. Staatsgyin. im XIII. Bez., Wien 1902. 38) P.Suppl. IX .->91ff. 39) BPhWS. 190;-), ]mfl und 1900, 28(jf.

I 64 Hochlatein. 1904.

ausgedacht ist. Der erste Eindruck aber wird hier bei vielen entscheiden, denn man kann sich nicht verhehlen, dass die Philologen den Gesetzen der rhythmischen Prosa und gar ihrer Anwendung auf die Textkritik vielfach noch mit grossem Missbehagen gegenüberstehen. Zielinskis Algebra wird dieses Missbehagen unzweifelhaft wieder erheblich steigern. Dabei scheint mir ihr Nutzen auch für die Kenner und Verehrer der Klauselgesetze nicht einmal so besonders gross. Man soll sich, meine ich, hier vor einer allzu ausspintisierten Kasuistik hüten; je subtiler man die Gesetze zu gestalten sucht, um so schwieriger wird ihre An- wendung und um so fraglicher, ob wir wirklich noch die antiken Ge- danken denken oder uns schon in eigenmächtige Folgerungen hinein verlieren. Die einfachen Gnmdformen, wie sie bei Wolf f stehen, scheinen mir im ganzen auch heute noch ausreichend, um unsere Textkritik aufs heilsamste zu beeinflussen; das sind die necessaria, über die man Einig- keit erzielt sehen möchte. Weit weniger noch kann ich mich freilich mit Z.s Folgerungen für die Akzentlehre befreunden, obwohl Z. davon in überraschend hohen Tönen redet. Das Studium des Klauselgesetzes, sagt er S. 592, „liefert erst das nötige Material zur Begründung einer wissenschaftlichen lateinischen Akzentlehre, die . . . den sprachlichen Ge- bilden das Leben zurückgibt, dessen sie bislang beraubt gewesen sind". Ich habe aus den Ausführungen über diese Dinge S. 813 ff. nur wieder gelernt, dass auch die besten Philologen gmmmatica non curant. Wo in unserer Wissenschaft dürfte es wohl sonst möglich sein, dass ein hervor- ragender Gelehrter ein Fach schafft, das schon vorhanden ist, und zwar in weit vollkommenerer Gestalt? Ein zweizeiliges scheues Kompli- ment zu Anfang für die Plautusforschung, die „nachklassische" Akzent- lehre und die „Etymologie", und dann wird bloss aus den Klauseln eine Akzentlehre aufgebaut, deren sicherstes Ergebnis freilich ist, dass iudina auf der drittletzten Silbe betont war, während nach einigen weiteren Ver- mutungen der Rest „ein buntes Gewirr von Haupt- und Nebenakzent<Mi" ergibt (8. 824). Der Weg zu wirklich brauchbaren Ergebnissen konnte hier nur der sein, auf den ich Wolff geleitet habe: es niusste unter- sucht werden, ob der bei Plautus von Lindsay und mir erkannte Satzion in entsprechender Weise auch in den Klauseln zu finden ist; ist <las der Fall, so können die Klauseln mit Vorsicht zu weiteren Folgeningen über den Akzent verwendet werden. Vorläufig aber darf die Grammatik im Kapitel über den Akzent Zielin sk i ebenso ignorieren, wie er sie ignoriert hat. Breslau. F. Skutsch.

b)UochlateiD. 1904. An die Spitze des diesjährigen Berichtes darf mit Fug und Recht Th. Zielinskis bedeutendes Werk gesetzt werden, „Das Klauselgesetz in Ciceros Reden," Grundzüge einer oratorischen Rhythmik^). Z. stellt zum ersten Male das in den letzten Jahren so vielfach und so verschiedenartig behandelte Klausel- gesetz auf festen Boden, indem er alle Klauselfornuai auf die von ihm sog. Integration skia usel zurückführt, die er aus zwei Elementen bestehen lässt, aus einer kretischen Basis und einer zwei- oder mehrsilbigen trochäi-

1) I^ipzig 11)04. Separat- Abdruck aus P.Siippl. Band IX, 4. Hoft.

G. Landgraf. I 65

sehen Kadenz. Das ist ihm die ciceronianische Klausel; das Gesetz ihrer Einhaltung ist das Klauselgesetz bei Cicero. Im ersten (theoretischen) Teile der Schrift werden nup die einzelnen Hauptformen dieser Klausel besprochen unter Vorführung ihrer verschiedenen Typen. Der zweite Teil befasst sich mit der Anwendung der gefundenen Gesetze, besonders mit den Folgerungen für die Text- wie die höhere Kritik. Es ist kein Zweifel, dass durch Zielinskis grundlegende Bchrift die Frage nach dem Klauselgesetz zu einer brennenden geworden ist; die Achillesferse seiner Forschungen und Ergebnisse scheint mir das allzu komplizierte Zeichen- system zu sein, das er für die Klassifikation der Klauseln aufgestellt hat. Sodann seien hier ganz kurz zwei wichtige handschriftliche Funde zu Li vi US besprochen. Der eine stammt aus Ägypten und bedeutet einen wertvollen Zuwachs zu den wenigen grosseren lateinischen Papyri, deren Auffindung wir den unermüdlichen Papyrusforschern Grenfell und Hunt verdanken (IV. Bd. der Oxyrhynchus Papyri Nr. 668). Wir haben eine lateinische Livius-Epitome vor uns, die Auszüge aus den er- haltenen Büchern 37 40 und aus den verlorenen 48 55 enthält. Über das Verhältnis dieser Epitome zu den bereits vorhandenen Livius-Epi- tomatoren zu sprechen ist nicht Sache unseres Referates. Die Ausgabe KoRNEMANNS^) verdient in jeder Beziehung Lob, wenn auch der Text in manchen Einzelheiten noch verbesserungsbedürftig ist (S. 15 z. B. wird wohl retinuerat herzustellen sein nach Liv. 37, 51, 2, ib. Z. 16 ad mittendam se pensantem statt poscentem, vgl. S. 38). Den anderen glücklichen Liviusfund machte der Vorstand der Bamberger Bibliothek in dem Deckel einer aus dem 15. Jahrhundert stammenden Hs. theologischen Inhalts. Prof. Traube, dem die 19 losgelösten Streifen zur Begutachtung zugesandt worden waren, entdeckte darin die Überreste einer einst „herr- lichen" Liviushandschrift der vierten Dekade. Ausführlichen Bericht er- stattete Traube darüber im vierten Teile seiner ,paläographischen Forschungen*'); S. 6 14 bietet Tr. einen höchst instruktiven und interessanten Überblick über den Reichtum der Bamberger Bibliothek an Klassiker-Hs., S. 14 18 gibt er die Überlief erungsgesch ich te des Livius, speziell der vierten Dekade S. 18 26; darauf werden die Fragmente selbst behandelt Eine glänzende Leistung desselben Gelehrten ist ebenda S. 47 ff. der überzeugende Nachweis, dass das im Jahre 1884 von Cortese veröffentlichte Pergamentblatt, dessen Inhalt vom Heraus- geber dem Corn. Nepos zugeschrieben wurde, eine moderne Fälschung ist. Damit fallen alle die Vermutungen und Folgerungen in nichts zu- sammen, die man auf Grund dieses Schriftstückes über die Freundschaft des jungen Historikers Albinus mit Ennius geäussert hat (vgl. z. B. Schanz, Rom. Lit. Gesch. I* S. 66 und 123). Die Autorschaft des Nejios hatte übrigens sclion Bücheier*) gleich nach dem Bekanntwerden des Textes abgewiesen. Dem greisen Bonner Gelehrten verdankt man auch eine neue Ausgabe der Satiren des Petronius^). Den I^sern

2) Die neue Livius-Epitome aus Oxyrhynchus. Text und Unter- suchungen. Leipzig 1904 (Beiträge zur alten Geschichte, 2. Beiheft). Vgl. dazu O. Rossbach BPh WS. 1905 Sp. 225 ff. 3) AbhAkMünchenhKl. XXIV. Bd. 1. Abt. 4) RMPh. 1884 S. 023. 5) Petroni Saturae et über Pri- apeorum quartura edidit F. B. Berlin 1904.

Vollmoller, Rom. Jahroubcricht VIII.

I GG Si>ätlatdn. 1002-1904.

dieser Zeitschrift sei bei dieser Gelegenheit in Erinnerung gebracht, dass in dieser Ausgabe der Carmina Priapea auch die Reste der sprachlich sehr interessanten saturae Menippeae deg Polyhistors M. Terentius Varro enthalten sind sowie die sog. Apocolocyntosis Senecas auf Kaiser Claudius. An neuen Auflagen der rühmlich bekannten Haupt- Sauppeschen Sammlung von Textausgaben mit erklärenden Anmerkungen seien hier erwähnt: Die Nipper dey sehe Ausgabe von Taci tu s Annales I (B. 1 6) neubearbeitet von Andresen ®) und die Lad ewig sehe Vergil- ausgabe, sehr zu ihrem Vorteil umgearbeitet von Deuticke'), dem ver- dienstlichen Herausgeber der Jahresberichte über Vergil. Von neuen Auf- lagen der Teubnerschen Sammlung verdient Hervorhebung der KRÜGERsche Kommentar®) zu den Satiren und Episteln des Horaz, der durch die Hinzufügung eines kritisch-exegetischen Anhangs besonders wertvoll für die Lehrer geworden ist. Daran reihen wir die Aufzählung von zwei neuen Ausgaben römischer Dichter, die beide in Italien erschienen sind, nämlich T. Lucret i Cari de rerum natura lib. I erklärt von C Pascal*) mit Übersetzung schwieriger Stellen ins Italienische und die gediegene kritische Textausgabe der Argon autica des C. Valerius Flaccus von C. GiARRATANO ^^). Wir schliessen unseren diesmaligen Bericht mit dem Hinweis auf zwei treffliche sprachliche Monographien. In der einen behandelt L. S. Fighiera^^) in umfassender, musterhafter Weise die Sprache des Historikers Sallustius Crispus; die andere, welche Jos. Unoewitter^^) zum Verfasser hat, bietet einen wertvollen Beitrag zur Ge- schichte der silbernen Latinität, indem sie die Neubildungen des Vellcius Paterculus und Valerius Maximus vorführt.

Schweinfurt. Gustav Landgraf.

C) Spätlatein. 1902 1904.^) Von neuen Ausgaben mckjhte ich die folgenden erwähnen. Den Text des Historikers Granius